Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1938)
- Date
- 1938-05-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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g.^gg^^8^g^5^^f|g§^5^S?fS^ p^f^^j^^*^s:«^s: 19. Mai 1938 Der Ist Ii t Nr, 20 Seite 9 E R E Z ISRAEL Gedächtnisfeier für Mordechai Bär b"XT' Eine .lim isd seinem Andenken gewidmet. Am Ausgange der B'B'frP für unseren Mordechai Bär ^"t rief der Haifaer Snif der P. A. J. seine Mitglieder und Freunde zu einer msm zusammen, die am Ausgange des rri stattfand. Das Herz bebte wie damals, als wir von der furchtbaren Nachricht vernahmen. Aber das Leben muß weitergehen, und so galt es in dieser nisM uns das vor, Augen zu führen, was Mordechai Bär h""! uns Lebenden durch sein Leben und Sterben mit auf den Weg geben wollte. Die Feier war einfach, aber ergreifend. Raw Findling eröffnete sie mit Mussar-Worten. Das Streben der VW war die Gestaltung seines eigenen Lebens lind der seines Volkes im Sinne der Thora, von seiner frühesten Jugend an bis zum letzten Atemzuge, und so hat die Poalimorganisation symbolhaft beschlossen, eine mw iso schreiben zu lassen, die, inmitten der Lebenden, von dem künden soll, was Mordechai uns als letztes Vermächtnis ins Herz gelegt hat. Raw Findling teilte dann von einem Briefe des verehrten Oberrabbiners Markus 8"0^ü mit, der in herzlichen Worten dem Andenken unseres Mordechai gewidmet ist, er kannte ihn persönlich und liebte ihn. Leider konnte der Herr Oberrabbiner aus Gesundheitsgründen nicht an der r-hain teilnehmen, bat aber auch von ihm eine Spende für die zu schreibende mw nso - entgegennehmen zu wollen. Namens des Rabbinats sprach Raw Cheja. Der Name "omn wird im Talmud als im m gedeutet. Auch unser Weg ist m bitter und voller Leiden, aber am Ende winkt die Freiheit (im)» freilich im Sinne des Ausspruches Die eigentliche Gedächtnisrede hielt Direktor Dr., A. Cohn. In ergreifenden Worten schilderte er uns in einer inhaltsvollen . Rede das in sich trotz der Jugend abgerundete Leben Mordechais, sein Streben war mnbv für sich und. seine Umwelt. Diesem Ziele strebte er in allen Lebenslagen nach, öb in der jüdischen Schule oder später im nicht jüdischen' Gymnasium, ob in der Esraarbeit oder in der mwan -Zeit und auch hier in Gedera und in einem weniger religiösen Kreis in V»tjh nny- Die Rede klang in einem 'vn lom-Wort aus, die rvmB nnjwn G'ttes in jedem Menschenleben zu erkennen und danach zu handeln. Nach ihm sprach noch Jakob Katz, der Leiter der Haifaer Z. A. J., der mit lauter Stimme betonte, daß auch wir Agudisten trotz aller Opfer mit ungebrochenem Mute am Aufbau unseres weiterarbeiten werden. Wir legen unser Schicksal getrost in die Hände G'ttes. Unser Herz bebte als ein i:m dann das tisk sang, Tränen flössen wie damals am ersten Tage. Man schritt dann zum Schreiben der rro- Tiefe Ergriffenheit herrschte im großen Saale, als Raw Findling namens der Poalimorganisation als erster die Buchstaben '» '3 "r "i '» niederschrieb. Das war damit dem Andenken unseres '3nn gewidmet. Ihm schlössen sich dann viele Anwesenden an. Wir hoffen, daß recht viele Freunde und Verwandten des nvi der hiesigen Poalimgruppe Spenden zufließen lassen werden, um die schnelle Fertigstellung der nso zu ermöglichen. Trotz ihres sehr kargen Lohnes haben sich die hiesigen Poalim verpflichtet, eine namhafte Summe hierfür aufzubringen. Die Einweihung soll rr'S am ersten Jahrzeitstag stattfinden. Arbeit für Poale Agudas JisroeL Jerusalem, 15. Mai. In der vergangenen Woche War der Sekretär der Poale Agudas Jisroel in Jerusalem beim derzeitigen Oberhaupt der Jerusalemer Stadtverwaltung, Daniel Auster, vorstellig, um den Anteil der orthodoxen Arbeiter bei der Verteilung der städtischen Arbeiten zur Sprache zu bringen. Herr Auster nahm mit sichtlichem Interesse den Bericht über die Lage der orthodoxen Poalim entgegen und versprach, dafür zu sorgen, daß die Mitglieder der P. A. J. von nun an bei der Verteilung von Arbeiten proportionell mitberücksichtigt werden. Alter Drujanow gestorben. Jerusalem, 15. Mai. Im Alter .von 68 Jahren starb in Jerusalem der hebräische Schriftsteller Alter Drujanow, dessen großes folkloristisches Werk ^^^^n■> iirMS* iss, (erschienen im Omonuth-Verlag, damals Frankfurt a. M.)f ihm