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Der Israelit · 1938-05-25 · Heft 21 (25.5.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 21 (25.5.1938)
Date
1938-05-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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fi«?8- Frankfurt a- M. Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains 25, Mai 1938 24. Ijar 5698 Nummer 21 Emigrationsprobleme und Emigrationspläne. Genf, 20. Mai. Im V Ö 1 k e r b u n d s r a t wurde der Bericht des Studienausschusses zur Frage der Emigranten angenommen. Es wurde beschlossen, eine einheitliche Organisati o n zu schaffen, die sich mit allen Emigrantenprpblemen beschäftigen soll. Der Generalsekretär des Völkerbundes, A v e n o 1, wurde vom Rat beauftragt, Beratungen mit dem Präsidenten des Nansenamtes und dem High Commissioner für Emigranten aus Deutschland, Sir Neill Malcolm, zu führen, die die Ausarbeitung eines detaillierten Planes für die Zusammenfassung der beiden Organisationen bezwecken. Es ist noch nicht entschieden, ob der Präsident des Nansenamtes oder , der gegenwärtige High Commissioner für das Flüchtlingswesen an die Spitze des geplanten kombinierten Amtes gestellt werden wird. Diese Frage wird wahrscheinlich in der Völkerbunds Versammlung im Herbst dieses Jahres entschieden werden. Der Völkerbundsrat hat weiter den Vorschlag der Ausdehnung der Kompetenz des High Cömmissiohers für Emigranten aus Deutschland auf Emigranten aus Oesterreich erwogen. Der Rat nahm den Bericht an und beauftragte Sir Neill Malcolm, in der nächsten Sitzung»der Völkerbundsversammlung einen Bericht über die Lage der Emigranten aus Oesterreich und über die Resultate seiner. Beratungen mit den interessierten Regierungen über diese Frage zu unterbreiten. Ueber ein Zusammenarbeiten des Völkerbundamtes mit der von Roosevelt vorgeschlagenen Institution liegen noch keine bestimmten Pläne vor. Wie in London verlautet, sollen in groben Umrissen bereits Projekte für die Umsiedlung von 100 000 Juden im Jahr entworfen worden sein. Man glaubt, erreichen zu können, daß in den Vereinigten Staaten 25.000 Juden, in den Ländern Südamerikas 50.000 und in Großbritannien und im britischen Imperium sowie in Europa 25.000 untergebracht werden. Das Geld für diese großzügige Aktion soll durch private Organisationen beigesteuert werden. All diese Gerüchte sind mit größter Vorsicht aufzunehmen. Angriff arabischer Terroristen auf die jüdische Kolonie Hanuta. Jerusalem, 23, Mai. In der Nacht von Sonntag auf Montag, hat eine größere Bande Terroristen die jüdische Kolonie H a n u t a , die schon gleich in der Nacht nach ihrer Gründung'fihre Feuerprobe bestand, angegriffen. Das sich entspinnende Gefecht war, heftig und dauerte etliche Stunden. Die Kolonisten, von Polizei un^rstützt, verteidigten^ sich heftig und schlugen die Angreifer in die Flucht, die schwere Verluste erlitten. Auf jüdischer Sieite wurde eine Person getötet und zwei Personen verwundet. Militärische Maßnahmen in Palästina, Jerusalem, 23. Mai. Truppenkontingente haben in den letzten Tagen 25 Orte in Samaria und Galiläa besetzt. Nach einer veröffentlichten Bekanntmachung wird darauf hingewiesen, daß die Besetzung nicht die Verhängung eines Ausnahmezustandes bedeute. Die Anwendung der Nürnberger Gesetze in Oesterreich. Berlin, 25. Mai. Im „Reichsblatt" wird eine am 20. Mai erlassene Verordnung über Einführung der Nürnberger Gesetze im Lande Oesterreich veröffentlicht. Danach tritt „das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" mit