Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1938)
- Date
- 1938-03-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^N^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^S^^S^^^^i Seite 8 Nr. 12 Der Israeli t. 24. März; 1938 E R E Z ISRAEL Rabbi Mosche Blau über den Keren Hajischuw in Erez Israel. London, 22. März. Einem Vertreter des JPB. gab Rabbi Mosche Blau, der zur Zeit in London weilt, einige Auskunft über die äußere und innere Lage in Erez Israel. Zu den Leistungen des Keren Hajischuw sagte Rabbi Blau etwa folgendes: Die Arbeiten des K. H. erstrecken sich auf Erziehung, die P o a 1 i m und die K i b b u z i m. Gewiß sind auf dem Gebiete des Chinnuch noch nicht die letzten Ziele erreicht, was aber Agudas Jisroel bisher darin geleistet hat, ist von grundlegender Bedeutung. 3000 Kinder, Jungen und Mädchen, werden in den 22 agudistischen Schulen in der. Städten und Kolonien erzogen und sie werden ein Fundament für die künftige jüdische Erez Israel-Arbeit bilden. Weitere Tausende von Kindern erhalten eine religiöse Erziehung in einer ansehnlichen Anzahl von Talmud Thorä-Schulen. Alles in allem ist die Chinnucharbeit der A. J. in E. J. heute schon von größter Bedeutung. Was die P o a I i m betrifft, so muß gesagt werden, daß früher jeder junge Mann, der in E. J. sich als Jude einordnen wollte, eine schwere Probe zu bestehen hatte. Durch die Arbeit der P. A. J. sind aber diese Prüfungen für die gesetzestreue Jugend wesentlich erleichtert worden. Der junge Mann ist nicht mehr gezwungen, sich den areligiösen Arbeiterorganisationen anzuschließen. Der religiöse Arbeiter, der heute nach E. J. kommt, findet Anschluß und auch Arbeit durch Vermittlung der P. A. J. Er findet sein geistiges Milieu, wo er im Kreise Gleichgesinnter sein Wissen vermehren und seine Lebensanschauung befestigen kann. Auch alle sozialen Einrichtungen wie Krankenkasse, Leihkasse usw. findet er hier. Zuletzt obliegt es dem K. H., die K i b b u z i m zu betreuen. Kfar Saba, Ged era und M a c h a n e Israel dienen als lebendiger Protest gegen die falsche Anschauung, daß das Leben im Kibbuz sich nur im Gegensatze zu Thora und Geboten halten könne. Die Kibbuzim sind mit allem modernen Komfort eingerichtet. Der Sabbat, aber auch der Feierabend in der Woche, dienen der geistigen Erhebung. Es herrscht dort überall der echte, reine Thorageist. Die Kibbuzim haben in diesem Schnait tahjahre der Welt den Beweis geliefert, daß man heute noch die Thora und ihre Gesetze ohne Konzessionen und „Heterim" halten kann. Durch dieses Opfer haben unsere jungen Menschen ein Heldentum an den Tag gelegt, das vom gesamten jüdischen Volk respektiert und bewundert werden muß. Was die politische Lage in E. J. betrifft, so läßt sich im Moment darüber wenig sagen. Die ZukunFt Erez Israels ist in dichten Nebel verhüllt. Die A. J. sieht im Teilungsvorschlag weder eine Rettung für den Geist noch für den Körper Israels. Das, jüdische geistige Leben hat von den Elementen wenig zu erwarten, die heute ihre Hand über Erez Israel haben und bei der Staatsgründung wohl auch wieder an die Spitze zu kommen trachten werden. Aber auch für den jüdischen Organismus bietet der Plan nach seinen weiteren Beschränkungen recht wenig. Der Glanz des Staates mit eigenen Staatsbehörden und Vertretungen in Genf und in den Residenzen Europas kann die A. J. nicht verlocken, daß sie die Augen vor der Wirklichkeit schließe. A. J. gab und gibt daher die Hoffnung nicht auf, eine bessere Lösung der Frage zu finden, die nicht allein eine Frage Erez Israels, sondern für das Judentum in seiner Gesamtheit ist. Die gegenwärtige Krise in E. J. schreit nach Hilfe, aber man kann nicht die Zukunft um Augenblickspreise hergeben. Der Ueberiall auf Tirath Zwi und seine Abwehr, Jerusalem, 22. März. Ueber die mutige Abwehr des Angriffes auf die Misrachikolonie Tirath Zwi, die wir bereits kurz mitgeteilt haben, bringen die eben eingelangten palästinensischen Zeitungen lange Berichte, aus denen zu ersehen ist, wie heldenhaft sich der Kibbuz hei der Gelegenheit benommen hat. Der Angriff geschah in der Nacht zu Dienstag, den 28. Adar I, durch eine Bande von