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Der Israelit · 1938-05-05 · Heft 18 (5.5.1938) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 18 (5.5.1938)
Date
1938-05-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Si Seite 6 Nr. 18 <??$$£np!$«vgt*@&g^ D e r Is,ra e 1i t^ V 4?4%>^fc--^^p5^ 5. MaV1933* lehre und dem U'aV-Begriff des Schöpfungsbe richts ergeben. Auch hier hatte Hirsch die befreiende Formel gefunden, und Wohlge muth6) hat die Möglichkeit einer -Harmonie zwischen dem Schöpfungsbericht und der aller dings durchaus noch nicht gesicherten Abstammungstheorie erwiesen. So, meinen wir, sind der Wege viele, um dem Glauben des religiösen Menschen freie Bahn zu gewähren, wenn sein Geist in den Be reich der Naturforschung schweifen soll. Dennoch darf diese Auseinandersetzung über solche Einzelheiten des Weltbildes, wie sie die Frage der Schöpfung und der anderen Naturwunder darstellt, nicht Unklarheit schaffen, wenn die Grundfrage gestellt wird: Wie isVs aber nun, wenn wirklich einmal wissenschaftliches Denken und religiöse Ueberzeugung sich zu w i der sprechen scheinen? Hier verlangt unsere Lehre das unumwundene Be kenntnis zur g'ttlichen Wahrheit, Da genügt nicht ein schwächliches „Non liquet", ich lasse die Sache, in der Schwebe. Hierin besteht ein offenkundiger Gegensatz zu der persönlichen Einstellung Plancks, der solche UeKtrzeuguhgstreue als naiven G'ttes glauben ansieht und hur als solchen. gelten las sen will. Er für seine Person würde .sich dann zweifellos auf die Seite der -Wissenschaft: schla gen; „Wer es nicht ertragen kann, wenn dieser (der Glaube) mit seinem Wissen in Widerspruch gerät, der steht vor der Gewissensfrage, ob er sich überhaupt noch ehrlich zu einer Religions gemeinschaft zählen darf, welcher in ihrem Bekenntnis den Glauben an Naturwunder ein schließt." Hier klafft ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen dem, was Planck als religiösen Glauben ansieht und dem, was unsere, religiöse Ueberzeugung ist. Aber so bedeutungsvoll die ser Gegensatz als solcher ist — für den Inhalt der Auseinandersetzung Religion und Naturwis senschaft, wie sie die Schrift von Planck bietet, ist er nur von peripherer Bedeutung. Denn die Schriff Plancks will ja nicht eine religiöse Bekenntnisschrift dogmatischer Art sein, ihre außerordentliche Bedeutung beruht vielmehr in der Aufdeckung der letzten Grundlagen physikalischen Erkennens, und hierin ist Planck die gegebene Autorität, die uns den breiten Weg weist, den alle ernst religiösen Menschen gemeinsam wandern können. Zwei Ergebnisse Plancks seien hier hervor gehoben: 1. die G r e n z e n physikalischen Erkennens und 2. die Zielstrebigkeit auch in der Welt der Physik. Wer die geistige Entwicklung der letzten Jahrzehnte naturwissenschaftlicher Forschung miterlebt hat, wird wissen, daß man die Bedeutung dieser Ergebnisse nicht hoch genug emischätzen kann. Die Naturforschung ging in ihrer Ueberhebung so weit, allein aus ihren Lehren ein Weltbild zurechtzuzimmern, das die Welt und den Weltsinn in sich kausal erklären und alles Handeln bestimmen^ sollte und keinen Platz mehr ließ für die Existefrz'G'ttes; Heute erkennt die Naturwissenschaft selbst, daß die Ethik nicht in ihren Zuständigkeitsbereich gehört, daß sie sogar zu ihrer eigenen Betätigung ■ eine Weltanschauung oder--wie Planck jetzt, sagt;— des Glaubens an G'tt bedarf, daß G'tt für sie das Ende allen Denkens sein muß. Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zwar zum Erkennen, aber zum Handeln bedarf er der Religion — dies ist die Antithese von Planck. Und wiederum klingt in unseren Ohren das Psalmenwört von den Himmeln, die G'ttes Herrlichkeit künden, von der Lehre G'ttel, die hinzutreten muß, um der Seele befriedigende Antwort zu geben, u h d von den Aufträgen G'ttes, von seinen Gehoten, seinen Rechtsordnungen, die allein die Umwandlung der religiösen Giesinnung in praktisches Handeln ermöglichen und gewährleisten. Im Judentum ist dascverwirklicht, was PJanck von der religiösen Einstellung des denkenden Menschen fordert: Wir stehen mitten im Leben, sagt P., „und müssen indessen mannigfachen Anforderungen und Nöten oft sofortige Entschlüsse fassen oder Gesinnungen betätigen, zn deren, richtiger Ausgestaltunguns; keine langwierige Ueberlegung verhilft, sondern nur die bestimmte klare Weisung, die wir aus der unmittelbaren Verbindung mit G'tt gewinnen. Sie allein vermag uns. die innere Festigkeit und den dauernden Seelenfrieden zu gewährleisten, den wir als das höchste Lebensgut einschätzen müssen." Unter diesem Gesichtspunkte wächst - •das / ü d i s c h - r e 1 i g i ö s e „Symbol" weit hin aus über die Bedeutung, die Planck schon dem aus Menschengeist geborenen religiösen „Syrn bol" beimessen will. Das jüdische Symbol als eins der 6i3 Gebote nimmt seine Kraft her aus der unmittelbaren Verbindung mit G'tt, ist als g'ttgewollte Tat der Wegweiser zum vollendeten Menschentum. Aber nicht nur praktisches Handeln ist de Inhalt unserer Thora, :auch die Lehre selbst bedarf denkender Pf lege* Der uns vpn G'tt gegebene Verstand Söll 'es uns nicht hur örriiqg liehen, die materielle. ^iXf.elt zu .erforschen, itiiad .i^ durchdringen,, er soll uns auch einfuhren , ino.isUe; uns von G'tt offenbarten Weltzusammenhänge^ in die religiös-ethische Pflichtenwelt seiner Thora und uns so in vielleicht hoch höhererd Maße als durch den Weg der Naturforschung zum Erkennen führen. •'• Auf dem Wege zu solchem Erkennen des Weltgeschehens bildet eine Etappe die lieber zeugung, daß die von G'tt geschaffene ^elt nach seinem Ausspruche „gut" ist, d. h., daß sie dem von G'tt gewollten Zwecke entsprechend, „zweckmäßig" ist. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß auch die N a t u r f o r s c h u n g wie Planck uns zeigt — den Begriff der Zweckmäßigkeit in ihre Kausalität einführt. Planck stellt fest, „daß die theoretischphysikalische Forschung zu am&t Formulierung der physikalischen Ursächlichkeit geführt hat, welche einen ausgesprochen teleolo ischen Charakter besitzt." Diese in der Physik vollkommen gleichberechtigte Betrach tungsweise dürfte nach P» auch in der Biologie zutreffen. Wir sehen in der Tat auch in der Biologie eine Entwicklung in diesem - Sinne, Schon Driesch, der Begründer des Neovitalismus, hat erkannt, daß die in der Biologie beobachtete Zweckmäßigkeit mit einer mechanistischen Kausalität nicht in Einklang zu bringen ist,7) Und wer heut« die Ergebnisse der neuen Vitamin- und H o r m o n - Forschung vor seinen Augen vorüberziehen läßt, wer beobachtet, wie im menschlichen Organismus in gegenseitiger Abstimmung der mannigfachen Kräfte und Säfte ein Wunderwerk biologischen Geschehens reift, der wird gar bald ablassen von dem Versuch, das Entstehen dieser wunderbaren Welt rein materialistisch-kausal auf die Formel zu bringen: '/ererbung vpn zufällig entstandenen Varianten. Hier winkt der vön Planck geforderten teleologischen Betrachtungsweise, die Palme des Sieges, ' : ., Wir sind am Schlüsse unserer Darlegungen. Wir konnten in Planck einen modernen Naturforscher erblicken, dessen religiöse Haltung so grundverschieden ist von dem Typus der abgelaufenen Periode materialistischer Naturwis-, senschaft. Wir ftäbein nicht verschwiegen, daß zwischen seiner religiösen' Haltung; und der jüdischen Ueberzeugung wcs^näicJh^K;^n1t0rscH^d9> bestdhen; haben diese Unterschiede vielleicht stärker betont als es den Proportionen des Gesamtbildes der . Welt- und' Lebensanschauung eines religiösen Menschen entspricht. Es geschah dies, um in unserem eigenen Kreise keine Uns klarheiten über;;jüdische;; Lehre entstehen zu 6) Josef Wohlgemuth. Erich Wassmann. 1907. Die Vorträge des P. 7) Siehe Oscar W o 1 f s'tffe r.g.;üMoriisnIus Dualismus? Jeschürun;1921. S?'1!?^.