Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1938)
- Date
- 1938-04-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 17 _V D s r-a e,l-i t ,08. April 1938 rielle Existenz allein unserer Jugend keineswegs die Zukunft sichert, daß vielmehr ausschlagt gebend für dieses Ziel ist, welche seelischen Werte wir ihr in den Lebenskampf mitgeben? Für jüdische Menschen genügt eben allge meine ethische und ästhetische Ausbildung, wie sie unsere Kinder in der Schule erhalten, nicht; unsere Bestimmung erfordert es, daß wir da rüber hinaus unsere Aufgabe als Juden begreifen und uns mit den besonderen Pflichten des Judentums innig vertraut machen. Nur mit diesem Geistesschatz ausgerüstet und der gan besonderen Kraft, die er in sich birgt, konnte unsere Gemeinschaft bisher die Drangsal aller Zeiten überdauern, und nicht umsonst stellt da her der Talmud bei den Pflichten des Vaters gegen se,ine Söhne die der Unterweisung in der Thora neben die der Berufsausbildung. Wir wollen unserer Jugend alles erdenkliche Gute geben — und versäumen bei aller Sorge für ihr „Fortkommen" immer noch, ihr das auf den Lebensweg mitzugeben, was allein sie in allen Lagen aufrecht und glücklich erhalten kann! „Das Judentum ist ja sehr schön,, aber was nützt es. .meinem Kind, wenn es keine Existenz hat?" 'so hört man es häufig. Müssen wir nicht aber umgekehrt sagen; „Was nütst meinem Kinde die beste Existenz, wenn es nicht zum Menschen, zum jüdischen Menschen gerüstet ist und, daher auch die beste Existenz nicht auszuwerten versteht?" Wie sagt doch die Mischnah? „Ohne Brot keine Thora; bhne Thora kein Brot!" Wir alle, die wir. jetzt über die Zukunft up serer schulentlassenen Jugend bestimmen,, sollten uns all dies reiflicher als je überlegen. Wir müßten uns einmal den Vorwurf machen, seh schlecht für unsere Jugend gesorgt, zu haben, w.enn wir uns jetzt nur darauf, beschränkten, ihr Berufsausbildung oder Auswanderungsmöglichkeiten zü verschaffen. Viel Versäumtes haben wir nachzuholen, denn auch die jüdischen Schulen können das oben gezeichnete Ziel natürlich nur bis zu einer geringen Stufe erreichen. Daher ist der Zeitpunkt der Schulentlassung vor dem Eintritt in den Lebnskampf die richtige Zeit, das Versäumte nachzuholen. Wir müssen es als un sere Pflicht begreifen lernen, unserer Jugend mindestens noch ein, Jahr durch berufene Lehrer und Führer an die Quellen des Judentums heranzubringen. Dies kann für die ganze. Haltung unserer jungen Menschen ausschlaggebend werden und für ihr ganzes Leben die wertvollsten Früchte tragen. Und wenn dadurch der junge Mensch erst ein Jahr später zu Erwerb und Selbständigkeit gelangt, so. wird durch, das „Lernen" sein Geist doch derart erhellt und geschärft, daß es ihm für jeden späteren Beruf in , reichstem Maße , zugute kommt. Die'Erfahrung hat dies bereits' gezeigt. V 'Uni unseren Söhhen ein solches '„Lernjahr", zusgeben,. brauchen wir,..sie. mcKi( mehr wie, frühei*>;auf eine ^osteuropäische Jeschiwak zu schik,-; keh.'Wir,; haben vielmehr jetzt auch in: Deutsch-H lana' Institute; die' das gezeichnete^ Ziel verfoK' ü>- UJ.'MJv-'i, 3r>.