mindestens 70 wilder Gesellen. Sofort wurden sämtliche- Mitglieder des Kibbuz alarmiert, die mitten im Kugelregen beinahe vier Stunden aushielten, bis sie die Angreifer vertrieben. Einen Toten' hab&n die Araber auf dem Platze gelassen, und dio Blutspuren zeigen, daß sie bei der Flucht weitere Tote und Verwundete mitnahmen. In der Kolonie wurde nur ein einziger Jude leicht verletzt. Auch zwei Flinten haben die Araber da gelassen. Als lange nach Mitternacht die Kolonie Verstärkung bekam, war die Hilfe kaum noch nötig. Die Kolonie war gerettet. Interessant ist, daß auch Beduinen aus umliegenden Dörfern den tapferen Männern von T. Z. ihre Bewunderung und Anerkennung aussprachen. Das Bekanntwerden der Einzelheiten über diesen Angriff erregte Stolz und Bewunderung im ganzen Jischuw, auch in den gesetzestreuen Kreisen. Ist doch damit unter Beweis gestellt, daß auch thoratreue Menschen, die ihre Freizeit mit Lernen ausfüllen, sicK energisch ihrer Haut zu wehren wissen, Glückwunschschreiben gingen ein von den Oberrabbinaten in Jerusalem und Tel Awiw, ferner von der Zentrale des Misrachi und vielen zionistischen Instanzen. Die Poale Agudas Jisroel in Tel Awiw sprachen in einem Glückwunschtelegramm ihren Freunden ihre Bewunderung aus. Die Kolonie Tirath Zwi wurde als eine Art Filiale von Kibbuz Rodges am 21. Tamus im vorigen Jahre durch Poel Hamisrachi gegründet. Den Namen' Tirath Zwi bekam der Kibbuz zum Andenken an den Gaon Rabbi Zwi' Kalischer L7"^v der vor hundert Jahren mit seiner Zionsliebe den ersten Antrieb zur Gründung der „Chowawe Zion" gegeben hat. Der Kibbuz liegt weit weg von der Verkehrsstraße, nach der Wüste zu, und ist in Ermangelung von gut ausgebauten Wegen von Anfang an Gefahren ausgesetzt. Schon bei der Gründung sprach man diese Befürchtung aus. Aber die jungen Kolonisten sagten: „Es. ist unsere Heimat und wir werden für sie kämpfen." Sie haben ihr Wort eingehalten und die erste Probe glänzend bestanden. Lord Herbert Samuel, der zur Zeit in Palästina weilt, besuchte mit seiner Gattin und seinem Sohne Edwin Samuel u. a. auch Tirath Zwi, um den Helden seine Freude und seine Bewunderung für ihr tapferes Verhalten zur Ehrenrettung des jüdischen Jischuw auszusprechen. Das Schicksal des Sabbatstatutes in Tel Awiw. Tel Awiw, 20. März. Am 6. Adar II hatte sich der Tel Awiwer Stadtrat mit dem Sabbatstatut und mit den Eingaben der Lokalbesitzer, die bekanntlich mit der Einschränkung ihrer Betriebe am Sabbat nicht einverstanden sind, zu befassen. Von der Zentrale des Misrachi, die darin die Unterstützung der Leitung des Waad Leumi erhalten hat, ebenso von den Oberrabbinaten in Erez Israel lagen auf dem Sitzungstisch Memoranden, in denen der Stadtrat um sein unentwegtes Festhalten am Statute gebeten wird. Vertreter der Hausbesitzer und die misrachistischen Stadtverordneten protestierten gleich zu Anfang der Verhandlung gegen jeden Versuch einer Aenderung des Statutes. Ein Vertreter der H i s t a - dr u t h wünscht Ausdehnung der Arbeitsstunden, ,,nachdem ja ohnehin durch die' Freigabe gewisser Stunden das Sabbatgesetz in seiner alten Strenge durchbrochen werde." Er meint, daß durch eine Konzession an die Lokalbesitzer das Statut gerettet werden könne. Da man zu keiner Einigung gelangen konnte, wurde die Behandlung dieser Frage noch einmal v e r t a g t. Das religiöse Schulwerk in Tel Awiw. Tel Awiw, 20 .März. In Tel Awiw bestehen zehn Talmud Thora- Schulen, die insgesamt von 1155 Schülern besucht werden. Die vier J e s c h i>,w o t h zählen 225 Schüler, Die zwei Beth Jakob-Schulen werden von 135 Schülerinnen besucht. Der Misrachi besitzt in Tel Awiw 18 Erziehungsinstitute, die 4612 Schüler und 142 Lehrer umfassen. Mit Ausnahme einer Jeschiwah ist überall die Unterrichtssprache hebräisch. Die Erziehungsinstitute werden allesamt vom Waad Hakehill a unterstützt. Attentat auf den Scheich der Omarmoschee. Jerusalem, 21. März. Der Scheich der Omar-Moschee in Jerusalem, Aref Jaunis Husseini, wurde am Montag früh in der Jerusalemer Altstadt überfallen, und durch vier Revolver Schüsse schwer verletzt. Sein Begleiter wurde leicht verletzt. Der Täter ist noch nicht bekannt. Bei