Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1938)
- Date
- 1938-04-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 Nr. 15/16 Der I s r a e 1 it manche feineren und gepflegteren Geister wie armselige Handlanger, die ihr Lebenlang an einem isolierten Teilabschnitt arbeiten, ohne je die Gesamtüberschau des Meisters zu gewinnen. Man könnte nicht eigentlich sagen, was im besonderen an Nathan Birnbaum so anziehend wirkte. Aber Menschen mit einem Blick fürs Wesentliche, die sich damit abfanden, daß man vön ihm nichts ,,haben" konnte, weil er mit gesammelter Kraft nur seinem Werke lebte, verfielen ihm rettungslos. Er war dei treuesle Freund, unwandelbar über alle Verstimmungen und Trübungen, die unvermeidlichen Wellenlinien eines langdauernden Verhältnisses hinweg, sehr innig und aufrichtig und von einer ungewöhnlich zarten Feinfühligkeit, die nie ungebeten in des andern privateste Sphäre eindrang. Sein Blick für'Menschen war erstaunlich. Die .zauberische Kraft des Schauens, mit der er, ohne psychologische Erklärungsmöglichkeit seinem Gegenüber' ins Innerste drang; überraschte mich immer wieder von neuem. Manschen, denen er zum erstenmal begegnete, pflegte er beiläufig, in einem Nebensatz, mit drei-vier Wartth zu charakterisieren: es war die restlose, erschöpfende, haargenau treffende, mit 'keinen anderen Worten auszudrückende 'Kennzeichnung. Sie trog niemals. Manchmal hielt .ich seine Urteile für übertrieben, dahergeredet, einer Laune entsprungen: viele Jahre später sah ich staunend, — wenn ich die Entwicklung des Betreffenden beobachten konnte — daß Birnbaums damalige Charakteristik die einzig mögliche Formulierung war, die den Menschen im Kern erfaßte. ' ' Im Grunde hatte er wenig Fühlung mit den Menschen, Er hat zuviel von ihnen gelitten. Seine Kraft zu lieben und zu glauben muß ungeheuer gewesen sein, wenn er all die Niederträchtigkeiten und seelischen Mißhandlungen, denen er sein Lebenlang ausgesetzt war, ohne Verbitterung aushalten konnte. Dieser hohe Mensch schritt durch eine Welt, die nicht mehr oder noch nicht die seine war. Es war oft herzbeklemmend, ihn in Versammlungen öder Beratungen zu beobachten, zu welchen der politische Betrieb ihn nötigte: er war wie ein Königssohn aus fernem Land, der unversehens (und unerkannt) in eine Gesellschaft derber Bürgersleute geraten war. Er war wie einem anderen Zeitalter entsprungen, einem Zeitalter, das noch große, starke, reine, ungebrochene Naturen kannte, . Menschen von überlebensgroßem Format mit hohen Leidenschaften und plastisch gestaltender Kraft, Wie eine Hölzschnittfigur aus vergangenen Zeiten, befremdend und vielsagend, so stand er an allen unsern Wegkreuzungen, unverstanden und einsam in einem kleinen Geschlecht. Das geistige Werk dieses großen Juden und königlichen Menschen ist unvergänglich. Wenn seine Zeit, einst gekommen sein wird, wird es Herzen und Hirne", ungeteilt beherrschen. Aber der Zauber seiner menschlichen Erscheinung, lebt nur/im Gedächtnis derer; die ihm nahe-' stehen durften. Armselige Worte können kaum einen Begriff von dem geben, was er uns war* Uns ist sein Andenken Segen; die Erinnerung an ihn ist ein Strahl aus einer erhabe'nen Welt, der uns tröstet und wärmt. / Personalien. Rabbi Joseph. Hermann Hertz feiert sein 25 jähriges Amts jubiläUiM als Chiefrabbi von Großbritannien. Er ist 1872 in Rebrits (Rumänien), geboren und kam in jungen Jahren nach Amerika, wo er nach Vollendung seiner Studien als Rabbiner wirkte. Seit 1913 amtiert er als Chiefrabbi von England. (Eine Würdigung der literarischen Werke Dr. Hertz' siehe auf Seite 10 dieser Nummer.) - * Cremlingen (Württemberg), 10. April. Am 3. Nissan verschied hier nach kurzem Krankenlager Oberlehrer