Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1938)
- Date
- 1938-03-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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^f*-.<"C-v,y -^ywi^v*:*. ^S^^^^^^^S^^^^^^^^^lp^^^^^p^^^^^^ Seite 2 Nr. 13 D I s r a e 1 i t 31.'JVlärz:i93S -v - >,;',»- .....- stoßen wir auf ungewöhnliche Erzeugnisse, unter anf. derem auf den Kopf einer Göttin, der aus der Zeit •j um 5000 v. d. übl. Ztr. datiert wird, einem Kopf von f solcher Schönheit im Ausdruck, daß er auf eine | hochentwickelte Zivilisation hindeutet. Die Ausstelj lung wird reicher und mannigfaltiger, sobald sie sich { den uns bekannteren Perioden nähert. Man findet I alte Bekannte wieder, die auf ägyptischen, auf syrischen, auf griechischen Einfluß oder Ursprung deuten. Schon bei einer flüchtigen Uebersicht präsentiert sich Palästina als das klassische Durchgangsland, das von den verschiedensten Einflüssen befruchtet und verändert wurde, immer neues aufnahm und immer neue Verwandlungen durchmachte . . ." Was sollen unsere Menschen, was soll unsere Jugend in Palästina und in der Gpla aus dieser „Inflation" von Jahrhunderttausenden" seit der Weltschöpfung lernen? Inflationszahlen zeugen nie von einer Stabilität und Echtheit. Ist denn die Sprache von Schädelknochen, Elefantenzähnen und Scherben stummer Götzen überzeugender als die Zeugnisse der alten Lehre von der Dauer der Welt, als der Bericht der Thora über die in sechs Tagen aus dem Nichts durch das gttliche ,,Es werde!" hervorgegangene Schöpfung, der Grundpfeiler aller positiven Religionen ist und nicht allein uns,- sondern der gesamten gläubigen Welt die Gewißheit vom engen Verhältnis zwischen G'tt, Welt und Mensch gibt!? Wie oft ist schon von ernsten Fachgelehrten der stark hypothetische Wert jener Funde und noch mehr des Schlüssels, mit dem himmelsstürmende Ausleger jene Dinge zu deuten suchen, nachgewiesen worden! Wenn die Palästinaregierung nun glaubt, mit amerikanischem Gelde die alte heilige Stadt mit einem solchen „Götzentempel" moderner Forschung bereichern zu müssen — was geht das uns an? Welches Interesse hätten wir da, eine solche Stätte anders und mit mehr Wärme anzusehen und. zu behandeln als die vielen fremden Denkstätten der ewigen Stadt, die noch immerhin eine gewisse Tradition für sich haben? Was kann eine jüdische Stelle, die die Führung in der öffentlichen nationalen Meinung für sich in Anspruch nimmt, dazu veranlassen, dieser „Unheiligenstätte" nicht nur ein Sermon hymnischer Worte zu widmen, sondern sie auch zum Anlaß zu nehmen, der jüdischen Oeffentlichkeit schon in Titel und Aufmachung Abkehr von der Thora, Abkehr von der Tradition, Abkehr vom alten jüdi seilen Schöpfungsglauben zu predigen? Noch ist unser erster und letzter Anspruch auf Erez Israel in jenem Buche verankert, das diese Art von Forschung zu entthronen sucht. Macht aber unsere nationale Presse diese Abwendung vom Grundbuche unserer Lehre mit — was bliebe noch als Beleg und Dokument für unser Recht auf Erez Israel übrig? Unsere Kleinen lernen schon im allerersten Satz des Raschi-Kommentars zum Pentateuch: „Die Thora beginnt mit der Weltschöpfung, um uns zu sagen.' G'tt ist Schöpfer, Lenker und Eigner der Welt. Er hat auch das Heilige Land innerhalb der Länder geschaffen, es diesem und jenem Volke verliehen, um es dann, nach der Offenbarung, dem Volke der Thora für immer zu geben." Auch die britische Nation in ihren Besten handelt, bewußt oder unbewußt, in ihrem Bemühen, Israel und sein Land wieder zu vereinigen, aus dieser Empfindung (für uns historische Gewißheit) heraus. Könnte noch ein solches Recht bestehen, wenn in einem Tohuwabohu von hundert Jahrtausenden sich die tausend Jährchen des „jüdischen Palästina" ganz verlören? Unseren im alten Schöpfungsglauben und im Geiste der Geschichte verankerten«Anspruch auf unser Land werden all die alten Kunstreste, die mit Hilfe der amerikanischen Millionen zutage gefördert werden, nicht entkräften und erschüttern können. Aber vieles kann in jungen