Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1938)
- Date
- 1938-04-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 15/16 Der Israelit 14.- April 1938 Juden in China* Von Abraham Trubatschist. Die chinesische Mauer ist durch die letzten Krieg'*» stark eingerissen. Manche Rätsel aus dem chinesischen Leben haben längst ihre Klärung gefunden. Ein Mysterium ist und bleibt aber der jüdisch e* Bestandteil in der chinesischen Bevölkerung. Chinas Juden, wobei wir natürlich nicht die europäischen Juden in Schanghai meinen, sondern die Eingeborenen im Innern Chinas, warten immer noch auf ihren Erforscher. Die Juden in China sagen, daß ihre Väter schon vor zweitausend Jahren ins Land gekommen seien. Ueber die Zahl der Juden im Lande läßt sich Gewißheit nicht erlangen. Nach mancher Angabe sollen sie Millionen zählen, andere beziffern sie nur auf Hunderttausende. Daß man beim Bau des zweiten Tempels auf die Rückkehr der Juden aus China wartete, geht, wenn die Deutung der Kommentare richtig ist, aus dem Satze in Jesajas 49; 12 hervor: psn nbm "in hVk nan „Siehe, die da aus der Ferne kommen und die aus dem Norden und aus dem Lande der S i n i m (China)". Synagoge in Khai-Päng-Pu in China Als Beleg wird ein Manuskript im Museum von Peking gezeigt, das zweitausend Jahre alt sein soll. In diesem Manuskripte wird die Geschichte von Naoh, Abraham und Josef und. seinen Brüdern erzählt. In China erhielt sich die Üeberlieferung, daß 224 vor der übl. Ztr. Juden aus Persieh in China dort ein gewandert seien und daß von dieser Zeit an unun terbrocheh sich jüdische Gemeinden in China befinden. Die Chinesen haben zwei Namen für die Juden „Röl-Tat" und „Na-Na". Die Juden selbst nennen sich „Khi-Khan", was so viel heißt wie „die das Fleisch entädern". In der Tat nehmen sie es mit dem sog. „Porschen" sehr genau. Der Hauptsitz der chinesischen Jud^rf'ist in der Stadt Khai-Pang-Pu, nicht sehr weit von Schanghai entfernt. Dort fand ich jüdische Großkaufleute, die Talesimfabriken besitzen. Gebetmäntel finden in China großen Absatz. Die Synagoge in der genannten Stadt ist in ihrer heutigen Form erst vor kurzem errichtet worden. Wie alle Bethäuser steht die Synagoge dicht beim Wasser, in dem die Andächtigen vor dem Gebete ein Tauchbad nehmen. Ueber dem Portal der Synagoge ^hängt ein goldenes Schild, auf dem in chinesischen Lettern ZWei Worte prangen, die die Bedeutung haben: „Gewidmet G'tt!" Mehrere Thorarollen befinden sich in der Synagoge und stehen in einem künstlerisch geschnitzten Schrank aus schwarzem Holze. Die Wände der Schul sind über und über bedeckt mit chinesischen Inschriften, aber auch hebräischen Worten. Die „zehn Gebote" Sind in der bei uns üblichen Quadratschrift an den Wänden angebracht. Die ersten Juden kamen, wie sie glauben, aus Babylon hierher und wurden von den chinesischen Herrschern freundschaftlich aufgenommen. Sie sind in ihrer Art stark assimiliert, so daß ein fremdes Auge den Juden von einem Chinesen kaum unterscheidet. Der Chinese erkennt den Juden auf den ersten Blick. Irgend eine Animosität gegen die eingeborenen Juden gibt es nicht. Sie genießen alle Rechte und bekleiden die höchsten Aemter in der