Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1938)
- Date
- 1938-05-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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■Sf^XSflf»*^ gpHsra#en9i%^4s^3Rs4s'?°''> *f$,TQ&V'?}lJ,5gXr1fy S-.t*'- ,,■*■«"■«« *• 9" 12. Mai 1938 De r Israel i t Nr. 19 Seite 3 ..-»» Von der ersten und der letzten Wahrheit. (Fortsetzung von Seite l.J Losung, die neben der feigen Fahnenflucht das „Heldentum" der deutschen öder französischen „Bürger mosaischen Glaubens" hervorgebracht; hat,; ist schön allzuviel gesprochen worden, als. daß heute, im Momente der Liquidation dieser trügerischen Träume, noch viel Neues darüber zu sagen wäre. III . Die um die Mitte der neunziger Jahre mit ■der zionistischen Bewegung entstandene' Parole: „Volk wie alle Volk er! " — es war die dritte Etappe in der Wandlung des jüdischen Volksbegriffes, — war gewiß nicht das berühmte; Heilmittel vor dem vierzig Jahre später erfolgten Schlag. "Zu welchen Folgen diese Losung, die kollektive Assimilation an Stelle der individuellen, geführt hat, davon zeugen der kulturelle Bezirk inv Zionismus, das Parteileben im neuen Jischuw,- das Schul- und Erziehungswesen im neuen Palastina-, mit wahrhaft erschütternder D.eütlichiteit: Sehr richtig bemerkte-jüngsthin ein:: Lehrer der'neuen Schulen in Tel Awiw; „Leb-' ten die Schöpfer des areligiösen Chinnuch nocHl! und sähen die Geist- und Inhaltslosigkeit der ' heutigen Erziehung, sie würden sich auf die Brust schlagen- und ein lautes „Al-Chet" anf stiihmen über die Früchte und Resultate ihrer* Arbeit." , Wir vernehmen heute oft genug solche offene Sündenbekenntnisse, allerdings aus dem Munde von Nachgeborenen, die zwar dieses System , nicht geschaffen haben, aber ihm noch dienen. So ^bringt der ,,Hazpf eh" die Aeußerung eines angesehenen Lehrers, P. Schi ff mann, der. aus seiner Erfahrung von der erschreckenden' Geringschätzung der religiösen und nationalen Güter und'der Verständnislosigkeit gegenüber dem Judentum der Propheten in den nationalen Schulen berichtet: „Nichts ist schwerer, als unsere Jugend in diesen Dingen zu unterweisen. Das Wort Gattesist ihnen entfremdet. Die Worte des Propheten über Gerechtigkeit — leeres Gerede. Es gibt; lceihe Gerechtigkeit in der Welt und wird keine, geben, nur die Gewalt entscheidet. Ueber die' Worte Jesajas vom Ende des Tages spotten sie. Immer gab es Kriege, immer wird es Kriege gelben, und es ist gut so. Die jüdische -Jugenä wartetauf den Tag, an dem auch sie ihre Kraft, wird im „Kriege zeigen können. Alle Worte von Frieden, Humanismus, Gerechtigkeit, G'ttesreich sind für sie nur leeres Gerede eines kranken Volkes, dem es am Willen zur Macht fehlte" IV. Bergmann,, der Hüter der Hebräischen Kultur auf dem Skopus, kennt diese Aeußerungen, erkennt sie sogar bis zum gewissen Grade, an und zitiert sie. Wie will er aber dem helfen? Wenn überhaupt, dann durch eineji. H e b r ä i s c h e n H U; m a n i s m u s , d. h. wie er sich deutlicher ausspricht; auf dem Wege über Volk zu „dem Volke". Er und seine Freunde, so schreibt er in der J. R. vom 2o April, hätten oft genug gegen die Parole „Wie j alle Völker" polemisiert, aber niemals verkannt,' daß auch in dieser Parole eine Wahrheit, wenn auch nicht die letzte Wahrheit, liege. „Indem wir werden wie alle »Völker, normalisiert, auf eigenem Boden sitzend, die eigene Sprache sprechend,wird erst in ihrem ganzen Ernste an uns die Frage herantreten, ob wir der Welt noch ein eigenes Wort zu sagen haben!" Und dabei übersieht Bergmann, daß. das jüdische Volk gerade in der Zerstreuung und aus der Zer-; Streuung heraus das Beste, Höchste und Schönste der Welt zu sagen und zu geben hatte und auch gegeben hat; daß es Zeiten gab, in denen das- Volk auf eigenem Böden säß, „Jedermann Schütze .und Um 'Schatten seines Weinstöcke'sV und> seines r?