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Der Israelit · 1938-05-05 · Heft 18 (5.5.1938) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 18 (5.5.1938)
Date
1938-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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^^S^^5^ w„*T*f V"*^ I^Ct^1"^' '5^Mai^I938/ c^ i D e r I s*r a e i l t Nr. 18 Seite 3 Samson Raphael Hirsch {Fortsetzung von Seite 1;) ~ guten Triebe erst nach Ueberwindung der bösen ihre Feuerprobe bestanden haben, so läßt sich auch nur dann mit Verständnis nach der Thora leben und wirken, wenn man weiß, wie es in der,. .Menschheit ohne die Thora, aussieht, denn die Gegensätze prägen erst die Begriffe schärf aus. Hirsch wurde in einer neuen Zeit zum Führer und Retter. Er hat in den thöratreuen Schichten der deutschen judenheit gerade tiefer veranlagte Menschen, die nach dem Sinn ihres Daseins fragen, der Thora erhalten und durch sie * Verkünder seiner Anschauungen gewonnen. * * . : * Die Durchführung des Hirsch'schen Erzieliungswerkes hat bereits ihre Geschichte. 'Zu seiner Zeit wohnten in Deutschland die,; Thöratreuen noch meist auf dem Lande oder in: <ler Kleinstadt, übten die Weise der Vorfahren in der Regel nur mechanisch weiter und boten : für geistige Bewegungen kein Objekt. Die Stadt lungegen zog die meisten in den Strudel der Assimilation. Hirsch müßte sich daher in Frankfurt; •erst' selber eine eigene. Gemeinde aufbauen, i •sÄiich hier stelltejri sich Widerstände entgegen; Der Dürcnschnitt ist stets eher ^Nachbetei^ und^ Kachl|iuler,";als .daß., er Gedanken verarbeitet. Auch, wurde »beim; Durchschnitt die geistige Ar- •Beit «von id&tf Sozialen Karriere, absorbiert. Bescheidene^ .wie sie bei wirklicher^^ THoracrfulliiiig selbstverständlich sindi "wurden von den wenigsten geübt. Man vergaß "weder die Morgennoch die Abendzeitung mit ihren der jüdischen Seele schädlichen Wirkun- :geny — doch viel eher vergaß man die Worte dies täglich zweimaligen Schma, in der Thora <Jes Morgens und des Abends zu sinnen. Der Alltag sah hastiges Treiben, das einmal im Jahr fV von einer kostspieligen Ferienreise unterbrochen ip'wurde, — das Lebenssystem des Judentums ryjaber läßt den Fleiß um das Materielle nie zum | ^Zweck werden und sichert daher seinen Ger -, «f&reüen selbst bei der Arbeit ein Gefühl der Ruhe. . f.;i ' . ' .. .. So.mußte an den Unzulänglichkeiten vieler^ ■ ^Menschen seiner eigenen Kreise dievon Hirsch : ausgehende Belehrung ah Befolgung einbüßen:: Diö|es Ergebnis darf keineswegs überraschen. Weif auf Menschen wirken will, muß seine Kraft . aufpdie Jugend konzentrieren. Sie ist aufnähmejberjeit und begeisterungsfähig. . , ' . .x, .!•;§• «Wehn . esheute^unter den Juden westlicher ^■Kuitürtt Hunderte gipt, die mit ihrer umfassenäerii Allgemeinbildu^ zuerst treue Thorajuden . sinc| so bedeutet; ^dies Hirschs Einfluß durch Seifte Schriften auf junge Menschen, Die Schaf-, -fung einer geistig eh; lElite ist aber stets das Ausschlaggebende für jdie Zukunft.; Hirsch hätte für^pie Jugend seiner Gemeinde T" 5ein eigenes Schulwerk gegründet, das jüdische iind allgemeine Schule — also Thora und Derech-Erez -^ vereinigte. Für den allgemeinen Unterrichtsplan galten aber die von der Regie- Tung vorgeschriebenen; Schulbücher und Behandlungen. An diesem Zwäng einer widerspruchsvollen Zweiteilung scheiterte Hirschs Absicht, alle Zweige des Wissens von der Warte der Thora aus zu lehren. Die jüdischen Fächer zählten nur ein Drittel der Gesamtstünden, Dieses ungünstige Verhältnis-hätte nichts bedeutet, wenn die jüdischen Fächer auch die allgemeinen Fächer beherrscht, Infolge technischer Schwierigkeiten konnte unsere dieswöchentliche Ausgabe erst am Freitag, den 6. Mai, zum Versand gelangen. und unsere Zeil.; wenn der Geist der Thora jedes Fach durchs tränkt hätte. Eine solche Forderung verlangt aber von thöratreuen Pädagogen verfaßte Schulbücher, — doch die Schulbücher hatten christliche Pädagogen zu Verfassern. Hirschs würdiger Nachfolger, sein Schwiegersohn Salomen Breuer, errichtete daher zum ersten Male wieder