Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1938)
- Date
- 1938-05-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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^^^S5!5 ^^^•^f'^^i^pt'^^^^^y^^s'^^g Seite 4 Nr. 19 T-^-rr-i, - " r-^f^^f-srv^^jyn'.- ,fs*»W; D e r' I s r ae*Ti t WM^^-^^&^^^^^^^^m^ iMMMSSS^S&ä^" von Makkabiparaden und anderen eindrucksvollen Veranstaltungen in seiner Meinung nicht beirren läßt ... Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums kündigt das neueste Heft ihrer Monatsschrift mit folgenden Worten an; „Ist der Offenbarungsglaube mit dem heutigen Weltbilde ereinbar? Einen Beitrag zur Lösung dieser — auch für uns Juden sehr bedeutungsvollen — Frage liefert Hans Joachim Schoeps im neuesteh Hefte der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, indem er die Lehre des Schweizer Philosophen Heinrich Barth eingehend darstellt, der in Weiterführung der Existenzial-Philosophie den Offenbarungsglauben rechtfertigt und dadurch uns Juden eine positive Haltung zur Offenbarungslehre erleichtert, wie sie zu Beginn der Emanzipationszeit namentlich Steinheim eingenommen hat." Wir fürchten, daß da, wo der Offenbarungsglaube Gegenstand einer Frage und einer Forschung ist und — wenn schon „Frage" — diese Frage nicht im Gedankengehalte des Schwuaus und der ihm vorangehen den Tage ihre endgültige Antwort findet, auch mit Schoeps, Barth und Steinheim nicht viel zu erreichen sein wird Wem der Bericht der Thora nichts gilt, dem wird erst recht die „Existenzialphilosophie" nicht viel zu sagen haben. Das hat sich gerade zu Beginn und im Verlaufe der Emanzipation deutlich gezeigt. * * . * Zu unserem Wochenrundschau - Artikel über Montevideo geht uns ein Schreiben aus Hessen zu, das mit Zitaten aus Briefen, die dort aus jener überseeischen Stadt einliefen, das „von uns entworfene Idealbild, der religiösen Verhältnisse in Montevideo" ein wenig trüben möchte. Nach jenen Berichten soll die Frau des ersten Vorstandes Nichtjüdin sein. In den Briefen heißt es u. a.t „Freitag. Abend betete ein Herr B. vor, Schabbos morgen Herr L. B., da Herr B. am Samstag arbeitet. — Tefillin legt außer mir nur ein Herr in unserer Gemeinde. Wir haben uns schon bei vielen — wegen Sabbat — befragt, nicht nur Deutschen, sondern auch Anderen, und kennt man Schabbos geschlossen hier überhaupt nicht, es sollen noch keine fünf Geschäfte hier am Schabbos geschlossen sein. Für die Neueinwanderer ist es in den ersten vier bis fünf Jahren vollständig ausgeschlossen, mit freiem Schabbos auszukommen. Ich habe 50 Minuten bis zur Synagoge zu laufen, was mir jeden Schabbos unmöglich ist." Ein Idealbild von den religiösen Verhältnissen in Montevideo haben wir nicht entworfen. Wir glaubten nur, an die Berufung eines uns bekannten frommen thorakundigen und zielbewußten Lehrers dorthin einige Hoffnungen knüpfen zu dürfen. Treffen die Darstellungen in jenen Briefen zu, dann werden dem Lehrer und den Männern, die ihn beriefen, um so größere Aufgaben zufallen, und die Hoffnung erscheint erst recht berechtigt, daß es ihnen, vielleicht mit Hilfe später zugewanderter gutjüdischer Elemente, gelingen wird, dieser geistigen Oede einigen jüdischen Boden abzugewinnen. Samson Raphael Hirsch und unsere Zeit. \ (Schluß,) Sicherlich hätte die neue Zeit mit ihrer interessierten Anteilnahme an allen Bewegungen — mochten sie der Ethik der Thora_ noch so entgegengesetzt sein — nicht so sehr geschadet, wenn wenigstens der Unterricht in der jüdischen Geschichte seine gewaltigen Möglichkeiten für eine jüdische Erziehung erfüllt hätte. Doch diesem Unterricht dienten nur gedruckte und gesprochene