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Der Israelit · 1938-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1938) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1938)
Date
1938-04-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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i4>ApriFlV3'8\, , D I s r a e 1 i t Nr. 15/16 Seite 3 Sefiicfcfaf und Uoffe Von Oberrabbiner Dr. Carlebach, Da sprach G'tt zu Josuä: „heute habe Ich die Schmach Aegyptens von euch gewälzt; da nannte Er den Namen dier ses Ortes Gilgal bis zum heutigen Tag." (Aus der Haftora des ersten Pessachtages. Jos. 5, 9.) Unser jugendstarkes Volk, dem ägyptischen Frondienst entronnen, hatte mit der Durchschreitung des trockenliegenden Jordanflusses auf deri geheiligten Boden des Väterlandes zum ersten Male, den Fuß gesetzt. Der jugendstarke Führer Josua läßt diesem großen Augenblicke ein Denkmal setzen;'jeder Stamm bricht auf dem Steingrunde des Jordan einen mächtigen Block; die zwölf Steinblöcke werden in weitem Bogen zusammen aufgestellt, ein Gilgal, ein Steinkreis wird errichtet. Die^ Archäologen berichten uns,, daß bei den Funden und Ausgrabungen des vorder asiatischen Orients solcher Steinkreise viele sich finden; es sei ein uraltes Motiv, in Anlehnung an die zwölf Zeichen des Tierkreises. Die Schicksalsgebundenheitdes. Menschen, seine Abhängigkeit von dem,: was über ihn in den Sternen geschrieben ist, dä£ symbolisiert die alte Welt sittlich unfreien Heidentums im Bilde des zwölfstirnigen Gilgal/ : Die ewige - Menschheitssorge und Menschheitsangst vor dem gigantischen Schicksal, das den Menschen erhebt, das den Menschen zer malmt, schwebt um diese Steinkreise; wie wenn in einem glücklichen Augenblicke, bei einer günstigen „Konstellation" der Glücksritter des Schicksals den Sternenkreis festbannen könnte, daß er nicht weiterrolle, daß das Rad des Geschickes, das nimmer stillestehende, die Speichen1 anhalte und nicht wieder vernichte, was es in wahlloser Gnade zufällig jetzt an Erfolg und Gewinn den ohnmächtigen Menschenkindern beschert hat. v Hat auch hier an der Jordanfurt das Schicksalsbangen die Steine umwittert? Glaubte auch hier das junge Israel, nun eine glückhafte Stunde; erhascht zu haben,' die es mit magischer Gewalt ».,. ,;/ durch die steinerne Bittgebärde dem wechselnden. Schicksalsg'tte. , abtrotzen könnte? Der S in; n u:n s re f judischen Ge seh i.c h t e , der Atem .dei Religion, hängt an d i e s e r -F rage. War Israels Befreiung äiis dem Joche der Sklaveri, war Moschehs großes Werk i der Volksschöpfung, war Josuas Sieg der Landnahme, war;.das alles ein Zufallsgeschenk;d.es||^ühstig gewähren, Augenblicks, eine Welle in «d€m Meere; des wirr und bunt bewegten Geschehens, die uns| Jjho.chgetragen, Abenteurer >Glü'ck, das eben ^|gut auch ins Dunkel des grunds, ins -Nicntsf hätte auslaufen können7 Solche Fragen ^r^geln sich wie Schlangen ■•des Zweifels um di&i'Jfwj&lf Steine des Gilgal am Jordan. Es war das" jä auch die Pharaonenskep- - sis gegenüber Moscheh. War dieser angeblich ' von einem:; ethischen: G'tt, von Freiheit und 'iMenschenwürde redende' Künder d&r Hebräer •''"nicht 'ein 'Zauberer, Glücksritter, ein Beschwörer •des Zufalls?, , :;; Die Weisheit der Weisen hat dieses; Gilgalschicksalsproblena tief erschaut.. Sie laissen es zu einem Religiönsgespräch zwischen Pharao und Moscheh werden. Der Aegypterkönig habe, so sagen sie, die Astrologie1 befragt. „Wisse Moscheh, es gibt, einen Stern, der Unheil heißt. Ich habe es astrologisch festgestellt, daß dieser Stern über euch auf dem Wüstenzüge1! schwebt, Blut und Mord erweckend. Seht, der Unheilstern steht euch zu Häupten,'" An