Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1938)
- Date
- 1938-05-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der I s r a e 1 i t Nr. 19 Seite 9 ER E Z Große Konferenz des charedischen Chinuch. T e l Awiw, 8. Mai. Ein Ereignis von großer Bedeutung für das thoratreue Erez Israel ist die erste große Konferenz des.vereinigten gesetzestreuen Chinuch, die auf Initiative des Merkas Chinuch Hatorah in Erez'Israel in Tel Awiw tagte. Die. große Beteiligung und die Anwesenheit älter"" prominenten rabbinischen und Läienführer unterstrichen'ihre; Bedeutung. Der Vorsitzende der Konferenz, Oberrabbiner Kaitz," Petach Tikwah, begrüßte die Versammlung und' gab einen Ueberblick über die katastrophale Lage der Erziehung in Erez Israel, die darauf abgestimmt ist, die Kinder der Thora zu entfremden. Demgegenüber stehen die Leistungen des Merkas, die relativ groß sind, in Anbetracht der areligiösen Erziehung iin Lande^ aber noch gewaltig gesteigert werden müssen^ wenn sie uns das Kind und mit ihm die Zukunft retten sollen. Nächstes Ziel ist die Gründung eines vereinigten t k o f a - treuen Erziehungsnetzes, das alle Chinuchinstitutionen im Lande, die in Traditionstreue geführt werden, umschließen soll. Bei der .Regierung sei zu bewirken, daß alle dieser Zentrale angehörenden Schulen die Subventionen im gleichen Maße wie die nationalen Schulen erhalten. Der Generalsekretär des Merkas, Rabbi Dov Zwi S i 1 b e r s t e i h , teilte. Einzelheiten aus den Leistungen und Erfolgen der Vereinigung mit. Er ist überzeugt, daß nach Zusammenschluß aller thoratreuea Schulen und Chinuchstellen auch die Regierung dem orthodoxen Chinuch alle Rechte gewähren wird. Großen Eindruck machte, die Rede von Oberrabbiner Am Lei, in der er" nachwies, daß auch heute noch das religiöse Judentum numerisch und moralisch das Rückgrat des jüdischen Volkes bildet. Eg fehlt nur an Mut und am Selbstbewußtsein, um den freien Elementen, die gewiß in der Minderzahl sind, aber über mehr Energie und Organisationstalent verfügen, ein Gegengewicht zu bieten. „Wir wollen einen -'reit nen Thörachinnuch, wir wollen eine Talmud-Thora, wo man die Thora als Lehre des Lebens lernt." Diese Worte unterstrichen dann auch der sef ardische Oberrabbiner von Tel Awiw, Rabbi Usiel, der für eine vereinigte Thorafront plädierte. Eine längere Rede hielt Rabbi Sankewicz von der Agudas Jisroei. Ef entwarf ein erschütterndes Bild von der Lage der jüdischen Erziehung in Erez Israel, wo 40 000 Kinder in einer thoralosen Atmosphäre erzogen werden. Für die un- und antireligiösen Schulen gibt es Geld genug, während jede Talmud-Thora vom Zusammenbruch bedroht ist. Um unsere Forderungen bei der Regierung durchzusetzen, müssen wir zuerst unter uns eine gemeinsame Plattform schaffen. 40 000 Pfund erhält der freie Chinnuch von der Regierung im Jahre und der echtjüdische, thoragemäße Chinuch geht leer aus. Gerade weil die Verhandlungen mit der Regierung in diesem Belange sich in einem günstigen Stadium befinden, ist die Vereinigung dringend nötig. Rabbi TLkatschinski , Jerusalem, konstatierte, daß seit dem Weltkriege die freien Schulen die Zahl ihrer Schüler verdoppelt hätten, während die Ziffer in den Talmud Thora-Schulen um 25 Proz. gesunken sei. Was nützen alle Proteste gegen Sabbatentweihung usw., so lange man nicht anerkennt, daß die Quelle all dieser Uebel in der Schule liege. Nach einer längeren Diskussion, in deren Verlauf, auch Begrüßungsschreiben .von Oberrabbiner H e r z o g und dem Jerusalemer Aw Besdin, Rabbi B e n g i s , verlesen wurden, wird die Konferenz geschlossen. Die Vereinigung aller religiösen E r z i e h u ii g s in s t i.t u t i o n e n ist gegründet. Eine Kundgebung für den Sabbat. ' . T e l Awiw, 3. Mai. Auf Einberufung des „Noar" (der religiösen Jugend) versammelten sich über tausend Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung im Saale des „Ohel Schern",' um für den Sabbat zu demonstrieren. Unter den Gästen befanden sich neben anderen prominenten Persönlichkeiten auch die