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Der Israelit · 1938-05-05 · Heft 18 (5.5.1938) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 18 (5.5.1938)
Date
1938-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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^.gaggg^jmjjjgsjj^ 5. Mai 193fr I s r 1 i t Nr. 18 Seite 5 lisch zumindest für Kaufleute auf alle Fäll e und wenn irgend möglich, auch spanisch. Unter den gegenwärtigen Bedingungen in den Einwanderungsländern ist nur ein Teil der in Deutschland zur Auswanderung drängenden Kaufleute und Intellektuellen tatsächlich in Uebersee unterzubringen. In Erkenntnis dieser Sachlage wird der Hilfsverein die Entschei dung, wer mit öffentlich-jüdischen Mitteln zur Auswanderung gebracht werden soll, mit erster Reihe davon abhängig machen, ob der Betreffende über aüsreichende Sprachkenntnisse verfügt oder nicht. II. K ol o n i s i e r u n g von Juden aus D e u t s c h 1 a n d. Von einem Mitglied des Rates der ICA wird uns geschrieben: Die unaufhörlich wachsende Not der jüdi sehen Bevölkerung in Ost- und Mittel-Europa verpflichtet die Jewish Colonization Association (ICA), ebenso wie die andern großen philan thropischen Organisationen der Judenheit, das Höchstmaß an Bemühungen zu entfalten. Dem gemäß hat die ICA unter vollständiger Ausnutzung ihrer technischen und finanziellen Möglich keiten unter den Arbeiten, die ihr Programm ihr vorschreibt, diejenigen besonders zu fördern sich bemüht, die dem Aufbau von Existenzen dienen. So sucht sie in erster Linie die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung ihrer überseeischen Kolonien zu vermehren, die in Argentinien allein heute auf 393.000 ha etwa 15 000 Menschen zählt, um die sich weitere über 10 000 Juden, Arbeiter und Handwerker, gruppiert haben. In den letzten Zeiten hat sie sich ganz besonders der Kolonisierung von Juden aus Deutschland auf ihren argentinischen Böden gewidmet und, um sie in die Landarbeit einzuführen, ein Lehrlingswerk in Argentinien in der Weise eingerichtet, daß einem Mitgliede der zur Ansiedlung bestimmten Familie die Gelegenheit geboten wird, ein ganzes Jahr vor der Ankunft der Familie sich bei einem besonders geeigneten alten Kolonisten in die Methoden der argentinischen Landwirtschaft einzuarbeiten. 130 „Pionieren" ist auf diese Weise Gelegenheit gegeebn worden, sich zu bewähren. Jeweils 110 Familien aus Deutschland sind so installiert, und bis zum Ende dieses Jahres ist die Seßhaftmachung von weiteren 200 Familien aus Deutschland in Aussicht genommen. Man muß die Schwierigkeiten einer landwirtschaftlichen Kolonisation genügend kennen, um diese Zahlen richtig zu beurteilen. Man muß wissen, daß die Ansetzung jeder Familie — außer der Auswahl und der Beförderung — einer bis ins einzelnste gehenden sorgfältigen und kostspieligen Vorbereitung bedarf, wie Abgrenzung und Reinigung des zugewiesenen Landanteils von 75 ha, der in der Regel von Gestrüpp überwuchert ist, Einfriedung, Entfernung von Stümpfen, Bestellung des Bodens und Aussaat, Versehung mit lebendem und totem Inventar, Bau von Wegen, Brunnen, Haus mit Dependancen usw. Die neuen Kolonisten bekommen Instruktionen, die sie in alle Arbeiten der Farm einweihen. In Brasilien, wo die jüdischen Kolonistenfamilien mit etwa 500 Seelen 20 000 ha bearbeiten, hat die ICA neulich eine Domäne von 2000 ha in der Nähe von Rio de Janeiro erworben, die sie als eine Art Stadtrandsiedlung ebenfalls für die Ansässigmachung von Juden aus Deutschland nutzen will. Die kolonisatorische Tätigkeit der ICA erstreckt sich natürlich nicht nur auf Juden aus Deutschland, sondern in großem Umfange auch auf solche aus