in Deutschland eine Jeschiwah, um den Absolventen der Schule in einem mindestens einjährigen, ganz der Thora gewidmeten Unterricht vertiefte jüdische Kenntnis und Erkenntnis zu geben, ehe sie ins Leben hinaustreten. Doch viele Jahre mußte er sich seine Baehurim aus seinem Geburtslande Ungarn verschreiben, und nur ganz vereinzelt sah er von den Söhnen seiner Geminde" Hörer. Eine Statistik über diese Zahlen wäre interessant.. Im letzten Jahrzehnt hat endlich die thoratreue Jugend Frankfurts den Weg in die Jeschiwah gefunden. Man konnte eben die Kinder nicht schnell genug in die der jüdischen Seele ferne und sie darum gefährdete Welt hinausschicken und war nachher sehr verwundert, wenn die Kinder bei ihrem Streben nach Modernität und sozial angesehener Stellung ihrer Treue zur Thora untreu wurden. (Schluß folgt.) Wochenrundschau. Lichter aus dem Hafen von Tel Awiw. — Wie die Anderen und doch nicht so. — Der Amerikanisch-Jüdische Kongreß. — Montevideo. \ In: einem in dieser; Nummer zur Veröffentlichung kommenden Brief ans Palästina wird "die Eröffnung des Hafens von Tel Awiw für den . P a s-s a g i e r v e r k e h.r als „ein L i aht, das in der Finsternis der Lage erstrahlt", geschildert. .Wir können unseren Brüdern in Erez Israel nachfühlen, ja wir fühlen, es mit ihnen, daß in einer Zeit, da sich dort täglich Gewitterwolken entlade«, «shöü Entspannung zu bringen, heilige Festtage durch Blutopfer getrübt werden, daß in solcher Zeit ein jüdisches Friedenswerk, wie es jetzt in der jüdischen Stadt Tel Awiw seine Vollendung gefunden hat, die Menschen wieder\[ ein wenig aufrichtet, neue Lichtschimmer, neue Hoffnungen in ihr Herz leitet. Wir wollen diese Freudenstimmung nicht mit Zweifel und Kritik trüben, aber es sei die Erwartung ausge- drückt, daß aus dem Hafen von Tel Awiw noch andere Lichter blinken werden, nämlich die Sabbatlichter. Schon bei der Errichtung der Landungsbrücke wurde eine sog. ■;Sabbatklausel in den Vertrag mit dem . Hafen-Komitee aufgenommen. Sie wurde nicht - immer eingehalten,, sie soll, nach einem Bericht des „Kol Israel", auchjetzt noch nicht in allen Teilen eingehalten werden. Es wird darauf hingewiesen, daß sich die Aktionäre der Hafehgesellschäft 2um großen Teil aus frommen Juden zusammensetzen. Es bedarf dieses Hinweises nicht. Das ganze Judentum in Palästina wie in der Gola ist an diesem Hafen interessiert und beteiligt, und aus dieser seelischen Beteiligung erwächst der Hafenverwaltung die Verpflichtung, den Hafen, nachdem er als wirklicher Hafen angesprochen werden kann, zu einem j ü di s c h e n Hafen zu gestalten, mit unbedingter Sabbatruhe, die durch keine Rücksichten auf irgend eine Hochkonjunktur - oder eine Staatsnotwendigkeit gestört werden darf. ... * * Von einem unserer Jerusalemer .Mitarbeiter erhalten wir ein längeres Schreiben über die „Bärmizwahfeier" der Hebräischen Universität, dessen Einzelheiten durch unseren Aufsatz an leitender Stelle der jüngsten Nummer überholt sind. Einige charakteristische Sätzeüsseien hier zur Ergänzung herausgegriffen: ■' ' - :"; „ . . . Analogien auf geistig kulturellem Gebiete, wenn sie aus der^'nichtjüdischen Welt hergeholt sind, sind nicht angänglich, aber eine Analogie drängt sich auf: Auch die arabische Welt hat ihre Universitäten, die Hochschulen!iii Kairo und Beirut sind aber nicht arabisch wie die Universität auf dem Skopus jüdisch ist, sondern sind in erster Reihe moslemi tisch. Im Mittelpunkte dieser Anstalten steht der Koran, nicht als Gegenstand der Forschung, sondern als Seele und Kraftzentrum des ganzen wissenschaftlichen Betriebes. Die höhere moslemitische Geistlichkeit konimi aus diesen Anstalten. In Europa, wo sieb die Universitäten frei von religiösen oder sonstwie gearteten Bindungen und Voraussetzungen fühlen, besitzt aber fast jede dieser Hochschulen eine eigene Theologische Fakultät, wo die Religion nicht wissenschaftlich in kritischem Sinne, sondern von innen heraus gelehrt und gelernt wird und die: ihre Hörer nicht allein als „Kenner der Religion und der R^ligionsgeschichte" entläßt, sondern