Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1938)
- Date
- 1938-04-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 17 w;'!'^^"*'^ D..e i\ I. s, r„.a e. i i t_. tSäf-MXft^ I', v:jj*. ^.^I^feS^K^^; vSfc» >ä ü?srsr•'' jätüi hWWi^^M' 't- KEREN HATORAH ist der Treuhänder des jüdischen Volkes für die Erhaltung seines nationalen Gutes vom Sinai. Helfet dem KEREN HATORAH! KerenHotoroh, Ha m bu rg,H e i n r i c h ß a r t h s t ra ß e 2),Post sc h ec k ko n to: Hamburg 24753 Budapest heute noch nach Warschau die zweitgrößte jüdische Gemeinde Europas. Im Weltkriege standen im ungarischen Heere auf der Seite der Mittelmächte etwa 80.000 Juden unter Waffen, von denen 10.000 gefallen sind. Den jüdischen Frontkämpfern soll, wie aus dem Entwurf zu entnehmen ist, auch bei der Neuregelung der Dinge weitgehend Rechnung getragen werden. Die ungarische Judenheit steht nun, wie fast überall in der Welt, vor neuen Problemen, unter denen das der Auswanderung in den Vordergrund tritt, Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens von Biro Bidschan berichten die Moskauer Korrespondenten europäischer Zeitungen einiges über dieses große Experiment einer jüdischen Siedlung. Wo liegt Biro Bidschan? In achttägiger Eisenbahnfahrt gelangt man auf der Strecke Moskau—Wladiwostok dorthin. Der Bahndamm bildet dreihundert Kilometer lang die nördliche Grenze des autonomen Gebiets, es reicht als dreieckiger Zipfel hinab in die Mandschurei, von. der es nur das breite Strombett des Amur trennt. Das Klima scheint nicht sonderlich günstig zu sein. Im Sommer bringen die Monsunwinde vom Stillen Ozean beständig Niederschläge, während im Winter, wenn die Winde in umgekehrter Richtung wehen, eine geringe Feuchtigkeit herrscht, wenig Schnee also bei harter Kälte bis zu vierzig Grad. Dazu' kommt, daß Biro Bidschan zum großen Teil aus Wald und Sümpfen besteht, die erst in Ackerland verwandelt werden müssen. Dort leben Elche, Luchse, Bären und Füchse. Die Sowjetpresse rühmt die angeblichen Errungenschaften ■ der jüdischen Siedler, von denen sich vorerst die Hälfte auf die kleine Hauptstadt des Gebiets konzentriert, spricht aber dann auch von anderen Dingen, die weniger ermutigend wirken. Für alle Mißerfolge neben den „Erfolgen" gibt es auch hier nur eine „Erklärung": der „Trotzkismus". Schon vor längerer Zeit konnte man in der „Prawda" lesen, daß dort zusammen mit ehrlichen Siedlern „nicht wenige frühere Händler, Spekulanten und Zionisten" eingedrungen seien. „Mit Hilfe des berühmten sowjetischen Nachrichtendienstes", schreibt dieser Tage die Moskauer Gewerkschaftszeitung ,.Trud". .„haben die Werktätigen des Gebiets ihre Feinde vernichtet". Trotzdem sei Biro Bidschan „eine Hoffnung für die jüdischen Werktätigen in der ganzen Welt". Wie vielen jungen Hoffnungen dabei eine Kugel der Tscheka ein Ende bereitet hat, geht aus den Berichten nicht hervor. Nach allem sollte den Organisationen, die auf der Suche nach Inseln für Judenansiedlung sind, Biro Bidschan als Warnung vor Augen stehen! Von Dr. med. Jacob Lcvy in Berlin. UL Öas mutige Bekenntnis des großen Physikers Planck zu G'tt und seiner Weltordnung steht, wie wir gesehen haben, nicht neben seiner naturwissenschaftlichen Erkenntnis, es ist vielmehr grade der Ausfluß seines theoretischphysikalischen Denkens. So überwindet er den Dualismus in der Seele des Forschers, an dem so viele wissenschaftlich Gebildete, auch in unseren Kreisen, kranken. So weist er auch uns einen Weg zur Einheit der Seele. Es ist alte jüdische Auffassung, daß von der Natur ein Weg zu G'tt führt — „Die Himmel künden die