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Der Israelit · 1938-03-24 · Heft 12 (24.3.1938) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 12 (24.3.1938)
Date
1938-03-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 12 Der Israelit 24. März 1938 weckt, aber schlug nicht die Wege ein, auf die der g'ttliche Finger in all den Wandelgeschicken deutlich wies. Man wandte sich in den zunächst nicht allzügroßen Kreisen der „Erwachten" von der individuellen Assimilation ab und baute ein System der kollektiven und der nationalen Assimilation auf, ein System, von dem ein Späterer (Franz Rosenzweig) zurückblickend und zusammenfassend sagte: „Der Zionismus, genialer Diagnostiker, aber sehr mittelmäßiger Behandler, hat das Uebel erkannt, aber die falsche Therapie angegeben" (Zweistromenlarid). Es gab Andere, die fiüher schon die falschen Wege und Methoden dieser aus der Enttäuschung über zerronnene Träume hervorgegangenen Bewegung erkannten. Vor allem unser Nathan Birnbaum, der seine prophetische Warnungsstimme schon zu einer Zeit erhob, als er vorerst nur das Negative an der Sache erkannte und die echt jüdischen Ziele, die er in späteren Jahren klar vor Augen hatte, im Unterbewußtsein nur ahnte. Es wäre aber verfehlt, wollte man glauben, daß in Wien einer Assimilation bis zur Selbstaufgabe nur ein Nationaljudentum entgegenstehe und neben jener ausschließlich jüdischnationales Empfinden die jüdischen Menschen und Herzen beherrsche. Es gibt dazwischen in der Wiener Judenstadt gesetzestreue Massen, die in breitem Strome fließendes geistiges Leben produzieren. Kaum in einer anderen .Stadt Europas, vielleicht mit Ausnahme Warschaus, haben die Ideen und Ziele der A g u das Jisroel so festen Boden gefaßt wie in Wien. Wer das rauschende, kraftvolle, bis in die tiefe Nacht - hinein dauernde Leben in den Agudaheiraen der Leopoldsstadt einmal ge sehen hat, wer je eine von tausend Menschen besuchte Agu da Versammlung miterlebt hat, weiß, wie viel wir in der organisatorischen und ideologischen Arbeit der in der Agudas Jisroel or ganisierten Gesetzestreue von diesem Boden, von dieser Jugend, erwarten dürfen. In der Stadt der stärksten Assimilation, in der Stadt des unter der Devise der „Privatsachenreligion" proklamierten Nationaljudentums scheint - uns eine g'ttliche Fügung wieder etwas gutmachen zu wollen. Und nun? Wie die weitere Entwicklung der Dinge vor sich gehen wird, vorauszusagen, ist verfrüht. Wir haben in der jüngsten Nummer nur kurz angedeutet, welche neuen Probleme bei einer Zusammenlegung der jüdischen Kräfte und Interessen den jüdischen Wohlfahrtsorganisationen und Auswandererfürsorgestellen in Deutschland entstehen werden. Ueber all diese Dinge zu sprechen, geht heute nicht an. Es ist aber ratsam, in Anbetracht der neuen Sachlage ein klares Bild über die Lage unserer Brüder, die nun auch unsere engeren Landsleute sind, zu gewinnen. Dieses Bild zu geben, war der Zweck dieser Zusammenstellung. Wochenrundschau, Eine bessere Schedule ist noch keine gute. — Verschlechterung des Teilungsprojektes? — Und das zionistische A, C. in London?—Hilfe an die richtige Adresse. — Zwischen Wilna und Kowno. Noch vor Veröffentlichung der neuen Schedule erklärte Weizmann auf einem Empfange in London die gegenwärtige Einwanderungspolitik der Regierung für willkürlich und gänzlich ungerechtfertigt. Der Peel-Bericht sah bekanntlich eine Einschränkung der Einwanderung und" des Bodenkaufs nur für den Fall vor, daß der Teilungsplan nicht verwirklicht wird. Während man sich aber jetzt anschickt, die Teilung durchzuführen, schränkt man auf der anderen Seite die Einwanderung immer mehr ein. Die inzwischen bekanntgegebene -neue Schedule gibt Weizmann im allgemeinen recht. Trotzdem weist sie mit der Erleichterung für die Kapitalisteneinwanderung und der "Möglichkeit für die Einwanderer, ihre Familien mitzubringen, eine gewisse Verbesserung im Vergleich zum vorigen Halbjahre auf, die hoffentlich auch voll ausgenutzt werden kann. _ ■ * * * Sollte es aber zutreffen, was Mr. H. A. Goodman, nach einer ihm gewordenen persönlichen Information, mitteilte, daß eine weitere Einschränkung des den