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Der Israelit · 1938-04-07 · Heft 14 (7.4.1938) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 14 (7.4.1938)
Date
1938-04-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 14 D e Israelit 7. April 1938 Zeiteinteilung ist leider notwendig geworden, und es ist uns allen bekannt, daß dadurch viele Seiten des jugendlichen Menschen nicht gestaltet werden,- daß ihm viele Werte verschlossen bleiben müssen, ' Diese Ueberjegungen haben. nun die Erzieher vor eine . gänzlich neue Erziehungssituation hingeführt. . Viele Werte, die dem, jugendlichen Menschen von außerbündischen Erziehungsfaktoren übermittelt worden sind, können heute nur von einem Erziehungsbund gegeben werden. Das Aufgabengebiet des Erziehungsbundes hat sich wesentlich vergrößert und ist gleichzeitig um ein Vielf^chesr schwieriger geworden, Vergrößert deshalb, Veil die geistige und seelische Höherentwicklung zu einem großen Teil aus. dem Lehrprogramm der Schule verdrängt werden mußte, erstens weil die durchschnittliche Besuchszeit der Schule gekürzt worden ist, und zweitens weil die Schule in ihr Lehrprogramm Fächer mit einbeziehen mußte, die in das Programm einer besonderen Fachschule gehören. Schwieriger aber deshalb, weil der Erziehungsbund sein Erziehungswerk inmitten meistens abbrechen muß, und die Weiterentwick lung des jugendlichen Menschen nirgedns übernommen wird. Die Hilfe, die das Elternhaus in den meisten*. Fällen dem Erziehungsbund entge genbringen konnte, kommt ebenfalls zum Wegfall. Für den Erziehungsbund entsteht also die Aufgabe in zweierlei Hinsicht neuartig betonte Wege zu gehen. Der Erziehungsbund muß von Anfang an damit rechnen, daß er sein Erzie hungswerk nicht bis zu Ende durchführen kann, und daß die Festlegung auf den Erziehungsraum weder sinnvoll noch praktisch durchführbar ist. Um beiden Schwierigkeiten zu begegnen, muß die Auffassung über die Gestaltung des Erziehungsverhältnisses eine neue Prägung erhal ten. Dem Führer der: Gruppe wird eihe; andersartige Rolle zukommen wie bisher. Seine Er- Ziehungsunternehmungen müssen darauf abzielen ,dem jugendlichen Menschen so schnell wie möglich die Erkenntnis zu übermitteln, daß er schließlich allein Verantwortung für seine Persönlichkeitsentwicklung in sich trägt. Seine Führung muß stark in den Hintergrund treten, die Verpflichtung ,auf die Gemeinschaft muß der Verpflichtung auf1 sein eignes Seih, wer chen. Die Heimstunden müssen inhaltlich unter dem Prinzip der Selbständigkeit und der Seibis tverantwortung des jugendlichen Menschen gestaltet werden. Es muß aufgezeigt werden, daß die endliche Ausführung der nnx» in ihrem Werte'im gleichen Verhältnis wachsen, wie sie aus der selbständigen -Antriebskraft des jugendlichen Menschen getan; werden. Mit aller Deutlichkeit ist zü unterstreichen, daß der .Kampf gegen die materiellen Schwierigkeiten, die sich dem reinen G'ttesdienst entgegenstellen, g'ttgewollt ist, und daß die mXB-Tat des Menschen erst nach Ueberwindung def materiellen Schwie- . rigkeiten zur Erfüllung der Schöpfungsabsicht beiträgt. Die materiellen Schwierigkeiten sollen den Menschen nicht kleiner und schwächer machen, sondern er soll als ihr Ueberwinder stärker und größer werden. Die Schwierigkeiten eines solchen Erziehungsweges sind nicht zu unterschätzen, und ein solcher Weg verlangt eine große Kenntnis von der Art und Weise, wie der jugendliche Mensch auf solche Stufe zu bringen ist. Unsere V^tfl haben jedoch den Zeitpunkt der Eigenverpflichtung bei einem Jungen bei 13 Jahren bestimmt und bei einem Mädchen ein Jahr früher. Dies läßt uns erkennen, daß die Möglichkeit bestehen muß, in dem jugendlichen Menschen bei diesem Alter Ueberlegungen wachzurufen, die ihnen die Leitlinien Jlüt ihre weitere Entwicklung sein können. Es kommt also darauf an, dem jugendlichen Menschen eine Selbständigkeit zu geben, die ihn vom Erziehungsraum unabhängig macht, der aber