Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1938)
- Date
- 1938-05-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Die Thora uns und den kommenden Geschlechtern zu erhalten, ist die unabweisbare Pflicht eines jeden Juden! Kannst Du nicht selbst durch „Lernen und Lehren" diese Pflicht erfüllen, so verhelfe wenigstens anderen dazu. Stütze und fördere den KEREN H ATO RAH! K e r e n Hatorah, Hamburg, Heinrich Barths tra ße 21 ,Pöstsche ck kont o: Homburg 2 47 53 s^ryJ /eK*aS*'i Stellenvermittlung funktioniert gut und auch alle Formen des geselligen Zusammenschlusses werden sorgsam gepflegt. Wir sind in der angenehmen Lage, dem Berichte hinzuzufügen, daß der dieser Tage aus Deutschland nach Montevideo abgereiste Lehrer ein Mann von besten jüdischen Qualifikationen ist, der, ein früherer Schüler der Frankfurter Thoralehranstalt Jeschiwah, sich in seiner bisherigen Gemeinde in Norddeutschland als echter Lehrer der Großen und Kleinen bewährt hat. So darf man hoffen, daß es auch in Montevideo nicht bei den „wöchentlich vier Stunden Religionsunterricht" und bei den „Sabbatg'ttesdiensten" bleiben wird; daß unter den Gemeindeinstitutionen auch eine „Mikwoh" nicht fehlen und vor allem daß Montevideo Schule machen wird. Auswanderung und Siedlung. L Englisch oder Spanisch? Vom Hilfsverein der Juden in Deutschland wird uns geschrieben: Daß die wichtigste Vorbereitung zur Auswanderung im Sprachstudium besteht, ist keine Neuigkeit. Immer wieder ist gesagt worden, daß man mindestens ein halbes Jahr vor der Auswanderung mit der Erlernung der künftigen Umgangssprache beginnen soll, daß gründliche Sprachkenntnisse den einzigen „hundertprozentigen Transfer" darstellen, der uns Juden in Deutschland verbleibt; und nicht zuletzt, daß die Unterbringung von Kaufleuten und Akademikern ohne gute Kenntnisse der Landessprache fast unmöglich und den Hilfskomitees in Uebersee auch gar nicht zuzumuten ist, Aber was hilft das alles? Noch immer wandern Monat für Monat viele Dutzende, wenn nicht Hunderte von Personen aus, die kaum ein paar Worte der künftigen Landessprache beherrschen; noch immer gibt es jene Schlauberger, die so phänomenal ■ begabt zu sein vorgeben, daß sie die Sprachstudien erst „auf dem Dampfer" zu beginnen brauchen, um bald perfekt zu sein. Vor allem aber gibt es eine wunderbare Ausrede aller Faulen, daß man ja nicht wisse, ob man schließlich in ein englisch- oder in ein spanisch-sprechendes Land käme und daß man daher mit dem Sprachstudium „leider" noch nicht beginnen könne. Deshalb ist es vielleicht an der Zeit, einmal folgendes festzustellen. Mindestens zwei Drittel aller jüdischen Auswanderer aus Deutschland, die nicht nach Palästina gehen, kommen in angelsächsische Länder stehen doch die Vereinigten Staaten z. Zt. bei weitem an erster Stelle als Zielland unserer Auswanderer; daneben spielt Australien eine sehr wichtige Rolle. Andere englischsprechende Länder wie vor allem England selbst nebst Irland, ferner aber auch Neu-Seeland, Kenya, Indien usw. kommen hinzu. Unter diesem Umständen ist die Erlernung der englischen Sprache selbst für den, der sich auch nur mit entfernten Auswanderungsabsichten trägt, eine absolut gebotene Vorsichtsmaßnahme; wer jedoch kurz vor der Auswanderung steht, der muß mit aller verfügbaren Kraft sich um eine intensive Erlernung der Englischen bemühen. Demjenigen aber, der fürchtet, nicht in einem angelsächsischen Land Einlaß zu finden, muß einmal folgendes gesagt werden. Englisch ist die Welthandelssprache; es ist ferner auch in weiten Teilen der Welt, in denen andere Landessprachen herrschen, ein unentbehrliches Verständigungsmittel in allen internationalen Kreisen. In ganz