besonders den Ruf eines Forschers der jüdischen Volkskunde eintrug. Drujanow war in früheren Jahren ein produktiver hebräischer Schriftsteller, vorübergehend auch Hauptredakteur des zionistischen „Haolam", und zeichnete sich durch einen knappen, schönen Stil und eine Vornehmheit der Gesinnung aus. Obwohl noch aus der späteren Maskilimschule kommend, wahrte er immer taktvolle Mäßigung in religiösen Dingen und ließ sich mehr als einmal sehr erbittert über die religiösen Ausschweifungen einer jungen Generation in Erez Israel aus. In wissenschaftlichen Kreisen bedauert man den frühen Heimgang Drujanows um so mehr, als eine große Reihe literarischer Pläne, die ihn zuletzt beseelten, nunmehr unausgeführt bleiben. Der Thoratag in Erez Israel, Jerusalem, 15. Mai. Der Thoratag in Lublin, der auf den 28. Siwan festgesetzt ist, wird in Erez Israel sein sinniges Echo finden. In der Kolonie „Sichron Meir'. die durch den Philanthropen Jacob Haipern auf den Namen des Schöpfers der Lubliner Jeschiwa, Rabbi Meir Schapiro V"Xt gegründet wurde, werden sich an diesem Tage Tausende von Thoragelehrten aus ganz Erez Israel zusammenfinden, um durch Lern- und Feierstunden ihre Solidarität mit dem polnischen Thorajudentum und dessen Zentrale in Lublin zu dokumentieren. Aus Tel Awiw. T e 1 A w i w , 12. Mai. Der Stadtrat von Tel Awiw verwarf heute den Antrag der Histadruth auf Subventionierung ihres Schulsystems. Die sieben Histadruth-Vertreter verließen die Sitzung zum Zeichen des Protestes, Ein Gefecht in Nordpalästina. Jerusalem, 16. Mai. Am Samstagnachmittag kam es bei Akko in Nordpalästina zu einem heftigen Gefecht zwischen arabischen Freischärlern und britischen Truppen, die Panzerwagen und Flugzeuge einsetzten. Nach einer amtlichen Darstellung sind 23 Araber und ein britischer Soldat getötet worden. Aus Petach Tikwahs Jugendtagen. Nacherzählt von Helene Wolf in Petach Tikwah. (Fortsetzung.) Einige Wochen nach der Hochzeit kam R. Sorach nach London. Er fand dort keine zusammenhängende Gemeinschaft der Osteuropäischen Juden vor. Die englischen Juden jener Zeit zogen einen scharfen Trennungsstrich zwischen sich und den Ostjuden, und die Letzteren, wenig zahlreich und in der ganzen, großen Stadt verstreut .waren auf die „Englischen" nicht gut zu sprechen. Unser junges Paar aß zwei Jahre „Köst" im Cohen'schen Hause. Dann aber begann R. Sorach sein Erwerbsleben und erlernte die Filzfabrikation, womit er sich später selbständig machte. Um diese Zeit hatte R. Sorach den Schmerz, sein älteres Kind durch den Tod zu verlieren. Aus dem während der sieben Trauertage veranstalteten Minjan entstand die Chewrath „Schaß" als ostjüdischer Synogogen- und Lernverein; denn bei der ablehnenden Haltung der englischen Juden war nicht zu erwarten, daß die Gemeinde zur Befriedigung der geistigen Bedürfnisse der Londoner Ostjuden etwas tun würde. So ward es den Letzteren klar, daß sie sich ein ihren Gewohnheiten und Wünschen entsprechendes Kehillah-Leben aus eigenen Kräften aufbauen müßten. Zunächst einmal hielten sie Umschau nach einem geeigneten geistigen „ Oberhaupt. Ein solches fand sich bald in der Person des R. Jacob Hadin aus Wolkowisk, der zufällig durch London kam. Er ließ sich überreden, in der englischen Hauptstadt zu bleiben, wo er heimlich, um die Autmerksamkeit der „einheimischen" Juden nicht unnötig zu erregen, seine Wirksamkeit begann. Vergeblich bemühte man sich ostjüdischerseits, vom englischen Oberrabbinat, das damals der berühmte Gelehrte R. Nathan Adler leitete, die Erlaubnis zur Errichtung einer Eastend-Gemeinde zu erlangen. R. Nathan Adler fürchtete weitergehende Trennungen, und der erste Gelehrte jener Zeit, R. Jizchak Elchanan Spektor, um seine Entscheidung angegangen, stellte sich auf R, Nathan Adlers Seite. Da erstand der Londoner Ost jüdischen Gemeinschaft ein Helfer in R. Schimon Merkel aus Kowno, der damals zur Kur' in Westeuropa weilte. Seinem Einfluß gelang es zunächst, ein freundschaftliches Verhältnis zwischen R. Nathan Adler und R. Jacob Hadin herzustellen und den Chiefrabbi zu überzeugen, daß die Gründung einer ostjüdischen Gemeinde in London aus reinen und ganz unpersönlichen Motiven erfolgt sei. Ein Zufall kam au Hilfe. R. Nathan Adler erhielt jedes Jahr einen Esrog aus Erez Jisrael, dessen