Osteuropa. ISie siedelt auch nicht nur in Südamerika, sondern auch in Palästina, •wo-sie jetzt außerhalb ihrer alten Kolonien, die etwa 600 Familien zählen, in Verbindung mit dem Palestine Trust Fund an dem Werke der Emica zur Hälfte Teil nimmt. Die Emica hat bereits im Süden des Landes neue Gruppen gebildet, sie hat gleichzeitig das Hule-Problem in Angriff genommen. Endlich verfolgt die ICA eine umfangreiche Tätigkeit in Osteuropa selbst, wo sie in Polen, Rumänien, der Tschechoslovakei sich um mehr als 12 000 jüdische Landwirte kümmert, die ungefähr 100 000 ha kultivieren. Diesen Familien leiht sie agronomische Hilfe und finanziellen Beistand in Gestalt von Krediten zum Ankauf von Inventar, künstlichen Düngemitteln und Saatgut, zur Errichtung von Farmgebäuden, zur Pflanzung von Obstgärten, zur Schaffung von landwirtschaftlichen Genossenschaften usw, Zum Aufgabenkreis der ICA in diesen Ländern ist ganz besonders die Organisation des Klein-Kredites zu Gunsten von Kaufleuten und Handiverkern durch Schaffung von Darlehenskassen zu rechnen. Hier arbeitet die ICA gemeinsam mit dem Joint. Es bestehen z. Zt. 670 Darlehenskassen, mit 200 000 Mitgliedern, denen damit unschätzbare Dienste geleistet werden. Auch für die jüdische Jugend in diesen Ländern sorgt die ICA weiter durch Schaffung und Unterhaltung zahlreicher Handwerkerschulen. So subventioniert sie in Polen 14 solcher Schulen und weiter 11 Lehrlingsüberwachungswerke, außerdem 44 handwerkliche Kurse mit einem Bestand von 5000 Zöglingen. Aehnliche Institutionen werden in Rumänien, in Lettland und in der Tschechoslovakei unterstützt. Hierzu kommt endlich die Aus Wanderungsfürsorge, die in immer steigendem Maße eine der wesentlichsten Aufgaben unserer Tage bildet. Die Ausführung dieses Teiles des ICA-Programms ist der Hias- Ica-Emigrations-Association (Hicem) übertragen. Die Hicem bemüht sich, neben ihrer normalen Arbeit zugunsten der osteuropäischen Auswanderer, ganz besonders um die . im Verlauf der letzten Jahre aus Deutschland gegangenen Juden; sie hat seit 1933 17 400 von ihnen befördert, 8570 nach Uebersee. Ihre Komitees sorgen dafür, daß die Auswanderer empfangen und plaziert werden; ebenso dafür, daß die durch den Hilfsverein der Juden in Deutschland beförderten Menschen in Empfang genommen und in Stellen gebracht werden. Die ICA hat auch direkt den deutschen Organisationen, die sich mit der Auswanderung von Juden aus Deutschland befassen, Beiträge geleistet. Zur religiösen Haltung des modernen Naturforschers. Von Dr. med. Jacob Levy in Berlin, III. Gar mancher wird sich noch erinnern, wie über den Schöpfungsbericht mit den besonders erwähnten Meer - Ungeheuern gespottet wurde; die Q^an wurden ins Fabelreich der Sage und Phantasie verwiesen. Und heute kann man das ausgegrabene vollständig rekonstruierte Skelett eines solchen Riesensauriers im Natur kundemuseum besichtigen. Ja noch weiter: die Theorie nimmt an, daß die großen Erdöl-Lager auf die Verwesung organischer Stoffe von Tierleibern zurückzuführen sind, eine Theorie, die an Wahrscheinlichkeit gewinnt, wenn man sich über legt, welche gewaltigen Fleisch-Muskelmassen zur Fortbewegung solcher Riesentiere erforderlich waren. Sollte das gehäufte Vorkommen von Erdöl-Lagern gerade in der Nähe des Ararat vielleicht darauf zurückzuführen sein, daß große Mengen solcher Riesentiere sich vor der Sintflut dorthin geflüchtet und dort ihren Untergang gefunden haben?1) Vielleicht. Ein letztes Beispiel: Nach Haeckel ist die Abstammung des Menschen vom Affen eine ,,historische Tatsache". Demgegenüber hat die ernste Forschung gezeigt, daß dies keineswegs zutreffen kann. Nicht einmal die Abstammung des