sie mit dem religiösen Geist ihrer Konfession durchdringt, damit sie diesen Geist in ihren Gemeinden verbreiten und unter das Volk tragen können. Eine solche, von keiner kritischen Sonde berührte religiöse Zelle gibt es auf dem Skopus nicht. Die Tatsache, daß da oben die geistigen Wissenschaften auf Kosten der praktischen, (wie der fehlenden medizinischen oder juristischen) relativ mehr als anderswo in der Welt ausgebaut werden, .kommt leider der Religion nicht zugute, ist ihr im Gegenteil sehr äbträgig. Die kleine Gruppe von jungen Leuten, die für sich lernen, tun es nicht im Rahmen der-Universität, sie tun es für sich und auf eigene Faust, um die von der Jeschiwa mitgebrachte Tradition aufrecht zu erhalten. Die Universität als solche hat für die ^.Religionals Offenbarung", als "»von rrvin, nicht; den* mindesten Raum. Man könnte mit den Weisen sagen: Dft»»y sb nna» B»apw»3 Biwpsnanaw rr^pVipfta" Soweit unser Mitarbeiter. Wir haben uns in unserem Artikel, in eine Kritik des Geistes an der Universität nicht eingelassen, weil es müßig wäre, etwas festzustellen, was keiner bestreitet. Wir haben dem Institut nur das Recht abgestritten, „Barmizwah" zu feiern . . . * * Der Amerikanisch-Jüdische Kongreß will nicht länger den Vorwurf auf sich laden, aus eigener Machtvollkommenheit hervorgegangen zu sein und zu handeln, und so hat er zum ersten Maie für die Tage vom 25. bis zum 27. Juni in ganz Amerika Wahlen ausgeschrieben. Bekanntlich herrscht eine kleine Rivalität zwischen dem von Stephen Wise geleiteten Kongreß und dem American Jewish Committee, das fvon Cyrus Adler geführt>wird. Was die beiden Körperschaften gemeinsam haben, das 'ist der undemokratische Geist ihrer Zusammensetzung und ihres; Vorgehens, übrigens ein Schönheitsfehler, von dem auch andere englischamerikanische Organisationen nicht frei sind. Im Wahlmanifest des AmerikanischrJüdischen Kongresses Keißt es: „Es genügt nicht, djje Verantwortlichkeit für das jüdische Schicksal . auf den Kreis einer interessierten philanthropischen Führerschaft zu beschränken." Das stimmt! '. Wir halten nicht viel von diesem und anderen Kongressen, das haben wir oft genug, gesagt und begründet. Was unsere Brüder jetzt in Amerika für uns tun könnten, wäre die* Fürsorge für die neüen jüdischen Wandermassen, die Beschaffung von Mitteln und vor allem von geeigneten Ansiedlungsgebieten für den reißenden Strom' der Heimlosen. Däß; in dieser Richtung in Amerika nichts geschähe, wollen wir gewiß nicht sagen. Es fehlt nicht an gutem Willen und man kann eine gesteigerte Beteiligung an den Ueberseesammlungen des Joint konstatieren. Was leider fehlt, das ist die Direktive, die Konzentration der Kräfte, .die sich derweil sträflich zersplittern. Zögert man noch, länger,, aus allen mit der Auswanderungsfürsorge befaßten Organisationen eine Obere Zentralstelle zu schaffen, dann könnte, was G'tt verhüten mag, die Not bald ein Stadium erreichen, in dem alle Kongresse, mit oder ohne Wahlen, zu dem werden, was die Schrift so treffend mit bezeichnet. * * Ganz in der Linie der von der Agudas Jisr o e 1 erstrebten jüdischen Siedlungspolitik liegt das, was aus Montevideo im Staate Uruguay berichtet wird. Dort wurde eine Synagogengemeinde begründet mit allen Attributen einer jüdischen Gemeinde.' Der G'ttesdienst findet zwar nur an Sabbaten und Feiertagen statt, aber auch Werktags finden sich einzelne Gemeindemitglieder z.u einer Andacht zusammen. Am Freitagabend wird eine Ansprache1 gehalten und am Sabbat gepredigt. An vier Tagen in der Woche wird Religionsschulunterricht für die Kinder abgehalten, eine Chewra Kadischa fordert die Gemeindemitglieder auf, sich ihr anzuschließen. Der jüdische Friedhof befindet sich im benachbarten L a P a z und gegen die monatliche Zahlung eines geringen Betrages erwirbt das Gemeindemitglied ein Anrecht auf einen Platz. Eine auch Herrenwäsche; Trikotagen und Badewäsche i Übergang?-Mäntel i für; Herren üu'nd Knaben Frankfurt a. M. Hindenburgplatz 12 am Hauptbähnhof.

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