- a. öder lassen.. Um so mehr soll hier betont>werden, däßt die Arbeiten Plancks einen Markstein darstellen^ in der Menschheitsentwicklung, von der das Prophetenwort kündet, daß die ganze Menschheit voll der G'tteserkenntnis sein wird, Ueber jedem Fortschritt, der in der Menschheit auf diesem Wege zur G'tteserkenntnis: wahrgenommen Werden kann, freut sich Jisräel urM spricht einen Segensspruch über den Weir . sen der Menschheit: b*n wnb IflDana. jhJlP .""pha» Unabhängig aber davon, ob die Menschheit auf dem rechten Wege der G'tteserkenntnis sich befindet oder ob sie in ihren wissenschaftlichen Theorien Irrwege beschreitet, hält Jisrael in. seiner niWi ittttMt an der: ihm< in der Hilft, offenbarten Wahrheit fest und spricht drum über> seine ,YT!fl '»an einen besonderen Segensspruch r vkv> inaana .|rijp fina« - ~,•", ■■^ : :? " --Jawne iir Wici^- > . - W,ie;;n', X Maur.i Die Absonderung der jüdischen Schüler in den. Wiener Mittelschulen gibt Anlaß, sich mit den eigenen profanen Bildungsstätten der hiesigen Judenheit. zu befassen. Die weitaus älteste und .ehrwürdigste, alseinzige der Orthodo x i"e hanestehende Lehranstalt ist die T a 1 m u d. Th o r a- S c h.ui e in der Malzgasse. Neunzig Jahre werden,es bald, seitdem das großartige Erziehungswerk besteht. Aber es ist vielleicht eine noch mehr große als lange Vergangenheit, auf. die diese Dienerin an der- Zukunft zurückblicken., kann. Hat doch die Schule — im Jahre 1850 gegründet — das bis 1867 in Geltung gewesene österreichische Konkordatssystem überdauert, hat sie doch, mit wunderbarer Zähigkeit allen Anfechtungen der liberal-assimilatorischen Aera Widerstand geleistet' und schließlich auch den schweren feindlichen An-' stürmen der Nachkriegszeit erfolgreich Trotz geboten. Noch mehr: sie ist den fast immer widrigen.1 kulturpolitischen und finanziellen Verhältnisseh' nicht 1 nur nicht unterlegen, sondern hat vielmehr über sietriumphiert. Aus einer fünfklassigen Knabenvolks- \ schule ist:die Talmud Thora zu einer sechzehnklassigen voll ausgebauten Volks - und Hauptschule für Knaben und M ädefcen gewachsen, an der gegenwärtig mehr als 500 Kinder — in zwei gesonderten Gebäuden, — unterrichtet werden. Als solche bildet sie heute das Rückgrat der bewußt religiösen Erziehung; in...Wien und dient da« ruber hinaus als das beispielgebende Vorbild für alleanderen Versuche, die auf dem'Gebiete des privaten jüdischen Lehrwesens bereits unternommen wurden und die jetzt nach der letzten Neugestaltung der Dinge auf breiterer Basis'fortgesetzt werden dürften. Von welchem Geiste die Talmud ThoraiSchuIe beherrscht wird, das erhellt am deutlichsten aus der von Anfang an bestehenden, nie Unterbrochenen, Vert bindung mit der Ad aß Jisr bei (Schiff schul). Die Identität der Gründer dieser beiden stolzesten: In- : stitütipnen der Wiener Glaubenstreuen — es war dies, der rühmlichst bekannte Löb Freistadt S. A.-— ist - zur,' Tradition geworden: den sichtbarsten Ausdruck ihrer Weggemeinschaft bildet die ..Personalunion" zwischen Schiffschul und „Talmud Thora-Schulver» : ein", die zur Zeit durch Sigmund Bondi, -den gemeinsamen Obmann, repräsentiert wird. Unter der Äegideder Schiff schul ist auch die Zusatainenarbeit mit der -r J e s s o d H a t h o r a " zustandegekommen, der die Pflege des Thorastudiums abgetreten und zugewiesen wurde. Die einander ergänzende Tätigkeit der beiden? Lehranstalten hat zu Beginn des verflossenen Schulhres einen' weiteren sehr begrüßenswerten Fortschritt - gezeitigt; die Eröffnung, einer siebzehnte« Klasse an der. Talmud Thora, die gemeinsam mit der .Jessod Hathora" als Fachkurs für jüdisches Wissem geführt wird!- ' , ." ' ''? Eingedenk des alten Wortes, daß ein gesunder Geist in leihem gesunden Körper wohne, ist die Talmud Thora auch um das leibliche Wohl ihrer Zöglinge bemüht. Das s oz i a 1 e W.e r k das sie aufgebaut hat, umf aßt: i.' Eine : S c h ü 1 e r a u ss p e i:s>u nig ,. diel über "eine eigene Schulküche und einen besonderen Speisesaal verfügt. 2. Eine Frühstücksmil ch äktiö n-, in deren Zuge im Schuljahr 1#3(>- bisi 1937 46.000 Flaschen Milch zur Verteilung gelangten. 3. Eine B e k 1 e i d u n g s - und 4. eine: F e>r i e n a k t i o n. i'ifMs&x^&i'i

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