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Der Israelit · 1938-05-12 · Heft 19 (12.5.1938) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 19 (12.5.1938)
Date
1938-05-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seije 6 Nr. 19 D. e r. I s r a e Iii 12^Mai'193S Ruhestand treten mußte, trennte er sich rocht von den Weg- und Kampfgenossen von gestern^ hersagte er sich nicht dem Nachfolger und der Schule, blieb er vielmehr ihr, den Kollegen und den Schülern treu, und hielt in dieser Treue durch in Tagen der Not, in Rat und Tat, in nimmer wankendem Bemühen eifrig tätig, so oft man ihn rief, freunde zu werben, Mittel zu schaffen, Pflichten' zu übernehmen und — Opfer zu bringen. Hinter diesem harten der Pflicht verschriebenen Leben stand aber der Mensch, ein Mensch der Wahrheit und der Liebe- Die Wahrheit war das Adelswäppen seiner Persönlichkeit, sie drückte sich aus in der Einheit von Wesen und Wollen, Yon Fühlen und Denken, von Denken und Tun. . Ohne Phrase, niemand zu Liebe und niemand zu Leide, bekannte er sich zu dem, was er für richtig hielt. Und wenn auch gegen sich sprechen mußte, weün ier geirrt,, er tat, es willig, mit idem". Mut deines Mannes und mit dem Vertrauen eines . Kindel,- Wahr-1 heit und Liebe waren ihm keine Gegensätze, sie blieben die Grundsätze und Grimdzüge seines Lebens bis ans Ende. Die Liebe', die er an Toten und an Lebenden übte ,und ' die liebevolle Versenkung in das Studium jüdisch-wissenschaftlicher Probleme bildeten nach seiner Zurückziehung aus der Lehrtätigkeit den beglückenden Inhalt seines von einer schönen Häuslichkeit erhellten Lebensabends. Sie werden auch nach seinem Tode in der Gattin, die ihn verehrt, in Menschen,- die er betreut, und in den Schriften, die er verfaßt hat, von ihm zeugen und dem Grabstein, der in diesen Tagen gesetzt wird, die Weihe geben, die von den Schülern und guten Werken eines p'ix ausgeht: Leben weckend und Segen'verbreitend; E. im ersten Schmerze über diesen Verlust zu sagen haben. läßtim <Pozentehkollegium; eine utfausfüllbare Lücke- Die „Rückkehr zum Judentum" kam" sich nur vollen* den, wenn,der Weg der Thora beschritten; wird. Eine: Fluchtbewegung in; das Judentum hinein;- jnuß der gleichen Ablehnung begegnen wie.eine Flüchtbewsegung aus dem Judentum heraus. -Aufgäbe.1 des Rabbiners von heute ist es darum, jüdische: fMenschßh neu zu gestalten und sie zu Trägern jüdischer Weltr anschauung zu machen. Oberkantor Ap.f el sang darauf ausdrucksvoll . auf Rabbi Dr. Fr eimann. Den wissenschaftlichen Eröffhungsvorträg bei Seminarbeginn hielt Dozent Rabb. Dr. Samuel Grün* berg. Das Thema lautete; „Das Problem der hebräischen Vokalisation". In streng „wissenschaftlicher Systematik und unter Heranziehung eines umfang-, reichen Quellenmaterials setzte sich der Vortragende mit dem Problem der Entstehungszeit der Punktation auseinander. Aus der Fülle der Ansichten und Hypothesen zu diesem schwierigen. Problem stellte er klar die traditionelle Ansicht der literarisch-kritischen gegenüber. Ais Ergebnis der Untersuchung, ist die folgende synthetische Auffassung des Vortragenden festzustellen: Die tiberiahische Schule war nicht die Erfinderin der Vokalisation, sondern lediglich die Ordnerin. Es ist anzunehmen, daß eine vom. Sinai überlieferte inhaltliche Lesung existierte. Die überlieferte Lesung durfte aber nicht im Texte angegeben werden. In früherer Zeit führte man zu Lehrzwecken eine primitive Form der Vokalisation ein} eine solche Punktation ist selbstverständlich ' unzureichend und darf zur Stützung der offiziellen Deutung der Thora'nicht verwendet werden. Spätere Zeiten brachten Differenzierungen und Nuancierungen des;:Vokalisationssystems wie auch Neuentdekkungen verschiedener Systeme der vPunktation. -. >• K. Kl.; Fachärztliche Versorgung jüdischer Wohliahrtspileglinge, Berlin, 10. Mai. Ueber die wohlfahrtsärztliche Versorgung jüdischer . Hilfsbedürftiger durch jüdische Aerzte ist nunmehr eine Rundverfügung erlassen