Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1938)
- Date
- 1938-04-14
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Seite "99 die Weisen dies am Sederabend von uns fordern? Als in der Wüste das Heiligtum eingeweiht wurde,, kam ein Feuer vom Himmel und verzehrte das Opfer, und das ganze Volk fiel.. auf sein Angesicht. Aber die "beiden Söhne Ahröris; Nadab und Abihü legten fremdes Feuer auf den Altar, da kam wiedrüm Feuer vom Himmel, das Hie beiden Söhne tötete. So wird uns in erzählt. \ Der folgende Abschnitt beginnt nun mit den Worten; Der Ewi£e redete zu Ahron also; Wein und berauschende Getränke sollst du und deine Söhne nicht trinken, wenn ihr in das Stiftszelt geht, damit ihr nicht sterbet. . Daraus sehließen die Weisen; - däß'Nädab und Abihu in ihrer Begeisterung <les Weines zuviel getrunken und betrunken in das Heiligtum gingen. Das war eine Entwürdigung der heiligen Stätte, und darum die harte Strafe. Es ist uns geboten, am Sederabend vier Becher Wein zu trinken, nicht weniger aber auch nicht mehr. Mehr noch als sonst im Jahre ist jedes Haus in Israel heute abend ein Heiligtum, der Tisch daraji wir ~ essen, ein Altar. Leicht könnte der eine oder andere sich vergessen und aus der Sudes Mizwoh ,eine Bachanalie machen. Nein, nicht übermäßig essen, und nicht übermäßig trinken, nicht das ganze 01D braucht ausgetrunken zu werden, BS^ *Y "»npnbi sagt uns der vierte Becher, vergessen wirs nicht, daß wir das Volk G'ttes sind. Und ich glaube sägen zu dürfen, daß all die Jahrtausende, da sich unser Volk an den Sedertisch gesetzt, noch keiner einem Noach gleich das Schlußlied gesungen hat. (Fortsetzung im nächsten Jahr.) •D'^wvra EMKA. Der Schwarzkünstler. J, L. P e r e z. (Schluß.) Doch ehe der Sederabend angebrochen ist, wollen wir den Schwarzkünstler verlassen und uns zu Chajim-Jejne und zu seinem Weib Riwke- Bejle begeben, Chajim-Jejne war einst ein reicher Holzhändler gewesen; einmal steckte er sein ganzes Vermögen in einen Wald: man verbot ihm laber, .den Wald abzuholzen, und er büßte sein ganzes Geld ein. Dann wurde er Holzaufschreiber in einem fremden Walde, verlor aber, bald die Stellung. Nun sitzt er seit längerer Zelt ganz ohne Geld da. Den Winte? hat er mit Mühe; und.'.-Not .überstanden, — au&äÜie. Kinder Zions sei es gesagt! Aber nach dem Winten l^omint\P^ssäch. Er hat. schon seine ganze Habe, vom Hängeleuchter,, bis zum letzten,Kissen versetzt. Sagt Riwke-Bejle: „Geh zum; Ger meindeyorstand und bitte uni Unterstützung zur ^nschaffiung von ^^zzes/.V..j_.Sa^t Cnajim-Jejrie, daß^er auf G'tt veriräulV üpd sich keine Sorgen machen will. Riwke sucht noch einmal in allen Winkeln nach und findet — es ist wirklich ein Wunder G'ttes! — einen alten silbernen Löffel, den sie einst vor vielen Jahren verloren hat. Nimmt Chajim-Jejne den silbernen Löffel, verkauft ihn und spendet das Geld der Gemeinde zur Anschaffung von Mazzes für arme Leute. Die Armen gehen vor, sagt er. Die Zeit steht aber nicht still, nun sind nur einige Wochen bis Pessach. Aber Chäjim-Jejne vertraut /noch immer auf G'tt: G'tt, sagt er, läßt niemanden im Stich! Riwke-Bejle schweigt dazu. Ein Weib muß dem Manne gehorchen. Es vergeht aber ein Tag nach dem andern. Riwke-Bejle schläft seit mehreren Nächten nicht und weint leise, damit es Chajim-Jejne nicht hören soll. Nachts erleichterte sie sich das Herz durch Tränen; aber am Tage mußte sie ,sich in die Wangen kneifen, damit sie röter aussehen. Die Nachbarinnen schauen sie voller Mitleid an, und diese mitleidigen Blicke stechen sie wie mit Nadeln Manche fragen: „Wann backt ihr Mazzes?" „Seid ihr schon mit der Roterübensuppe fertig?" Andere sagen: „Was ist lps mit euch, Riwke- Bejle? Wenn euch etwas fehlt, wollen wir euch gerne borgen ..." Chajirn- Jejne will aber keine Gabe von einem Geschöpf aus Fleisch und Blut annehmen, und Riwke-Bejle kann gegen seinen Willen nichts tun. Darum erfindet sie eine Ausrede nach der andern, und das Gesicht brennt ihr wie Feuer Die Nachbarn sehen, daß da etwas nicht in Ordnung ist. Sie laufen zum Raw: „Es ist doch unerhört!" Der Raw, nebbich, hört sie an, seufzt, denkt eine Weile nach und erklärt dann schließlich, daß Chajim-Jejne ein gelehrter und g'ttesfürchtiger Mann *sei; wenn er so starkes G'ttvertrauen habe, könne man dagegen nichts machen ... Riwke-Bejle hat nicht, einmal Benschlichte . . . Und schon bricht der erste Pessachabend än5 Chajim-Jejne geht aus dem Bejs-Hamidrosch; heim. In allen Fenstern..^auf. dem Markte jleuchten 1* esttagslichter, nur sein Haus steht alleiu i wie ein Trauernder unter Hochzeitsgästen, wie : ein Blinder unter Sehenden da. Er. aber läßt den [Mut nicht sinken. „Wenn G'tt will, werde ich: i doch, npeli, ein Pessachipsfe hab^»" . Er tritt in die?Stube4ründ ruft mitrrftönlipfeer,; Stimme: „Gut Jomtew!" Und er sagt es noch einmal: „Gut iJömtew, Riwke-BejleJ'! Und Riwke-Bejle tränen-