diesen Stern knüpft Mosches Gebet um des Volkes Erhaltung bei der Sünde des Kalbes an: „warürn sollen die Aegypter sprechen; unter dem Unheilsstern hat Er sie herausgeführt?" Als aber Israel die Blutzeugenprobe der Mila angesichts der Festung Jericho an der .Jordanfurt besteht, da spricht G'tt zu Josua: ,,heute ist die Schmach Aegyptens von euch gebannt, euer Gilgal hat sich gewandelt (siehe .Raschi zu Exod. 30, 10). ' Soweit die Agada. Sie atmet geradezu religionsphilosophischen Seherblick. Sie vertieft die Fragestellung nach dem Schicksal, indem sie zugleich die ägyptische Menschenauffassung und Staatsform mit einbezieht. Die Schieksalsgebündenheit phäraonischen Heidentums führt zur Menschenknechtung. Es darf keine Freiheit der Seele geben, weil es draußen im Schicksal keine Freiheit gibt. In der starren Form tyrannischer Staatsführung wirkt sich die Versteinerung dieses Schicksalsglaubens aus. Moscheh will darin eingreifen, den Organismus der Sklavenordnung durchbrechen, die Ketten zerreißen, die, das Raubtier Mensch in die Grenzen der allgemeinen Lebenssicherheit und der Kulturarbeit bannen. Bist Moscheh du deines Unterfangens klar? Ist die Entfesselung des Mensch«» nicht die Entfesselung des Schicksals? Wird nicht Biut und Mord die nötwendige, schicksalshaft notwendige, in den Sternen vorgezeichnete Folge solcher Befreiung sein? Seht den Unheilsstern über euren Häupten bei solcher Verkennung der Menschennatur! Das Schicksal fordert die Einordnung in die äußere und innere Gewalt des Lebens. Freiheit artet immer in Willkür,, in den Krieg aller gegen alle aus. Der Mensch ist in sein Gilgal gebannt oder geht zu Gründe. So' hatte der Völkerpsychologe Pharao zu dem Phantasten und Idealisten Moscheh gesprochen, so der im heidnischen Wahn befangene Staatsmann zum Bringer von Thora und Menschenrecht. Lange und bange hing während der Entwicklungs- und Erziehungsjähre Israels in der Wüste das Schwert der Entscheidung über ihnen, ob die zur Freiheit Erwachten dem Schicksaisstern des Blutes und Mordes verfallen seien oder nicht. Jetzt setzen sie den Fuß aui Palästinas Boden. Die fast uneinnehmbare Festung Jericho steht vor ihnen drohend. Da kommt an sie ein Gebot: „Nun beweiset, ob ihr frei Seid oder nicht; ob ihr an eine höhere- Macht* glaubt oder nicht; ob ihr schicksalsgebunden zittert oder in G'ttgewißheit frei das Haupt erheben könnt. Bringt hier, dem Feinde preisgegeben, die Blutzeugenprobe der Mila!" Und das Volk gehorcht. Jetzt spricht G'tt zu . Josua: „Heute habe Ich die Schmach Aegyptens, die innere und äußere Unfreiheit, von euch gewälzt. Ihr untersteht nicht mehr dem Gilgal der Sternenbahnen. Bringt die Steine vom jordangründe, die Zeugen eurer Naturüberiejgenheit, herbei und ordnet sie zum Kreise. D i e z.^ö'J f S t e i ri e I s r a e 1 s sind eü er Gi 1 g a 1 e u er Volk is t eu er Schicksal. Da nannte Er den Namen des Ortes Gilgal bis zum heutigen! Tag." M Dein Volk ist dein Gilgal. In diesen Kreis deines Volkes bist, du gebannt. Ihm kannst und sollst du nicht - ^entrinnen. Deine Freiheit und Menschenwürde ist,rriür in diesen Grenzen dir gegeben. Du kannst das Fest der F r e ikeit f eiern, weil im Gilgal Israels d;üet'ein"e SIcheriing^:findest. ( Das ist die, große Lehre, dieses Aktes an der Jördahfurt. Leider ist-sie von vielen der unsren noch immer nicht .begriffen;; Sie traten sa'm hinaus aus. diesem Kreise, kündeten in eige-! ner Machtvollkommenheit, in Eigenwillen Ideen, die verhängnisvoll, sich ausgewirkt, die den Stern des Unheils wieder hinauf beschworen über ihr armes Volk. Das ist die entsetzliche Erfahrung der letzten Jahrzehnte; warnend steht sie vor uns, die Grenze unsrer