Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1938)
- Date
- 1938-04-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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38. April 193£; Der Israelit Nr. 17 Seite 3 Die Hebräische Universität als Barmizwah! {Fortsetzung von Seite 1.) als diese ,,Barmizwah-;Drascha!' zu gelten hat. dann ist ein Zweifel über den weiteren Lebensweg der Jubilarin au£ dem Skopus nicht mehr zulässig. Zwar haben sich, schreibt Klausner, die großen Denker des Judentums zu jeder Zeit religiösen und profanen Studien hingegeben, stets aber^ lernten sie beides getrennt voneinander. „Talmud und rabbinische Literatur zusammen mit Physik, Chemie und Zoologie an demselben Orte, allgemeine und jüdische Philosophie nach derselben Methode, jüdische und klassische Literatur unter einem Dach (etwas später nennt Klausner Bibel, Talmud und Midrasch, Evangelien und'die Schriften der Kabbala in einem Atem,) —: 80 etwas hat es noch nicht gegeben seit die jüdische Kultur besteht." Es ist Klausners tiefste Ueberzeugung, daß diese Neuerung bedeutsame Folgen nicht nur für die Wissenschaft des Judentums, sondern auch für die. allgemeine Wissenschaft zeitigen wird, Ei* hofft, daß aus dem Beisammenwohnen all dieser Wis- .sensgebiete sich eine vollendete Synthese der jüdischen Kultur' ergeben wird, aus ■der...'der 'Menschheit nicht weniger Segen erwachsen wird als dem jüdischen Volke. Also 'ein Neues, noch h i c h t Dagewesenes bildet der Skopus! Nichts ist mehr der Sinai, . nichts die Propheten, nichts auch die Schöpfung der Mischna und des Talmuds, im dunklen Schatten bleibt das vielstöckige Gebäude der Halachisten und Dezisoren bis an die Schwelle unesres Jahrhunderts. All das ist überstrahlt vom Berg der Berge, von dem die Synthese ausgehen soll ... Und von wem soll diese große bündige Synthese für das. Judentum und die Menschheit ausgehen? Etwa von B e r g m ann, der vor kurzem seine Approbation zur Abschaffung des Purimfestes gegeben hat; von M a g n, e s , der Palästina als Schmelztiegel der drei Religionen feiert; von Torczyner, der mit der Bibel weit weniger glimpflich umgeht, als Klausner mit den Evangelien und auch in diesen Mitteilungen, —man^ lache nicht, denn das steht hier schwarz auf weiß— den Satan im Prolog zum Buche Hiob zu einem Polizisten oder „Geheimspitzel der Vorsehung und des lieben G'trtes" erhebt; oder Scholem, der in dem gleichen. Heft, zwar nicht wie Klausner in der Kabbala eines Lurja und Rabbi Chaim Vital „eine grenzenlose Phantasterei, die die theoretischen und philosophischen Lehren der spanischen Käbbala überwuchert" sieht, sondern die Entwicklung der Kabbala in all ihren Systemen und Stadien mit anerkennenswertem wissenschaftlichem Ernst bespricht, aber das Ganze doch mit der Ueberlegenheit des i1? X1?! Q31? behandelt, die die weite Distanz zwischen dem Autor und der von ihm gekündeten Lehre aufzeigt? Wo ist hier die Synthese? Es sei ohne weiteres zugegeben, daß die Hebräische Universität in ihrem Lehrerkollegium einige Männer von Ruf und Namen besitzt, die jeder jüdischen Bildungsstätte, auch einer ausgesprochen gesetzestreuen, zur Zierde gereichen würden. Aber ihnen gegenüber wirken und lehren an der gleichen Anstalt Männer von der genannten Art, die kalt und kritisch über Dingen stehen, die uns Grundbedingungen und Urelemente des Glaubens und Denkens sind. Und hart im Räume stoßen sich die Dinge nicht, sondern einen sich, mit Klausner zu sprechen, zu einer zweifelhaften Synthese. Wir erfahren auch, daß es unter den Hörern der Universität welche gibt, die nebenher auf alte traditionelle'Weise lernen, nicht dabei wissenschaftliche Untersuchungen und hypothetische Betrachtungen anstellten, sondern sich einfach in die Lehre versenken. Im Gesamt von 700 bis 800 Hörern bilden diese hundert Jünger gewiß eine erfreuliche Erscheinung. Die Richtung kann aber dieser kleine Kreis