Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1938)
- Date
- 1938-05-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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v^n m. MM Die KEREN H ATO RÄH -vSOm meldoSe gehörMn jedes jüdische Haus! Sie gibt jedem die Möglichkeit, durch kleine tägliche Spenden die Arbeit des Keren Hatorah zu fördern. Bitte- D os e n a n i o r d e r n : Keren Hatorah, Hamburg 13, Heinrich Barth Straße 21 k£J*> o imuouiouj) Anweisung seiner Thoraworte aufzuzeigen. Dann wird endlich, wie Hirsch es wollte, die Einheit von Thora und Derech-Erez, der Mensch-Israel, der ungebrochene Jude geschaffen, ein leuchtendes Vorbild für die ganze Judenheit. S. G. Direktor Elias Fink yst zum Gedächtnis. Frankfurt a.. M., 11. Mai. In diesen Tagen, da sich ein Tor nach dem anderen hinter der Vergangenheit schließt, . vermi Jseri "wir doppelt schmerzlich die Mensehen, die aus der Vergangenheit zu uns redeten. Eine solche Brücke lebendiger Erinnerung war uns Direktor Fink, der vor einem Jahre nach kurzem Krankenlager von uns ging. Wie ein Gruß aus Kindheitstagen,, ein sonnenbeschienenes Stück Geschichte aus unserer Schule, deren 75. Geburtstag er in einer groß angelegten Festrede vor 10 Jahren feierte, so wirkte er unter der künftigen jüdischen Führergeneration, hinzu, die diese Zeit der Wandlung für uns Juden besonders tragisch werden ließ. Das Schicksal strafte diese uneinige und darum , ungeeignete Führergeneration besonders hart, indem es sie durch eine Seuche hinwegraff te, das jüdische Volk aber so führerlos in schwerer Zeit dastehen ließ. , Mancher Trauerbrauch der Omerzeit gemahnt uns, gemahnte' uns schon immer an diese Zeiten. Und doch will es scheinen, als ob erst wir den Sinn dieser Tage der Zählung erfassen, erfassen können. Gewiß, den religionsgesetzlichen Bräuchen und Vorschriften wurde , stets in weiten Kreisen unseres Volkes Genüge geleistet.. Doch es war seien wir ehrlich —. kaltes Brauchtum, nur um - seiner selbst willen geübt, das den meisten von uns nichts zu sagen hatte. Wir zählten dl© Tage, aber erlebten die Tage der Zählung nicht. Wir hatten, innerlich und zeitlich zu großen Abstand gewonnen und die Ereignisse in uns verwischen lasseh. Heute ist das anders geworden. Besonders die geschichtliche Bedeutung der Omer-, tage ist uns aufgegangen. Wir erleben wieder, schaudernd oft genüg, die Labilität unseres politischen Seins, merken, daß in Zeiten der .Wandlung von Völkern und Anschauungen wir in G'tt Halt suchen müssen. In solchen Zeiten beklagen wir die unter; uns und . unseren führenden Persönlichkeiten auch heute leider noch oft herrschende Uneinigkeit und wünschen und hoffen, daß dieser Fehler behoben -wird, bevor das Schicksal ihn straft. Denn schon die Geschlossenheit in unseren Reihen könnte die Labilität um vieles beheben. Wir zählen wieder, aus eigenem Drang heraus, weil wir alle auf etwas warten, mag "das Erwartete für jeden Einzelnen vielleicht verschieden sein. Und-wenn wir so zählen, dann sollen wir wissen Und erkennen, daß die Zählung nur dann jüdisch ist, wenn sie führt zu min innr zum Erfassen unseres Religionsgesetzes, wenn wir lernen, unser Sein neu zu erbauen, auf der Grundlage der Tauroh, daß der Weg des Hinaus zum Sinai führen muß, um von dort gestaltet zu werden. In diesem Sinne wollen wir zählen, in diesem Sinne wollen wir beten yn» ]5 tt*»*. PMxb, daß G'tt uns unsere Tage richtig zählen lassen möge, zu einer wahrhaften nlnRa im Sinne des Sinai, im Sinne von mm Wochenkalender. Vom 11 — 21. M ü »938 / Vom 13. - 20. Ijar 5698 'av *[i hii Samstag 14 23 Ö3 Sonntag 15 14 \> Montag 15 15 vb Dienstag Mai 17 "'T'R 16 Mittwoch 1« 17 ■ ih Donnerstag 19 . 