Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1938)
- Date
- 1938-05-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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zu stören, sich lediglich auf den jetzt gelten den Stand der Dinge bezieht, d. h. also für die Dauer der Geltung des Mandttes. Es sei, so er klärte der Unterstaatssekretär, unvernünftig zu erwarten, daß die italienische Regierung sich da rüber hinaus im Voraus festlege auf eine günstige Aufnahme zukünftiger Veränderungen in Palästina für die England noch nicht in der Lage sei, einen konkreten Plan vorzulegen. Es geht hieraus hervor, daß es nicht gelungen ht Italien im Vorhinein zu einer Genehmigung des Teilungsplanes zu bestimmen; auf der anderen Seite er gibt sich aus dem Verhandlungsergebnis, daß Eng land Italiens Recht anerkennt, bei der Bestimmung der Zukunft Palästinas ein Wort mitzureden. Empfang beim Kolomenminister. London, 3. Mai Prof. Brodetzki wurde heute von dem Staatssekretär Ormsby-Gore im Colonial Office empfangen Der „Palästinaterror" im Unterhause. London, 4. Mai. Im englischen Unterhaus erwiderte Kolonienminister Ormsby-Gore auf die Frage des Abg. Thos Williams, ob der Minister dem Hause irgendeine Erklärung über die Lage der Dinge in Palästina zu geben habe, wie folgt: „Die letzten Berichte über die allgemeine Lage, die ich vom High Commissioner erhalten habe, be ziehen sich auf die Zeit vom 11. bis 25. April. In diesen 14 Tagen gab es eine Anzahl Morde und andere schwere Gewaltakte. Am 16. April kam es auf der Straße Nablus-Tulkarem zu einem Zusammen stoß zwischen einer bewaffneten Araberbande auf der einen und Militär und Polizei auf der anderen Seite, 16 Mitglieder der Bande sollen dabei getötet worden sein, vier Araber und eine große Anzahl Gewehre und Munition fielen den Truppen in die Hände. Ein'britischer Soldat wurde leicht verwundet." Auf eine weitere Anfrage sagte ^der Kolonien minister, Militär und Polizei machten alle Anstr2n gungen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung. In ganz Palästina aber entfalteten bewaffnete Banden eine lebhafte Tätigkeit und die Zahl der Gewaltakte sei sehr groß. Anzunehmen, daß diese be waffneten Banden von einer auswärtigen Person oder Körperschaft mit Geld unterstützt werden, fehle Ihm die Grundlage. Dagegen schmuggelten sich aus verschiedenen Nachbarländern Araber nach Palästina, um sich den Banden anzuschließen. Es würden in der ganzen mohammedansischen Welt ausgedehnte Sammlungen durchgeführt' im einzelnen lägen hier jedoch keine genauen Anhaltspunkte vor. Brasilien. Staatsangehörigkeit in Brasilien. Rio de Janeiro, 30, April. , In Brasilien wurde die Frage des Erwerbs der Staatsangehörigkeit neu geregelt. Das Dekret bestätigt, daß .Kinder, die auf dem brasilianischen Territorium geboren werden, die Staatsangehörigkeit des Landes ipso jure erwerben. Canada. Einwanderung in Kanada. Montreal, 8. Mai. Im Jahre 1937 sind in Kanada insgesamt 15101 Einwanderer angekommen, das sind 29,7 Proz. mehr als im Jahre 1936", Hiervon stammten aus Nordeuropa 1144, aus dem britischen Weltreich 2859 und aus USA 5555. Von den Einwanderern waren nach amtlicher Angab© 3573 erwachsene Männer, 6127 erwachsene Frauen und 5402 Kinder unter, achtzehn Jahren. Unter den erwachsenen Männern waren 1223 Bauern, 349 ungelernte Arbeiter, 483 Mechaniker, 662 Kaufleute. 