Wirkung vom 24. Mai in Oesterreich in Kraft. Von diesem Tage an sind E h e-s jc h 1 i e ß u ngen zwischen Juden und Deutschstämmigen wie im alten Reichsgebiet verboten' Und strafbar; Ehen, die bis dahin geschlossen waren, sollen, wie sich aus dem Gesetz ergibt,- grundsätzlich rechtsgültig bleiben. Die Bestimmungen über die Abstammung erhalten jedoch rückwirkende Kraft. Für die Bestimmung des Blutschutzgesetzes, wonach weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes unter 45 Jahren nicht in jüdischen Haushalten beschäftigt werden dürfen, ist eine Uebergangsfrist bis zum 1. A u g u s t ds. Js. vorgesehen^ innerhalb der die bestehenden Anstellungsverträge gelöst werden müssen. Weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, die bereits am 16. September 1935 in einem jüdischen Haushalt in Oesterreich beschäftigt waren, können in diesem Haushalt in ihrem bisherigen Arbeitsverhältnis bleiben, wen sie bis zum 31. Dezember 1935 das 35, Lebensjahr vollendet hatten. Ein Siegel unserer Idealverfassung. Noch ein Wort zum Schmitta-Jahr. Von Oberrabbiner Dr. J. Carlebach.*) I. Schmitta und Jobel waren die großartigsten Bekundungen des sozialen Geistes unseres Gesetzes. Die Heiligkeit und G'tthörigkeit des Bodens und die Heiligkeit und G'tthörigkeit der Menschenpersönlichkeit kommen in ihnen zu gleich mächtigem Ausdruck. Der Boden, der uns trägt, hört auf, tragende Grundlage des Lebens zu sein; eben deshalb kann nicht auf Versklavung und Enteignung des Nächsten unser Volksglück sich gründen. Wer im siebenten Jahr Feld und Frucht der G'ttesruhe, der eigenen Verarmung frei gibt, wird auch dem Knechte seine Eigenständigkeit, dem Verarmten seinen Besitz zurückerstatten. Frühjahr und Erstattungsjahr, die Jahre des Verzichts auf alle Vorrechte des glücklichen Besitzers und der wirtschaftlichen Ueberlegenheit, waren die stärksten Proteste gegen die Erdgebundenheit und Versachlichung der Menschenpersönlichkeit, eine Absage an das Heidentum der Umwelt im alten Israel. Nur ein Volk, dem die g'ttliche Erdenwaitung absolute Realität war, konnte sie zu staatlichen Einrichtungen machen; nur weil ihm G'tt Garant seiner materiellen Existenz war, konnte-es solch verwegen großi '*) Der Artikel kam für die Schmitta-Nummer zu spät in unsere Hand. D. Red. . artige Institutionen der Humanität verwirklichen. Nur auf dem Grunde der Religion konnte der soziale Geist solche Triumphe feiern. Schmitta und Jobel stehen im selben zeitlichen Rhythmus wie die großen Zeitmarken unserer Daseinsordnung. Sechs Tage der Arbeit, am siebten Sabbat; sechs Jahre Feldarbeit, im siebten Sabbatjahr der Brache. Sieben mal sieben Wochen zählt Israel, bis es Volk der Offenbarung wird; sieben mal sieben Jahre zählen wir die Erlaßjahrperioden, dann kommt das Jobel, das königliche Jahr, wo die Geknechteten wieder „die Krone auf den Häuptern" tragen.- Wie über dem Einzelnen der Sabbat als Bote des Jenseits seine Fittige breitet, so schmiegt sich das Land der Verheißung im Sabbatjahr unter den Schutz des Allmächtigen. Wie über Pessach und Schwuaus sich der große Bogen der Offenbarung spannt, so über Schmitta und Jobel der Himmel der sozialen Volksfreiheit. Beide symbolisieren die Weltordnung der Menschheitsgeschichte: nach sieben Zeitepochen des Ringens das Zeitalter des Messias. Die aufsteigende Spirale der Menschheitsentwicklung, trotz allen Rückfalls und aller Wiederholung der alten Gebrechen, kam im Schofar des Jobel ergreifend zum Bewußtsein.

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