leider nicht weisen. Einzelne, Lehrer wie Hörer, können wohl der Universität eine bestimmte Nuance geben, an ihrer Grundhaltung werden sie nichts ändern. Diese Grundhaltung ergibt sich eben aus dem von Klausner hochgepriesenen Nebeneinander, aus der.von ihm erstrebten Synthese, J aus dem „Zentrum", das er, wie er zum Schlüsse . sagt, aus vielen Trümmern zusammensetzen will. Wir fürchten aber, daß bei diesem Konglomerat es immer bei Trümmern bleiben wird, die sich niemals zu einem Ganzen, zu der Synthese finden, wie wir sie im Sinne von l^Ti lTD' erhoffen. Wir wünschten, unser Barmizwah^Glückwunsch hätte anders ausfallen können. Eine Barmizwahfeier bedeutet gemeiniglich: Absage an die ungebundene Vergangenheit und das Eingehen einer volljüdischen Verpflichtung für die Zukunft. Wie herrlich wäre es um uns bestellt, wenn wir am Barmizwah-Tage auf dem Skopus solches hoffen dürften! Wochenrundschau. Eine traurige Sefirah. — Das englischitalienische Abkommen. — Von der jüdischen Stadt zum jüdischen Staate. — Ein neuer Ring in der Kette. — Biro Bidschan als Warnung. In den Tagen nach Pessach runden sich gerade zwei Jahre seit Ausbruch der ersten Unruheii auf der Straße zwischen Jaffa und Tel Awiw, die zürn Generalstreike führten und Ausgangspunkt eines Kleinkrieges wurden, der heute noch nicht beendet ist. Eine blutige .Sefirah ist zu registrieren. Es gab seither 142 jüdische Todesopfer und über '500 jüdische Verwundete. Ob nun die Tragödie endlich ihren Abschluß erreicht? Man hat an den Amtsantritt von Sir Harold M a c M i - chael und an den Wechsel im Truppenkommando einige Hoffnungen gesetzt, die sich aber zunächst nicht erfüllt haben. Noch am Ostersonntag gab es blutige Schlachten zwischen Truppen und Arabern, die mit der Zahl der Toten und Verwundeten schon beinahe über das Maß eines Kleinkrieges hinausgehen. Es gab auch jüdische Opfer, über die an anderer Stelle berichtet wird. Inzwischen ist die neue -yU ntersuchungskommission in Palästina" eingetroffen. Möglicherweise sind die Oster- SchÜSSe bei Nablus und im Galil als arabischer Salut für die neuen Herren aus England gedacht. Mögen diese sie nur richtig verstehen und vor Bestimmung der Grenzen — und des Schicksals — des jüdischen Palästina erst alle ihnen zu Geböte stehende Macht für eine Entgiftung der Atmosphäre einsetzen. ' Das englisch-italiensche Abkommen, das nun unter Dach ist, brachte eine merkliche Entspannung in dir; Mittelmeerpolitik. Sowohl die Londoner wie die|^Römische Presse feiert die Unterzeichnung des l&er.trages als eine Bereinigung all der Fragen^Mie bis dahin das gute Einvernehmen zwischen den ptjiden Völkern trübten und den Frieden in der Weft gefährdeten. Ob und was? in Sachen von Palästina zwischen Rom und^ London verhandelt und vereinbart worden ist, geht weder aus den Protokollen noch aus den Glossen der Presse hervor. Man hört nl.tr so viel, daß über die Palästinafrage gesprochen worden ist und daß England nunmehr über all seine Maßnahmen in Palästina Italien auf dem Laufenden halten;-wird. Es scheint zwecklos, ein Rätselraten über Dinge anzustellen, über die die Welt zu informieren man nicht für nötig hält. Man kann nur hoffen, daß, die Beruhigung, die das Abkommen bereits gebracht hat, auch auf die Entwicklung der Dinge in Palästina ein wenig abfärbt. Das Aufbauwerk in Erez Israel ist ein Werk des Friedens, das von Friedensaktionen in den Ländern, die am Mittelmeer interessiert sind, wie diese auch ausfallen mögen, nur profitieren kann, * * * In der Errichtung einer rein jüdischen auto.nomen Polizeiverwaltung in Tel Awiw sehen die palästinensischen Zeitungen, auch der orthodoxen ,,Kol Israel", ein S y m p t o m für den mählichen Aufbau des Judeflstaates;_eines der vielen. Denn die Eröffnung des Tel Awiwer Hafens für den Passagierverkehr, die Genehmigung wichtiger Anleihen für die. Stadtverwaltung weisen u. a. ebenfalls nach der