803 verteilten sich auf verschiedene freie Berufe. Ferner waren unter den Einwanderern 648 Hausangestellte über und 137 unter 18 Jahren. Die überwiegende Mehrheit der Einwanderer nahm in den Provinzen Ontario und Quebec ihren Wohnsitz,' Amerika. Juden polnischer Staatsangehörigkeit in Amerika. New York, 8. Mai. In einer Erklärung, die der Vorsitzende der Vereinigung polnischer Juden, Mr. Benjamin Winter, und der Geschäftsführende Direktor Mr. Z. T y d e 1 in Amerika anläßlich der bevorstehenden Tagung des Verbandes veröffentlichten, wird u. a. darauf hingewiesen, daß die Tagung dazu dienen solle, die Verbindung zwischen den polnischen Juden in Amerika und ihren Angehörigen in Polen noch enger zu gestalten. Die amerikanische Judenhe.it könne den polnischen Juden nicht nur finanziell, sondern auch in moralischer und .geistiger, Beziehung helfen. Die Tagung, die am 8, Mai stattfand, war dazu bestimmt, diese Hilfe zu organisieren. ■ : Der Staatssekretär des Innern," Harold. L. I c k e s, ruft in einer öffentlichen Erkrlärung die Bevölkerung der Vereinigten Staaten auf, den 450 000-DolJar-Drive der amerikanischen „ORT"-Gesellschaft zu unter stützen. Er weist darauf hin, daß die Sammlung be stimmt ist, für Massen erwerbsloser Juden einen Weg zu neuer Lebensmöglichkeit zu eröffnen. Personalien. Würzburg, 8. Mai. Im Alter von nur 39" Jahren verstarb hier ganz unerwartet Frau Thekla Reiter geb. Schnell. Die Verblichene — unersetzlich als Gat tin, Muttfcr und, Hausfrau — befleißigte sich zeitlebens eines streng religiösen Wandels und blieb' diesem Grundsatz auch in Haus und Familie stets treu. Sie hinterläßt eine kaum zu schließende Lücke. Auf dem O'Ti n'a schilderte Herr Rabbiner Dr H a n o v e rr in zu Herzen gehenden Worten Leben und Wirken der Heimgegangenen, Lehrer Reiter, Gerolzhofen, sprach im Namen der Familie Worte des Dankes. frasan SprechsaaL Jubiläumsglückwünsche. Das „Israelitische Familienblatt" hat anläßlich seines 40jährigen Bestehens eine Jubiläumsnummer in prächtiger Aufmachung herausgegeben. Von zahlreichen Männern und Organisationen der jüdischen Oeffentlichkeit werden Glückwünsche mit faksimilierten Unterschriften veröffentlicht, die ein sprechendes Bild von der Verbreitung, Bedeutung und Wertschätzung geben sollen, die dieses Blatt in weitesten jüdischen Kreisen besitzt. Unter ihnen kommen auch rabbinische Persönlichkeiten zu Wort; wir lesen u. a, die warmen Glückwünsche der Herren Rabbinen Dr. Seligmann-Frankfurt, Dr. Dienemann-Offenbach, Dr. Jakob Horovitz-Frankfurt, Oberrabbiner Dr. Carlebach-Hamburg und von den beiden letzten Herren Rabbinen einen besonderen warmen Glückwunsch auch im Namen des Verbandes traditionell-gesetzestreuer Rabbiner. Das genannte Blatt darf mit den allseitig ihm gewordenen Huldigungen, und Segenswünschen recht zufrieden sein. Die meisten Glückwunschadressen rühmen die überparteiliche Haltung des Blattes, das sich zur vornehmen Aufgabe stellt, die Einheit des Judentums im Bewußtsein der Leser zu stärken. Unseren Lesern freilich braucht nicht gesagt zu werden, daß es wohl eine ewige, einheitliche, g'ttgewollte Lebensbestimmung gibt, zu deren Lösung jeder Jude verpflichtet ist, daß es wohl eine Einheit der Geschichte, Einheit der Schicksalsgemeinschaft, leider aber eine Einheit des Judentums in der Gegenwart nicht gibt, solange, trotz aller erschütternden Ereignisse der Gegenwart, Männer wie die Herren Seligmann und Dienemann ihre sog. rabbinische Wirksamkeit immer noch im Dienste eines Judentums begreifen, das G'ttes heilige Thora in