Ostasien, d. h. in .China, Japan, in der Mandschurei, den Philippinen usw. wird außerordentlich viel englisch gesprochen und in den meisten' dieser Länder kommt der Fremde, wenn er nur englisch kann, auch häufig ohne Kenntnis der Landessprache ganz gut durch. Vor allem aber ist auch und gerade in den Gebieten Latein-Amerikas, in die jüdische Einwanderung aus Deutschland heute weitgehend richtet, d. h. in Argentinsien, Uruguay, Brasilien und Columbien, die Kenntnis des Englischen zum mindesten für alle Kaufleute von großer Bedeutung und verschafft dem Einwanderer einen' großen Vorsprung vor all denen, die nur die Landessprache, d. h. spanisch, bezw-, portugiesisch beherrschen. In diesen Ländern sind Milliarden von Dollar und Pfund angelegt und große englische und nordamerikanische Konzerne beherrschen wichtige Teile des Wirtschaftslebens. Auch sind für ganz Südamerika die Vereinigten Staaten oder England die wichtigsten Außenhandelspartner. In den größten Städter* Latein-Amerikas, wie Buenos Aires, Rio, Saa Paulo, befinden sich auch starke Kolonien von Engländern oder Yankees. Dies hat zur Folge, daß auch außerhalb der kaufmännischen Berufe die Kenntnis des Englischen für viele Kategorien von Einwanderern äußerst nützlich ist. Insbesondere gilt dies für weibliche Arbeitskräfte wie Stenotypistinnen, Hausangestellte, Gouvernanten, Lehrerinnen usw. Wer in englischsprechenden Familien brauchbar ist, kann häufig sehr viel höhere Gehälter verlangen, als derjenige, der nur in einheimischen Familien unterzubringen ist. Andererseits aber ist es ein großer Irrtum,, zu glauben, daß die Kenntnis des Spanischen mit dem Moment nutzlos ist, in dem man das Affidavit für die USA. in der Tasche hat. Nein, auch und gerade in den Vereinigten Staaten sind spanische Sprachkenntnisse ein äußerst wertvoller Besitz. Man darf nicht vergessen, daß die Vereinigten Staaten in intensiven Handelsbeziehungen zu den latein-amerikanischen Ländern stehen, deren Umgangssprache aber ist, von dem portugiesisch sprechenden Brasilien abgesehen, in dem ganzen gewaltigen Raum von der Nordgrenze Mexikos bis zum Feuerland nur spänisch. Deshalb wurde dies in den Vereinigten Staaten einwandfrei die wichtigste Fremdsprache; ja, es ist obligatorisches Lehrfach auf allen Secondary Schools! Eine Stenotypistin, die spanisch kann, findet viel leichter und besser Stellung als ihre Konkurrentinnen ohne diese Kenntnis; ja, selbst wenn sie englisch nur einigermaßen beherrscht, dafür aber gut spanisch kann, hat sie noch einen erheblichen Vorsprung, vor all denen, die perfekt englisch, aber kein spanisch können. Daß für den Kaufmann, der im In- und Exportgeschäft tätig sein will, die Kenntnis des Spanischen eine unentbehrliche Voraussetzung bildet, liegt auf der Hand. Aber selbst hiervon abgesehen, gibt es Teile der Vereinigten Staaten, in denen noch heute viel spanisch gesprochen wird. Naturgemäß sind es die Gegenden in der Nähe der mexikanischen Grenze, vor allem in den Staaten New Mexico und Arizona. Die Antwort auf die Frage „Englisch oder Spanisch" ist also sehr einfach; nämlich Engt w-JHKPV f > SalP** Wir zahlen. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. „Die Zahl ist das Maß aller Dinge". Nach diesem Menschenweisheitswort ist das Zählen vielfach grundlegend für irdisches Schaffen und Leisten. Zählen, Wägen, Messen — das sind wichtige Begriffe im Wörterbuche der Tätigen, gleichviel, ob ihr Wirken auf dem Gebiete der Wissenschaft oder Technik oder der Erzeugung irgend welcher Art liegt. Und nun fordert unser Judentum: „Und ihr zählet euch!" Offenbar heißt das: Zählet, erwäget, begreift, was „euch" werden soll, — euer Ewigkeitswert, Dauerbesitz, nicht