jüdischen Seelen zerbrochen werden durch die Art, wie ein führendes zionistisches Blatt über diese zweifelhaften Zeugen einer alten Welt berichtetj und durch die herausfordernde Form,: die schon in der Ueberschrift dieser Kunstbegeisterung gegeben wird. Fremde Altertümer werden ausgegraben — und eigene Heiligtümer werden verschüttet! -. :. . Wocheni^ndschaa - / Zahlen der Auswanderung. — Der Verband polnischer Juden vor neuen Aufgaben. — Wie war das gemeint? — Engländer zitieren die Bibel. Auf Grund sorgfältiger Bearbeitung des vorliegenden Materials ergibt sich, daß die Zahl der seit 1933 bis zu Ende" von 1937 aus Deutschland ausgewanderten Juden 135.000 Seelen beträgt. Die Auswanderer verteilten sich auf folgende Länder: Palästina 43.000, Nordamerika 15.000, Südamerika 21.000, Südafrika 4000, Europäische Länder 30.000, andere Länder 2000. Nach ihren Heimatländern in Osteuropa sind 20.000 Juden zurückgekehrt. Die Juden in Deutschland zählten zu Ende von 1937 360.000 Seelen. Mit den hinzugekommenen Juden Oesterreichs hat nun das vereinte Deutsche Reich etwa 550,000 Juden, ungefähr soviel wie vor dem Kriege, da auch die Juden der Provinz Posen und in Elsaß- Lothringen noch zur Judenheit Deutschlands zählten. Der Rückgang der Judenheit in Deutschland' um rund 200.000 Seelen in der Nachkriegszeit kann mit nichten auf die Abtrennung der genannten Provinzen zurückgeführt werden, da der überaus größte Teil der Juden in der Provinz Posen nach der Wandlung ins Innere Deutschlands verzog und somit der judischen Gesamtzahl im Reiche/ nicht verloren ging. Für Elsaß-Lothringen kommen im Ganzen höchstens 30,000 Jduen in Abrechnung. Entscheidend für den Rückgang bleibt eben die Abwanderung. Der Abwanderungsprozeß ist aber noch nicht abgeschlossen, er tritt vielmehr in ein neues Stadium ein, worauf sich unsere Auswanderungsorganisationen neu einzustellen haben werden. Im Polnischen Sejm wurde am Freitag ein Gesetz in zweiter und dritter Lesung" angenommen, das schon durch die Tatsache, daß sämtliche j ü - dische Abgeordnete ohne Unterschied, der Parteirichlung einmütig dagegen ankämpften, beweist, wie katastrophal es sich im Leben der nach vielen Zehntausenden zählenden polnischen Juden in den Ländern Europas auswirken kann. Dieses Gesetz gibt der Regierung die Handhabe, Personen, die mindestens fünf Jahre im Auslande leben, die polnische Staatsangehörigkeit zu entziehen. Freilich wird diese Entrechtung an die Voraussetzung geknüpft, daß „diese Personen jede innere Beziehung zum polnischen Volk und Staat verloren hätten". Es wird für die besonders in Mitteleuropa ansässigen Juden polnischer Staatsangehörigkeit nicht immer leicht seih, gegen etwaige imponderable Anschuldigungen solcher Art ihre Beziehungen zum polnischen Volk und polnischen Staat dokumentarisch und überzeugend nachzuweisen. Es ist vielleicht gut, daß sich vor wenigen Jahren die Landesorganisationen der polnischen Juden in Europa zu einem Gesamtverband zusammenschlössen, der sich in wiederholten Konferenzen seine Struktur gab. Sohon die Existenz dieses Verbandes und seine Gliederung durch Landesorganisationen, die sich wiederum aus Bezirksvereinen polnischer Juden in Deutschland (ebenso in anderen Ländern) zusammensetzen, ist der beste Beweis dafür, wie wenig die aus Polen stammenden Juden im Auslande, die zum überaus größten Teile jene Verbände und Vereine bevölkern, ihre Beziehungen zur alten Heimat verloren haben. Die Organisation wird jetzt ihre Berufung darin sehen, ihre Mitglieder vor dem Geschicke der völligen Heimlosigkeit zu schützen,;was ihr bei zielbewußtem Vorgehen nicht schwer fallen dürfte- Ein Satz in der ersten Rundfunkrede des neuen Hochkommissars wird in der palästinensischen Presse lebhaft diskutiert. Der Passus lautete; „Die Geschicke des Landes in den letzten Jahren .brachtenall diejenigen in; größte Verwirrung, die in Palästina ein ausschließlich wirtschaftliches Problem sehen. Wir gehen' wohl nicht fehl, wenn wir sagen, daß die Zukunft diese's Landes nicht allein