Gesinnung, Lehre und Leben verleugnet. Im Dienste der gepriesenen Einheit des Judentums ist das gefeierte Blatt, wie es in einem historischen Rückblick nachdrücklich betont, bestrebt, die Schaffung einer jüdischen.'Gesamtorganisation mit ganzer Energie zu unterstützen. In diesem Sinne votiert der Vater dieser ersehnten Gesamtorganisation, Herr Dr. Alfred Klee, dem Blatte wärmsten Dank für dessen nachhaltige Hilfeleistung bei der Propagierung dieses Gedankens im Bewußtsein weitester Kreise. Herr Dr. Klee erstrebt aber, wie er betont, nicht nur den Zusammenschluß aller Gemeinden und Verbände innerhalb Deutschlands, sondern einen gemeinsamen Verband der jüdischen Gemeinden in der , ganzen Welt, dessen Aufgabe „Konzentration unserer geistig-religiösen Kräfte" sein soll: „er soll und wird die Stelle neuer jüdisch-religiöser Autorität sein, die vielleicht.be-' rechtigt sein wird, im Sinne der jüdischen Halacha für die G e samtheit Unseres Volkes neue Entscheidungen zu treffen"!! '.-.<- Herr Dr. Klee hat mit dankenswerter Offenheit programmatisch ausgesprochen, was das thoratreue Judentum von einer Gesamtorganisation zu erwarten hat, in der auch Persönlichkeiten wie die Herren Seligmann und Dienemann berufen sein werden, an der Konzentration der geistig-religiösen Kräfte mitzuarbeiten, eine Stelle neuer jüdisch-religiöser Autorität «u schaffen und für die Gesamtheit unseres Volkes neue Entscheidungen zu treffen!! . Ob es dem Verband traditionell-gesetzestreuer Rabbiner und seiner halachischen Kommission nicht denn doch etwas bange zumute wird bei dem Gedanken an die Rolle, die der Halacha unter der Mitarbeit der Herren Seligmann und Dienemann in dem Dr. Klee'schen Programm zugewiesen wird? Und doch kann dieses Programm, so muß sich wohl die breite öffentliche Meinung sagen, nicht so schlimm sein, denn das Israelitische Familienblatt hat ihm im Zeichen der von dem Blatt vertretenen Einheit. des Judentums in seiner Festnummer eine nicht zu übersehende Stelle eingeräumt und durfte seinen .Le-» serri gleichzeitig "auch die herzlichsten Segens-'--und Glückwünsche mitteilen, mit denen selbst der ." Verband traditionell-gesetzestretier Rabbiner die Arbeit dieses Blattes begleitet.' Herr;Rabbiner Dr. .Horovitz > glaubt - seinem religiösen Gewissen Genüge getan zu haben, wenn er in seinem Glückwunschschreiben betont, daß er „nicht immer einverstanden sein konnte mit dem Ständpunkt, der sich in den (von dem gefeierten Blatt) veröffentlichten Aufsätzen ausspricht" — schränkt aber diesen leisen Vorwurf alsbald ein, oder besser hebt ihn vollkommen wieder auf, indem er sich verpflichtet sieht, dem Blatt zu attestieren, „daß Sie stets bestrebt sind, „zu bauen und .zu pflanzen". und nicht niederzureißen.'' Wir , aber fragen: dient " das von Herrn Dr. Klee entworfene Programm auch der Aufgabe „zu bauen und zu pflanzen" im Sinne des Herrn Dr. Horovitz? Und wir begnügen uns nur mit der Feststellung, daß G'tt einst mit diesen Worten der Berufung die Lebensarbeit eines Propheten Jeremia (Kap. 1, 10) ehrte ,die Herr Dr. Horovitz. für angebracht hält, dem Israelitischen Familienblatt huldigend zuzuerkennen. Herr Dr. Horovitz ist sich gewiß bewußt, daß der Prophet, um „aufzubauen und zu pflanzen", auch berufen war, „niederzureißen, zu vernichten und zu zerstören", (s. das.), das aber will sagen: anzukämpfen wider alle Erscheinungen, die der Wahrhaftigkeit und der Verwirklichung seines g'ttlichen Judentums entgegenstanden. Das