i. R. Josef Preßburger, der mehr als fünf Jahrzehnte hier als Volksschullehrer, Religionslehrer und Kantor wirkte und auch seinen Ruhestand hier im Kreise der ihm liebgewordenen Gemeinde Creglingen.verbrachte, die zu ihm als dem Erzieher von Generationen von Schülern und stets hilfsbereiten Berater aufblickte. Als 19jähriger, aus Rexingen stammend, kam er im Jahre 1877 nach hier und entwikkelte sich hier im Laufe der Jahrzehnte zu einer jüdischen Persönlichkeit, deren Rat und Stimme in alle» Gremien der Gemeinde und der württembergischen Judenheit geschätzt und geachtet wurde. So gehörte er lange Jahre dem Israelitischen Vorsteheramt, Creglingen, ,dem Württembergischen und angemeinen israelitischen Lehrerverein als Vorstandsmitglied, und als Mitglied der wüfttembergischen israelitischen Landesversammlung an. Ein vortrefflicher Jehudi, der seiner Gemeinde und dem Württemberg!» sehen Judentum ihr Gepräge gab, geht mit ihm-dahin. Die Bestattung fand am 5. Nissan auf dem aitehrwürdigeh Friedhof der Israelitischen Gemeinde Creglingen statt. Es sprachen würdigende .Worte des Abschieds Lehrer H. K a t z e n s" t e i n , Creglingen, Herr Bezirksrabbiner Dr. M. •Kahn, Mergentheim, Herr Emil Lißberger, Creglingen, inT Namen des •Israelitischen Vorsteheramtes, Creglingen, Herr Änstaltsdirektor Th. Rot.hsehil d, Eßlingen, im Namen des Israelitischen Lehrervereins und des Israe- Jitischen Oberrats, Stuttgart, sowie Herr Oberlehrer Adler, Cannstatt, im Namen der württembergischen israelitischen Landesversammlung, und Herr -.Karl G u t m a n n , Creglingen, im Namen der ehemaligen Schüler des Verstorbenen. rrasarr Vermischtes. t Berlin, 6. April. Der B r i t h Oha luzim Da - "tiim hat in diesen Tagen eine instruktive'Broschüre;über Jugend-Hachschara herausgegeben, " Diese ist :unter der Adresse: Berlin W. 50, Aügsburgerstr: 60/ kostenlos zu beziehen. , : Hamburg, 8. April. Der V e r ei n zur Förderung ritueller Speisehä u.s e r e, V. versendet die neueste Ausgabe seiner Bekanntmachungen. Das Heft ist besonders schön ausgestattet, umfaßt 17 Länder, bringt ein Verzeichnis der Schiffahrtslinien mit Koscherverpflegung und zum Schluß Kalender und "pw nbsn- , ) :>;. . > - Breslau, 6. April. Am 5. April fand1 :aie feierliche Einweihung der neu hergerichteten Räume statt, welche der hiesige, Lernverein „Mach.sike T h o r a " und die Agudas J i s r o e 1 gemeinsam für Thoralernen und sonstige Veranstaltungen zur Verfügung stellen. Die verdienstvollen Vorsitzenden der beiden Vereine, die Herren Dr. med. Ehst e i ri und I. Möller, hielten Begrüßungsansprachen. Als-* dann brachten die Herren Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann und Rabb. Wassermann in ihren Reden zum Ausdruck, wie wichtig das Thoralernen in heutiger Zeit sei und bezeichneten mit besonderer Freude die Bereitstellung der Räume für diese idealen Zwecke als eine in heutiger Zeit doppelt verdienstvolle Tat. Der Vorstand der Synagogengemeinde ließ durch seinen stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Dr. Freyhan, seine Glückwünsche überbringen, und ein größeres Publikum lauschte nach, diesen Reden noch den weiteren Ansprachen des Herrn Dr. med, Pinczower (für den Misrachi) und der Herren Rotenberg und Da vi d o witsch. Es ist zu hoffen, daß die von der Aguda-Fräüengruppe schön geschmückten Räume dem thoratreuengeistigen Leben einen neuen Auftrieb insbesondere der Jugend geben werden. fältige Glänzen und Leuchten draußen in Wald und Flur und froh werden, daß wir uns einreihen dürfen in die unendliche Zahl der Wesen, die von Ihm, dem ewigen Schöpfer und Gestalter der Natur, künden und zeugen: ,,VoIl ist die ganze: Erde seiner Herrlichkeit". Gewiß, es mag die schöne G'ttesnatur