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Der Israelit · 1938-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1938) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1938)
Date
1938-04-14
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 100 erstickte Stimme antwortet ihm aus einer finsteren Ecke: „Gut Jomtew, gut Jahr!" Und ihre Augen leuchten wie zwei brennende Kohlen. Er geht auf sie zu und sagt: „Riwke-Bejle, ' sagt er, „heute ist Feiertag 2um Andeak&ii an den Auszug aus Aegypten. Verstehst du es? Man darf nicht trauern. Und welchen Grund hast du auch dazu? Wenn der Schöpfer der Welt nicht will, daß wir einen eigenen Seder! haben, so müssen wir eben mit einem fremden fürlieb nehmen. Jedermann wird uns einlassen . , , Tür und Tor stehen uns überall offen. Heute sagen die Juden: Wer da hungrig ist, komme und esse!' Komm, nimm deinen Schal und laß' uns zu irgendeinem Nachbarn gehen . . ." Und Riwke-Bejle gehorcht wie immer ihrem Mann. Sie hält mit äußerster Kraft die Tränen, die sie würgen, zurück, nimmt ihren zerrissenen Schal um und will schon gehen, als plötzlich die Tür geöffnet wird. Jemand tritt ein und ruft: „Gut Jomtew.'" Sie antworten: „Gut Jahr!" und sehen gar nicht, wer eingetreten ist. Sagt Jder Fremde: „Ich will euer Gast beim Seder s€in!" Antwortet Chajim-Jejne: „Wir haben selbst keinen Seder." ' Erwidert jener, daß er selbst einen Seder mitgebracht habe. „Einen Seder im Finstern abhalten?" sagt Riwke-Bejle, die ihre Tränen nicht mehr zurückhalten kann. „G'tt bewahre!" sagt der Gast. „Es wird schön Licht sein." Und er winkt mit der Hand, und mitten in der Stube, in der Luft erscheinen zwei Paar silberne Leuchter mit brennenden Stearinkerzen! Nun ist.es hell! Chajim-Jejne und Riwke-Bejle erkennen im Fremden den Schwarzkünstler. Sie starren ihn an und können vor Erstaunen und Schreck kein Wort hervorbringen. Sie fassen einander an den Händen und stehen mit weit aufgerissenen Augen und offenen Mündern da. Der Schwarzkünstler wendet sich an den Tisch, der ganz verschämt in einem Winkel steht und sagt ihm: „Na, Bursche, deck dich und komm her!" Und wie er das sagt, fällt von der Decke ein schneeweißes Tischtuch auf den Tisch herab, und der Tisch rührt sich von seinem Ort, kommt mitten in die Stube und bleibt unter den Leuchtern stehen. Die silbernen Leuchter senken sich und stellen sich auf den Tisch. „Und jetzt", sagt der Schwarzkünstler, „fehlen noch die Sederbetten. Es sollen Sederbetten sein!" Sofort setzen sich drei Stühle in drei Ecken der Stube in Bewegung und stellen sich an drei Seiten des Tisches auf. Sagt ihnen der Schwarzkünstler, daß sie breiter werden sollen, und sie werden sofort breiter und verwandeln sich in drei Großvaterstühle. Nun ruft er: „Weicher!" Sofort sind sie mit rotem Samt überzogen, und im selben Nu fallen von der Decke schneeweiße Kissen herab; auf Befehl des Schwarzkünstlers legen sie sich auf die Großvaterstühle, und die Sederbelten stehen fertig da. Er befiehlt, und auf dem Tisch erscheint eine Sederschüssel mit allen vorgeschriebenen Dingen, dann erscheinen rote Weinbecher und eine Flasche Wein, auch Maszes und alles, was man zu einem koscheren und fröhlichen Seder braucht, sogar Hagodes mit Goldschnitt. „Und Wasser zum Händewaschen habt ihr?" fragt der Schwarzkünstler. „Ich kann auch Wasser herbeischaffen!" Jetzt erst kommen die beiden zu sich und sehen einander an. Und Riwke-Bejle flüstert ihrem Mann Chajim-Jejne ZW, «Darf man es annehmen?" Und Chajim-Jejne weiß nicht, was zu antworten. Rät sie ihm: „Mann, geh zum Raw und frage ihn!" Antwortet er, daß er sie nicht mit dem Schwarzkünstler allein lassen dürfe-, sie möchte doch lieber selbst zum. Raw glhen. Erwidert sie, daß der Raw ihr, einer einfältigen Frau, nicht glauben würde, er werde meinen, daß sie verrückt geworden sei. Nun gehen sie beide zum Raw und lassen den Schwarzkünstler mit dem Seder allein. Der Raw entschied: Wenn etwas durch unsaubere Künste geschaffen ist, so ist es unwirklich, denn jede Zauberei ist nur ein Blendwerk für die Augen. Sie sollen nach Hause gehen. Und wenn die Mazze sich brechen, der Wein sich einschenken und die Kissen auf den Sederbetten sich antasten lassen, so ist alles gut; es kommt vom Himmel und sie dürfen es genießen. Diesen Bescheid gab ihnen der Raw, und sie gingen mit Herzklopfen nach Hause. Wie sie in die Stube kamen, war der Schwarzkünstler schon fort, aber der Seder .stand wie früher da. Die Kissen ließen sich betasten, der Wein ließ sich einschenken und die Mazze brechen . , - Nun verstanden sie, daß der Fremde niemand anders als der Prophet Elia gewesen war,-und sie hatten ein fröhliches Fest! mr^m^m^Mf^mmrsmMm Sprichwort« [;w maira] n?n TV «'59 n>p3 Müßiggang ist aller Laster Anfang. mzmmmmz£@Fm@fmm

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