Freiheit uns bezeichnend. Nur mit und in Israels Völksganzem, mit den ewigen Geboten und Ideen, der Seinordnung und Daseinsverfassung unsres Volkes können wir leben, uns entwickeln, segensvoll schaffen und wirken. Draußen aber, außerhalb dieses Gilgal, steht der Blutstern uns zu Häupten, ergreift uns die blinde, brutale Gewalt des Schicksals zermalmend. Kehr ein, mein Volk, in dein Gilgal und du bist frei! Wochenrundschau, Sorgen und Hoffnungen der jüdischen Kultusgemeindes. — Orthodoxe Gemeinden in Böhmen und Mähren. — „Haarez" ist nicht beunruhigt, — Madagaskar protestiert. — Ein „Sieg" UrA—Ks—1— '- des Hebräischen in Amerika. Die ersten Auswirkungen des Gesetzes zur Neuregelung der Rechtsverhältnisse der jüdischen Kultusgemeinden zeigen sich in der in Nr. 49 des Reichsgesetzblattes veröffentlichten „Zweiten Verordnung zur Durchführung . des Grundsteuergesetzes für den ersten Hanpiveranlagungszeitraum v o m 2 9. März' 19 3 8"... In der Verordnung wird bestimmt: ((Jüdische Kultusvereinigungen und ihre . Verbände, denen das Gesetz vom 28. März 1938 (Reichsgesetzbl. I S. 338) die Stellung als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Wirkung ab 1. April 1938 entzogen hat, gelten für die Befreiung von der Grundsteuer bereits ab 1. Januar 1938 nicht mehr als Körperschaften des öffentlichen Rechts." Ausgenommen von dieser Verordnung sind Bestattungsplätze, die auch .weiterhin von der Grundsteuerpflicht b e f r e i t bleiben. . Was auch die weiteren Folgen, des neuen Gesetzes sein mögen, so wird man den von uns in jüngster Nummer veröffentlichten Aufruf der Reichs« Vertretung unterschreiben ' una beherzigen mitepen. Unverändert werden* die < jüdischen . Kultusvereinigungen und ihre Verbände als privatrec h t - liehe Körpers c ha f t.e n; sich weiterhin ihrer Aufgabe der kulturellen und sozialen Betreuung ihrer Mitglieder zu widmen haben, Unverändert besteht die rechtliche und sittliche Pflicht jedes Gemeitidemitgliedes, durch finanzielle Leistungen und durch Teilnahme am Gemeindeleben w i r t s c h a f 11 i c KV. und ^moralisch ^der Gemeinde und den; Einrichtungen'der jüdischen Gemeinschaft zu dienen.1 11 f: '''•'<&•>;jc ' ■ •! * -• ■ V. i ' , *\ . \., Tax einer Zeit, da in Deutschland das neue'Mjemeindegesetz die jüdischen Gemeinden auf neue TJa-'j, *sis und vor die Notwendigkeit stellt, sich unter neuen Voraussetzungen zu 'befestigen, geht in eij!5t|lvo (Teile der Tschechoslovakei und zwar in Böhmen Und Mähren, wie das ^Londoner J. P. B. 2uf.(be* 'richten weiß, eine A u s||r i 11 s b e w e g ü n g vor sich^ die aus der Entwicklung der^Verhältnisse' heraus entstanden ist. Wie uns aui Prag mitgeteilt wird, gewinnt die von Dr. Salomon' Lieben unternommene Aktion zur Bildung Separater orthodoxer G e me i n d e n in den genannten' Ländern immer mehr an Boden und findet die kraftige Unterstützung der. orthodoxen Landeskanz Lei e n. Es geschieht dieses Bemühen ganz gewiß nicht' aus Freude an der Trennung, sondern weil durch das neue von religiös-: liberaler jüdischer Seite durchgedrückte Gemeindegesetzr für- Böhmen, Mähren und Tschechischschlesien so gestaltet ist, daß;.;die religiösen Intezessen der Judenheit dabei nicht im mindesten gewahrt und gesichert sind. Nachdem alle Verständigungsversuche gescheitert sind, halten die Führer der Orthodoxie eine reinliche Scheidung, nach dem Muster in Un-; gam und im früheren ungarischen Gebiete der Tschechoslovakei, im Interesse beider Teile für den einzig gegebenen Weg. * * * lTZOER ZEIL 87 auch Herrörtwäsefhe; Trikotagen und Bad%wäsch^ W Frankfurt,^. M. Hlnder.bu*gj>latz 12 am: Hauptbahnhof.

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