*. -T' >j.'f..y szs-.ru v^ir^iiis » gen. M^sin.d, diesydie.,Je, s,c h i /w a ft,F,i; a n, f n$ t tväj-jVL^ilidifc, J^es c.h iy? ah: rk iß. risk,; >ä$i F irl-d siowie :dä§}!B ePth-*- Cfk i?wär,e hr&n .Bestm ^^»Ä^ I ' 1. Sämtliche jüdische. Musik-Pädagogen müssen bildung.,^ jsich in ihren BerufsahkiMdf^angeri'des Zusatzes „Mit- Korrespondenzen, * Deutsches Reich, Eine Sitzung der Repräsentanten-Versammlung zu Ehren Heinrich Stahls Berlin, 18. April. In den Räumen des Altersheims Lichterfelde- Ost, Langestraße 5/6, fand Mittwoch, den 13. April, abends um 20.30 Uhr, eine Sitzung des Gemeindevorstandes und der Repräsentanten-Versammlung statt. Als einziger Punkt stand auf der Tagesordnung die Beratung der Vorlage des Gemei n d evorstand.es,, das Altersheim in Lichterfelde in Heinrich Stahl-Heim umzubenennen, Zu; ihrer Begründung nahm das Wort der stellvertretende Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Rechtsanwalt Dr, Alfred Klee. Hierauf sprachen der Vorsitzende der Versammlung, Conrad Kaiser, die Herren Wilhelm Marcus und Rechtsanwalt Dr. Alfred R a b a u. Die Versammlung nahm den Antrag des Gemeinde.yorstandes einstimmig an. Die Sitzung gestaltete sich zu einer Huldigung für den Vorsitzenden der Berliner 'Gemeinde; Direktor Heinrich S t a h,l, der am 13. April seinen 7 0. Geburtstag beging, Heinrich Stahl, 1868 in Rudow in der Mark geboren, wurde durch die Wahlen vom November 193Ö Mitglied der Repräsentanz und," nach Bestätigung' dieser Wahlen durch, die Aufsichtsbehörde, im Juni 1931 Mitglied des Gemeiiidevorstandes, im.,Mai 1933 Vorsitzender des Gemeindevorr Standes. Vorher hatte sich H. Stahl längere Zeit im Vorstand des Salomonskischen Vereins für Jüdische A I fr.e.Ti$;h e i m.e , in der. Abrabam'schen jüdischen Volksküche und anderen Institutionen betätigt. Heinrich Stahl vertritt die liberale Richtung ini Vorstande. Seine Verdienste auf organisatorischem Gebiete und noch mehr um das jüdische Wohlfahrtswesen müsseh auch von denen anerkannt werden, die in weltanschaulicher und' gemeindept>'litischer Hinsicht zu seinen schärfsten Gegnern gehören, Jüdischen Kulturbünde,. Berlin. SW '68, -Stallschreiberstraße 44, erfolgen," s , •->,■■ ■; ■ ■■ ——— ■.■'■<) Eine Verordnung über jüdische Gewerbebetriebe* Berlin, 24. April. Auf Grund der Verordnung zur.: Durchführung des Vierjahresplans vom 18. Oktober' 1936 würde unter dem Datum des 22. April 1938 folgende „Verordnung gegen die Unterstützung der Tarnung jüdischer Gewerbebetriebe" erlassen: „Ein deutschet Staatsangehöriger, der aus. eigennützigen Beweggründen dabei mitwirkt, den jüdischen Charakter eines Gewerbebetriebes zur Irreführung der Bevölkerung oder der Behörden bewußt zu verschleiern, wird mit Zuchthaus, in weniger schweren Fällen mit G ef an g n i s , jedoch nicht unter einem Jahr, und mit Geldstrafe bestraft. Ebenso wird bestraft, wer für einen Juden ein Rechtsgeschäft schließt und dabei unter Irreführung des anderen Teils die Tatsache, daß er für einen Juden tätig ist. verschweigt." Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündung in Kraft, \ ■ Jüdische Filmarbeit in Deutschland. B erlin, 19. April. Gemäß einem Erlaß des Reichsministers für'Volksaufklärung und Propaganda (SJ. 745/5. 2. 