Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1938)
- Date
- 1938-03-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i^^p^Üfgpi Frankfurt a. M. Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum/ Begründet Von Dr. Lehmann in Mains 31. März 1938 28. Adar II 5698 Nummer 13 Neue Siedlungsprojekte. L o n d o n , 27. März Da wir das zur rationellen Lösung des Wanderungs- und Siedlungsproblemes unentbehrliche zentrale Siedlungsamt der Juden noch immer nicht besitzen, bleibt es Pflicht der Presse, der Öeffentlichkeit von all den verschiedenen in der Luft herumschwirrenden Projekten zu berichten, die auf diesem Gebiete von einzelnen Gruppen öder Organisationen verfolgt werden. In dieser Hinsicht ist jetzt von einem durch iiie amerikanische Zeitschrift „The Jewish Forum'.' propagierten Plan zu sprechen, vder eine jüdische Massensiedlung in N i e d e r - C a 1 i fornien ins Auge faßt. Nieder-Califörnien ist geographisch eine Verlängerung des Staates Californien nach Süden- Es ist eine langgestreckte Halbinsel im Pazifischen Ozean und gehört politisch zur Republik Mexiko. Es Wird seiner ganzen Ausdehnung nach' "vom Golf von Californien und von der Mündung des Colorado-Stromes vom amerikanischen Kontinent getrennt. Das Gebiet umfaßt 56 000 Quadratmeilen, ist also sechsmal so groß als Palästina. Es*wönnen in dem Gebiete 100 000 •Seelen; Die klihiS'tischen. Verhältnisse sind denjenigen Palästinas ähnlich. Der mittlere Teil ist dürr und öde und fast ganz von vulkanischem .Felsgestein bedeckt. Dagegen .sind iin Norden und Süden weite; anbaufähige Strecken, die, wie •es auch in Palästina der Fall ist, der systematischen Bewässerung harren. Der von der amerikanischen Zeitschrift befürwortete IJlari geht davon" aus, daß - ein Zusammenwirken der Vereinigten StaatenVmit Mexiko* imstande wäre, ein autonomes jüdisches Gebiet zur' Aufnahme jüdischer Massen in Nieder-Califörnien zu schaffen. Eine Eingabe ist an den Präsidenten Roosevelt gerichtet worden, worin der Plan offiziell befürwortet .wird. - Neue Nachrichten liegen aücn! über das schon, seit längerer Zeit von Mr. Heririques befürwortete E cua do r— Projekt vor. Herr Henriques hat in einem Vortrag, den er dieser Tage im Anglo Pälestine-Club hielt, behauptet, daß Taufende von jüdischen Familien in Ecuador auf Hunderttausenden von Hektaren Land unter günstigen Umständen angesiedelt ' werden könnten. Er schlägt vor, man' solle zunächst einmal 50 Familien unter einem Kostenaufwand von 10.000 Lst. ansiedeln. Den Vorsitz in der Versammlung führte Lord Marley. Man sollte in der Tat .hoffen, daß, n a c h - d e m-. j e.t z t d er S t aa-t s s e kr e t äx .H ui i in dank en s w er t e r. W e i s e di e Ini ti tive .zur systematischen Behandlung des Wanderungs- und Siedlungsproblems ergriffen und 28 Staaten zur Prüfung der ganzen Frage eingeladen hat, auch die jüdischen Organisationen, insbesondere diejenigen, die in dem Liäison-Committee des High Commissioners zusammengeschlossen sind, den Ernst der Stunde erkennen und der gegenwärtigen Anarchie ein Ende machen möchten, Nur die*Errichtung eines von den allerersten Kräften" ' auf p o litis chem, wirtschaftlichem und finanziellem Gebiete getrage n e n und auch die moralischen und religiösen Fragen in ihr ervollen Bedeutung würdigenden zentralen Wanderungs- und S i e d 1 ü n g s a ni t e sk a n n den schweren Aufgaben der Stunde, gerecht werden. Paris, 23. März. Der Unterstaatssekretär Serre im Ministerium des Innern hat einer Delegation des Verbandes jüdischer Hilfsgesellschaften in Frankreich erklärt, daß die französische Regierung bereit sei, Juden, die sich illegal in Frankreich aufhalten, in