nüchterne Leitfaden; ein Werk, das Israels wunderbaren Gang durch die Zeiten von dem Auszug, aus Mizraj'im an gelehrt und Selbstbewußtsein, Würde und Stolz gegeben hätte, fehlte. Der Schöpfer des Weltalls soll dem Juden auch der Geschickeslenker einer jeden Gegenwart sein. Deshalb läßt die Thora das Andenken an den Auszug aus Mizrajim (Pessach, Tefillin, Kiddusch usw.) durch das ganze Jahr das Thoravolk begleiten und macht das Lehren dieses Gedenkens zur Pflicht. Eine jüdische Ge - schichte, die jede Gegenwart unter dem Aspekt, welchen der Auszug aus Mizrajim gibt, schaut, bedeutet ein aufbauendes Element. Seitdem in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die ersten Bände von Grätz' Geschichte erschienen waren, hätte diese Tatsache die thoratreuen Schichten mahnen sollen, die Herausgabe einer jüdischen Geschichte nach Weisung der Thora zu veranlassen. So leicht es aber war, für Prachtbauten von Synagogen die nötigen großen Summen zu erhalten — denn für Rrpräsentation hatte der auf das Greifbare gerichtete Sinn Verständnis —, so schwer war es, für die geistigen Erfordernisse Geld aufzubringen. Ueberdies verbrauchten die Führer detf Thoratreuen viel Kraft und Zeit in dem Tageskampf mit der Reform, — und so blieben das Geschichtswerk wie noch andere Aufgaben von erziehender Bedeutung für das Geschlecht einer neuen Zeit unerfüllt. Die Folgen des Weltkrieges haben die poli^ tische und die wirtschaftliche Situation des größten Teils der jüdischen Gesamtheit radikal geändert, — und es ist heute noch nicht zu übersehen, wie die Entwicklung abschließt. Hirschs Lebensarbeit ist heute noch viel wichtiger, denn sie geht heute nicht nur die westliche, sondern die ganze Thorajudenheit an und soll in die Wirrnis und in das Gefühl der Unsicherheit, die selbsjt diese konservativen | Teile ergriffen hat, Festigkeit, Weg und Fortschreiten bringen. - ' ... ■ ■ i -- ": . t;~ Vor allen Ditigen braucht; Hirschs. Thpra- Kommentar eine populäre Ausgabe, die viele Worterklärungen wegläßt, sonstige Kürzungen vornimmt und die Einteilung der Abschnitte stark^vermehrt, damit die Übersichtlichkeit gewinnt und das Wesentliche hervortritt. Dieser Kommentar braucht noch einen Unterkommen-, tar mit Verwertung der neuen Forschungen auf dem Gebiete der Assyriologie und Aegyptiolögie und sonstiger wissenschaftlicher Erkenntnisse, j Alles kurz, übersichtlich und fließend, wie es eine große, für die Masse berechnete Auflage heute erfordert. Der gekürzte Kommentar und der Unterkommentar sind auch „hebräisch" in einer Massenauflage zu mäßigem Preise auf den Markt zu bringen. . Ferner ist — gleichfalls in einer deutschen und in einer hebräischen Ausgabe — im Sinne der Hirsch'schen Parole von thoratreuer Seite ein Geschichtswerk ein Gebot der Stunde. Dr. Moses Auerbach, früher Dozent am Berliner Rabbinerseminar und jetzt Schuldirektor in Petach Tikwah, hat bereits seit etlichen Jahren das Manuskript für eine . dreibändige jüdische Geschichte beendet, konnte aber bisher keine finanzielle Unterstützung finden, die die Herausgabe ermöglicht hätte. Während die Zionistische Organisation manchen Mäzen gefunden hat, der in großzügiger Weise' Gelehrte finanziell erhält, besitzt die Thorajudenheit auf dem wichtigsten Gebiete der Propaganda, der Beeinflussung und der Erziehung: so gut wie nichts. Auch die Thorajudenheit dürfte*heute noch eine Anzahl organisationstüchtiger und unter-' nehmungslustiger Großkaufleute unter sich zählen. Jeder dieser sollte in unseren ernsten Tagen sich vor die Seele führen, daß er seinen Namen in die jüdische Geschichte zum Segen einschreiben werde, wenn er seine