gleichen Richtung hin. Schon im Peel-Berichte wird das Maximum einer Autonomie füi* Tel Awiw als Grundzelle für den späteren Judenstaat empfohlen. Die jüdische Stadt soll eben Modell sein für den jüdischen Staat. Daß die arabischen Städte und Zentren diese Autonomie noch nicht erhielten, liegt einzig daran, daß im palästinensischen Arabertum die innere und äußere Stetigkeit und. Geruhigkeit als Voraussetzung eines solchen Experimentes zur Zeit noch fehlen. Die neue Einrichtung spricht auch dafür, daß Tel Awiw als Residenz und Hauptstadt des Judenstaatse ins Auge gefaßt ist, sofern sich die Hoffnungen auf eine Einbeziehung Jerusalems in das jüdische Gebiet nicht erfüllen sollten. All diese Vorzeichen desavouieren die Ansicht derer um Jabotinsky, die bei jeder Gelegenheit die offizielle Aufgabe des Judenstaatplanes registrieren. Im Gegenteil werden alle Vorbereitungen für die Ausführung des Planes im Stillen getroffen, und angesichts dieser Tatsache gewinnt für uns jener vor kurzem gemachte Hinweis auf die Männer, die heute an der Spitze des Jischuw stehen und morgen vielleicht schon mit gleicher Machtvollkommenheit an der Spitze des Judenstaates stehen werden, gesteigerte Bedeutung. Diese Vorzeichen sollten aber für uns im gesetzestreuen Kreise ein Ansporn sein, unsere Pflicht in und für Erez Israel mit letzter Kraftaufbietung zu tun, denn vom Maße unserer Arbeit wird unsere Stellung im Staate abhängen. Zu keiner anderen Zeit galt für uns so sehr das Wort de* Vätersprüche: „Und wenn nicht jetzt, wann denn?,!" * * *. Ein neuer Ring gliedert sich in die lange Kette der jüdischen Galutnot ein: Ungarn. Der Entwurf zum neuen Judengesetz passiert dort im Eiltempo alle Instanzen und wird schon demnächst Gesetzeskraft erhalten. Ein Minimum von Recht wird dort den Juden, soweit sie ungarische Staatsbürger sind, auch ferner gesichert bleiben. Aber die Mauer der Gleichberechtigung ist durchbrochen, es beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der ungarischen Judenheit, das der Dissimilation. Die ungarische Judenheit sieht auf eine lange leid- und ruhmreiche Geschichte zurück. Als die Magyaren um die Wende des neunten Jahrhunderts nach^ Ungarn kamen, fanden sie dort Juden, die bereits seit zwei- oder dreihundert Jahren Tm Lande waren. Das düstere Mittelalter bekam die ungarische Judenheit mit all seinen schweren Schikkungen, Austreibung und Ausrottung, zu spüren.. 1830 wurde die Frage der Gleichberechtigung der Juden in der ungarischen Ständeversammlung zum ersten- Male ventiliert, aber den! Enderfolg konnte die Emanzipation in Ungarn nach vielen Etappen und Rückschlägen erst im Jahre 1867 verzeichnen. Wie überall, und in noch gesteigertem Maße, setzte in Ungarn als Folge der Emanzipation eine Assimilationsbewegung bis zur Taufe ein. Aber es fehlte auch hier nicht an Männern, die der Flut jüdischen Boden entrissen, der heute, in den Tagen der vielfachen Not, Zufluchtsstätte für Viele sein kann. Auf dem von Rabbi Mosche S o f e r in Preßburg zu Anfang des 19. Jahrhunderts gewiesenen Wege organisierte sich 1871 die unabhängige Orthodoxie, die sich kraftvoll ausbreitete. Von den 450.000 jüdischen Seelen in Ungarn zählen sich etwa 130.000 zur unabhängigen Orthodoxie, während sich 15^000 Juden zum Status quo-Prinzip bekennen und den konservativen Standpunkt nach Art der Gemeindeorthodoxie in Deutschland vertreten. Mit der Neuordnung der geographischen Karte im Donauraume nach dem Kriege gingen dem ungarischen Judentum starke Positionen verloren, doch ist Seit 45 Jahren Tabak JOSEPH, Sandweg 7 I I *teW„un9 ««' Auswanderer Frau F. MAIER IP __ ■ .. _ . . . ~ .. I IM n ß - Konfektion E*»hv*a-»efick CfcA CiGARRENLAGER allererster Fabrikanten, zu jeder Preislage und^Geschmacksrichtung. Proben zu Diensten, auf Wunsch;unyerbjndlidhe; Verb M aß -Konfektion 1 W 3 ~ V e r a r b e i lu n g Fahrgasse 94 1 Minute von der Konstabier Wache