worden („Aerzteblatt für Berlin und Kürmark", Heft 18, vom 30. April 1938). Für die ärztliche Versorgung hilfsbedürftiger Juden ist eine Anzahl jüdischer Fachärzte "zugelassen worden. Diese Fachärzte sind ohne jede Ausnahme befugt, wohlfahrtsärztliche1 Versorgung für Juden zu übernehmen. Die wohlfährtsärztliche Versorgung sonstiger Hilfsbedürftiger ist ihnen verboten. Die Inanspruchnahme der zugelassenen jüdischen Fachärzte ist nur möglich, wenn der behandelnde praktische Arzt fachärztliche Behandlung sachlich für unbedingt erforderlich hält und die Ueberweisung. ah einen Facharzt veränlaßt. Um die beschleunigte Ueberführung der' laufend ' unterstützten Juden au& der Behandlung deutscher Fachärzte in die Hand jüdischer Fachärzte zu ermöglichen, ist mit - der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands, Landesstelle Berlin, vereinbart worden, daß, wenn für einen solchen jüdischen Hilfsbedürftigen ein "Krankenschein für das zweite Kalendervierteljahr (1. April bis 30. Juni 1938) schon ausgestellt und dieser Krankenschein einem deutschen Facharzt übergeben worden ist, der deutsche Facharzt den Juden mittels des Kranken- Überweisungsscheins an einen zugelassenen jüdischen Facharzt zu überweisen hat. Die Tätigkeit aller zu- gelassenen jüdischen Aerzte ist nicht auf ihren Wohnbezirk begrenzt. Die jüdischen Wohlfahrtspatienten haben also unter allen zugelassenen jüdischen. Aerzten völlig freie Wahl. Die Wiener Aguda arbeitet wieder. : T- 4;; Wien, 10.;,Mal Der Wiedereröffnung: der Kultusgemeinde, folgta die Reaktivierung der, .'verschiedenen jüdischen Organisationen, Im;Laufeder -W,o;che haben das Palästinaamt, die zionistischen Vereine und die Agu.da ihre Tätigkeit^ aufgenommen. Es wird auch schon. jlieV Herausgabe-, eines zionistischen Wcohenblattes vor» bereitet, . . .-: i<: ,r. Die Besonderheit der Aufgabe,; die jetzt der Agudas Jisroel harrt; besteht darin, daß sie religio & lebenden Menschen Auswanderungsmöglichkeitexi schaffen soll. Die Schwierigkeiten, mit denen" jeder Emigrant an und für sich zu kämpfen' hat, vervielfachen sich naturgemäß für r den Gesetzestreuen, der auch weiterhin die Sabbat-, Kasehruth;- und Fajnilienreinheitsvorsehriften beobachten,will. Die. Aguda wivd ■ darum iaujch, anj).die,>weitaus, erjSte, Stelle -ihrer künftigen Arbeit i&fe Vorbereitung und .Betreuung dernihr .gesinnungsmäßig nahestehenden, ^Auswanderer ,se,tzen. In Bälde, werden . S p r a c h - ,,>,h a n d,w e r k'Ji&i e ..und . 1 a n-d wi r t s ch a f tl i eh e; Um s^h ul u n,g s« k,u r s e; eröffnet werden!,, für die 'map £sich ^die. geeignetesten Kärfte zu sichern bestrebt ist. yfe^e*-" . rei^;.mitgeteilt, bestehen auch Pläne |j^-«G r u p,p e nißi.e d l.u ng e n , ~:woniit'.gleiclierwgiseV^ipateriellöf.wie-; geistige. Tendenzen/yerfolgt .werden;;'Üem gfeij&e» Ziele werden.. Sie Bemühungen "um .pihe ' möglichst; -- •/ <... »•'<•« i.' ' t r;<;:t: .UyS-'i «a£v»*-' ,• : umfassende rffV.i i ] a h;.;yo.n ^.^schi^oh zo g[,in - ^en.: dienen..^.1^ '''Ii J^l.rlZ^. : .1.«''.; Korrespondenzen* u. ——. Deutsches Reich. Rabbi Wolf Pappenheim V'ST- Wien, 11. Mai. Kurz , vor Redaktionsschluß erhalten wir die telefonische Nachricht vom Ableben Wolf P&ppenheims. Wolf Pappenheim, der Altmeister der Wiener Orthodoxie, einer der prominentesten Führer der Agudas Jisroel -Weltorganisati qp. ein hervorragender Wohltäter im Großen und Kleinen, hat ein Alter von bald 90 Jahren erreicht und stand von Jugend auf, ein langes Menschenleben hindurch, im Dienste der Thora, im Dienste des Volkes, wo es immer in seinem Kern treu zu G'tt und seinem Gebote hält. Der Mahn mit dem goldenen Herzen scheute den Kampf bis zum äußeisten nicht, wenn es galt, bedrohte T ho rainter. essen inder-Gemeinde und in de;r Gemeinschaft z u wahren. Die Agudas Jisroel, zu deren Mitbegründern er gehörte, war die. Hoffnung seines Lebensabends, eine Hoffnung, der er sich nicht nur gläubigen Herzens hingab, sondern an der er schaffend und gestaltend