dem, der von der Fessel Sorge gar zu arg gedrückt ist und düster in die Zukunft ssehaüt, bisweilen wie eine Dissonanz erscheinen zu der Stimmung, die ihn erfüllt und das bange Wortüber die Lippe drängen: „Wie soll, wie kann ich, Lenzeslieder singen, wo kaum mir Hoffnung winkt." Wie ist da tröstend und erhebend die Kunde, die Peßach als mxnn?n als Fest unserer Erlösung; uns bringt und unser Schicksal uns meistern lehrt. Schart euch um den Sedertisch, auf dem neben dem Moraur die Mazzoh liegt und aueh die Erinnerung an das ehemalige Peßachopfer nicht fehlt! Lest in der Hagada, blättert in den Annalen eurer Geschichte, und Ihr werdet von der ewigwachen erlösenden Liebe G'ttes vernehmen, dem wir unser Sein und unsere Erhaltung verdanken, wir, die wir nicht aus einem Mizraim nur befreit worden sind. Erinnert das Moraur uns an die Bitternis unserer Schicksale, so weist die Mazzoh uns hin aul G'ttes Gnade, die immer neu sich an Israel bewährt, immer dann, wenn es wie in der. nächtlichen Stunde der Erlösung aus Mizraims Knechtschaft durch Hingabe an das G'ttliche sich der Befreiung würdig erweist und auf des Herrn Geheiß freudig und willig opfert. Angesichts der drei Festsymbole, deren eindringliche feierliche Sprache wir zu erfassen suchen, wird unser Fest uns zu einem persönlichen Erlebnis. Wir fühlens, unser Herz kündets uns: K'Xn Um* 1« fcas*- Auch wir sind erlöst, ^- nicht lassen wir uns mehr von den finsteren Mächten des Zweifels und der Sorge niederringen, wir erheben den Kelch des Heils und jubeln dem Herrn zu VVSi nns Yj für die Errettung unserer Seele. So grüßen wir voller Zuversicht den Genius unseres Volkes, den Propheten Eliahu, der da kommt,, um zu läutern und zu veredeln, zu vereinigen und zu versöhnen, und der Brücken schlägt zu den Fernen, daß die Meere nicht trennen und scheiden, sondern die Geister und Seelen auch getrennt sich eng und innig» verbunden fühlen im Glauben und (Hoffen und erstarken . im .Willen zum Judesein und jm Streben nach, dej echten und. wabren jüdischen Xebensgestältüng." Das ist der Sinn der Worte voll Hoffnung und Hingabe: „Dieses Jahr Knechte, das künftige: Jahr freie Leute!" Nicht das Sehnen nach irdischem Glück; und der Güter Fülle drückt Sich in diesem Wunsche aus. Vielmehr soll es der feierliche Entschluß sein, daß wir abschütteln wollen die Zeichen des Qolus, entfernen den no'tfaP 11KB'' was uns hindert, in Freiheit unserem G'tte zu dienen und uns seinem Willen unterzuordnen. Von Aegypten zum Sinai, das war der Weg Israels an der Pforte seiner Geschichte, -— und wir sind, nur f dann frei und erlöst, wenn wir unser ganzes Leben zu einem Seder, zu einem heiligen G'ttesdienste gestalten. Jüdisches Sinnen, und Handeln verklärt und adelt unser Sein und läßt jedes Weh und jeden Kummer uns überwinden. Diese Ueberzeugung möge unser . Fest in uns stärken, dann sprechen wir allerwegen voll - Vertrauen - und in edler Selbstbesinnung: 'T? Kan rtöö Mt „Eine Peßächfeier dem Herrn zu Ehren" ist unser Leben, ,Ihm Erlöser Israels, dem Herrn verhaftet und von-..seinem erhabenen Willen geleitet, erhoben und geweiht,j.,;, ,•<• .; •/• Wochenkalender. Vom 16. — 23. April J938 / Vom 15f - 22. Nissan 5698 Samstag'. Sonntag Montag-^ Dienstag, Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag •>!3Y>- SJT 16 1?1 ' ' 18 April 19, jea 20 2l| 22 23 . 'K erp pos '3 Divnop: , isnan Virr I . r^an a-njr-., Ji Di» nob;i ■n'wn 'v 'n bv noa i 23. — 30. April 1938 / Vom 22. — 29. Nissan 5698 «jn ,Ytt Samstag 23 22 n noö rnrjK Sonntag 24 23 .. ö xn not? Montag1 : April 25 ]0\1 24 •. ' \ ,; '" Dienstag 26 25 *v> Mittwoch- 27 26 3' .. Donnerstag 28 27 .. y .. '; ' Av Freitag 29 28 ■ T> '' ' :f}«t,-'. . Samstag 30 29 "TD 'finn'b-nanmö nrm.''