Juden als Staat zugedachten Areals ins Auge gefaßt sei und daß die neue Kommission die Aufgabe habe, diese neuen Verschlechterten Grenzen zu bestimmen, dann würde sich für uns eine Situation ergeben, die die alten Lehrer mit D'^saa bezeichnen: Eine Zerstückelung unseres Erez Israel in noch ungünstigerem Maße, als erst geplant, steht bevor und dabei wird die Methode der Abriegelung des Landes für die jüdische Einwanderung, wie sie nur für die- Nichtdurchführung des Planes vorgesehen war, zum Teil bereits angewandt. Und all das zu einer Zeit, da sich die jüdische Lage in der Welt mit jedem Tage mehr zuspitzt. _ Man darf doch annehmen, daß in den englischen Parlamenten, in denen heute so viel über Prestigefragen gesprochen wird, sich noch Mähner finden, die es auch als eine Prestigesache für das englische Imperium erachten, gegenüber dem jüdischen Volke und- Erez Israel übernommene Pflichten zu erfüllen. v Inzwischen hat das zionistische A. C. in seiner in London zu Ende gegangenen Tagung zur P alas,tinafrage gesprochen. Zwischen Weizmann, der die Teilung akzeptiert und U s - sischkin, der ein lautes, . glattes, bedingungsloses Nein spricht, bewegt sich das bunte Heer derer, die die Teilungsvorschläge unter diesen und jenen Vorbehalten und Bedingungen annehmen möchten. Trotzdem kam ein einmütiger Beschluß zustande, der sich allerdings zunächst nur auf die Bereitschaft aller zionistischen Gruppen zu harmonischer und einheitlicher Zusammenarbeit beschränkt. Der Zusammenstoß der scharfen Gegensätze wird durch eine äußerst vorsichtige Formulierung gemildert. So erklärt das Aktions-Komitee in der Resolution (in diesem Teile vielleicht auch nicht einmal einmütig), daß „sowohl die Anhänger als auch die Gegner der politischen Resolution des letzten Zionistenkongresses sich unzweideutig jedem Versuch widersetzen, die Juden auf die Stellung einer Minderheit in Palästina zu beschränken, ebenso jeder Aktion der Gegner des Zionismus, die gegen das Prinzip eines jüdischen Staates in Palästina gerichtet ist." Damit wurde eine Fläche gesucht und gefunden, auf der es von ■ vornherein so gut wie gar keine Reibungen gab. Ob sich aber alle hinter der Mauer des A. C. lauschenden Zionisten mit dieser für den Teilungsplan und die neuen Versuche zur Einschränkung dieses Planes so gut wie nichts besagenden Entschließung zufrieden geben werden, ist eine andere Frage. (Siehe auch Seite 2.) * * * Wir lesen im Organe der Jüdischen Staatspartei „Das Jüdische Volk" u. ä.: „Zahllos sind in diesen Tagen die jüdischen Menschen, die vor den Toren, jüdischer Äuswandefungsinstitutionen stehen. So, groß ist der Ansturm, daß mit Sicherheit gesagt werden muß, daß nur ein Teil der Rat und Hilfe Suchenden zur alsbladigen Auswanderung gelangen kann. Wer aber sollen diejenigen sein, denen zunächst egholfen werden muß? Sicherlich muß hier eine Sichtung eintreten und zweifellos werden jene Elemente bevorzugt zur Auswanderung gebracht werden können, bei denen eine Reihe von Umständen (Dringlichkeit, verwandtschaftliche Anforderung, berufliche Qualifikation usw.) dies rechtfertigen. Uns 'scheint ein derartiges Auslesesystem nicht zu genügen, weil die Auswanderungspraxis zur Evidenz bewiesen hat, daß in nicht wenigen Fällen mit den Geldern der jüdischen Öffentlichkeit Menschen ins Ausland gebracht wurden, die zum Judentum nicht die geringste innere Beziehung hatten, und die irgendwo in der Welt angelangt (nach Ausnutzung jüdischer Hilfskomitees versteht sich), nichts eiligeres' zu tun hatten, als ihre jüdische Firma zu tarnen oder gar zu löschen." # Das Blatt weiß, daß es nicht möglich ist, ins Innerste eines Menschen zu sehen, um seine letzte ehrliche Einstellung zur jüdischen Gemeinschaft festzustellen, fordert aber, daß nur denen Auswande- IkfeBBBMF y ^äsE'^ Die Mischnah als Mussarbuch. Von Rabbiner Dr. Ansbacher in Wiesbaden. Wir haben vor einiger Zeit an dieser Stelle an mannigfachen Beispielen gezeigt, wie wir selbst in den scheinbar fernliegenden Themen unserer Mischnah Worte des Mussar finden können, so daß ein täglicher Mischnah-Schiur, entsprechend verwertet, zu einem fruchtbaren Mussar-Schiur werden kann Das dankbare Echo, das jene Ausführungen in manchen Kreisen gefunden, veranlaßt uns, im Folgenden einige weitere Proben aus den verschiedenen *no mtpa zu geben. 