Herrlichkeit G'ttes". So wird der in der alten Weltanschauung wurzelnde Jude in den Worten Plancks manches ihm wohl Vertraute wiederfinden, er wird erkennen, wie viele gemeinsame geistige Bande alle in wahrem Sinne religiösen Menschen einen. Aber so verlockend es wäre, die Ergebnisse Plancks auch auf unsere jüdische religiöse Welt zu übertragen, so sehr müssen wir uns doch hüten, ohne Kritik das, was P. unter Religion versteht, mit. unserer niTOK gleichzusetzen. Wollte man die Grenzen verwischen, so täte man weder der wissenschaftlichen noch der jüdisch-religiösen Weltanschauung einen Dienst. Einem Irrtum muß vorweg begegnet werden, als wenn nunmehr durch die physikalische Kausalbetrachtung als solche der G'tt der Thora nachgewiesen sei. Vielmehr bleibt zu Recht bestehen, was S. R. Hirsch im Choreb (§ 14) lehrt. „Wenn du bloß von ihm (deinem sinnlichen Verstände) geleitet, in die Welt hinausblickst und führt Schluß auf Schluß unabweisbar zu Einer Kraft, die du als erste setzest — und ... „G'tt" nennst: so wirst du diese Urkraft eben auch nur als erste Kraft, als ersten Ring in die Kette fügen; — aber den persönlichen, heiligen . . . G'tt der Tauroh, der mit seinem Willen, in seiner Allmacht, zu seiner Weisheit Zweck, alles was ist, ins Dasein rief, ... Ihn wirst du nicht haben". Wohl künden die Himmel die Herrlichkeif G'ttes und weisen auf die Schöpfung hin — aber nur G'ttes Lehre gibt der Seele befriedigende Antwort. In diesem Sinne will Samson Breuer*) auf die Frage: „Führt ein Weg von der Natur zu G'tt?" die Antwort erteilen: „Für den Verstand — Nein!" Aus dem Zusammenhang gerissen ist das vielleicht mißverständlich. Wohl führt ein Weg — auch für den Verstand — in der Richtung auf G'tt. Allein, bis zum Ziel des jüdischen G'ttesbegriffs zu gelangen, ist dem Verstände allein nicht beschieden. Daß Planck diesem G'ttesbegriff sich nähert, verdankt er ja auch nicht seinem naturforschenden Verstände. „Der Verstand ist eben wohl eine vorzügliche, aber n i c h t die einzige Quelle der Erkenntnis", sagt der Mathematiker Dessauer**), Die ändere Quelle ist äuch für Planck das religiöse Erleben, und grade in diesem grundlegenden Ausgangspunkt ergeben sich Differenzen zu unserer Ueberzeugung, deren weittragende Bedeutung keinem Kundigen verborgen bleiben kann. Planck verlegt diese religiöse Erkenntnisquelle allein in das stille Kämmerlein des menschlichen Seelenleben, während wir als Grundlage unserer religiösen Lehre eine von außen in der breiten Oeffentlichk e i t von Himmel und Erde an den Menschen ergangene Offenbarung anerkennen. Diese Offenbarung, deren Kernstück die sinaitische Gesetzgebung ist, gewährt uns Einblicke in die Beziehungen G'ttes zu seinen Geschöpfen, die viel inniger sind, als sie nach der allgemeinen Grundstellung einer religiösen Seele erschlossen werden können. Planck wird auf Grund seines religiösen Systems eine äußere Offenbarung kaum anerkennen, sie wäre ja ein „Naturwunder". Und die Zeit, wo man *) S. Breuer. Weltbild und Weltsinn. „Unser Weg", Jüdisch-akademische Blätter. Neue Folge Heft I Berlin 1928. **) Leben, Natur u- Religion. 