Verwaltung wie in. der Armee und Marine. Die Milla, den Sabbat und die Feiertage halten sie sehr streng, viele andere jüdische Gesetze sind ihnen aber verloren gegangen. Beim Chacham, bei dem ich öfters zu Tisch war, sah ich mehr wie einmal hohe Verwaltungsbeamte und Generäle als Gäste. Die Mahlzeit spielte sich im Rabbinerhause unter all den umständlichen Zeremonien ab wie bei allen reichen Mandarins. Selbstverständlich waren alle Speisen rituell zubereitete In den anderen Städten Chinas wohnen Juden nur vereinzelt unter Chinesen, so daß man sie kaum herausfinden kann. Hier fanden wir jüdische Handwer ker, Kleinhändler und auch einige kleine arme Leute, die von Unterstützung lebten. Am stärksten assimilierten sich die jüdischen Bauern auf dem Lande, Gute Worte zu Pessach. (Aus dem „Thoraquell" von A. Z. Friedmann, Chorew, Warschau Novolipic 44.) Bis zum Auszug war Säbbat nur Symbol der Weltschöpfung. Mit dem Sabbat vor dem Auszuge, der auf den zehnten Nissan fiel und das allererste Gebot der Thora-mit der Bereitstellung des Pessachlammes brachte, wurde der siebente Tag zugleich auch Wahrzeichen des „Auszuges aus Mizrajim". Der .Sabbatcharakter war dadurch verdoppelt, vergrößert, daher der Name i»iian rar- Wenn ein Knabe mit 13 Jahren die Verpflichtung auf die Gebete eingeht, ist er ein '-yill, im Gegensatze zu jop- Der Sabbat der ersten praktischen Pflicht ("iai inpi is»») ist daher ^nan rav- - R. Levilzchok, der „Berditschewer", pflegte, wenn' er die Frauen vor "Pessach beim eifrigen Putzen sah, das vtr vom Schöfarblasen zu sagen, in dem es u. a. heißt: „Die Engel von (Anfangsbuchstaben von avpr) nsmn anai? nvpn) mögen vor Dir aufsteigen usw." Auf die Frage, was die Buchstaben mit Pessach zu tun hätten, sagte er: p'ivp heiße jetzt: „Kaschern, scheuern, reiben, Kratzen (Abkratzen der Bretter)." Aus dieser emsigen _ eifrigen Rüstungsarbeit der frommen Frauen steigen gute Geister auf, die erzieherisch wirken und Fürsprecher vor dem g'ttlichen Throne sind. frni vip heißen die ersten Merkworte des Seder. Sonst muß der Reinigungsprozeß <ler Weihe vorangehen. In Mizrajim war keine Zeit zu verlieren. G'tt mußte sein Volk in seiner Unreinheit weihen, sollte es nicht £anz versinken, und nachher erst der inneren Reinigung am Sinai zuführen. -Der Vater, der einen »i bei Tisch hat, ist nicht immer schuldlos an der Richtung, die der Sohn nahm. Oft geht es doch wie es in Jeremias. 31, 28 heißt: »rmpn tf>n?r>vi iD« iVsk man „Die Väter aßen die unreifen Früchte und der Söhne Zähne wurden stumpf". Auf eine ganze Generation, d^e,heute, unwissend und unbewußt, die Sünden der bewußt Von G'tt abgewichenen Väter büßt, ließ« sich jener Satz anwenden: Vielleicht . ist dies auch der Sinn des vi1»* n« nnj?n nhR «jkv Auch du Vater, nm rj&\ laß es dir sagen, wc? m nrtpa hast es vielleicht irgendwie verschuldet, daß des Sohnes Zähne so stumpf werden konnten . . . ihnen allerhand Verbrechen unterzuschieben suchte, so liegt eigentlich die Berechtigung eines Wunsches wie: wohnet gut.', d. h. verbringt diese Nacht ungestürt, auf der Hand. , , Paul Forchheimer. •"VttP TK// nma *pa ftow» >a TN 'TS 'W?'tK 'nisab )dö m tsn nKty* niva •nünn |ö ks: TB£ TK 'VW m ^nwn w rn •nnan ms D^an'ina m ♦rnirD üxpy/ o'as^s INS?.