aus seiner Selbständigkeit heraus nach immer höherer Stufe ringt. Das Erziehungsverhältnis muß zur Konzeption der Selbsterziehung führen und kann damit der Abbruch;, des Erziehungsverhältnisses ausgeglichen werden, und aus dem Verlassen? des Erziehungsraumes entstehen l^weniger Ge£ährentnomente. Die Arbeit müßte also unter dem'Prinzip „Erziehung zur Selbsterziehung'' gestellt werden." ' .. >. -,.f*\ ' Aus den Äjifangssätzen des D'*Wi-:Tl$Oö von Mosche Chajini )Luzatto könaeh- >\dr eifrige wichtige Grundlagen für die:Seljbkterziehung ^gewinnen und insbesondere 'über deti^Zusammenhang vonErziehungsVerhältHis..., und, SelbsterzieHun.g. „Die Grundlagen einerxthorageitiäßeri; Lebensa»- schauung (TTJTün)' ' undeines( Vollständigen Lebensdienstes'KnTQj;) sind nur durch die restlose Klarheit über die Aufgaben des Menschen in der Welt und durch die Erkenntnis über den Sinn seiner Bemühungen zu erreichen" Aus der Anlage des Q">*)Vr> nte ergibt, sich, daß die Stufe nn^on eine der letzten Stufen ist, die der Mensch während seiner Entwicklung - sich aneignen muß, und wenn der Ji^OÖ ihr Weesen gleich zu Anfang bespricht, scheint er hier nicht von einer der letzten Stufen der Entwicklung zu sprechen, sondern in den Anfangssätzen wird das Moment in" der Entwicklung des Menschen behandelt, da der Mensch sich vom Erziehungsverhältnis löst und die Verpflichtung der Selbsterziehung und der Weiterentwicklung auf sich nimmt. Das Erziehungsverhältnis hat den Menschen zu einer thorägemäßen Lebensanschauung und einem entsprechenden Lebensdienst hingeführt, jedoch damit es sein Lebensdienst und seine Lebensanschauung wird, ist vom Menschen selbst aus erforderlich, daß er die Verpflichtung aus sich heraus erarbeitet, daß er erkennt, „was der Sinn all seiner Bemühungen in seiner Welt,; id^373' ist", damit er die Grundlage besitzt, von Stufe zu Stufe zu steigen. Es ist also Vorbedingung der Selbsterziehüng, daß der jugendliche Mensch den Gesamtinhalt, welcher ihm vom Erziehungsverhältnis übermittelt worden ist," bei sich bewahrheitet., sich .vollständig klar' darüber ist, daß. die Einstellung, die er durch das Erziehungsverhältnis erhalten hat, für ihn verpflichtend ist^im weiteren Verjauf der-Entwicklung, Jedoch/genügt es nicht allein, die^ Ergebhisse, zu denen idas Erzie- .hungsverhältnis ihii hingeführt hat, anzuerkennen, sie gründlich "zu; vesrtehn, sondern es muß noch eine seelische Konzeption übermittelt werben, die ihn über falle Schwierigkeiten; hinweg-; trägt; die ihm auf dem weiteren Entwicklungsweg entgegentreten wer den. Nachdem der Erzieher keine direkten Forderungen mehr an den Menschen stellt, näclidem ihm selbst seine Weiterentwicklung als Aufgabe aufgegeben ist, muß' er eine tragende Erkenntnis besitzen, die ihm immer von neuem die Kraft und den Mut gibt, gegen die materiellen Schwierigkeiten anzukämpfen, damit er immer näher dem Ziel seiner Menschenbestimmung kommen kann. Hieraus lassen sich für unsere Arbeit die tragenden Ideen gewinnen. Unsere Arbeit muß dem jugendlichen Menschen dazu verhelfen, daß er seine einmal gelebte Lebensform für sich verpflichtend anerkennt. Die Heimstunden müssen den jugendlichen Menschen immer, mehr und mehr zü der Einsicht kommen lassen, daß es seine Aufgabe ist, der Menschenbestimmung näher zu kommen, er muß immer mehr zur Erkenntnis der Weltzusammenhänge vorstoßen, und er muß immer mehr verstehen, welches Verhältnis er zu den Weltzusammenhängen zu gewinnen hat, Tragen wir in unsere Heimstunden die Konzeption des »n h"ä 3Qyr\r6' geben wir unseren jungen Menschen auf ihrer Reise in das heue Heimatland die Ueberzeugung mit, daß Freude an dem Gestalter der Weltzusammenhänge myrtn TiDSn ist, so wird die Selbständigkeit des jugendlichen Menschen zur Beständigkeit führen,, er wird sich und uns die Treue bewahren. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Fachliche Ausbildung. Berlin, 3. April. Die ,,ORT"-Schule in Berlin hat Ende der vergangenen Woche mit einer Zwischenprüfung das erste Lehrjahr abgeschlossen. Für die Prüflinge beginnt nun die Ausbildung in den" einzelnen Fachzweigen: der Gas-, Wasser- und, sanitäre Anlagen-Installation, der Spezialmechänik und der Elektrotechnik. Pünktlich am 1. April traten die; 80 neuen Schüler, deren Aufnahme beschlössen war, für drei Lehrjahre in die Schule ein. Anläßlich dieses Ereignisses richteten die. Mitglieder des Vorstandes der Gesellschaft „ORT" Abt. Deutschland einige Worte an die Schülerschaft und" ermahnten. zu Ernst, Arbeitseifer, disziplinierter' Haltung und freudigem Schaffen. , Die Schule hat, um den Anforderungen der Neuaufnahmen zu genügen, auch eine räumliche Erweite? Fung erfahren; Eine große Anzahl von. Aufnahmegesuchen mußte auf den Herbst 1938 zurückgestellt werden. Neue Aufnahmen können, daher, jetzt frühe-?] stens wieder zum Frühling 1939 in Frage kommen..;; reits seit dem 1. August 1914 in der Berufsliste eingetragen sind, oder nachweisen, daß: sie im Weltkrieg an der Front für das Deutsche Reich oder für seine Verbündeten gekämpft haben, oder deren Väter oder Söhne im Weltkrieg gefallen sind. Der Teilnahme an den Kämpfen des Weltkrieges steht die Teilnahme an dem Freiheitskampf um das- Land Kärnten, an den Kämpfen im Baltikum, in Oberschlesien, gegen Spartakisten und Separatisten.. sowie gegen die. Feinde der nationalen Erhebung gleich. Die vorläufige Untersaguhg der Berufsausübung verfügt der österreichische Minister für Justiz. Die Umstellung der Hochschulen und die Juden. " W.ien, 30. März. Unterrichtsminister Dr. Menghin hat eine Reihe von Verfügungen erlassen, die: der Umstellung der Hoch s c hu.l e n dienen sollen. Zunächst wurde die Rechtsgrundlage für die Enthebung von akademischen Würdeträgern und für die:. Einsetzung neuer akademischer Funktionäre geschaffen. Ferner hat das- Unterrichtsministerium Weisungen über die Ein-, schränku'ng des Hochschulstudiums von Juden erlassen..Sie bestimmen, daß neue Einschreibungen inländischer jüdischer Studenten für das läufende Sommersemester nicht mehr angenommen werden sollen; bereits angenommene Einschreibungen werden für jederzeit widerruf bar, erklärt. Für die Zukunft wird die Festsetzung , einer Verhältniszahl (Numerus 'clausus) für jüdische Studenten angekün» digt. 'Das Studium der ausländischen Juden regeln Sondervorschriften. ' r Maßnahmen im Lande Oesterreich. Wien, 3. April. Nach einer Mitteilung der Wiener Kaufm a nnschaft dürfen in Zukunft nur Betriebe und Geschäfte, die im Inhaber,, in, der. Leitung und im Kapital tatsächlich arisch sind, die Aufschrift oder Bezeichnung „Arisches Geschäft" führen. Nach einer Anordnung des. Reichsjustizministers und-des Reichsmnenminisief^ k'anii im Lande Oesterreich Rechtsanwälten, Verteidigern in Strafsachen, Notaren und Patentanwälten, die Juden sind, die Ausübung ihres Berufes vorläufig untersagt, werden. Die Begriffsbezeichnung Jude richtet sich dabei nach den Grundsätzen des Erlasses des Führers. und Reichskanzlers über die Vereidigung der Beam-, ten des; Landes Oesterreich vom 15. März 1938. Diese Vorschrift gilt nicht für Rechtsanwälte usw., die ber Holland. Fasttag der Juden in Holland. — Eine neue Aktion für die in Not befindlichen Brüder. . Amsterdam;,' -1, April. Die beiden Gemeinden' Nederlandsche Israelitische Hoofdsynagoge und die Portugiesische Gemeinde hatten für Jomkippur k^oton einen Fasttag festgelegt, um schon rein äußerlich das Mitgefühl mit den Brüdern, die sich in«. Not befinden, zum Ausdruck zu bringen. : In der historischen Synagoge am Daniel Jonas Meier. Plein versammelte sich ein großer Teil, der altehrwürdigen Portugiesen-Gemeinde zum Gebet. Herr Rabbiner Dr. Benzion Izaak Ri car d o sprach in der ihm eigenen zu Herzen gehenden "Weise zu seiner Gemeinde. Er schilderte die Nöte .der Zeil und die mangelnde echte Nächstenliebe, die dem

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