Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1938)
- Date
- 1938-03-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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mehrere Juden ausgezeichnet. Der Vorsitzende . des Jüdischen Gemeindebundes, Hirsch A i s:e n Stadt, erhielt das Verdie n s t k r e uz. für Leistungen zum Besten der Republik. Es wird betont, daß diese Aus Zeichnung, wehiger der Person des Vorsitzenden als der j ü d i s c h e n Minder h e i t gilt. a\ Rumänien. Die Lag« in Rumänien. B u k a r e s t, 20. März. , Am 13, März fanden in allen Synagogen des Lan des feierliche Festg'ttesdienste im Sinne der Aufforderung des Ministerpräsidenten Patriarch Chri.s teä. an. Oberrabbiner Niemerower statt, die sehr stark besucht waren. Die .Angelegenheiten der nationalen Minderheiten wurden dem früheren Ministerpräsidenten Vaida Voivod übertragen. In den Ausführungsbesiimmün gen über das Gesetz zur Revision der Staatsangehörigkeit wird angegeben, daß alle die Bürger als Juden zu betrachten seien, welche vor dem 1. Dezember 1918 Sich ZUm jüdischen Glauben bekannten Das gelte auch dann, wenn sie nach dem Stichtag zur christlichen Kirche übergetreten seien. In der Verordnung wird weiter bestimmt, daß die jüdischen Staatsangehörigen, deren Staatsbürgerrechte einer Ueberprüfung Unterzogen werden, biszur Erledigung dieser Revision an der Berufsausübung nicht gehindert werden dürfen. Infolgedessen wurden Beschlüsse verschiedener Berufsverbände, die dieser Anordnung nicht entsprachen, für ungültig erklärt. Die jüdischen Anwälte im Bereich der Anwaltskammer Bukarest, welche zur Ablegung des Eides auf die neue Verfassung nicht zugelassen worden waren, wurden nachträglich auf Grund des Eingreifens des Justizministeriums vereidigt. : Oberrabbiner Dr. I. Nie m'i r o w e r hat in die Hand des Ministers für Unterricht und Religion, Iaman.di, den Eid auf die neue Verfassung ab g e 1 e g t. Nach einer Verordnung des rumänischen Sicherheitsministers werden sich Mitglieder freier Berufe einzeln anmelden können, um auf die neue Verfassung den Eid abzulegen. Rußland. Massenverhaftungen von Zionismen in Rußland. Jerusalem, 19. März. In Palästina sind soeben Nachrichten über eine neue Welle von Massenve.rhaftungen von Z i o nisten in der Sowjetunion eingetroffen. Gleichzeitig erfährt man, daß die Behandlung der bereits seit längerer Zeit in den, Gefängnissen in der Sowjetunion untergebrachten Ziqnisten verschärft worden ist. Personalien. Berlin, 10. März. Rosa Geis geb. Weinberg ist im 88. Lebensjahre plötzlich entschlafen. Sie hatte das Glück, bis zuletzt im Besitz ihrer geistigen und körperlichen Kraft und Gesundheit zu sein.! Mehr als vier Jahrzehnte standen sie und ihr Gemahl Anselm Geis innerhalb der assimilierten Magdeburger Judenheit einem Hause vor, in dem sie in treuer Gefolgschaft ihrer Elternhäuser in Gersfeld und in Rhina unsere heilige Thora zum Panier gemacht hatten. Der unseren Lesern wohlbekannte. Herr Saly Geis in Jerusalem betrauert seine Mutter. n-axw Hamburg, 20. März. In diesen Tagen begeht Herr Hauptlehrer Nathan Adler aus Ansbach,-Lehrer an der Adaß-Schule in Nürnberg, sein vierzigjähriges Amtsjubiläum, Herr Adler verkörpert den selbstbewußten, berufsstolzen, wissensreichen und gediegenen Lehrertyp in Bayern. Er ist ein, Burgpreppacher Kind und Schüler der dortigen ehemaligen Präparandenschule. Von