Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1938)
- Date
- 1938-03-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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31-, März 1938 Nr. 13 .Seite 7 M^ÄllE:'^^-:.Si;"H ■ A;:E: L r Frankfurt „ in; Erez/Israel. :..... ■ ■. - ' ' *';_ ■ •' /' \ Wir lesen1 :im „Hajeisod'^ ^öm 13. Adar "II: Unter dem Namen . „Chprew" besteht in Jerusalem "eine orthodoxe Schule',, "die aus der Initiative aus pßütschlaria* eiji£ew%%üet\& / Juden, hervorgegangen ist.1 Chorew ist . aper. nicht; allein eine Schule,'. sondern auch eine Schul, eine Synagoge, und zu-, gleic;h ein geistiges Zentrum, für, diese Gruppe un-t serer 'Brüder aus Deutschland. Viele Schiurim, und Vorträge. werden hier abgehalten, nach jedem Sabbatausgang kann man hier Vorträge hören von den besten Köpfen dieses Kreises...Dje'Dozentensind Dr. Isaac Breuer, Dr. B. Hofmann, Dr. R . Sc0esüiger. u. v. m. ''' ' ' ' -- Schreiber dieser Zeilen. hatte Gelegenheit; zwei solche Vorträge ^anzuhören,- und zwar mit hohem Ge-, nuß Und großem Nützen/ Ein Stück Frankfurt 'entrollte sich hier meinen Augen. Der Saal war überfüllt von Männern, Frauen und zahlreicher Jugend. Musterhafte Ordnung.;und peinliche Aufmerksamkeit herrschte im Saale. An den lebhaften und anregenden Diskussionen nahm die Jugend reichen Anteil. Wohl werden die Vorträge noch in deutscher Sprache gehalten, doch ist das Bestreben unverkennbar, sich ganz mit der Hebräischen zu vermählen. Diese Um-. Wandlung ist sehr nötig, wenn die? Gruppe, was von größtem Segen wäre, ihren Einfluß auf alle Schich t e^n. der jüdisch. e;n Bevölkerung , a|u a d e h n..(§flu s oll, denn es istungemein viel, was die. Jerusalemer Judenheit gerade von diesem Kreise auf . geistigem; und religiösem; Gebiete erhalten könnte. „> f Mit einem«. Worte: Chorewis,t eine herrliche Gründung, ein -Stück aus dem „Jerusalem Deutsch^ lands" wurde in das eigentliche Jerusalem verpflanzt und es schlägt.,dort tiefe Wurzeln, allen natürlichen Schwierigkeiten zum Trotze. Man,,sieht hier Ver-^. trauen, Hoffnung und eisernen Willen, aufzubauen, und wo solcher Wille ist,, müssen sich auch alle Wege öffnen. , , ..... ■ Neue Siedlung überfallen. t Ein Jude getötet. Jerusalem, 22, März. Die neue jüdische Siedlung „Hannuta", die erst gestern von einer Gruppe jüdischer Siedler gegründet wurde, ist nachts von bewaffneten Arabern überfallen worden. «Jehuda Brener (22 Jahr« alt), wurde getötet und der 26jährige Jakob Berger am Bein verwundet. Der neue Siedlungspunkt liegt in der Nähe der palästinensischen Nordgrenze bei Ras el Nakura Die Siedler begaben sich gestern in Begleitung von Siedlern aus der Nachbarschaft nach „Hannuta", wo sie begannen, ein Feldlager zu errichten und eine! Straße anzulegen. Als sie gerade damit beschäftigt waren, Steine, wegzuräumen und Zelte aufzurichten, wurden sie von einer Araberbande, überfallen, dien ungefähr hundert Marin stark gewesen sein soll. Die' Siedler bemühten sich, die Angreifer zu vertreiben,: was ihnen auch nach eineinhalbstündigem - Kampf gelang. ' .,; . Trotz des Ueberf alles fuhren'die jüdischem;Siedler mit ihrer -Arbeit fort. Militär-erschien an dein Ueberfallstelle. Ein Araber wurde in einiger Entfernung von der Siedlung tot aufgefunden. (Siehe auch Seite 1.) Nashashibi verhandelt.' Jerusalem, 28. März. In'Jaffa fand am 21. März eine große Beratung der Anhänger der gemäßigten arabischen Partei unter Vorsitz ihres Führers Nashashibi, statt. Es wurde eine spezielle Kommission gebildet, die in Verhandlungen mit der neuen englischen Kommission, die dieser Tage in Palästina eintrifft, treten soll. Gleichzeitig wurde beschlossen, dem neuen Hochkommissar ein ausführliches Memorandum zu unterbreiten, in dem zu allererst eine Generalamnestie für alle politischen Verbrecher gefordert wird. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Dr. Isaac Breuer in der Slovakei. Schon im Anschluß an die Tagung des allweltlichen Waad Hapoel, kam Isaac Breuer von Wien auf einen Tag nach Bratislava . herüber und hielt vor einem erlesenen Publikum seihen Vortrag über das Problem des jüdischen Staates, Nicht einen Augenblick verlor er sich in allgemeinen Theorien oder rhetorischen Betrachtungen. Ueberzeugend wies er nach, daß der jüdische; Staat, wie er sein sollte, uns nicht als Geschenk in den Schoß falle, daß wir vielmehr um ihn einen furchtbar herben, furchtbar ernsten Kampf zu führen haben. Er zeigte uns die unerhörte Bedeutung dieses Kampfes und verlangte — Taten, Es war wie eine Einleitung zu seinem zweiten, auf Wochen bemessenen Aufenthalt in unserem Lande. Dieses Mal sprach er in Bratislava nicht mehr öffentlich. Statt dessen rief er eine Versammlung von Notabein der orthodoxen Gemeinde zusammen, um ihnen, die Lage in Erez Israel zu schildern. Den Teilnehmern werden seine Ausführungen/noch lange nachklingen. Totenstille herrschte im Räume, während er mit, tiefster innerer Erregung oft zitternder Stimme die Not der Schulen, den furchtbaren Daseinskampf der agudistischen Poalim, die unabsehbaren Folgen eines Zusammenbruches,, die ganze Größe der Verantwortung schlicht und klar darlegte, und schließlich nach Menschen verlangte, denen Erez Israel am Herzen liege und den Schlaf vor Sorge verscheuchen. Der Eindruck war dermaßen tief, daß nicht nur sofort von den Anwesenden regelmäßige Jahresbeiträge gesichert wurden, vielmehr spontan sich auch Persönlichkeiten bereit fanden, in das Landesdirektorium des Keren Hajischuw zu treten, um der Arbeit im ganzen Lande fürderhin Dauer und Stetigkeit zu sichern. AmJ darauffolgenden Sabbat leistete Isaac Breuer dem dringenden Wunsche der Jugend Folge und sprach am Freitag Abend in der Jugendgruppe. Der Raum: war bis zur Gefährlichkeit überfüllt. Bis auf die Straßen standen die Menschen (und versuchten, durch die Fenster etwas zu hören!' Ei; sprach über die . laufende Sidra. . Ganz in der: üblichen Weise' knüpfte er an Midraschim ah, uhij dennoch war der Vortrag völlig originell. Es war"' eine 'wunderbare Synthese zwischen Rabbiner .Breuer und Rabbiner Hirsch; ein klarer Beweis, .wie, sehr letzten Endes gerade, diese heute immerhin1 -umstrittene;Persönlich^' keit in der Jeschiwa wurzelt, und daß "im1'Grunde' nur ein echter Lamdan Führer in der agudisfischen Welt sein kann. L^ieser Vortrag hat vieles Mißverstehen weggeräumt und die Thora ' als wirksämsle's Bindeglied zwischen Ost und West erneut dargetan. Dann ging es 'in., die: Provinz^ Zun|chs^ naj^jjT.p -1 p o 1 c a n y. Unmittelbar . nach seinem . Eintreffen begab sich. Isaac Breuer zum Herrn, Oberräbbirier und verweilte."be"r:ihm im Kerzliöhen Gespräch; Noch vor dem. \fprtrag. versammeJte der 'Herr Oberräbbiner; die Notajbeln 4er Gemeinde und förderte sie, näehdem Isaac Breuer die , Lage in . Erez Israel; geschildert' * hatte;, zur .tätigen Mithilfe 'aüf: Der Vortrag' war. für Topolcany, ein Ereignis erkfen!Ranges.';'Noch' Tage nachher bildete er das 'Stadtgespräch. : Die -'beiden' nächsten Tage begleiteten der Präses der .Gemeinde, sowie abwechselnd .zwei hochangeseherie1 Persönlich^ keiten den Redner bei seinen Besuchen, Auch die Jugendgruppe betätigte sich stark und spendete selber. Der Erfolg war höchst zufriedenstellend. Alsdann kam Neutra. Hier wurde Isaac Breuer von einer Gemeindedeputation empfangen und bewillkommnet. Der Gemeindepräses hatte die Verwaltung einberufen, damit sie die vertraulichen Darlegungen über die Situation empfange. Alsdann fand in der großen und überfüllten Gemeindeaula der Vortrag statt. Der Herr Oberrabbiner, Mitglied des allweltlichen Waad Hapoel, hatte ein in den herzlichsten Wendungen gehaltenes Begrüßungstelegramm geschickt. Unter dem Jubel. der Versammlung wurde es verlesen. Der Gemeindepräses selber ergriff dann das Wort und identifizierte Gemeinde und Aguda. Es sprachen auch ein Vertreter der Jugend und andere prominente Persönlichkeiten. Der Vortrag zündete auch unter den zahlreich erschienenen Bachurim der berühmten Jeschiwa. Das Ganze war auf das Sorgfältigste vorbereitet. Wiederum war es der Ge-. meindepräses selber, sowie markanteste Persönlichkeiten, die die Besuche mitmachten. Auch Jugendgruppe, Frauengruppe, Chewra kädischa > und nicht zuletzt die Gemeinde als solche, spendeten und sicherten den Erfolg. .. In der nächsten Woche war die Reihe an T y r - n a u. Auch hierhalf en, der Herr, .Oberrabbiner und die Führer der Gemeinde sowie" die Jugendgruppe. Der Vortrag fand im Lehrsaal der Jeschiwa statt. Am Tage darauf veranstaltete die Jugend-eine Feier des Sijum des Traktates Menachot, die alle hündischen Kreise um den Herrn Oberrabbiner und .um' Isäac Breuer vereinigte. Der Herr Oberrabbiner spach-herrliche Worte der Thora zu Ehren des illustren Gastes und zur Feier selber. Die Ansprache, die äisdann Isaac Breuer hielt, löste wegen ihres innigen und altjüdischen Charakters helle Begeisterung aus. Das Tischgebet wurde-amerikanisch zugunsten des Keren Hajischuw versteigert, und .der Erlös als Spende der Jugend, zur Verfügung gestellt; Das Gesamtergebnis trat hinter dem früheren nicht zurück. Noch in der gleichen Woche, und zwar! am Donnerstag Abend, sprach Isaac Breuer in-Kra m o r n o. Die Veranstaltung fand im Saale der Handelskammer statt. Der Eindruck der Rede war so tief, daß unmittelbar darauf, noch am selben Abend, eine namhafte' Summe gezeichnet war. In den wenigen Stun- 'deh des darauffolgenden Freitag Vormittag zeitigten die Besuche dank der Mitwirkung angesehener Persönlichkeiten ein Gesamtergebnis, das vor dem Ergebnis, der anderen Orte' durchaus bestehen kann. Die darauffolgende Woche galt der Vorbereitung, der Aktion in Bratislava selber. Bereits im vergangenen Jahre hatte Isaac Breuer mit Erfolg •versucht;' für seine Ideen-und seine Bestrebungen;Verständnis auch in fernerstehenden Kreisen zu erwekken. Wer die Schriften Isaac Breuers kennt, weiß, wie meisterhaft er es versteht, das jüdische Gedankensfstem im Ztfsammenhang^mrt den Zielen des Keren Hajischuw in einer Form vorzutragen, die selbst solche packen muß, udie durch; Erziehung oder ' Leubehsümstände' den Weg zur Thora-verloren oder noch, nicht gefunden uaben* Dieses Mal war es gelungen, in ^Bratislava einen geladenen Jüreis von iGästen um •ilsaac-Breuer zu versammeln. Er . sprach über »{Die; jüdische Situation von heute". Bri schilderte di©;: SiftuaHiqn, er entwickelte ihre, k a u s a l e n Zusammenhänge, und! er .legte-ihren Sinn' dar. Wie gebärint •laüschteh die Hörer' dem anderthälbstühdigen Ertrag, der ein einziger Mahnruf war zur Rückkehr zur iüdischeri Idee, deren Grundzüge in wunderbarer Plastik herausgearbeitet und im,. geschichtlichen, Zu'V sariimenhang)>mit dem Zeitgeschehen in der ganzen Diaspora wie namentlich in ISrez Israel gebrächt wurden;' Nach Beendigung der^Veranstaltung borte. man den Wunsch laut werden, es möchten doch solche Vorträge öfters, wenn nicht gar in regelmäßiger Folge vernommen werden. Man sah hier im Geist sich eine Brücke bilden, die die Söhne zu den Vätern, die Väter zu den Söhnen zu führen vermag und Väter wie Söhne zum Heiligen Lande weist ... Die praktische Aktion setzte unmittelbar danach ein. Sie ist bei Abfassung dieser Zeilen noch im vollsten Gange. Sie wird Erfolg haben. Noch hat Isaac Breuer seine diesjährige Tätigkeit in der Slovakei nicht abgeschlossen. Schon heute aber ist zu sagen, daß nicht nur ihre praktischen Resultate, sondern auch die allenthalben spürbare mächtige Aufrüttelung beweisen, daß Isaac Breuer auf dem richtigen Wege ist, Sache des Landesdirektoriums wird es sein, dafür Sorge zu tragen, daß all •die Saaten, die überallhin ausgestreut wurden, pflegliche Behandlung finden, damit sie aufgehen und die Slovakei zu einem Vorland der Aguda machen. Dr. S. Ehrmann in Kopenhagen. Am 22. März hielt Herr Dr. Ehrmann, Frankfurt a. M., welcher in Angelegenheiten der orthodoxen deutschen Chaluzim hier Besprechungen mit den dänischen Behörden führte, im Rahmen der hiesigen Agudas Jisroel einen Vortrag über das Themai „Idee und Wirklichkeit des jüdischen Staates". Es braucht den Lesern des „Israelit" nicht die geistvolle undherzgewinnende Weise geschildert zu werden, in der Herr Dr. Ehrmann das nach hiesigen Verhältnissen sehr zählreiche Publikum für das Werk des orthodoxen Jischuw zu interessieren wußte, es braucht auch nicht betont zu werden, daß unsere hiesigen Agudisten glücklich waren, einem Manne lauschen zu dürfen, dessen ganzes Leben der Agudas Jisroel, d. h. dem orthodoxen Judentum verschrieben ist. Um so mehr als gerade Dr. Ehrmann, kurz nach Gründung der hiesigen Agudas Jisroel durch unseren Rabbiner Dr. Winkler ^"si diese wiederholt besuchte,-.und. daher segensreichen Einfluß auf ihre Gestaltung nehmen konnte. Dr. Ehrmann untersuchte in seinen Ausführungen weniger die politischen Voraussetzungen für einen jüdischen. Staat, die Frage seiner Grenzen und seiner Sicherungen — obgleich er auchv diese Probleme kurz behandelte — der jüdische Staat als "Verwirklichung von' Judentum und Jüdischkeit, der Staat, der im höchsten Sinne des Wortes „jüdisch" ist, der im Gesamtheitswie1 im Einzelleben das Gesetz der Thora verwirklicht, diesen jüdischen Staat als Probe, ob das jüdische Volk von Chorban und Golus gelernt und so der Geulp^ wieder würdiger geworden sei, ihn schilderte Dr. Ehrmann in mitreißender Innigkeit als die Aufgabe, die in schicksalsschwerster Zeit dem jüdischen Volke von -G'tt' gestellt sei. . Und; er forderte di,e skandinavische Judenheit auf, zu ihrem Teil an dem Aufbau dieses G'ttesstaates mitzuwirken, indem; .^ie —,jeine nicht gar zu anspruchsvolle Forderung in einer Zeit wie .der.lfgegenwärtigen. — wirtschaftlich die Positionen der^Orthodoxie ini Heiligen Eän^ die Schulen und Kibbuzim, denen das Siegel der Thora aufgeprägt sei.. , ,^5^*'.' '>'"; s Wir möchten hoffen und wünschen, daß sich bei uns üf Skandinavien' den wolle n d e n Menschen) auch recht'viel 'k ö n n e n d e anschließen, die sich an dem Vorbild Dr. Ehrniänns aufraffen, für G'ttes Volk und G'ttes Land zu wirken, indem sie die vom alten Jischuw und von der Agudas Jisroel errichteten Stät-.fr teri für'G'ttes Thora, für ihre Verwirklichung; im schweren Arbeitsleben Palästinas mit aller Kraft erhalten helfen!;! '■•■'; :