er sich bei seinem Frühg'ttesdienst in seiner Laubhütte bediente. Nachher pflegte er zum Mussafgebet in die Hauptsynagoge zu gehen, die auch von den Großen der englischen Judenheit, wie Lord Rothschild, besucht wurde, Rabbi Sorach kam häufiger in dieses Frühminjan. In jenem Jahre nun wurden die (meist benutzten) Korfuer Esrogim, wohl wegen der dort stattgefundenen Pogrome, seitens der Rabbiner nicht zur Benutzung freigegeben. R. Sorach erbat nun von R. Nathan Adler die Erlaubnis, daß auch R. Jacob Hadin zur Mitbenutzung von seinem Erez Jisrael-Esrog in das Frühnunjart kommen dürfe. Gerne willigte der Chiefrabbi ein. So kamen die beiden Gelehrten zusammen, und siehe da: es entwickelte sich ein Freundschaftsverhältnis zwischen ihnen. R. Jacob Hadin trat sogar in das offizielle Londoner Rabbinatskollegium ein. Auch die englischen Juden sahen allmählich ein, daß die russischen Brüder ihre Freundschaft suchten, und so entstand zu beiderseitiger Zufriedenheit die erste ostjüdische Kehillah in London. Weniger als diese wichtige Klallarbeit gelang R. Sorach Barnett, geschäftlich vorwärts zu kommen. Wohl hatte er Kundschaft für seine' Fikfabrikation, aber der Inkassotag war damals der Sabbat, und da er diesen Tag natürlich nicht geschäftlich benutzte, so ging ihm viel Geld verloren. Später trat er in Verbindung mit Pariser und Leipziger Geschäftshäusern und erwarb ein kleines Vermögen. Der Plan einer Uebersiedlung nach Erez Jisrael war indessen nicht aufgegeben. Alle Sendboten aus dem heiligen Lande waren gern gesehene Gäste im Hause R. Sorachs, und er fragte sie genau nach den Verhältnissen der Heimat, besonders aber des jüdischen Jischuw, aus. Im Jahre 5632 (1872) rüstete er sich mit einigen Freunden zur Alijah, nachdem er sieben Jahre in England verlebt hatte. In der dritten Woche nach den Herbstfeiertagen (Lech-Lecha) schiffte sich R. Sorach mit seiner Frau und seinem zweijährigen Töchterchen nach Erez Jisrael ein. Bei der Landung in Jaffa gab es damals große Schwierigkeiten, Eine starke Mauer umgab den Hafen, und nur ein schmaler Durchgang war für die Ankömmlinge frei. Wer sich mit seinem Gepäck nicht hindurchzwängen konnte, wurde von den Lastträgern über die Mauer gehoben. 14 Tage lang hielt sich R. Sorach in Jaffa auf, bis er eine Karawane nach Jerusalem fand, der er sich anschloß. Man ritt teils auf Maultieren, teils auf Kamelen; nachts rastete man. Am ersten Reisetage erfüllte Barnetts das Glücksgefühl, auf heiligem Boden zu sein und sich der heiligen Stadt zu nähern. Sie sangen jubelnde Psalmen und Pijutim im Uebermaße der Freude. Aber dann überkam sie die Furcht vor den umherschweifenden Beduinen. Einmal fiel das kleine Kind vom Maultier: der Schrecken war groß, doch blieb der Sturz ohne Folgen. Nach einigen Tagen anstrengender Reise kamen sie in Jerusalem an. Damals hatte sich in dieser Stadt zum ersten Male eine Gesellschaft gebildet, die Boden außerhalb der Stadt zum Anbau ankaufte. Es war dies etwas ganz neues, bisher dem Jischuw Fernliegendes, und erregte deshalb großes Aufsehen. Damals war gerade das erste Projekt, bei Jericho Boden zu erwerben, gescheitert, und R. Sorach Barnett, der sich dieser Gesellschaft gerne angeschlossen hätte, genötigt, bessere Gelegenheit abzuwarten. So fing er an, in Jerusalem Handelsgeschäfte zu treiben. Bei seiner Unkenntnis der Geschäftsformen des Orients verlor er sehr rasch sein Vermögen, und nun war er gezwungen, eine Stelle zum Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu suchen. R. Sorach fand eine Tätigkeit als Mützenmacher bei einem Deutschen. Er arbeitete dort längere Zeit zur Zufriedenheit seines Chefs. Als er aber eines Tages in Meinungsverschiedenheiten mit diesem geriet und der Chef ihm voller Wut das Bügeleisen an den Kopf warf, konnte seines Bleibens in dieser Stelle nicht länger sein. E r hatte in London seinen 10 Arbeitern niemals ein rauhes Wort gesagt! — R. Salman gründete damals die Chewra Meah Schearim, um Häuser außerhalb der Stadtmauer von Jerusalem zu bauen. Er nannte diese Siedlung Kerem Kadkud, es ist das heutige Meah Schearim. R. Sorach wollte sich dieser Siedlung anschließen, aber da er kein Geld mehr hatte, so ging er nach London zurück, um dort wieder zu verdienen. — — (Fortsetzung folgt.} 1