einer kleinen Anfangsstelle abgesehen, wirkte er nur in größeren Orten, wie in Fürth (Vorschule der Israelitischen. Realschule), als staatlicher Volksschullehrer in Ansbach (1904—1924), nun seit 13 Jahren in Nürnberg. Wenn er auch seinem Lehramt stets seine ganze ungeteilte Kraft widmete, und jeden einzelnen seiner Schülerschar förderte, so fand er doch noch Zeit und Muße, der jüdischen pädagogischen Welt Werke von gediegenem Wert zu schenken. Hier sei nur an seine von Fachgenossen glänzend besprochenen hebräischen Buchstabenbilder (30 Steinzeichnungen für das hebräische Alphabet), an seine Jugendschriften: Aus den Tagen von Mordechai und Ester (nun vergriffen!), Josua, Jona, die Richter f/innert. Am bekanntesten ist wohl sein Schiurbucn, Niv Sefosajim (zwei Teile), in dem sich in glänzender Sprache, der Reichtum, jüdischer Gedankenwelt offenbart, und das zu einem unetnbehrlichen Hilfsmittel für,, unsere Kollegen wurde. Adlers Tätigkeit als Lehrer greift über die jüdische Schule hinaus. ,10 Jahre lang war er Lehrer an dergewerblichen Fortbildungsschule in Ansbach. Vielen Lesern der pädagogischen Beilage des „Israelit" sind seine gehaltvollen Aufsätze über Midraschim, Psalmen, Gebete und biblische Geschichten eine Möglichkeit fortbildender Tätigkeit. Sowohl als Schriftführer des Ansbacher Bezirkslehrervereins, alsauch als Schriftleiter auf der ehemaligen amtlichen Fortbilduhgskonferenz und als Referent bei der Tagung des Jüdischen Lehrervereins hat sich Adler einen guten Namen erworben. Mögen ihm noch angenehme Jahre verdienstvollen Wirkens ,in seinem jetzigen Kreise beschieden sein. Zum Schlüsse sei noch eine Erwartung ausgesprochen, die wir von seiner ausgezeichneten Feder erhoffen. Möge sich unser geschätzter Kollege aus seiner r segensreichen Dienstzeit, in der er für nichts anderes als für seine Schule zu haben ist, soviel Kraft und Lust erübrigen, uns die sehnlichst erwartete „Biblische Geschichte im ^Lichte des Midrasch für Familie und Schule" zu schenken. Bremen, 22. März. Am Rausch Chaudesch Nissan begeht n**s der zweite Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Nathan Grünberg, seinen 7 5. Geburtstag Er hat einen nicht unbeträchtlichen Anteil an dem Verdienst für die Aufrechterhaltung der religiösen Institutionen unserer Gemeinde im gesetzestreuen Geist, insbesondere des täglichen G'ttesdienstes," zu dessen treuesten Besuchern er zählt. Das Schriftwort; „Erkenne den G'tt Deines Vaters und diene ihm mit ganzem Herzen und mit williger Seele", ist die Richtschnur seines Lebens. Er steht überall mit Rat und Tat helfend zur Seite, wo es gilt, jüdische Pflicht zu erfüllen. Und ebenso wie" er, ist sein Haus ein Vorbild für unsere Gemeinde. In ihm hat er das Glück, die Verheißung erfüllt zu sehen: „Wenn Du kommst in mein Haus, komme auch ich in Dein Haus, spricht. G'tt". Möge er seine Rüstigkeit sich noch lange bewahren und weiter den Seinen und unserer Gemeinde zum Segen sein. »*yiay A. Vermischtes. Zeit und Ewigkeit im jüdischen Leben. Berlin, 20. März. Die Sinai-Lehrgänge der Agudas Jisroel Berlin hatten für ihren letzten religiösen Lehrvortrag ein rein philosophisches Thema gewählt und dazu konsequenterweise einen Redner gewonnen, der wohl als besonderer Vertreter der jüngeren rabbinischen und religionswissenschaftlerisch'en Generation in Deutschland gelten kann. „Zeit und Ewigkeit im jüdischen