mitarbeitete. Von einem bewundernswerten Feuergeist war Wolf Pappenheim bis zuletzt, auch, in denrTageh, xla körperliche Leiden ihn ans Zimmer gefesselt hielten, beseelt und bewegt, und Besucher, die sich mit ihm in Klallangelegenheiten unterhielten, gingen; bereichert von dannen, voll neuer Anregungen und neuer Impulse. Ein Strahl jugendlicher Arbeitsfreude ergoß sich., aus dem geistesstarken Greise und übertrug ■ ,fi(fh auf seine Umgebung, um sich dort in? lebendige;jTatkraft umr!. zusetzen. Ein überaus verehrter Patriarch im Kreise einer großen 'Schar von Kindern Und Enkeln, so beschloß, unser Wolf Pappenheim sein gesegnetes und segenschaffendes : Lehen. : Es.., ist dies alles,., was w;r Von unserem Wiener Korrespondenten wird uns ferner-geschrieben: Wien, "11. Mai. Gestern 6 Uhr nachm. ist hier im patriarchalischen Alter von neunzig Jahren Reb Wolf Pappenheini, der Nestor der Wiener Orthodoxie, verschieden. ' : Der unmittelbare Eindruck des erschütternden Ereignisses verwehrt es ,der Bedeutung des Dahingegangenen vollauf gerecht zu werden,.-Eines sei aber schon jetzt gesagt: das Leben dieser markantesten Persönlichkeit im hiesigen glaubenstreuen Lager, da.« zwischen den beiden ewig denkwürdigen Jahren 1848 und 1938 abrollte, ist selbst historisch. Der berühmten Familie der Preßburger Pappenheims {entstammend, brachte er den kämpferischen Geist seines großen Lehrers, des K s a w S o f e r , mit nach Wien, wo er vier Jahrzehnte lang an der Spitze 4er Orthodoxie mutig und unerschrocken, z.ähe . und kompromißlos für deren Unabhängigkeit stritt. Unter 'seiner Führung wurde die A d a 's J i s r o e 1 (Schiffschul] aus einem Kreis der Gesetzestreuen zu ihrer festen Burg,'; von der-aus man manch harten Strauß .wagen durfte. - Ueber diesen lokalen Wirkungskreis hinaus 'eröffnete sich dem Unermüdlichen in der Agudas Jisroel ein weites Betätigungsfeld, auf dem er große Erfolge ernten konnte. Nun ist ,er selbst nach langem Siechtum wie eine überreife Frucht vom Baume des Lebens gefallen. „Satt an Tagen", ah Arbeit und Leistungen, geht er in die Ewigkeit ein. Die aber, die er verlassen hat, empfinden jetzt —^obwohl er schon die letzten Jahre in Zurückgezogenheit verbrachte — eine schmerzhafte Leere in ihrer Mitte, das trostlose Gefühl der Verwaistheit, das aus dem Bewußtsein kommt; Unser Reb Wolf ist nicht mehr! Die Kinder und :Enkel des Verblichenen, die alle in seinen Fußstapfen: gehen, spielen im orthodoxen Leben führende Rollen. M. G. tr^sn DiT^j? ]r imn? Semestereröf fiating am - Rabbiner-Seminar. ' \ ' .'Berlin, 9. Mai. Am Dienstag, den;3. Mai, wurde das Sommersemester des Rabbiner-Seminars zu Berlin mit einer Feierstunde eröffnet. Namens des Dozentenkollegiums begrüßte der Rektor des /Rabbiner-Seminars, Rabb.!Dr. Weinberg, in hebräischer Sprache diet anwesenden Gäste und Hörer, insbesondere aber die. Neueintretenden. Die ' Aufrechterhaltung jüdischer Lehrhäuser und Schulen in Deutschland — so führte Herr Rektor Dr. Weinberg aus — ist eine hervorragende, von starkem Kultürwillen zeugende .Tat einer jüdischen Volksgruppe, deren Organisation sich in einem LiquidationsprozeB befindet. Um das Bildungsniveau der heranwachsenden ' Rabbiinergenera- Jlioh zu erhalten hat, man nach langen1 -Verhandlungendie" allgem'ein-wissenschaftli'chen' Kurse für: die Hörer beider Rabbiner-Lehranstalten geschaffen. Für eine {Ausweitung des geistigen .Horizontes künftiger jüdi- I scher Lehrer %ind sie—gerade'^ih' heutiger Zeit von besonderer Wichtigkeit. Rabb^rjr. Weinberg zeic.hr jnete in einigen Strichen -das' '-Fe?sääßcnkleitsbild des 'verewigten Seminardozenten Rabb. Dr. Fr ei mann; V"ST» dessen Dozentenplätz zu,feinen Ehrung mit.-peinen Büchern belegt wsat, ^iese Erinnerungsstunde, so rführte er aus —- -gilt einem^großen, edlen Jj^enjf? scheu/' einem jüdischen .»Wtesenst^atäLet; y$ft. Weltruf,-; einem ^bedeutenden Rabbiner; sein. Heim^gang hinte^Cf,..

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