Intelligenz Tatkraft und Mittel endlich einmal auf Gründung eines großzügigen Verlags im Dienste der Thorajudenheit und zum Besten der ganzen Juüenheit konzentriert. Die Weltgeschichte — ob politisch, oV> kulturell -— und die Perlen der Weltliteratur sind nach der Ethik der Thora zu werten. In Naturkunde, Erdkunde, Chemie, Physik, selbst in der >• Mathematik ist unseres G'ttes Größe nach der '^■Plf <feP»J Zion. Von Saul Maus. Ueberall, wohin ich gehe, '-Bin ich von seinem Geist umgeben, Und seine heiligende Nähe Trägt mich empor zu jener Höhe, Die seinem Schritte hingegeben, Ich stehe hoch im stillen Winde, Vom Licht des ersten Tags umflutet, Verwurzelt fest im Grund der Gründe Und rufe; Friede Euch! und kund.« Das Wort, das tief mein Herz durchglutet: # Du bist es, hochgebaute, Von G'tt gekrönte Stadt der Städte, Du bist es, die ich ewig schaute! Ich hörte deine Mutterlaute Und lief zu dir und rief: Errette! Ich weiß mich nicht' zurecht zu finden In diesem wogenden Getriebe! Im Ungewissen alle Wege münden! Und ich bin blind und unter Blinden Und flehe um das Licht der Liebe . . Ich bat's und war emporgetragen Zu dir auf eines Engels Flügel Und hört' des Engels Stimme sagen: Die Zeiten sind's, die in dir, klagen! Nun sei-der Ewigkeiten Spiegel! . . . Die Berge liegen starr und ahnen Den Ruf verklung'ner G'itesworte. Die Meere hissen weiße Fahnen Und strecken sich zu sanften Dahnen Dahin vor Zions hohem Orte. Die Himmel bersten im Zenite Und rollen sich, verwelkt, zusammen. Das erste Licht ergießt die Flammen! Die Welt entsteht als neue Blüte Aus G'ttes grenzenloser Güte! Tage der Zählung/ Von Bezirksrabbiner Dr. Auerbach in Keddinghausen. Tage der Zählung sind es, in denen wir leben. Tage der Zählung sind es, die wir durchleben. Wir haben wieder gelernt, was es heißt/ auf etwas hin ZU zählen, etwas ztt «ifwafte». Wir zählen die" Tage, bis wieder ein Brief von den in weite Fernen ausgewanderten Lieben fällig ist und harren sehnsüchtig seiner Ankunft. Wir zählen die Wochen, bis auch zu. uns Zertifikat, Affidavit oder Rufbrief gelangt, damit auch wir uns anderpärts eine neue und s. G. w. glücklichere Existenz aufhatten können. "Wir können also» nachempfinden, wie es unseren Ahnen in der Wüste zumute gewesensein mag während ihrer Zählung bis zum Tage der Gesetzgebung, wodurch ihnen ihr bisheriges Schicksal erst sinnvoll und lebenswichtig" werden sollte. Diese Zählung sollen wir Jahr für Jaur nacherleben, damit wir uns der Bedeutung und Wichtigkeit des Sinaiaktesstets bewußt bleiben, erkennen, daß die Befreiung des Volkskörpers nichts, sinnlos ist, ohne die Befreiung des Volksgeistes, daß -k*sv' onsn ohne frim ina Torso wäre und sich darum nicht halten könnte, denn dieses verleiht erst unserem Sein: und unserer Geschichte A&ü Sinn- Doch außer dieser religionsgesetzlichen hat die- Sefirazeit auch ihre geschichtliche Bedeutung. - Sie führt uns zurück in die Zeiten R. Akibas und der Kreuzzüge, Zeiten( ' die ,geschichtliche Wendepunkte., darstellen, in denen die damalige Welt jeweils aus: den Fugen zu v gehen schien. In oslehen Zeiten wurde uns Juden jedesmal die Labilität ■ unseres politischen- Seins unbarmherzig zum Bewußtsein gebracht. Beide- Epochen waren Zeiten des Umschwungs, wo das bisher Bestehende bedroht und geändert wurde, wo die Völker sich politisch, geistig und wirtschaftlich; neu. orientierten, - und wo der Jude als fremd empfunden-., und behandelt wurde; wenn auch nach -Zeiten und' Ländern verschieden,-mit Wirkung auf die Judenheit immer gleich unheilvoll. Für die Zeit R. Akibas kam.- noch verhängnisvoll die Uneinigkeit jseiner Schüler,. v&^^jjggpgi