18 iV Freitag 120 19 nV Samstag 121 20 ■fr 'i ins im rav ->m xrasn nnsa rb "i pns *mn naw Briefkasten. E. N„ E. Es kommt die Sidra vw»i in Betracht. uns. Wie ein Fels ragte er zu uns herüber aus den besten Tagen unseres Kollegiums, zu . dessen markantesten Gestalten er zählte, ein Wahrzeichen unerschütterlicher Sicherheit des im Judentum wurzelnden Geistes, den er noch vier Wochen vor seinem Tode an der Schul-Schlußfeier eindringlich und eindrucksvoll beschwor, wie wenn er geahnt hätte, daß er damit endgültig von der Schule Abschied nahm und Sein letztes Vermächtnis an die Schüler niederlegte. Der. knorrigen Eiche gleich, von der Jesajah singt, □3 imn mbwz ups die auch, wenn die Blätter gefallen, standhält und Stand gibt, Denkmal heiligen Samens, den sein eEltern und Lehrer in ihn gelegt, gab er uns mehr als einmal in schweren Stunden aus seiner eigenen Sicherheit heraus Trost und Vertrauen. Em treuer Bewahrer des heiligen Gutes, das ihm anvertraut war, wertete er es uni so höher, je bescheidener er von sich dachte. Desto größer war sein Verantwortungsgefühl, das einen Grundzug seines Wesens ausmachte. Stets fühlte er sich angerufen: „Wisse, woher Du kommst, wohin Du gehst, und wem Du einst Rechenschaft abzulegen hast"! Sc.-' hütete er in Ehrfurcht das geistige Erbe seiner frommen Eltern, das mütterlicherseits auf keinen Geringeren als den berühmten rra zurückging, so hielt er ängstlich die Zeiten ein, die er für die Schiurim bestimmt hatte, gegenüber allen Ansprüchen, die das profane Studium j an seine Zeit stellte, und so wachte er in ständiger " Kontrolle über seine Emunoh gegenüber den Stimmen der Zeit, die von der Wissenschaft her die Religion entthronen wollte, und gegenüber allen Zweifeln, die die Religion aus dem Herzen gärender Ju^ gend zu verdrängen drohten. Elias Fink s"xt begnügte sich nicht damit, selber standhaft zu bleiben, er fühlte sich als Sehomer Mischmereth hakodesch, auch für Mit- und Nachwelt als Hüter heiligen Erbes und stellte sich als solcher gerade dort vor das Heiligtum, wo es ani stärksten angegriffen war: auf dem Felde der Naturwissenschaft. In der Schule Samson Raphael Hirschs und im Seminar David Hoffmann hatten die größten Apologeten des geschichtlichen Judentums nicht umsonst zu seiner Seele gesprochen, und den Kampf, den jener gegenüber der Reform, dieser gegenüber der Bibelkritik aufgenommen, wollte er gegenüber der Naturwissenschaft fortführen und der Jugend seine feste Ueberzeugung zu eigen machen, daß, je tiefer der Einblick in die Welt der Wissenschaft und in die Geheimnisse der Natur, desto größer auch die Ehrfurcht vor der Erhabenheit der Thora sein könne. So wurde er Lehrer, und eine neue Verantwortung fühlte-er in seine Hände gegeben: für den Geist und die Seele der ihm anvertrauten' Jugend. Und so ernst er vorher in Karlsruhe und in Berlin, wo er auch Helmholtz hörte, die Vorbereitung für seinen Beruf genommen, so ernst nahm er jetzt die pädagogische Vorbereitung für jede . einzelne . Stunde VOr, AUS seiner kritischen Selbsterziehung ging er als weit über den Rahmen der Schule hinaus bekannter Methodiker hervor. Aber das hätte ihm nie genügt, ohne die Hoffnung, als Lehrer auch Erzieher zu werden und als solcher vor. allem Erzieher zum Judentum, zu Thora und Mizwaus, und Erzieher zur Persönlichkeit, zur Charakterfestigkeit, zur Lauterkeit der Gesinnung und zur Gewissenhaftigkeit, kurz auf den Weg führen zu können, auf dem er. mit der Erziehung seiner selbst begonnen hatte. Hatte ihn die Naturwissenschaft wegen der gefährlichen Bedeutung, die sie damals in der Welt besaß, angezogen, so war die Mathematik in der Tifcfe seines Wesens begründet. Jene Akkuratesse und Pünktlichkeit, jene Korrektheit und Geradheit, die in seinem Reden und Tun zum Ausdruck kam, war bezeichnend für die Struktur seiner Seele und. ging weit über alles Formale hinaus bis zu jener Ar» beit an sich selbst, die der Forderung entsprang, für alles, was er tat, vor sich, vor G'tt und vor Menschen Rechenschaft abzulegen. Ein Mann von solchem Verantwortungsgefühl mußte auch die geeignete Persönlichkeit sein, an leitender Stelle zu stehen. Wer so lang und so ernst dienend sich gemüht, der mußte auch die beste Gewähr dafür bieten, führend zu vertreten, was er dienend hoch gehalten hatte. So übernahm er als Nachfolger von Gerson Lange V"sr, die Leitung der Schule, in der er sich durch seine aufrechte Gesinnung und seine Gerechtigkeit gegenüber Kollegen und Vorgesetzten, gegenüber Schülern und Eltern längst allgemeines Vertrauen erworben hatte. Und wie er in seiner strengen Auffassung von Pflicht die selbstverständliche Voraussetzung setner Tätigkeit sah, so war ihm diese selbst nicht ein Amt. das er heute aufnahm und morgen niederlegte, um sich zurückzuziehen, sondern eine dauernde Verpflichtung, die vor keiner Altersgrenze Halt machte. Als er, zu früh für seinen Betätigungsdrang, in den