durch materielle und wirtschaftliche Faktoren bestimmt werden kann. Noch besteht das biblische Wort zu Recht; Denn nicht vom Brote allein lebt der Mensch." Selbstverständlich beeilt sich die arabische Presse, deren Begeisterung für den neuen Hochkommissär ansonst nicht gerade groß ist, ihm in diesem Punkte zuzustimmen, indem sie die Worte nach ihrem Sinne auslegt, nämlich, daß die Einwanderungspolitik nicht, nach der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit, sondern mehr unter politischen Gesichtspunkten fortan geleitet werden soll. Manche der Weisen Arabiens hören dabei einen Vorwurf gegen den jüdischen Jischuw heraus, der angeblich, bar aller Ideale, ausschließlich materielle und wirtschaftliche Vorteile im Auge habe. Da weder die eine noch die andere Interpretation richtig sein muß, so lohnt sich nicht, darüber zu streiten. Der neue Herr wird noch Gelegenheit haben, den Jischuw, den alten wie den neuen, kennen und den'Idealismus, der beiden-Teilen zugrunde liegt, — ja, auch dem neuen Jischuw, trotz allem was wir ihm vorzuwerfen haben, — schätzen zu lernen. Unabhängig von all den böswilligen Schlußfolgerungen, die unsere Widersacher aus jenen Worten ziehen, sollten wir doch im Jischuw einiges daraus lernen. Der hohe englische Beamte, der höchste in Erez Israel, der Mann, der im Dienste einer sachlichen, harten Kolonialpolitik ergraut ist, kennt die Bibel und kennt das Leben, und weiß, daß „der Mensch nicht vom Brote allein lebe". Er nimmt auch keinen Anstand, biblische Lehren auf das lebendige Leben anzuwenden. Er wird in Erez Israel, wo wir heute noch mit Menschen aufwarten können, die eine hohe jüdische Geistigkeit über allen Broterwerb stellen, wo es wenige, aber immerhin welche junge Menschen gibt, die im siebenten Jahre nach Vorschrift der Thora darauf verzichten, dem Boden das Brot abzuringen, wo selbst in' Siedlungen, die nicht nach unserem Geschmacke sind5, Ehrengräber von Märtyrern der Malaria und blutiger VerteKdigungskämpfe zeugen, genug der lebendigen Belege für jene biblische Lehre finden. Das alles ist unstreitbar richtig. Aber warum hört man aus dem Munde der jüdischen Führer so selten ein jüdisches Wort, einen Hinweis oder eine Anspielung auf eine g'ttliche Verheißung, so daß es den Männern der anderen Völker und des anderen Glaubens vorbehalten bleibt, hie und da damit nachzuhelfen? Ein schönes Wort lesen wir in diesem Zusammenhange in einem konservativen Blatte Palästinas: „Warum wird in der Estherrolle der Name G'ttes nicht offen genannt? Nach Abarbanel aus Angst vor Achaschwerausch, der es nicht gern mochte, daß seine Untertanen einer anderen Macht huldigten als der seinigen. Wir aber in Erez Israer erlebten, daß sowohl der scheidende wie der antretende Hochkommissar s i c h auf G'tt beriefen, seinen Segen herabflehten und zum t. Vertrauen auf Ihn aufforderten. „Ich bin glücklich, daß am Abend meines Abschiedes Erez Israel durch die Liebe G'ttes mit Regenfülle gesegnet wurde, und so glaube ich, daß das Erbarmen des Schöpfers dem Lande nicht ausbleiben wird." So lautete das letzte Scheidewort Arthur Wauchopes. Also hätten unsere Mordechais von heute gar keinen Grund, sich der Anrufung G'ttes zu schämen. Warum findet man aber auch in ihren Rollen, in ihren Proklamationen, Petitionen und Memoranden, in ihren Voranschlägen und Erklärungen kein Wort von G'tt, dessen Äugen auf seidem Lande ruhen von Anfang des Jahres bis zu seinem Ausgange?" Diese ängstliche Vermeidung aller Aeußerungen, die über den niedrigen Boden hinausgehen, könnte leicht MacMichael zu jenem Satz veranlaßt haben, vorausgesetzt, daß er mit ihm überhaupt einen gewissen Sinn und eine Mahnung verbunden wissen wollte. Seit 45 Jahren Tabak JOSEPH, Sandweg CIGARRENLAGER allererster Fabrikanten zu jeder Preislage und Geschmacksrichtung Proben zu Diensten, auf Wunsch unverbindliche Vorlage. KEIN LADEN. Telefon 44475 l\\ Kleidung für Auswanderer Maß- K o nfektion 5 " Verarbeitung Frau F. MAIER WW. Fahrgasse 94 1 Minute Y9T der KonsfabJer Wache