38/1) ist die Errichtung eines Instituts ., für, jüdische Filmarbeit genehmigt worden für „die. Herstellung, den. Verleih und die Vorführung jüdischer Filme in, Deutschland, und zwar; 1., auswanderun'gsfordernde, 2. palästinensisch-kulturelle, 3, Spielfilme rein, jüdischen Charakters mit ausschließlich, jüdischen Darstellern','. ÄAs ersten Film wird das Jüdische" Filminst großen jüdischen Spielfilm ' Idl mit'n' Fidl" am 2. Mai im Saal des Jüdischen Kulturbundes 'Berlin herausbringen, Dieser Film lief monatelang mit außerordentlichem Erfolg in New York, Paris, Warschau und London. Die Hauszinssteuerpflicht der jüdischen Kultusvereinigungen. B e r 1 i n j 26, April. In Ergänzung der Verordnung,, wonach den-Jüdi-i sehen Kultus Vereinigungen die Eigenschaft von Kö?c perschaften des öffentlichen Rechts entzogen werden und für ihren Grundbesitz grundsätzlich, und zwar mit Wirkung vom 1. Januar 1938, die G r u n d.,- steuerpflicht ausgesprochen wird, ist nun ein drittes Gesetz zur Aenderung der Vorschriften über die Gebäudeentschuldüngssteuer ergangen, Darin wird bestimmt, daß ..bebauter Grundbesitz, der jüdischen Kultusvereinigungen oder ihren Verbänden gehört oder von ihnen benutzt wird, vom 1. April 1938 . an auch zur G e b ä u dse e n t s c h u 1 dungssteuer insoweit heranzuziehenist, als :er grundsteuerpflichtig .ist. . Dieobersten!(Lahdesbehöc-r. den werden ermächtigt, mit-Zustimmung des Reichs-:, ministers der Finanzen. die . Jandesrdcjitlichen Vor: Schriften entsprechend anzupassen» am . .? '. . ■ ." " . ---- •■ •■■■ic ßfl :■. ..' Veranstaltungen anipeh^pf^ctf^gl; .;< - riß e*r>l i ny 25.> April;'! 'Der Reichs^erl&nd de^'jüdischen' K^ltuWühdey'ihv'. | jDW«ttsefa'ik^!(iUfte•• im*'■ Y.-::'0^01 - f1'!-'; ^S":<TL -Tl 1! „Auf k örand.v melirfaclj^' durch .das . Sonderr^f^^/! iW^jninkeT' beanstandeter" Einzelfalle geben wiir "folgendes. bekannt: ' .„_„,.. Bestimmungen für Juden an den österreichischen ' Hochschulen. ,. W i e n, 24. April/ Durch eine Verfügung des österreichischen Unterrichtsministeriums können inländische Juden zur Fortsetzung des Hochschulstudiums nur nach Maßibe; feiner , Verhältniszahl von. z w e i f r o z en t für die einzelnen Teilgebiete ( Zugelassenwerden, Dieser Prozentsatz, heißt , e,s in.. der Begründung,,. ist etwas geringer alsder Anteil der Juden an der Gesamtzahl der Bewohner Oesterreichs, dennres soll mit,,dieser Einführung .eines Numerus clausus eine Entwicklung von Jahrzehnten kompensiert werden. An den öster-r reichischen Hochschulen gab!es im Wintersemester 1936 >und 11 Prozent jüdische Studenten, doch sind in diesem Prozentsatz "nur die Angehürigen der jüdischen Religionsgemeinschaft . enthalten." Ihr Anteil ah der Gesamthörerschaftder1 Wieher Universität allein stellt sich auf 19.42 Prozent. An der Wiener Medizinischen Fakultät' war rund ein Drittel aller Hörer' jüdibcher'' Abstammung, an der Rechts- -und" Staatswissenschaftlichen Fakultät 14.39 Prozent, ah der Philosophischen Fakultät 12 Prozent. Nach der amtlichen österreichischen Statistik gibt es in Oesterreich unter; ihsgesämT 6,8 Millionen (Wien allein 1,9 Millionen) Einwohnern rund 200 000 (Wienr 180 000) Juden. In dreserf 'ZaHle'n sind jedoch wiederum; hur; die konfessionellen Juden enthalten; nach, dem begriff der Nürnberger, Gesetze dürfte sich die Zajri wesentlich erhöhen,.. Alan nimmt für ganz Qester;- reich eine Zahl von rund 350 000 Jude^Jm ^$inru? dej^^assegesetze an, ,ypn denen .auf",W"ien ..allein, ge-' g'^n ^300 ÖÖ0 entf allen', mögen,.,.;, ,',;;/ .... ■fißl .) •;•.. .'