Leben" lautete das Thema, über das Seminarrabbi- . ner §, R, Weiß (Würzburg) vor einem vollbesetzten Hause in einstündigem Vortrag sprach. Wenn man einen Blick über das den Ausführungen gespannt lauschende Auditorium warf, so konnte man feststellen, daß es sich zum kleineren Teile aus Fachkreisen rekrutierte; der größere Teil war Laienpublikum, das sonst selten für solch wissenschaftlich-abstrakte Gebiete interessiert ist. Wie kam das? Wenn in heu« tiger Zeit über die Lernmüdigkeit des jüdischen Publikums allgemach geklagt wird, so sind wohl betrübliche Feststellungen solcher Art auf die Kreise zu beschränken, die aus Konjunktur in „Judentum" gemacht haben und daher weder stofflich noch methodisch befriedigt werden konnten, zumal sie häufig nicht den richtigen Anschluß an das richtige „Judentum" gefunden haben. Hier aber sah man eine Schicht unserer Gemeinschaft, die dem wahren Jude-Sein verbunden ist und der daher daran liegt, in einer Zeit wie heute auch den Dingen hinter und über dem Leben nachzugehen, die .als Prinzipien jeder Zeit und Realität gelten und daher für unsere Gegenwart der Sorgen und Nöte Abgeklärtheit und Trost vermitteln. Hatte daher der Fachmann eine erschöpfende und rein philosophische Erörterung erwartet,, so wird er nicht ganz befriedigt worden sein. Ich glaube die innere Einstellung und programmatische Voreingenommenheit des Redners so gesehen zu haben, daß er vor allem den Wünschen des Laienpublikums nachgehen wollte und daher eine durchgehende A bleitung seiner Thesen vermieden hat, um diese Thesen selbst eingehender und für das tägliche Leben anschaulicher darstellen zu können. * ~~ Nach einer No'minaldefinition der Begriffe „Zeit" und „Ewigkeit" wurde die Stellung des Judentums analysiert: das Judentum gehört zu den ewigkeitsbe- ' wußten und -bejahenden - Religionen. Doch trotz seines unerschütterlichen Glaubens an Aulom Habo bedeutet auch das Diesseits einen wichtigen Faktor seiner Position. Solche Doppelorientierung kann mir durchgehend gelingen, wenn ein tieferer Zusammenhang besteht. Zur Beantwortung dieses Problems würde der Frage nachgegangen, wie eine Schöpfung und ein Bestand des Zeitlichen gegenüber dem Ewigen nach unserer Auffassung eingesehen werden kann. Der Redner stützte sich auf den Taurohkommentar von S'fo'irno u, a., wenn er nachwies, daß die Schöpfung durch den Schöpfungsakt nicht losgelöst vom Schöpfer zu bestehen begann, wie es eine deistische Lehre wohl gern sehen würde, sondern daß die Schöpfung fest an den Schöpfer gekettet und mit ihm verbunden ist. So ist die Zeit ein Geschöpf und ebenfalls eine Emanation der Ewigkeit. Unsere Welt der Zeit und des Raumes ist somit keine Grenze der "Ewigkeit, sondern sie führt wieder in sie zurück, weil sie dem geschaffenen Menschen die Basis und Möglichkeit seines Lebens, seiner Betätigung bilden soll, um die religiöse Tat, die den Menschen der Ewigkeit zuführt, zu ermöglichen. So ist also die Zeit ein Mittel für den Zweck der Tat, bildet quasi den Rahmen dafür, und die Tat ist der wahre Zweck der Schöpfung, da sie aus dem Rahmen der Zeit wieder zur Ewigkeit zurückweist. So sind die religiösen Pflichten, die die ewigkeiterwirkende Tat bezwecken, nicht zufällig und darum unverbindlich. Die religiöse Tat ist vielmehr deshalb zu fordern, weil sich in der Offenbarung und Verkündung der Pflichten das Ewige im Zeitlichen