Gbdrrabbiner. Nach mehreren Reden wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der^ verlangt wird, daß in-Tel Awiw, der ersten jüdischen Stadt, der Sabbat nicht nur die Häuser und idie Herzen, sondern auch die Straße beherrsche. ISRAEL Grundsteinlegung für eine landwirtschaftliche . Jeschiwa. Jerusalem, 3. Mai. Im Dorfe „fiaroe" wurde der Grundstein zu einer landwirtschaftlichen Jeschiwa gelegt. Die Initiative zu dieser Gründung geht vom Misrachi aus. Bei der Feier der Grundsteinlegung waren die Oberrabbinate von Jerusalem und Tel Awiw vertreten. Die Eröffnungsrede hielt Rabbi Gold für die Weltzentrale des Misrachi. Vereinigung der Jemeniten. , Jerusalem, 3. Mai. Chol hamoed ist die Zeit der vielen Konferenzen und Versammlungen. Diesmal trafen sich auch die Führer der J e m enitengemeinde zu einer großen Konferenz, die von dem Verein „Hitachduth Ha.- temariim" einberufen wurde. Die Spitzen der jemenitischen Gemeinde hielten Reden und brachten die Wünsche der Jemeniten deutlich zum Ausdruck. Es wurde dann einstimmig eine Resolution angenommen, die in der Hauptsache vom Waad. Leumi verlängt, daß er für eine bessere und hundertprozentig jüdische Erziehung der jemenitisch e n J U g 6 n d . getreu den jemenitischen Traditionen, sorge. Ein Elternrat wurde beauftragt, die Verhandlungen darüber mit den zuständigen Stellen zu führen. Die Zahl der Juden in Palästina. Jerusalem, 5. Mai. - Die Gesamtbevölkerung Palästinas am 31. Dezember 1937 betrug nach einem Berichte des Statistischen Büros der Regierung 1335 241 Personen. Juden wären darunter 395 835. Terror und Attentate. . Jerusalem, 9, Mai. Die Bombenattentate, die Morde an Arabern, die der gemäßigten Richtung angehören, und auf der an« deren Seite die Hinrichtung von terroristischen Führern gehen überall im Lände weiter. Die Palästinakommission durchreist das Land unter schwerer militärischer Bedeckung. Aus Aegypten wird gemeldet, daß dort eine moslemische Jugendorganisation Beiträge sammle, um eine ägyptische Armee für Palästina aufzustellen. Irak will jüdische Aerzte. Bagdad, 3. Mai. Die irakische Regierung wies ihren Konsul in Wien an, Wieher jüdischen Aerzten, die im Irak ihre Praxis ausüben wollen, Einreisevisa zu erteilen. Araber bei einem jüdischen Feste. H a i f a , 8. Mai. S. Dawid schreibt im „Dawar"; „Hätte es mir jemand erzählt, ich hätte ihm nicht geglaubt, und obgleich ich es doch selbst gesehen habe, kommt es mit; vor wie ein Traum: Ich kam in einen Saal, und sah viele in Reihen aufgestellte Stühle, und auf ihnen saßen Juden und Araber zusammen. Darunter alte und junge Menschen, viele in arabischer Tracht, Ich verstand die arabischen Reden nicht, aber immer wieder vernahm ich die arabischen Worte für Freundschaft'und Brüderlichkeit. In den Pausen zwischen Rede und Rede wurden arabische Melodien gespieit. Als das letzte Lied-verklungen war, sah ich, wie sich Juden und Araber durch Händedruck voneinander verabschiedeten. Wann war das und wo? Mußte nicht das Auto, das mich zurückbrachte, eilen, um die gefährlichen arabischen Quartiere noch vor Anbruch der Dunkelheit zu passieren? Warnte man mich nicht am selben Tage, in die Stadt zu gehen, weil es gefährlich sei? Sah ich nicht die Feüersäule der von Terroristen in Brand gesteckten Petroleumleitung? Und trotzdem — 160 Araber waren zum Fest in das jüdische Viertel Ha dar Hakarmel gekommen." Aus Petach Tifewahs Jugendtagen. Nacherzählt von Helene Wolf in Petach Tikwah. Wer heute durch Petach Tikwah wandert und frohen Herzens die anmutige Landschaft bewundert, die -selbst in -den heißen Sommertagen blühenden Gatten, die wohlgepflegten Varde&sim, der sollte nicht derjenigen vergessen, die mit ihrem Blute den Boden gedüngt haben, der heute die zweite jüdische Stadt von Erez Israel trägt. Ich denke dabei nicht allein an die leider so zahlreichen Opfer der Unruhen der letzten Jahre, an die tapferen jüdischen Jungen und Männer, die auf treuer Wacht das so sorgenvoll Abgebaute verteidigt haben, denen es zu danken ist, daß nur ein geringer Teil der