Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1938)
- Date
- 1938-05-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 103 Aenderung erfahren. (G'tt sah alles, was er geschaffen, und siehe, es war sehr gut.) Am ersten Adar jeden Jahres, wenn die Saaten aufgegangen waren, erging die gerichtliche Aufförderung im ganzen Land, das Feld von Ca'H^S zu säubern. Am 15. gingen Gerichtspersonen aus, nachzusehen, ob es geschehen sei. Das mündliche Gesetz gab ausführliche Bestimmungen, was ö'K&D sei und was nicht. flKS War die Zeit der Ernte gekommen, durfte der jüdische Grundbesitzer nicht das ganze Feld bis auf den letzten Rest abernten, er mußte ein Stück, nKD genannt, stehen lassen für die Armen des Ortes und für den Fremden. „Gewiß, der Acker ist dir zugewiesen, aber . sei nicht so grausam, laß auch die ernten, die nicht säen können," sagte der Acker zum jüdischen Bauer. Die rfttS -Pflicht erstreckte sich auf alle Bodenerzeugnisse und Baumfrüchte, jedoch nur auf das, was genießbar ist. Auch nicht auf Ca^Wl (Feigen) und manch anders Baumfrüchte und nicht auf Kräuter. 1 Die Peo-Pflicht gehörte zu den D*>ia*T' von denen die Tauroh kein Maß angegeben hat. Es lag also in dem Belieben eines jedenr soviel stehen zu lassen, als er nur wollte. Aber die Weisen haben angeordnet^ daß wenigstens 1!ao des Feldes nicht abgeerntet werden dürfe .Auch die mündliche Lehre gibt noch weitere Bestimmungen zum nKfl-Gesetz. -■' '■■ •'- ttp* ■ ■ Ruth geht auf das Feld des Boas, Aehren zu lesen; sie fragt nicht erst um Erlaubnis, das braucht sie nicht, man wehrt ihr nicht, denn dazu hat niemand ein Recht. Das Gesetz sagt (3, 19 9). „Die einzelnen zu - Boden gefallenen Halme sollst du nicht auflesen^ sie. gehören dem Armen und dem Fremden-'. Der jüdische Bauer hatte nicht das Recht, mit dem großen Rechen alles zusammen zu kratzen, auch, nicht das Recht, es selbst unter die Armen zu verteilen. Jedem Armen stand es frei, auf das eine oder auf das andere Feld zu gehen und zu sammeln. nnaw Hatte jemand von seiner Ernte etwas auf dem Felde stehen gelassen und vergessen, es heimzufahren, auch das gehörte dem Armen, Allerdings gibt auch hier die mündliche Lehre jähere; Vorschriften darüber, was als „Vergessen" angesehen werden kann und was nicht. Eine einfache Garbe fällt unter den Begriff nnDW nicht ... aber ein Garbenhaufen. .-.«• . ' , Und nun hätte ich euch auch darüber zu belehren, was der jüdische Bauer von dem Ge- treidehaufen in'der Tenne abzusondern hat, bevor er selbst etwas von seiner Ernte genießen darf, doch davon einmal später. Jetzt zum ntJ'öttr Jahr. EMKA. (Fortsetzung folgt.) h "- Die drei Brüder* Von Dr.,Alfred Werner. Als Abba Areka, den seine Schüler so verehrten, daß sie ihn nicht mit seinem eigentlichen Namen, sondern, nur Rab, Lehrer nannten, nach Sura. kam, erschrak er fast über die große Unwissenheit in religiösen Dingen, die in der Gemeinde herrschte. Als er nun daranging, für die jüngeren Leute ein Lehrhaus zu errichten: und sich an die Reichsten der Stadt wandte, daß, sie ihm die Mittel zur Schaffung der Schule vorstreckten, da zeigte sich keiner geneigt,; in den Geldschrank zu greifen und eine Handvoll oder mehr Geldmünzen dem frommen Zweck 2U opfern: „Wozu soll uns eine Schule!!" Um sich nun Eingang in die verstockten Herzen der Juden Babylons zu verschaffen, erzählte ihnen Rab eine Geschichte, deren Nutzanwendung jedem von uns überlassen sein möge: Es waren einmal drei Brüder, denen der Vater einen großen Schatz vermacht hatte. Solange die Friedenszeit währte, lebten sie in voller Eintracht zusammen und erfreuten sich eines behaglichen Daseins. Die Zeiten änderten sich je^ doch, das Volk erhob sich gegen seinen rechtmäßigen Herrscher und bei diesen Unruhen hatte auch die Gemeinde der Juden viel Leid zu erdulden. Auch unsere drei Bruder fürchteten um ihren Besitz und der Aelteste schlug vor, sie sollten ihren Schatz teilen, damit der einzelne besser sein . Erbgut beschütten könne. Er selbst stopfte all seine Münzen, dazu die goldenen und silbernen Geräte, die ihm zugesprochen worden, in einen riesigen Sack Und schlich in den Wald hinaus, um den Schatz dort zu vergraben. Aber kautn hatte er einen Spatenstich in die- Erde getan, als ein paar räuberische 'Gesellen auf ihn zukamen und mit den höhnischen Worten: „Du kannst dir die Mühe sparen!" Gold und Kleinodien unter sich verteilte^. Dem Mittleren der Brüder war es geglückt, in die Stadt zu gelangen und für seinen Reichtum, einen Berg von Nahrungsmitteln einzuhandeln-; Eine Schär von, Trägern, beladen mit Säkten und Kisten folgte ihm in sein Haus und lud alles in seinem Speicher ab: die feinsten weißen Brote in großer Zahl, Krüge voll Rahm und voll '[ Wein,, riesige Laibe vom besten. Käse, aber auch