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Der Israelit · 1938-05-12 · Heft 19 (12.5.1938) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 19 (12.5.1938)
Date
1938-05-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 102 •f?D>a# Vor geraumer Zeit erhielt ich einen Brief aus Erez, darinnen wurde mir geschrieben, daß in diesem Jahre der 15. des Monats t53tf nicht in solcher Weise gefeiert worden sei wie in andern Jahren. Das läßt sich erklären, ist doch das Kalenderjahr 5698 (rrxm) nach der Berechnung des Maimonides ein nö'ütf'Jahr. Ich halte es nun, 1. Kinder, nicht für Überflüssig, Euch einmal darüber zu belehren — soweit es mir möglich — was eigentlich ein nü'aer Jahr ist. . Ihr habt's in der Schule gelernt: wenn immer in. der Tauroh von. den Vorzügen des heiligen Landes die Rede ist ,dann heißt es niemals, es sei ein Land, darinnen man Handel treiben könne, sondern ein Land, darinnen Milch und Honig fließt. Das ist freilich nicht wörtlich zu nehmen, sondern will nur stark betonen, daß die Fruchtbarkeit des Landes eine ungemein große und starke sei. Und wirklich, wenn immer die Väter G'tt mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dienten, dann blieb der Frühregen (Jaure) nicht aus, und auch der Spätregen (Malkausch) kam zur rechten Zeit. Freilich, wenn die Väter G'tt verlassen hatten und fremden Göttern dienten, kam zuweilen Hungersnot ins Land. Sonst wuchs alles in Hülle und Fülle. Selbst die Kundschafter, die doch so trefflich zu lügen verstanden, hatten schon zur Zeit der Wüstenwanderung nach ihrer Rückkehr eingestanden, daß das Land sehr fruchtbar sei, und als Beweis eine Traube mitgebracht, die sie auf einer Bahre trugen. Es wuchs soviel, daß auch in andere Länder ausgeführt werden konnte. Salomo gab dem König Chiram zwanzigtausend Kor Weizen und zwanzig Kor feines Oel für die Zedern zum Bau des Tempels. Als der König David* durch Joab das Volk zählen Heß, waren in Israel 800 000, in Judäa 500 000 streitbare Männer ohne Frauen und Kinder. Nimmt man die Zahl der Einwohner ungefähr als das Fünffache seinerJ streitbaren Mannschaft an, so würde Palästina hiernach etwa 5—6 Millionen Einwohner gehabt haben. Und das kleine Land gab den vielen Menschen Brot, daß „sie aßen und satt waren." Der Boden lieferte reichlich Weizen, Gerste, Hirse, Spelt, Bohnen, Linsen. In den Gärten standen Obstbäume, die einen reichen Ertrag lieferten. Ganz vorzügliche Früchte lieferten die Oel-, Feigen-, Palmbäume und der Granatapfelbaum. Und vielleicht nirgendswo auf Erden wächst und wuchs eine so schwere und vorzügliche Traube wie dort in dem gesegneten Land. Selbst die meisten (jetzt unfruchtbaren) Berge waren terrassenförmig bearbeitet und lieferten Trauben, deren Beeren so groß wie unsere Pflaumen waren. Die Tage der Weinlese waren Festtage Die Arbeit auf dem Felde brachte innere Befriedigung und große Freude. Das Psalmwoit: „Wenn von der Arbeit deiner Hände du dich ernährst, dann heil dir und wohl dir", bezieht sich wohl auf die Feldarbeit. Selbst die Reichsten Und Vornehmsten gingen hinter dem Pfluge her.. Saul kam eben vom Felde, als ihm die Nachricht wurde, daß die Stadt Jabesch belagert werde. Elischa pflügte auf dem Felde, als Eliah ihn zu seinem Nachfolger bestellte. Aber der jüdische Bauer in Erez konnte nicht so nach seinem eigenen Gutdünken und Willen ackern, pflügen, säen und ernten, so wie es jedem Bauer in jedem andern Land frei gestellt ist. Auch ihn begleiteten Gesetze der heiligen Tauroh bis dorthin, wo er die Scholle umwirft. Nicht Ochs und Esel, nicht eine Kuh und ein Pferd durfte er zusammen an den Wagen oder an den Pflug spannen. Nicht durfte er einem Tiere weder auf dem Felde noch in der Tenne einen Maulkorb anhängen. D'K^3 . Wenn bei uns hier der Roggen geschnitten ist, dann gibt es zuweilen Stoppelfelder, die schon ganz mit grünem Klee bedeckt sind. Das durfte im heiligen Lande nicht sein. In der Tauroh heißt es ausdrücklich; (3, 19, 19} Dein Feld sollst du nicht mit vermischten Gattungen (ümto) besäen. Nur solche Pflanzen,' die — botanisch ausgedrückt — zu einer Familie gehören, durften auf ein und demselben Felde dicht nebeneinander stehen, z. B. Gerste und Hafer, aber nicht Weizen und Gerste; Das ö^K^ -Verbot erstreckt sich auch auf die Fruchtbäume, so durfte und darf auch heute kein Apfel auf eine Birne — oder umgekehrt — aufgesetzt werden. Auch der Weinbau war nur unter strengster Wahrung des Q'K^-Gesetzes gestattet, Als Simson in das Philistäerland ging, um sich eine Frau zu holen, begleiteten ihn seine Eltern bis zu den Weinbergen von Tinmath, j,Sie zeigten ihm das Verbot der Mischungen im Weinberg", sagen die Weisen. Er hat seine Eltern nicht verstanden oder wollte sie nicht verstehen, darum mußte er -rein Richter— so trägisch enden. G'tt hatte der Welt das Minan-Gesetz gegeben, jede Pflanze sollte so sein und bleiben, wie G'tt sie am dritten Schöpfungstag ins Da^ sein gerufen. Keine Pflanze sollte durch eine andere in ihrer Gestalt und in ihrem Wesen, eine

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