manifestierte und daher jede Tat, die der geoffenbarten Forderung adäquat ist, dem Streben zum Ewigen gleichkommt und somit apodiktische Wirkung besitzt. — Solche Formulierung von Thesen muß wirkungsvoll sein und dem wissenschaftlich unverbildeten Menschen unserer Zeit nützen können. Daher ist der tiefe Eindruck, den die Ausführungen auf die Laienzuhörer machte, als Maßstab für ihre Qualität anzusehen. Bücherbesprechungen. Tomorrow's Bread von Beatrice B i s n o , The Jewish Publication Society1 of America, Philadelphia. 19 3 8. 326 S. Dieses preisgekrönte Buch gibt ein plastisches Bild des jüdischen Lebens in Amerika. Der Held der Erzählung kommt in jugendlichem Alter aus Rußland nach Amerika. Er ist Schneider von Beruf. Die schwierige soziale Lage seiner Arbeitsgefährten gibt ihm Anlaß, sich mit Arbeitsfragen zu beschäftigen. Allmählich findet er als Führer Anerkennung. Seinem glühenden Idealismus opfert er eigenen Wohlstand und Familienglück sowie das Wohl seiner Angehörigen. Die Enttäuschung über weniger idealistisch eingestellte Leidensgefährten und die Verkennung von Seiten der Mitkämpfer bleibt nicht aus und verbittert ihn. So endet sein Lebensweg schließlich in fast völliger Vereinsamung. Die Darstellung ist von seltener Eindringlichkeit Und packender Lebenswahrheit. Besonders interessant sind die Schilderungen des Lebens der zahlreichen ostjüdischen Schneiderfamilien. So sehr dieses von jüdischem Traditionsgut erfüllt ist, so zeigt es sich doch dem ungeheuer assimilierenden Einwirkungen der amerikanischen Umwelt nicht gewachsen. Es ist zu sehr milieubedingt.. Die ältere Generation ist nicht imstande, der nächsten den Weg zu weisen. Sie entgleitete ihr zwangsläufig und wächst ihr über den Kopf. Auch in dieser Hinsicht bietet das Buch einen wertvollen Beitrag für die Erkenntnis des jüdischen Lebens in Amerika. Sti- Sprechsaal. Jüdische Geschichte. Geehrte Redaktion! In Ihrer Nr. 9 bringen Sie meine Ausführungen über das Geschichtswerk von D u b n o w. Ich habe gezeigt, wie dieses Werk dort, wo es die Traditionen des Judentums berührt, eine falsche, von der antijüdischen Bibelkritik beeinflußte Auffassung gibt und so verheerend wirkt. Die Ereignisse des letzten Jahrzehnts haben zahlreiche jüdische Seelen für die Geschichte ihres Volkes aufgeschlossen, — und diese Menschen orientieren sich an Dubnow, Schon dieser furchtbaren Tatsache gegenüber bedeutet es eine schwere Unterlassungssünde, daß die traditionstreue Judenheit es Dr. Moses Auerbach (früher Dozent am Berliner Rabbinerseminar, jetzt Schuldirektor in Petach-Tikwah) nicht ermöglichte, das von ihm seit Jahren im Manuskript vorliegende Geschichtswerk herauszugeben. Ich appelliere an jeden Juden, der Verständnis für unsere in G'tfes Thora wurzelnden Traditionen hat, und der um die jüdische Zukunft sich seiner Verantwortlichkeit bewußt ist, nach Möglichkeit einen Beitrag zur Drucklegung der Auerbach'schen Arbeit zuv geben Im Interesse der heiligen Sache werde ich gern die Beiträge entgegennehmen. Saly Geis, Jerusalem, Keren Awraham, Owadjahstr. 28 Wochenkalender. Vom 26. Mära — 2. April 1938 / Vom Z3. Adar II — l. Ni san 5698 »Ol» *p nWn Samstag . Sonntag 26 27 23 24 TB V niEJ 'S •>3'>Jatt D3& nun )'3iaa Montag 28 * 25 n* _ Dienstag März TW 26 »■» Mittwoch 30 27 3 Donnerstag 31 28 KS \Op TiD3 DI' Freitag April 1 29 33 Samstag 2 Nissan 1 13 D'Jp snnn 'a nm naw