Anpflanzungen durch Brandstifter vernichtet worden ist. Meine Gedanken schweifen zurück in die ältere Vergangenheit. Zum Ueberfall von 1921, als arabische Horden die jüdische Siedlung vernichten wollten. Herr Schapiro, heute noch, als alter Mann, der bewunderte Held von Petach Tikwah, ritt in Begleitung einer kleinen Schar mutiger Männer den Feinden entgegen. Die Araber hielten die ihnen Entgegenreitenden . nur für einen Vortrupp und entflohen, leider nicht, ohne Vier der Verteidiger erschossen zu haben. Immerhin: Petach Tikwah war gerettet. Der Jahrzeitstag dieser Tapferen wird jedes Jähr feierlich begangen. Im April 1936 waren an diesem Tage die Ueberfälle in Jaffa... Aber noch viel weiter zurück möchte ich den Leser führen: bis zur Gründung von Petach Tikwah im Jahre 5638 (1878). Rabbi Sorach Barnett, einer der Gründer unserer Stadt, schrieb in den ruhigen Tagen des Alters Erinnerungen nieder, die wohl wert sind, weiten Kreisen auch außerhalb Erez Israels bekannt zu werden. Unsere Jugend, die übersättigt war von den „Heldentaten" der Weißen, die mit Feuerwaffen und Alkohol harmlose Indianerstämme ausrotteten, soll wissen, wie jüdische Menschen ihr Erez Israel wieder aufbauten. Rabbi Sorach Barnett wurde am 16. Nissan 5603 (1843) in dem Städtchen Zitobian bei Kowno (Litauen) geboren. Sein Vater, R. Nachum b. Awraham Barnett, der dort einen Kleiderhandel betrieb, erzog den Jungen zu Thorakenntnis und Thoraliebe. In frühester Jugend lernte Sorach insbesondere bei seinem Ohm mütterlicherseits, R. Elijahu b. Sorach. Bei ihm brachte er einige Jahre zu, die ihm unvergeßlich blieben. Zwar erfuhren die Schüler der Chedarim eine strenge Behandlung. Aber sie empfanden dafür die Liebe des Lehrers, seine ernste Gerechtigkeit, sie merkten, daß er gegen sich, dem" Mussargeist zufolge, von ungleich größerer Strenge war, schonungslos in der Selbstkritik, hart in der Selbstgenügsamkeit — und damit pflanzte er unmerklich den Geist der Keduscho. 'auch ins Gemüt seiner Zöglinge. Nach Vollendung seines 13, Lebensjahres sandten die Eltern unseren Helden auf die berühmte „Slobodkaer" Jeschiwa (bei Kowno). Die Liebe zur Thora und ihren Lehrern war damals noch Gemeingut der gesamten jüdischen Bevölkerung Litauens. Wer sich nicht selbst dem Studium der Lehre widmen konnte, der bemühte sich wenigstens, die Lernbeflissenen aus allen Kräften zu unterstützen. So kam es, daß auch Minderbemittelte es sich zur Ehre anrechneten, „Jeschiwabachurim" ein oder mehrere Male in der Woche bei sich zu Tische zu haben, jeden an festgesetzten Tagen. (Man nennt das: „Tag essen"). So kam es, daß Sorach manchmal 10 Einladungen in der Woche nachzukommen hatt^: dann ließ er sich die Mahlzeiten, die er' nicht einnahm, in Geld vergüten, mit dem er andere Bedürfnisse bestritt. Nach drei Jahren bezog Sorach Barnett die Jeschiwa des Ri Chaim Kreutzer. Dieser große Gelehrte lebte im Geiste mit aller Seelenglut in Erez Jisroei. Sein Herzenswunsch war es, dorthin zu übersiedeln und am Aufbau des Landes mitzuarbeiten (1858); aber Alter und Körperschwäche bereiteten ihm unüberwindliche Hinderhisse. Jedoch entflammte er die Begeisterung seiner Schüler für unser Land und erfüllte sie mit dem heißen Willen, hinzugehen und es aufbauen zu helfen. Mit 22 Jahren, 1865, heiratete Sorach Barnett die Rachel Lea Cohen aus London, nicht ohne inneren Kampf. Denn gerade in dieser Zeit hatte er den festen Vorsatz gefaßt, nach Erez Jisroei zu übersiedeln, und er fürchtete nun, in England festgehalten zu werden. Aber sein Lehrer redete ihm auf Heirat zu, auch um des Jischuw willen; denn er rechnete damit, daß Sorach in London Geld erhalten würde, und es ist ja schließlich fruchtbarer, auch Geld im Aufbau Erez Jisroels arbeiten zu lassen, als nur seine Person hierbei einzusetzen. So gab Rabbi Chaim selbst seinen Segen zur Heirat, mit dem Wunsche, daß Sorach trotzdem bald nach dem Lande der Väter kommen möge, um zu den ersten Aufbauarbeiten! zu gehören. Ja, er nahm selbst am Vermählungsfeste teil. (Fortsetzung folgt.)