. ii .t..'-. .1: tlOÜ07% V3Ö fj'i MS!H??t!CS< i'j'li}« ju :-.>; .' r; : h-i:<,:i:>H iCiSIV-, Rky Wer einmal4rgesehen!.hat,,twie, gut 4n .diesen Anstalten das Lernen und das echt jüdische Kameradschaftsleben auf unsere Jugend wirkt* der versteht es' nicht, daß nicht viel weitere Kreise ihren Söhnen eine solche ^Ausbildung ang,edei-, hen lassen! " c- ■ '. Den .Vorwurf; niäteriaiis'tischer Der^kärt, der uns so häufig;gemacht wird, können wir nicht,, besser widerlegen als dadurch', daß. wir unsere, Jugend 'nicht nur zum Broterwerb, sondern auch zu wahrhaftem jüdischen Menschentum' erzie-'' hen. Gehen wir endlich einmal Riesen'Weg und., helfen wir damit nicht hur unseren Kindern,; sondern 'auch uns selbst und unserer ganzen Gemeinschaft! "'' Iglied des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland" .bedienen. . . . Insofern jüdische Musik-Pädagogen noch ni,cht ^Mitglieder sind/ wollen, sie sich sofort, an den ,, . , Reichsverbahd der" Jüdischen. Kulturbünde in Deutschland, ^erlin, SW68(li. Stallschreiberstr. 44, zwecks | Aufnahme wenden^. ,;>. - - i; . H,• o/i .2. tn letzter Zeit.^ind./wiederholt Verä^st^|tüngen mit künstlerischen Ünirahmungen [z. B. l^jüsik, The.a- 'terspielen, Sprechchejr, Rezitation) angekündigt, yt??'. 'den. Die Ankünd/gungen ^haben zu /^ehöfdiich'erj [Nachprüfungen gefuhrt und das Ergebnis, gezeitigt, J;daß eine Anmeldung der künstlerischen Umrahmungen überhaupt nicht . stattgefunden hat,; ,; ' Es wird letztmalig darauf hingewiesen,, daß sä.mt- '; j liehe künstlerischen .Umrahmungen; von Veranstaltung, gen aller, Art durett; den Reichsverband, .beim . Soh-;' jierreferat Rkw. Hlflj?el anmeldepflichtig ^ind. . 'Die Anmeldung , ,mit ge^a&em,, Programm muß <vierv;Wochen vor, der' Veranstaltung bejm Reichs,v(erbaria der n*bm y~tääBfegeiü&&'emisk Ab^rdn&ten.' 1"-.-^ ftnu .nsUßüs'jris;ii!r,?..r:£»ds .^iiijjß F isb abisxiba.'if'.v;'- : *pm-v^ Mri«BÄ»l j^L-x; Der bekannte eantisemji^isqhg 4bge.Qrj4net^ iß,u-4.r, z i n s k i, der den Gesetzentwurf auf Verbot;:4ieff/ Schechita eingebracht hat, «ist aus der Regierungspartei ausgeschlossen worden. Der Ausschluß erfolgte weg©np,^ines Artifce^l^-.im;B.udzinskis"-.'Wochenblatt, in dem das Hauptorgan der Partei wegen seiher -Haltung, in jüdischen Fragen scharf angegriffen, worden war, '■• ' T,; .;' ■ - -; •' .'..,;:|-.' 3rip£/aus.-Polen.'..hj-;^-.'!" - .4 ,.'f, Rückgang des'Studiums bei den Juden» ~. Neue Emschränkungsversuche. — Ein jüdischer Veteran* •W,ä r s c h a u / f;18. April/ -! DasInstitut zur, Erforschung'/'4e.ri^'R.echtis^ der Nationalitäten" in Warschau hat reine statistische: Schrift: vor* Samuel Chmielewski ". unter dem Titel „Der Stand des Schulwesens der Juden In Polen"" herausgegeben, der zu entnehmen ist( daß die, Zahl der jüdischen Studierenden in Pole'h ' ständig. abnimmt. ,. . ,t.'■ ■ . . i ,.. ."..j .. .;■ Im Jahre 1924 b.etr'ug/.die ^Zähl %der//^üdisc^^^ denten im Verhältnis zu den' nichtjüdiSchen in' ganz: