Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1938)
- Date
- 1938-03-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 13 D e#> r ■! sraelit 31; März 1938 Gleiche sei der Fall hinsichtlich der Naturalisation von Oesterreichern, die bereits in England wohnen An die Erklärung schloß sich eine längere Debatt« an, in der Mitglieder des Hauses vergeblich versuch ten, den Staatssekretär zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen. Er versprach jedoch, alle gegebenen Anregungen zu prüfen. . .Alsdann 'brachte Colonel W e d.g e w o o d den Entwurf eines Ges.etzes ein, das zum Ziele hatte die bestehenden Bestimmungen über die Einwände rung nach England für eine Periode von 6 Monaten zu Gunsten von Einwanderer aus Oesterreich abzu ändern und diesen Einwanderern britische National? tat-zu gewähren. Nach einer längeren Rede des An tragstellers und kurzer Debatte wurde '/die Zulassung des Gesetzentwurfes zur ersten Lesung mit 210 gegen 142 Stimmen abgelehnt. Amerika. ' Jüdisches aus Amerika. New York, 20. März. Für die Zeit vom 13. bis 16. Mai findet in New York ein Kongreß der orthod.öxen Kehilloth in Amerika statt, für den alle Vorbereitungen im Gange sind. Die prominenten Führer des orthodoxen Judentums in Amerika, u. i. Rabbi Silver Dr. Revel, Rabbi Goldstein, haben ihre Beteiligung zugesagt. An erster Stelle der Beratung wird das Erziehungsproblem stehen. Ein Fonds zur Unterstützung des. religiösen Chinuch in Amerika wurde in die Wege geleitet. Am Purim wurden im amerikanischen Rundfunk mehrere Reden über die Bedeutung der Je schiwoth in der Welt gehalten. Auf eine persönliche Intervention des Präsiden ten der Aguda hat der Joint dem Keren Hatorah für die von diesem eingeleitete Tefillinaktion für Mitteleuropa eine größere Summe überwiesen.;->■ Jahresversammlung der HI AS. New York, 21, März. Die 54. Jahresversammlung der Einwanderungsgesellschaft HIAS, bei der 1500 Delegierte anwesend waren, nahm einstimmig eine Resolution an, in der beschlossen wird. 250.000 Doli, aufzubringen, angesichts der. gegenwärtigen Lage, die eine stärkere jüdische Wanderung bedingt. Die Resolution richtet an Großbritannien die Aufforderung, die Beschränkung der Palästina-Einwanderung aufzuheben. Ferner wurde auch eine Petition an den Völkerbundsrat beschlossen, das Amt des High Commissioner for Refugees aufrecht zu erhalten. Die Initiative Amerikas in der Auswanderungsirage. New York, 27. M^rz. Der Vorschlag des amerikanischen Staatssekretärs Hull auf Bildung einer zwischenstaatlichen Kommission zur Behandlung der jüdischen Einwanderungsfrage wird von der. öffentlichen Meinung Amerikas begeistert begrüßt. Die „New York Times" erklärt, daß die Anregung Hulls zur Basis eines breiten Programmes für Siedlung und Wiederherstellung gemacht werden könnte. Joint, Gemeindebund und andere große jüdische Organisationen haben dem Staatsdepartement auf telegraphischem Wege weitgehendste Unterstützung zugesagt. > Vermischtes. Berlin, 28. März. Das „Beth-Chinuch" in Berlin, welches schulentlassene Knaben aufnimmt und für ihre geistige und praktische Vorbereitung zu Beruf bezw. Auswanderung sorgt, hat für das Sommerhalbjahr noch Plätze verfügbar. Anmeldungen und« Anfragen werden umgehend an das Büro, Artilleriestraße. 31, erbeten, das alle näheren Auskünfte erteilt. Breslau, 27. März. Am 24. und 25; März d. J. fand an der Jüdischen Oberschule für Knaben und Mädchen (Reformrealgymnasium) Breslau, Rehdigerplatz 3, die Reifeprüfung unter dem Vorsitz von Herrn Oberschulrat Dr: Lücke statt." Sämtliche 19 Prüflinge bestanden die Reifeprüfung, darunter 6 mit dem:'Leistungsprädikat „gut1 'bestanden". Persona Göttingen, 25. März. Nach längerem, Leiden ging Adolf Wolff von uns, einer,;.unserer [Besten, der führend im hiesigen religiösen Leben wirkte.., Der Verewigte warein .O'flB :ST aus der Schlichtheit seines Herzens heraus. Glaube und G'ttvertrau,en; waren ihm die beglückende Selbstverständlichkeit seines Lebens, und seine tiefgründige Religiosität ^ab ihm auch die Richtung für sein Wollen und sein Wirken. Adolf Wolff war es, der das orthodoxe i Minjari unserer Gemeinde mitbegründete, und er war es, der fast über seine Kräfte immer wieder opferte und gab, um. dieses^Minjan, das seiner refi&h lieber* zeugung entsprach, |jzu erhalten. Er war as*?äueh, der trotz Krankheit und. trotz aller Beschwernisse im mer wieder da wär, Und die .geringe Merischenzah'l die diesem Minjan' ia^gehörte, immer wiedeV zusammenzuhalten und zusammenzubringen vermöchte. Es wiar eine Selbstverständlichkeit, daß Adolf Wolff der es verstand, in der Lehre unseres Glaubens zu lernen, und der selbstlos' an der Spitz? unserer Chewra Kadischa;stahd, alles tat, um n'na^l n»nb ton zu verwirklichen. Ohne Rücksicht auf'sich selber verweilte er die Nächte bei den 'Kranken und Ster benden und war überall da, wo es, was zu helfen gab. Und bei allem war " Adolf Wolff einr'*fov aniR, ein Mann des Friedens und als solcher oft der Mittler zwischen seiner orthodoxen Gemeinde und den Andersgesinnten. Er . war auch Repräsentant und schließlich lange Jahre Vorsteher der Repräsentan ten der jüdischen Gemeinde zu Göttingen. Er hatte das Glück, an der Seite einer treuen Gattin Kinder in seinem Geiste zu erziehen und wirken zu sehen Wir werden alle Adolf Wolff ein treues Angedenken bewahren. \ n*3SJn Hafnsfarth i. Bayern, 24. März. Im hohen Alter von 86 Jahren verstarb hier Frau Jette Reiter geb Dottenheimer. Allen Aeußerlichkeiten abhold, war ihr ganzes Leben ein fortgesetztes Schaffen und Wirken für Familie und Mitwelt im Sinne altjüdischer Frömmigkeit. Auf dem Gebiete des n*TM hat sich die Verblichene ganz besondere Verdienste erworben, die ihr ein dauerndes Andenken sichern. rrasan Schwäb.-Hall, 28. März, Herr Moses Herz, hier, durfte am 19. Adar II seinen 6 0. Geburtstag begehen Weit über den Kreis seiner engen Heimat hinaus weiß ein großer Kreis von Freunden diesen von D'»w erfaßten .'Tin'1 zu schätzen und zu lieben. Mit ganzer Hingabe seiner unermüdlichen Arbeitskraft widmet er sich insbesondere in Württemberg den Sorgen und Leiden jüdischer Menschen und versteht es, mit seinem echtjüdischen Herzen und seinem frohen Wesen andere aufzurichten und ihnen von seiner unerschütterlichen MlöK abzugeben. Schon viele Jahre, wirkt er, treuer Sachwalter seines unvergeßlichen Vaters Heinrich Herz b"i, in seiner Heimatgemeinde als niinsa *mx »anxr poiy; ebenso schätzt man seinen klugen Rat und glühenden Arbeitseifer im Israelitischen Oberrat Württembergs, wo er besonders für die Belange .der orthodoxen Judenheit Verständnis zu erringen, versteht. Möge nw3pn diesem von wahrer rvW) nana erfüllten Manne ungezählte Jahre ebensolcher Schaffenskraft und Gesundheit verleihen, damit er weiterhin wie bisher Vion nmb rüstig wirke. t&Tiay Bücherbesprechungen. Jüdinnen. Von .Bertha Badt-Strauß, Joachim ■. G o 1 d s t e i n, jüdischer Buchverlag. B e r 1 i n. Die Verfasserin sucht bedeutende Frauen aus ,der Geschichte bis zur Gegenwart in der Zwiespältigkeit ihres; Wesens:: zu erfassen und zu verstehen. So marschieren . über -ein Dutzend Frauen auf,, von den antiken Jüdinnen, über die Frauen der :Mendelssohnzeit bis zu . „großen Frauen" der Gegenwart. Gut gesehen, hübsch dargestellt, flott geschrieben ist das 133 Seiten stärke Buch, wenn auch nicht immer so weit in die Tiefe und bis zum Kernpunkt der Epoche, die die Frauengestält vertritt, vordringend. Man liest gern und mit Nutzen über die Frauen aus den aschkenasischen Ghettos, die Sefardinnen, den neuen Frauentyp in*- Erez Israel, wenn wir uns auch nicht in allen Teilen mit diesem befreunden. Wo das steht: was die Verfasserin im Vorwort sagt, daß „der Tempel in Jerusalem durch: .die Schuld der Frauen zerstört worden sei," wissen wir nicht) obwohl uns die Midraschliteratur einigermaßen vertraut ist. Auf der anderen Seite ist uns" i und allen jenes talmudische Wort bekannt, wonach,unser Volk die Erlösung aus Aegypten einzig, den frommen F r a u e n z u d a n k e ntJi a 11 e. In der Charakteristik des ' in seiner inneren Zerrissenheit überaus tragischen Lebens Dorotheas, der Tochter, von Moses Mendelssohn, sagt die Verfasserin zum Schluß', daß sie; nach dem verflogenen Rausche der, Romantik in ihren letzten Tagen innerlich zur Lehre und zum Lebensstil ihres Vaterhauses< zurückgekehrt sei. Wir. wären' der Verfasserin dankbar,. wennsie juns,-Belege für diese immerhin interessante ■ Angabe beibringen könnte. Ueberhaupt würde ein . Anhang mit histori-; sehen Quellen und einenii Literaturnachweis dem guten Buche nur^von Nutzen sein, t sjj Betendes. Judentum. Vor^ Dawid S c h ö ri. b~e r g er. ( Joseph Jas t r o w , Jüdischer'. . Buchverlag. Berlin W. 15. / :. .. Jüdische Juden, die /,mitten drin" stehen/ Met- schen,"J denen die Urquellen der - Gebete jmnd des > SchrifftuW zugänglich sind, Schütteln ein wenig den.: Kopf über diese „Surrogate", die uns seit der;,Erweckung zur altneuen Erkenntnis" vü so reicher Fülle geboten werden. Wenn aber (der Sinn von iv.'sa rfr-an die religiöse Gemeinsamkeit ist* so hat der inmitten seiner Gemeinde nach alter Weise, in stiller, vertrauter Zwiesprache mit seinem G'tte Stehende auch an die große Schar Jener zu denken,, die, ohne eigenes Verschulden, in ihrer Jugend den Anschluß an Gebet, Synagoge und heilige .Sprache versäumt, haben. Es müssen ihnen, auf die einfachste Art der Welt, aber'übersichtlich, anschaulichund' anmutig erst'jiie Gründlagen gezeigt, werden;. Diesem Zwecke dienen einige In den letzten Jahren'er's^ die auch derjenige , nicht' überheblich zurückweisen darf,' der sie „für seine Person entbehren kann! (Ei söll'in diesen! Zusammenhänge nicht an E. Münk: „Welt der Ge!bete" gedacht, werden, die jedem, aucH dem im Jüdischen Wurzelnden, viel des Schönen bieten). Das .Buch von Jasfrow ist von etwas "anderer Art. Es will nicht Gebete, oder wie heute der zweifelhafte Ausdruck lautet, „Brauchtum'' vermitteln, sondern einiges über das jüdische Beten schlechthin sagen. Es geschieht dieses. stellenweise mit Wärme und schöngeitiger Rundung. Wir finden'hier Kapitel über das Beten in Einsamkeit und das Beten in Gemeinsamkeit, über die Gebetssprache, die Kawana und die 2 e i t g e b u n d e n h e i t der Gebete. Beten und Lernen stehen nicht im Gegensatz zueinander,'darum sei auf den recht oberflächlichen Einwand, „wir verstehen nicht das Hebräische", die einzige Antwort: Gehe hin und lerne! Mit diesen und ähnlichen richtigen Worten plädiert der Verfasser