1924. l'^O^Qr Aus jüdischem Geiste. (Pessachnachklänge.) Der Minsk er Godau! (eine der größten rahbinischen Autoritäten des vorigen Jahrhunderts) sagte einmal in seiner Schabbos-Hagodaul-Predigt folgendes: ,,Es ist üblich, daß man am Schabbos vor Pessach eine scharfsinnige Sugja behandelt und dabei einen Widerspruch in Rambam aufweist und löst. Also frage ich: In Rambam heißt es, daß selbst der Aermste der Armen am Sederabend vier Becher Wein und Mazzoth haben muß, daß er sich während der ganzen Woche der Festesfreude hingebe. Dann aber lehrt der gleiche Rambam, daß man nicht stehlen, nicht betrügen darf, der Arme genau so wenig wie der Reiche. Also ist doch eine Stiro (Widerspruch). Wo soll der Arme das Geld hernehmen für Mazzoth, Wein und Festgenüsse, wenn er nicht stehlen darf? Der Terez (Antwort) ist in Rambam „Hilchaus Zdokoh" zu suchen, wo er den Reichen zur Pflicht macht, dem armen Bruder mit allem Nötigen zu Pessach zu versorgen und ihn der Festesfreude teilhaftig werden zu lassen." - Und daran schloß sich eine längere Predigt ' an, ein Appell an die Gemeinde, der Armen am Pessach und auch das ganze Jahr über zu gedenken, Rabbi Chaim Brisker kam einmal von der Schabbos-Hagodaul-Predigt ganz müde und abge spannt nach Hause, Er hatte, — es war ein furchtbares Notjahr, — diesmal den Reichen ganz besonders ins Herz geredet, in Anbetracht der Feiertage sich der Armen anzunehmen. „Hat die schwere Arbeit wenigstens was ge nützt?", fragte die Rebbezin. „Die Hälfte ist wohl erreicht," meinte der Rabbi. „Die Armen sind bereits einverstanden, nur die Reichen zögern noch ein wenig." Zum gleichen Rabbi Chaim kam ein Mann kurz vor Pessach mit einer merkwürdigen Schalo (religiösen Frage), nämlich ob man für die vier Becher am Sederabend Milch gebrauchen darf. Rabbi Chaim verneinte und ließ dem Manne aus der Gemeindekasse 20 Rubel zukommen, damit er Wein kaufe. Der Gemeindekassierer staunte unwillig: „Braucht man für vier Becher Wein 20 Rubel?" Darauf Rabbi Chaim: „Nur Kurzsichtigkeit und Unverstand können eine solche, Frage stellen. Wenn der fromme Mann im Begriffe ist, an. den Festabenden Milch zu trinken, so kann man daraus schließen, daß k e i n Fleisch und, wohl auch keine Fische und auch sonst nichts auf dem Tische ist. Es fehlt wahrscheinlich an allem und am Nötigsten." Es ist nicht damit getan, daß man die Worte einer Frage hört, sondern man muß ihnen auf den Grund gehen und sie richtig verstehen. Rabbi Israel S sa 1 a n t e r pflegte beim Backen seiner Mazzoth selbst dabei zu sein und an der Spitze seiner Schülerschar mit peinlichster Genauigkeit nach dem Rechten zu sehen, Einmal war er kurz vor Pessach durch Krankheit ans Bett gefesselt und die Schüler mußten, seine Mazzoth ohne ihn backen. „Worauf sollen wir am meisten acfiten?"r fragten sie den Rabbi. „Ihr sollt insbesondere darauf sehen, daß die- Kneterin, eine arme Witwe mit drei Kindern, noch am gleichen Tage ihren vollen Lohn ausbezahlt bekommt," sagte Rabbi Israel. Rabbi Jossef Bär in Brisk hatte einmal einem reichen Metzger, der zugleich Heereslieferant von großem Einfluß war, das Vertrauen und die Aufsicht entzogen. Der einflußreiche Mann kam zum Rabbi und protestierte gegen diese Maßnahme, versuchte es in Gutem und in Bösem und wagte zuletzt, dem Rabbi hundert Rubel zuzustecken. Entrüstet gab ihm Rabbi Jossef Bär das Geld zurück und wies ihm die Türe. Der Gemaßregelte ließ es aber dabei nicht be-~- wenden und ging bis zum Minister. „Ich wollte^ ihm ein Geschenk von hundert Rubel machen," bs-• Schwerte er sich gegen den Rabbiner, „und er nahte seine Verordnung, die er eigenmächtig und ohne Em- holung einer behördlichen Erlaubnis getroffen hatte, , nicht zurück." „Hundert Rubel und er nahm sie nicht?" wundert '•■ sich der Minister. „Schade nur, daß er ein Jude" ist, ich hätte ihn sonst sofort zum Gouverneur - gemacht." Der Lubliner Raw H»*sr pflegte zu sägen: „'Vonallen talmudischen Werken ist mir Midrasch das Liebste. Denn: die Gemoro „sagt", Raschr ,-,macht'\ Rambam „paßkent", R. Bechaje „schreibt",.;-aber der