^ geradeYztr solchen Zelten .die Propheten 'Grund und Ü*L sache hatten, dem Volke einen Spiegel vor Augen zu halten, in dem es alles eher erblickte, denn sich selbst; dem Volke blutenden Herzens zu sagen, daß es auf den Vorzug verzichtet habe, der Welt etwas zu sagen, ja, die ihm zur Vermittlung anvertrauten g'ttlichen Ideale auch nur in seinem eigenen geruhigen Leben zu verwirklichen. Wird auf dem neuen geistigen Boden des „Hebräischen Humanismus", — mit dem Ziele, zunächst Volk unter Völkern zu sein,'— das Besondere und Eigentümliche des jüdischen Volkes erwachsen, das eingestandenermaßen auf dem Felde der zionistischen Kultur bis dahin verkümmert ist? Wir fürchten, das Uebel sitzt viel tiefer, als daß es durch CDTPH '»MV' durch Aenderung der Firma abgestellt werden könnte. -■•t v. ■ ■ .■— (r Helfen kann nur rua^lp rm^fl' die volle Rückkehr zur eigenen jüdischen Aufgabe, %nr „ Das Volk "-These im Sinne des rftlJlO *h OrPTn« Zu solch radikaler Umwandlung hatte man sich noch nicht entschlossen, obwohl man die Weheklagen derer, die die vergiftete Seele des Kindes aus eigener Anschauung kennen, hört und gerechtfertigt findet Und obwohl man weiß, daß diese Früchte nicht aus der Wurzel des Baseler Kulturziohismus, sondern schon am Baume des Hebräischen Humanismus gewachsen sind. Ein Trost bleibt uns: Bergmann sagt, daß in der von ihm aufgestellten neuen Synthese nicht die letzte Wahrheit unseres Daseins liege. Vielleicht erleben wir es noch, daß man sich in diesen Kreisen zur letzten Wahrheit bekennt, die aber nur dann letzte Wahrheit sein kann, wenn sie die erste ist. )Xfochenrundschau. Anerkennung; und Anspornucg. — per geistige Eukalyptus in Erez Israel. — Begrüßungsworte an Makkabi. — Oifenbarungsglaube und' Weltbild. — Montevideo von der anderen Seite. In den in Warschau erscheinenden orthodoxen Jugendblät t;e r n klagt Rabbi Zwi Hirschh o r n, ein prominenter Agudaführer in Polen, über das Ausbleiben der erwarteten Aktivität in der polnischen Agudajugend und die unzureichende Auswertung der -von der dritten Kenessio Gedaulo empfangenen Impulse. Ein paar liebenswürdige Worte an die " Adresse der Agudajugend in Deutschland und anderen Westländern mögen etwas überschwäriglich klingen, sind aber als eine Anerkennung des jüdischen Westens durch den Osten e,in bemerkenswertes Novum. ,,Wie haben wir unsere Gesinnungsgenossen unter der Jugend aus Deutschland bewundert", lesen wir da. „Wie haben sie doch den Fingerzeig von obep verstanden und bemühen sie sich, allen Staub der fremden Kulte von sich abzuschütteln! Ihre Seelen sind geläutert, und mit ihrer Abwen- 'dung von der verlockenden Schönheit einer Pseudokultur wächst ihre Liebe zur Thora, ihr Wille, unter den Fittigen der Schechina Schütz zu . suchen., Fast mit Neid verfolgten wir ihren ungeheuren ^JDrang zum Lernen/ihren brennenden Durst nach Erkenntnis. Wie sie jeden Mussar in sich einsogen, wie sie cfen Gaonim des- Ostens nächliefen, um aus ihrem Munde ein Thorawort, eine weise Lehre zu erhaschen;! Ein. chassidischer Gedanke konnte ihre Seelen ^entflammen, daß sie in Enthusiasmus gerieten. Wo einer der Gaonim eine schwere Talmudsugja vortrug;' wären die jungen Menschen aus Deutschland zu* ..^finden, wo Rabbi Elchonon Wassermann sprach; saß<|a die Jünglinge aus Deutschland in der vordersten;lReihe. Wer befand sich dauernd um Oberrabbiner. Duschinski und Oberrabbiner Zirelsohn, wer saß an den Tischen bei der „dritten Mahlzeit" der großen-Lehrei des Chas- Sinus? — Immer wieder junge Menschen, zum Teil von hoher Bildung, aus Deutschland." Rabbi Hirschhorn; ermahnt seine Landsleute, sich an diesen Menschen aus dem „verödeten Westen" ein Beispiel zu nehmen.- Das ist vielleicht nach beiden Richtungen etwas übertrieben. Wir, die wir "in Marienbad mit den Äugen der Westjuden um uns schauten, sahen unendlich: viel Schönes und Nachahmenswertes gerade bei;den polnischen Gesinnungsfreunden. Immerhin sieht man daraus, wie die letzten Schranken ^zwischen Ost und West auf der Basis der Agudas Jisroel abgetragen werden. Und. gegenseitige Anerkennung sollte Ergänzung, Kräfteaustausch und gegenseitige Anspornung bedeuten. Eine der bedeutsamsten Konferenzen, die wir in , Erez Israel erlebten, ist die große Chi n-; n u ch-Konferenz, die vor kurzem in Tel Awiw •tagte und in deren Verlauf das große Netz der thoratreuen Schulen und Erziehungsain S t a l t e n i n E r'e z Israel zustande kam. Abgesehen von der großen Bedeutung dieser vereinigten f^horafront zum; Schutze der wichtigsten jüdischen j Position iin Erez | Israel, sind bei. der. Konferenz, über l'^te'ian anderer Stelle eingehend berichtet wird, (siehe!'Erez Israel, Seite 9), Worte gefallen, die viel zu denken geben, aber zugleich hoffnungsfroh stinimen angesichts des festen Entschlusses, das Kind beim richtigen Namen zu nennen, die Hand mutig auf die Wunde zu legen und mit vereinter Kraft an die Heilung heranzugehen. Man hat in Erez Israel mit dem Eukalyptus viele Sümpfe, gefährliche Seuchenherde, ausgetrocknet. Der Eukalyptus zur Sanierung geistiger Sümpfe und Seuchenquellen ist unstreitbar die gute jüdische Schule. Aber sie vegetiert, sie hat mit allen kleinen und kleinlichen Nöten des Tages zu kämpfen, die vereinzelt stehende jüdische Schule, wenn sie nicht von .einer festen Mauer geschützt wird. Diese Mauer zu errichten, galt es bei jener Koüierem und gilt es bei der Durchführung der Konferenzbeschlüsse. „Was nützten sonst alle Proteste gegen die Sabbatentweihung, gegen die Verletzung der rituellen Vorschriften", sagte der Aguda- Vertreter auf der Konferenz sehr treffend, „so lange wir nicht, für die Schule sorgen, die dem Kind sozusagen schon mit der Muttermilch die Liebe zu den jüdischen Heiligtümern, zur Thora in Erez Israel und zum Erez Israel der Thora einprägt?" Ein richtiges Wort ist auch dies: „Warum kommt die Gefahr der Teilung und Zerreißung Erez Israels über uns? Weil .wir die Thora in Erez Israel geteilt und auseinandergerissen haben!" Es ist aber, wie gesagt, hier mit Klagen und Anklagen nichts getan. Rabbi Amiel hat schon recht, wenn er sagt, das gesetzestreue Judentum bilde heute noch in der Gola sowohl wie in Erez Israel ein gewaltiges Kontingent, ja die Mehrheit. Isaac Breuer hat es gelegentlich noch schöner und einprägsamer ausgedrückt; „Wir besitzen entschieden das beste Instrument, die Anderen, die ein viel schlechteres Instrument in Händen haben, sind, "aber die besseren Spieler." Sind auf der Tel Awiwer Konferenz die Voraussetzungen für dieses Zusammenspiel geschaffen, dann dürfen wir das Beste für die. Zukunft Erez Israels, nicht allein des thoratreuen Palästinas, aus dem hier neu geschaffenen Erziehungsinstrument erhoffen; Mit Hinblick auf den zur Zeit in Tel Awiw veranstalteten Aufmarsch des Weltmakkabi scfiteibt Oberrabbiner M. A. Amiel im „Hajessod" u. a.: ,;Wohl WÜßte das Judentum, was der Mensch seinem Körper schuldet und die körperliche Ertüchtigung war uns nie verpönt. Beten wir doch alle vierfWochen beim Einsegnen des Neumondes auch um riiöSS fiV>n V» D«n, um „ein Leben der Kräftigung unserer Gebeine". Die hellenische Kultur und nach ihr der jüdische Hellenismus machten aber aus der körperlichen Ausbildung einen Kult, einen Götzendienst. Mail zollte dem Manne der körperlichen Riesenkraft gHtliche Verehrung. Auch die größten und schöpferischsten Geister standen bei weitem im Volke nicht in so hohen Ehren, wie die Männer der starken Fäuste. Hellenentum und Hellenismus kehren in Efez Israel, nicht von außen her aufgezwungen, sondern von innen heraus gezüchtet, wieder ein. Hellenismus tobt sich auf dem Fußballplatz aus, Hellenismus marschiert dröhnend durch die Straßen der jüdischen Städte. Secharjah, der Prophet, wendet sich, da er mit seinem prophetischen Auge diese Erscheinung voraussieht, zum Engel mit der erstaunten Frage f~>» ■>3nK nb&, was ist denn dies mein Herr? Und der Engel gibt Antwort, indem er auf das eine Lager, das der Geistesführer, und auf das andere, das der Kraftmenschen, hinweist: '151 naa «Vi IP „nicht diese letzten Makkabäer, die mit Kraft und Macht kommen, sondern jene Männer des großen, starken Geistes, nach Art der alten Makkabäer sind es, die den Weg zum Aufbau und zur Befestigung der Heimat zeigen." Wir wissen nicht, ob Rabbi Amiel dafür sorgte, daß die Begrüßungsworte an die richtige Stelle gelangten. Es muß Rabbi Amiel. zugute gehalten werden, daß er*sich von Universitatsfeierlichkeiteh wie :