für das Hebräischbeten. Er kann sich dabei auf keinen Geringeren als Hermann Cohen berufen, der, wie kein anderer, die Synthese zwischen Judentum und Deutschtum zu finden suchte und dabei doch bei allen erdenklichen Gelegenheiten auf den unübertrefflichen Wert der hebräischen Gebetssprache hinweist. Zu seinen,, Ausführungen über die Gebetsdauer ließe sich so manches sagen, vielleicht auch zu seiner Auffassung des Minhag und, Brauchs als Institution. (Minhag und Brauch sind am Ende auch noch ein wenig auseinanderzuhalten.) Im Rahmen des Ganzen, das in schöneranmutiger Aufmachung jüdisches Geistes- und Gemütsgut vermittelt, sind kleine Ausstellungen nicht wesentlich. Wir empfehlen das gute Buch allen, die ihr Gebetserleben zu vertiefen gedenken. . —tz. Halachische und hebräische Neuerscheinungen. Im Werke masa 'Vr.s. d-di naVria ■>bnsi-mv, von Näftali Herz M. Halpern (Selbstverlag des Verfassers, Jerusalem, Mea Schearim, Haus MansürJ,. werden besonders die Frankfurter gute alte Bekannte begrüßen. Rabbi Halpern hat in Frankfurt eine emsige und segensreiche Lehrtätigkeit von über 30 Jahren ausgeübt, viele Schüler ausgestellt und im Rahmen von Schiurim und religiösen Vorträgen viel Wissensgut hergegeben. In diesem Werke finden wir vieles niedergeschrieben, was wir aus seinem Munde gehört haben. Der erste Teil enthält 11 halachische und 9 agadische Abhandlungen, letztere zu den Feiert' tagen und zu allen Anlässen. Wir lesen diese leicht geschriebenen Abhandlungen mit Vergnügen, und wünschen, daß die angekündigten .weiteren 'Teile recht bald erscheinen möchten, Von der halachischen Monatsschrift 0«nfi (Herausgabe Ch. L. Ehrerireich, Humenne), ist das sechste Heft erschienen und ist, wie immer, mit lehrreichen Aufsätzen aus allen Wissensgebieten ausgestattet. Ueber das Halachische hinaus finden wir int Hefte eine interessante Abhandlung über N a c h - manides und die S e p t u a g i n t a von Rabbir ner Ppsner. Ebenso werden die Freunde" rabbinischer Literatur '' die letzten Ausgaben des J-ivsVn Sn (Rabbiner L.- ' Welcz,. Budapest, Kertesz-u 27) begrüßen. Das eine Heft ist als nuaiw nnwip erschienen, das andere nennt sich a»n mntJ und befaßt sich vorwiegend mit den Fragen-Yon b^-ib1!»; ^obei ein Schreiben von Oberrabbiner. Z i rie 1 s o h n über die Fi-age(, ob Jemand, der sich in den amtlichen Urkunden als konfessionslos bezeichnete, bei der Rückkehr aller Formalitäten des Proselyteh öder Rückkehrehden ei'ttzUhalten hat, .Interesse finden wird. "'" y * * ..■.,'.' ', . ' _ - * v ' -. - '; ■'• ' ■■<■■<■■■■■■■<■■ Neue reichhaltige; Kataloge über Hebraifca und Jur laica sind erschienen von" A'. Packtet, Ämsterdäm-O., le Boerhaavestr. 78; Hebrew Publishing Company, New York, N. Y., 77—79 Delancey Street Ksiegarnia, Buchhandlung: „Schneur"v; Salman Szmotkin, Warschau i, Muranowska 32. Der jn'di&ttW Läufer". Berthold Le vyv Jüdische*! " Buchverlag1;: B e r I i ny'l 9 3 7.1 58 S. . -; : o iDen iF.reunäen ^. .des hebräisierten Schrifttums -l" b^nso, w.iei!den^Änhäh|,erndes 'judischen Sports 'b^e--!a ■a i T? 1' Tl ' _ _ ... _.ä 4-' *4t'rko K«*'; Qnnrttt ' rimp ctä> eiiiatuiagf^t,. ^ubiwjbi i,i*ou..»*wi«,*a,j :ui^ ---» t;---. 7 «es BÜd' von^den". großen jüdischen Läüferh zu entwerfen;;?S4ul,,J^avid, Naft,a|i,un^ mancHe andere Persönlichkeit lernen wirf'Vhier'V in neuer Beleuchtung kennen..'Das.' Werkchen.' ^*d...in der-' Hand -des geschickten Lehrers gewiß" viel zur Verlebendigung desjüdischen Geschichtsunterrichts beitragen können.