den Zufälligkeiten und Wechselfällen des Erdendaseins preisgegeben. Das sind andere Maßstäbe, nach denen wir als Juden sollen zählen lernen. Hier ist nicht Hab und Gut, nicht Gewinn und Erfolg entscheidend. Da gilt es, vielmehr sich loszumachen von den allgemein menschlichen Anschauungen, frei zu werden von den Fesseln der Gewohnheit und dem Zwange des Alltäglichen. König David betet, wie es Mosche schon vorher getan: aa? s'-aai y-nn p w nun!? nasn. „Unsere Tage zu zählen lehre uns so, dann gewinnen wir ein weises Herz." Lehre uns s o zählen, richtig zählen, den rechten und echten Gradmesser anlegen, daß wir den Schein nicht für Wahrheit nehmen und nicht im Jagen und Haschen nach dem vermeintlichen Glück uns und unsere Kräfte verzehren. Das ist auch die Mahnung unserer Lehrer: „Nicht gelte dir als ein leichtes, als ein unbedeutendes Gebot das des Omerzählens," Sein Sinn erschließt uns die Quellen des wahren unzerrinnbaren Segens und verleiht jedem Leben ein höheres Ziel, das dei Selbstläuterung und Veredlung, das wohl bis zum letzten niemals erreicht wird, aber uns der Leuchtturm bleiben soll, dem wir unser Lebensschiff zusteuern. Wir zählen nach dem heiligen Schriftwort „Vom Tage nach der Feier". Sie haben sie nicht begriffen diese wunderbare Anordnung, die gegen Tradition und Ueberlegung den Beginn der Zählung nicht für den Abend des 16. Nissan festgelegt sehen wollten. Eben dann, wenn die Gnade der Erlösung unseres Volkes aus mizraitischer Knechtschaft uns zu vollem Bewußtsein gekommen und wir in trauter häuslicher Feier den Herrn als den ewigen Hort und Erlöser Israels gepriesen, gerade aus dieser Stimmung heraus, in die unsere Hingabe an den Heiligen und Ewigen uns versetzt, sollen wir mit der Zählung beginnen, wohl wissend, daß unsere Freiheit noch keine vollendete ist, solange sie nicht zur inneren Erlösung führt. Das Omer der neuen Gerste ist ein Bekenntnis, daß die Gaben der Natur ein Geschenk G'ttes ewiger Fürsorge für den Menschen sind. Unsere jüdische Zählung fängt dann aber eben erst an. Der Mensch lebt nicht vom Brote allein. Was uns adelt und weiht, uns läutert und heiligt, das ist, daß wir "dem Tage vom Sinai entgegenzählen. Vom Tage des Gerstenopfers zum Feste unserer Volksweihe, das ist der Weg, den wir zählend durchmessen sollen Jahr für Jahr. Jeden Tag sind wir in Erwartung und Hoffnung, in Sehnsucht und Reinheitsstreben, wenn wir G'ttes Gebot und Satzung freudig und willig üben. — Damit gewinnen wir die rechte Einstellun und Weltanschauung. Wir verzweifeln nicht, mögen auch die Stützen und Säulen unseres irdischen Glückes erschüttert werden. Wir wissen es, unser Leben hat seinen Sinn und Wert damit nicht verloren. In der Schule der Leiden werden wir geläutert und bringen wir die edelsten Triebe in uns zur Entspannung. So sollen wir unseren jüdischen. Weg erfassen und unser jüdisches Schicksal deuten. Die Sefirohzeit, die uns die tiefe Problematik unseres jüdischen Martyriums zeigt, darf uns nicht entmutigen. Sie will uns die leuchtenden Gestalten und Vorbilder jener ernsten Zeit, von der uns unsere Geschichte erzählt, vor die Seele führen, damit wir ihnen gleich jedes Opfer bringen, mit dem wir die Treue unserem G'tte wahren und uns der uns am Sinai gewordenen Aufgabe würdig erweisen. Die Zeit des Zählens ist die goldene Brücke, auf der wir die unser jüdisches Sein umbrandenden Wogen und Gefahren überwinden lernen. Wochenkalender. Vom 7. — 14. Mai 1938 Vom 6. - 13. Ijar 5698 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag 'ST <p sna 7 6 20 8 7 33 9, 8 Mai 10 i^h 9 PID 11 10 13 12 11 13 4M 13 12 m 14 <«, 13 tD "'3 p*1Q D'BHi? rav niz? iwsm '»»arfri'JStti 'a pa -iöN ras?