heutigen Menschen von dem Typus des „Neandertal-Menschen" ist wahrscheinlich, denn gleichzeitig mit diesem „Neandertal-Menschen" haben Menschen gelebt, die den heutigen Menschen sehr ähnlich waren. Ein moderner Anthropologe, Professor Westenh ö f e r ,2) sagt wörtlich: „Bei derartigen Betrachtungsweisen der Abstammung nähern wir uns wieder der alten Auffassung Linnes, daß es soviel Arten gibt, als das unendliche Wesen geschaffen hat." „Von Reis zu Reis führt keine Verbindung, kein Zwischenglied". So mangelhaft gestützt sind zuweilen die naturwissenschaftlichen „Grundgesetze" und Wahrheiten, die es unternehmen wollen, den biblischen Bericht aus den Angeln zu heben. Schon aus diesem Grunde bedarf es also keiner „Verteidigung" der biblischen Stellung, keiner „Apologetik", um zugleich Jude und Naturkenner zu sein. Wer sich auf das Glatteis der apologetischen Methode begibt, verliert die Sicherheit seines Schrittes auf dem Boden der jüdischen Lehre. Die Ablehnung einer Apologetik bedeutet aber nicht, daß man jeden Versuch von sich Eine Vermutung von Dr. Ed. Biberfeld, Berlin. 2] Zit. nach Kisch a. a. O. Seite 95. weist, wissenschaftliches Zeitbild und überlieferte Wahrheiten zur Deckung zu bringen. Manche naturwissenschaftliche Theorie steht zum Be~ rieht der Tauroh nicht in unlösbarem Widerspruch, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Kein Geringerer als S. R. Hirsch3) hat uns hier vor Ueberspannung der Gegensätze bewahrt: „Nicht einmal die Hunderttausende, die Millionen von Jahren, mit welchen die geologische Erdentwicklungstheorie so freigebig ist. schreckten das Judentum; wären sie selbst mehr als eine hypothetische Doktrin, litten sie auch nicht an der unerwiesenen Voraussetzung, daß bei Entstehung der Erde nur dieselben Kräfte und in derselben Mächtigkeit wirksam gewesen, die wir und wie wir sie in der bestehenden Erdwelt wirkend sehen." Und Hirsch weist auf die der Erdschöpfung vorangegangenen und untergegangenen Welten hin, von denen der Midrasch berichtet. Die von Hirsch angedeutete Trennung der Periode der Schöpfungszeit und der Periode der bestehenden Erdwelt ist dann von Isaac Breuer*) in seinem Buche „Die Welt als Schöpfung und Natur" in ihren Grundlagen aufgedeckt und in ihren für den Naturforscher bedeutungsvollen Konsequenzen dargelegt worden. „Welch klägliche Kritiklosigkeit, den heiligen Schöpfungsbericht mit der Naturwissenschaft in Einklang zu bringen! Der Naturwissenschaft zuzumuten, Schöpfungstatsachen dem System ihrer Zusammenhänge einzuverleiben! Welch furchtbare Gedankenlosigkeit, das Sechstagewerk diesem System etwa dadurch schmackhafter zu machen, daß man jedem Tag die Länge eines Jahrtausends andichtet! Als ob der Blindgeborene die Farben besser begreift, wenn er sie — betastet." 5) Hier ist auch der Angelpunkt gelegen, um die Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, die sich zwischen der modernen Abstammungs- 3) S. R. Hirsch. Einladungsschrift zur öffentlichen Prüfung der Unterrichtsanstalten der Religionsgemeinschaft zu Frankfurt a. M. 1873. *) Isaac Breuer. Die Welt als Schöpfung und Natur. 1926. 5) Isaac Breuer. Wunder, Prophetie und Schöpfung in „Wegzeichen" 1923. Auch Joseph Carl eh ach, der im „Jeschurun" fHeft 7—8, 1929). die Frage eines tausendjährigen Schöpfungstages diskutiert, hält es für „müßig, mit Jahren und Jahrtausenden zu spielen, in dem bloßen Bestreben, gewissermaßen die schweren Probleme der Erdbildungen zu verkleinern, indem man sie auf lange Epochen verteilt". Keineswegs sei das für den Schöpfungstag angenommene Maß des „Jahrtausends" im Menschensinn zu nehmen.

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