Israelitische Familienblatt bringt es jedoch fertig, wie Herr Dr. Horovitz meint, „aufzubauen und zu pflanzen ohne zu Zerstören" — das ist aber nur möglich, weil ihm eben im Zeichen der sog. Einheit des. Judentums sowohl das Judentum des Herrn Dr. Horovitz als auch das' Judentum der Herren Seligmann und Dienemahn recht ist — und Herr Dr. Horovitz weiß diesem Blatt für diese erfolgreiche Arbeit aufrichtigen Dank. Herr Oberrabbiner Cärlebach preist die zeitungstechnische Vollkommenheit des Blattes. Er sieht sich aber auch veranlaßt, „freimütig einzugestehen", daß die Ansichten des Familienblattes „immer von ethischer Kraft, von Rücksicht auf den Klallgedanken, vom Ziel einer inneren Versöhnung und Zusammenfassung alles Jüdischen in letzten großen Idealen getragen sind". Wir aber fragen; dient auch das von Herrn Dr. Klee entworfene Programm dem von Herrn Oberrabbiner verstandenen „Klallgedanken", erhofft auch er von der ersehnten Gesamt- OTganisation unter Mitwirkung der Herren Seligmann und Dienemann die Schaffung einer Stelle neuer jüdisch-religiöser Autorität, die für die Gesamtheit, unseres Volkes neue Entscheidungen zu treffen berufen sein wird mit dem Ziel „einer inneren Ver-- söhnung und Zusammenfassung alles Jüdischen in "letzten großen Idealen"? Es braucht?iicht gesagt zu werden, daß Herr Oberrabbiner Carlebach diesen Gedanken mit Entrüstung weit von sich weisen wird. Ob aber weite jüdische Kreise; denen die Gänge der Halacha nicht so erschlossen sind und deren jüdische Gewissenhaftigkeit in der Gegenwart die härtesten Proben zu bestehen hat, sich nicht sagen müssen:.jdie halachische Einstellung der Herren Seligmann und Dienemann zu Sabbat, Ehegesetz und Schechita kann schließlich doch nicht die Vernichtung des g'ttlichen Judentums und der g'ttgewollten jüdischen Lebensführung bedeuten, wenn das Dr. Klee'sche Programm die Mitwirkung dieser Herren bei der Schaffungeiner zentralen jüdisch-religiösen Autorität vorsieht, die berufen sein soll, im Sirne der jüdischen Halacha neue Entscheidungen zu treffen, wenn das Israelitische Familienblatt unter der Flagge der Einheit des Judentums, seinem Leserkreis dieses Programm unterbreitet, und gleichzeitig der ehrwürdige Hamburger Oberrabbiner „freimütig" diesem Blatte den „Ehrennamen eines jüdischen Blattes" zuerkennt, das „einen wichtigen Erziehunösfaktor der deutschsprachigen Judenheit" darstellt, Rabbiner Dr. Joseph Breuer. Jeschiwoth. Geehrte Redaktion!; Im letzten „Israelit"- wird unter dem Titel „Und unsere Jugend?" für den Gedanken eines Lernjahres geworben. Zum Schluß wird ausgeführt; „Um unserer Jugend ein solches Lernjahr zu geben, brauche nwir sie nicht mehr w i e früher auf eine osteuropäische Jesohiwah zu schicken. Wir haben vielmehr Jetzt auch in Deutschland Institute, die das gezeichnete Ziel verfolgen." Der Verfasser weist dann auf die Frankfurter nvv und die Bate-Chmuch in Berlin und Fulda hin. Die Frankfurter Jeschiwah legt auf dergleichen Propaganda keinen Wert und hat sie auch nicht nötig, wie der Schreiber dieser Zeilen aus eigener Erfahrung weiß.. Im Allgemeinen muß auf den höchst bedauerlichen, gefährlichen Mangel an richtigem Augenmaß hingewiesen werden, deraus dieser Propaganda spricht. Es bedarf keines •,Wortes; der Besuch der großen nia,B>'» in denen iStn, »bria wirken, ist nie und nimmer überflüssig und absolut notwendig, so segensreich sich auch die Tätigkeit der westlichen Thorainstitute gestaltet. W. W.