Nablus drangen nachts mehrere Bewaffnete in ein Haus des Araberviertels ein, um Geld und Wertsachen zu rauben. Bei dem Abwehrkampt wurden zwei Männer getötet und eine Frau verwundet. Das Militärgericht in Jerusalem hat wiederum einen Araber wegen Beschießung von Polizeibeamten zum Tode verurteilt. Zwei andere Todesurteile der Militärgerichte gegen Araber sind vom britischen Oberkommandierenden bestätigt worden. Scheik S c h a k i r A b e d , ein berüchtigter Terroristenführer, für dessen Gefangennahme eine Belohnung ausgesetzt wurde, ist bei den Gefechten im Norden getötet worden. Ferner wurde Abdullah Azb a c h , ein bekannter Terroristenführer aus Galiläa, bei einem Gefecht zusammen mit fünfzehn änderen Arabern g e tötet. Neue Palästina-Karte. Der Verlag Dwir (Tel Awiw) hat oseben eine neue hebräische Palästina-Karte im Format 65X45 cm herausgegeben, die durch eine möglichst vollständige Angabe auch der neuen Ortschaften ausgezeichnet ist. Auch die neue Straße Tel A w i w - H a i f a ist bereits eingezeichnet. Das interessanteste an der Karte ist die genaue Darstellung der Höhen- und Tiefenverhältnisse. Die japanische Konkurrenz in Palästina flaut ab. J erusalem, 18. März, Wie bekannt wird, haben in Palästina die Preise japanischer Waren eine sehr starke Steigerung erfahren. Dies sei dadurch zu erklären, daß die japanischen Firmen keine Aufträge entgegennehmen und es überhaupt sehr schwierig ist, in Palästina japanische Erzeugnisse zu erhalten. „Mehr Mut!" Durch die Blätter Palästinas ging vor einiger Zeit ein gleichlautender Artikel, in dem den Orthodoxen, besonders den Rabbinern, Mangel an Mut vorgeworfen wird. Dazu schreibt uns ein Mitarbeiter; Es will uns nicht scheinen, als ob auf dem Gebiete der Hetterim im Heiligen Lande zu wenig Mut herrscht. Gewisse Kreise haben ihre Hetterim-Wirtschaft ja besonders am Siebten Jahre und am Sabbat, genug ausgebaut, Wenn Mangel an Mut bei den Orthodoxen herrscht, dann nur in der entgegengesetzten Richtung. Gefahrbringend ist die Bescheidenheit, mit der man es bisher ängstlich im orthodoxen Lager vermied, zu erklären: „Wenn es wahr wäre, daß irgendwo im Heiligen Lande nicht ohne die genannten Sabbatentweihungen auszukommen ist, dann ist es Sünde, jemandem zur Uebersiedlurig dorthin zu verhelfen. Und wenn Sabbat und Schemitta im Heiligen Lande zertreten sein sollten, dann — hätten wir in ein drittes Galuth zu gehen, um unseren Kindern die Möglichkeit zum thoragemäßen Leben zu sichern," Wäre es so, daß in E, J, kein thoramäßiges Leben möglich sei, so wäre es ein Grund, die wenigen echt thöratreuen Auswanderer überall, nur nicht dorthin zu dirigieren und möglicherweise auch den dort schon angesiedelten andere Möglichkeiten zu ermitteln. Wir dürfen ja nicht unsere Gesetzesbefolgung dem zionistisch-natiönalistischen Ideen-Nebel in die Gewalt geben. ' Wir können auch ohne Rekordwirtschaft und ohne weltwirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit leben und siedeln. Und solange das unmöglich ist, also bis zur Emanzipation der wenigen wirklichen Juden im Heiligen Lande, werden wir auf andere Hilfe ausschauen als die, die uns da verheißen wird. Wir haben allerdings das Vertrauen, daß uns unsere Brüder im Heiligen Lande hierüber und über ähnliche- Gefahren ebenso eifrig auf dem Laufenden erhalten werden wie über die für uns an sich zweitrangigen Fragen der Staatsverfassung des Landes. Die linksradikale Religionsfeindschaft und d^e innerlich unklare Stellung der revisionistischen. Kreise zum Thoragesetz tun jede auf ihre Art das Ihrige dazu, die Stellung des Gesetzesbefolgers im Heiligen Lande zu erschweren; da sollte sich jeder, der nicht zu diesen Extremen gehört, es hundertmal überlegen, bevor et» diesen Kreisen auch nur einen Scheinbeweis liefert. * C. ( (Anmerkung der Redaktion: Der Einsender geht in seiner Warnung von der „Eventualität aus, daß thoragemäße Siedlung in E. J. nicht möglieh sein sollte. Unsere Kibbuzim haben aber gezeigt, wie es wohl möglich ist, Siedlungen mit Sabbat und Schmitto zu errichten. Also muß die Parole heißen: Geht hin und stärkt das gesetzestreue Element im Heiligen Lande!) HEES