} •»•niNb hJsn» TtfJ T«-'Vff; TN;D»ä»rt oniNa w 05 ')jar°? jö'Äj^ljr-ri^Na w ö3N3 rn Bauet gut! In vielen Gegenden Deutschlands und speziell auch im Elsaß ist es üblich, sich vor der Sedernacht „Bauet gut" zu wünschen. Die bekannte Erklärung für diesen. Wunsch, die einen Zusammenhang mit dem in dieser Nacht üblichen Lied „Kel bne" herstellen will, scheint mir sehr unwahrscheinlich. Es handelt sich dabei vermutlich um eine Volksethymologie, die eine Erklärung für den nicht mehr verstandenen Ausdruck geben will. Bauen (buwen) bedeutet noch im Mittelhochdeutschen einfach w o h n e n .und geht dann erst langsam über die Bedeutung ,idas Land bewohnen", „das Land bebauen", auf die moderne Bedeutung über. Noch heute haben wir diese Bedeutung in Worten wie: Bau, Vogel-bauer, Baude oder Bude und Nachbar, engl. Neighbour, aus nachgebur, nahe wohnend. Vermutlieh haben wir also bei diesem alten Wunsche, dessen neue Erklärung kaum befriedigen dürfte, noch die alte Bedeutung von bauen anzunehmen und müssen nach einer entsprechenden Erklä-■ rung suchen. Wenn man an die vielen Ueberräschungen denkt, denen unsere Vorfahren im Mittelalter gerade zur Sedernacht ausgesetzt waren, als man KURIOS A. Unter dem Titel „Unglaublich aber wahr" bringt eine jüdische Zeitung in Deutschland in ihrer Ntynmer vom 31. März einige „Feststellungen" von Robert L. Ripley, die zwar sehr unglaublich klingen, aber ebenso unwahr sind. Zuerst wird behauptet, daß das erste Wunder der ägyptischen Plagen sich im Jahre'1823 in der Bucht beim Berge Sinai wiederholt hätte, wo «das Wasser sich plötzlich blutrot gefärbt hätte", was ifewisse Forscher auf eine Seepllanze zurück- : ührten. Es kann uns gleichgültig sein, was irgend ein Herr namens Ripley an Unsinn verzapft. -Daß aber ein jüdisches Blatt mit diesem Unsinn einen biblischen Bericht zu erklären oder zu entkräften sucht, ist etwas, was man am Sederabend in das Kapitel der Weisheiten des zweiten Sohnes wird einreihen können ... Weiter: War Abraham ein Jude? Gewiß nicht, denn er wohnte in Babylon, folglich war er ein Babylonier. Auch sei der Name Abram ein typischer babylonischer Name, der nichts Hebräisches an sich hätte. Außerdem trete der Name Juda, Jude, Judäer erst viel später, und zwar im zweiten Buche der „Könige" auf. — — — So viele Worte, so viel Unsinn! Weder der' Autor noch das Blatt, das sich beeiltf diese Gelehrsamkeit seinen Lesern zu übermitteln, seheinen zu wissen, daß Ab-ram eine gut hebräische Zusammensetzung ist und so viel bedeutet wie „Hoher Vater". Mit dem späteren Zusätze des 'n wurde er eben zum „Vater der Völkermenge" ernannt. Der Name Judäa wird nicht erst im zweiten Buche der Könige geprägt, sondern geht auf den vierten Sohn Jakobs, J e h u d a, zurück, dessen Stamm, also die Judäer, später den Weg ins Galuth nehmen als die .anderen Stämme. All dieses dürfte selbst der vierte Sohn . der Haggada wissen . > Briefkasten. Ben Awrohom. Wir haben" Ihre Zuschrift dem Autor - zugeschickt, - doch - werden- - wirvon-- ihrnicht eher Gebrauch machen können, als bis Sie wenigstens der Redaktion Namen und Adresse, „angeben.