gewissen Teilen des Landes Niederlassungsrecht zu gewähren, anstatt sie auszuweisen. Diejenigen, die sich weigern, die Uebersiedlung vorzunehmen, werden das Land jedoch zu verlassen haben. Die Polizeibehörden nehmen an, daß zur Zeit etwa 8000 Personen für diese Maßregel in Betracht kommen. Zur Umsiedlung dieser 8000 Personen würden natürlich größere Geldmittel erforderlich sein, die von den jüdischen Örgani-; sationen aufzubringen wären. Man erwartete, daß sich die zentralen Hilfsorganisationen für die Ausführung des Projektes ebenfalls interesv sieren werden. ~~~ Alte Funde und neue Herausforderungen. Jerusalem, die alte jüdische Hauptstadt und die Residenz des jüdischen Geistes und des Glaubens bis auf den heutigen Tagf ist seit einiger Zeit um ein stattliches Gebäude bereichert. Der amerikanische Multimillionär Rockef eller hat sich ein paar Millionen kosten lassen, um hier durch die _ Palästinaregierung ein großes Museum zu errichten. Der einfache Mann in Jerusalem und auf dem Lande sagt sich; Die amerikanischen Dollarmillionen hätten in diesem Lande, in dem es so viele Trümmer aufzubauen gibt, etwas . besser verwendet werden - können, als alte Tönkrüge, Elefantenzähne und Fragmente von alten Götzen an den Tag m fördern. Brachliegender Boden schreit nach Be,- bauung, arbeitslose Menschen von Fleisch und Blut rufen nach; Arbeit und Brot; mit einem Prozentsatz des Kostenaufwandes für jene verschütteteWelt hätten -.Felder urbar gemacht, verfallene Lehrhäuser aufgerichtet; ins Elend geratene Menschen auf die Beine gebracht werden; können. Abter-es ist nicht unsere Sache, darüber zu urteilen und; wir sind keine Annahinestelle für Beschwerden dieser Art. Die Palästinaregierung... hat nureinen ihr von dem amerikanischen Millionär - gewordenen Auftrag -ausgeführt, und dieser hat uns nichts genommen, war sogar' im Glauben, uns etwas gegeben zu haben . . ... ,Im übrigen haben wir auch nichts gegen die Ausgrabung älter. Kulturen : einzuwenden, wenn wir auch der Meinung sind, daß in einem Lande, das erst im Werdejti ist und Menschen aufzunehmen hat, die seit zweitausend Jahren unterwegs sind und Obdach suchen, heißen muß: Erst Brot und dann das Vergnügen der Ausfindig* machung alter Kunst aus verklungenen? Welten. Allein nicht dieses ist es, was uns heute die Feder in die Hand drückt. Was dieses Rockefeller-Museum in Jerusalem zu einer jüdischen Angelegenheit mächt, ist die Stellung der zionistischen Presse zu d i e s*e nr I n - stitut. Das führende zionistische Organ in Deutschland bringt seinen Bericht über das Museum in seiner Nummer vom 22. März unter dem schon mit seinen großen Lettern alarmierenden Titel: „ Zw ei hunderttausend Jahre Palästina". Es wird darin berichtet, daß jüdische Ausstellungsobjekte in diesem Museum so gut wie gar keine zu finden sind. Dafür aber;, „ . . . Eine Wanderung durch die Häupthalle ist für den Laien ein aufregendes Erlebnis, das durch die Erklärungen eines Fachmannes noch vielfach gesteigert wird. Die ausgestellten Objekte beginnen mit dem berühmten, bei Athlith gefundenen Neandertaler Schädel und der ersten Periode im Jahre 200 000 vor der gegenwärtigen Zeitrechnung (von uns gesperrt). Hier sind nicht etwa einige Nullen zu viel, sondern die Zahl steht richrig in Stein gehauen an-der weißen Wand. Palästina hat ein Klima, das anscheinend für die Konservierung besonders gut ist, und das Museum leitet uns von' einem Elefantenzahn (der beweist, daß hier in jenen Zeiten ein,viel wärmeres Klima herrschte als jetzt), von den ersten Mensehen dieses Landes und ihren Instrumenten langsam durch die Jahrhunderttausende. In Zeiten, die uns völlig dunkel erscheinen,