1. ksr>sn «aa letzte Mischnah: ir i"9 v nna ->nv „Zwei Gärten liegen übereinander, auf der senkrechten Bösohunjf, die beide verbindet, wächst. Gras oder anderes. Es ist nun die Frage, wem ist dies, zuzusprechen, dem Besitzer des oberen, oder dem des unteren Gartens? Rabbi Meir sagt, dem ers.teren, denn er hätte ja das Recht, das Erdreich seines Besitzes abzutragen, somit hat er darauf Anspruch. Rabbi Jehuda sagt; Dem letzteren. Er könnte ja sein Grundstück mit Humus auffüllen; also ist die Fläche an der Böschung durch seine Zulassung entstanden, somit gehört ihm das Produkt auf derselben. Rabbi Schimeon gibt eine vermittelnde Ansicht: Soweit der Obere seine Hand ausstrecken kann, gehört es ihm, das Uebrige dem Unteren." Scheinbar eine nicht sehrhäufig eintretende juristische Frage, aber als Mussar sehr beachtenswert. Wir Sehen hieraus, daß alle Tanaim darüber einig sind: wenn ich etwas tun könnte und unterlasse es, so folgt mir daraus ein gewisser Anspruch, um so mehr aber eine gewisse Ve-r pflichtung und Verantwortung. Ist dies nicht das bekannte Wort: nma «'«i n-naV iva w>v bs- Wer gegen einen ungesetzlichen Zustand einschreiten könnte und unterläßt es, trägt dafür die Verantwortung, wie das bekannte Beispiel in unserer Mischnah: die Kuh Rabbi Eleasar b. Asarja's sei gegen des Willens der D'aan mit einem als Last betrachteten Riemen am r-iaw gegangen, wozu die Ueberlieferung: Es wäre nicht seine eigene gewesen, Sondern die seiner Nachbarin, weil er es eben geduldet, wird sein Name dafür genannt. Und ebenso unbestreitbar ist die Ansicht Rabbi Schimeons: So weit seine Hand und Macht reicht, hat jeder einzugreifen, soweit reicht sein Anspruch und um so mehr seine Verantwortung. 2. Pirke Owaus 5, 10 ">bv mn?n „Wer sagt, das Meinige sei mein, das Deinige dein, steht auf der mittelmäßig Sittlichen Stufe, ono nna-lr*i einige sagen aber, es ist Sodoms Art". Es ist die alte Frage: Wie kann Sodoms Denkart, die doch sprichwörtlich schlecht war und den Untergang der Stadt herbeiführte, von der ersten Ansicht als nnira bezeichnet werden und nicht unter die Klasse des Roscho fallen? ... Zur Antwort diene vielleicht folgendes, Es, könnte sich jemand von der Pflicht der Zedokoh mit der Scheinbegründung freizumachen versuchen, es sei ihm das Vermögen von »"n anvertraut und er müsse es gewissenhaft verwalten, und könnte dann sagen •>Vl? Nun aber ist doch »*n in seiner Güte Q^n pin, der „den Armen selbst versorgt, der Vater "der Waisen und Anwalt der Witwen", somit überträgt er gleichsam seine Verpflichtung an diejenigen, denen er Vermögen zur Verteilung gibt. Dieses Prinzip der Schuldübertragung kennt der Talmud unter dem Ausdruck ]ru n Ktiaytf, da von jenem Tanna dieser Grundsatz aufgestellt wird. D'-ibis w ist in der Mischnah bekanntlich R. Noson, so erkennen die K"* diese Ausflucht flicht an und nennen es daher □no '»• 3. Sewochin 9, 1: .Bnpa nar»n. Der Altar macht dasjenige heilig, daß es nicht mehr herabgenommen werden darf, was auf ihn kommen dürfte, wenn es nicht durch besondere Umstände einen Pesul erhalten hätte. Hierüber bestehen zwei Ansichten: Rabbi Josua sagt: etstnV »ifcm Vs was verbrennen leann, wird vrp. Rabbi Gamliel sagt; nar»*» »unfi *3 was auf den Altar kommt". Die praktische Differenz zwischen beiden Ansichten ist: Nach Rabbi J. nur Fleisch und Fett, die verbrennen; können, nicht aber Flüssigkeiten, wie Blut und Weinopfer, nach Rabbi G. auch letztere. Wir haben als Ersatz für das Korbon nur. die Tefilloh, iSTiB«? D">"*a '»^>»sv Somit steht unser ömud, der Betpult, an Stelle des Altars; Auch an dieser heiligen Stelle kann nur von Keduschoh erfaßt wer-, , den und erst recht nur «npö sein, andere dazu erheben, der -181 durcÄ seine sittliche und religiöse Führung dafür geeignet ist. w Ueber die Art der Tefilloh bestehen von je zwei Auffassungen: die einen, die durch lebhaftes Temperament, starke Bewegung nr>»Kn vi»s»>3 Begeisterung. ftisnbm, zu wecken sich.bemühen, wie es.xler ostjtidischen Art insbesondere entspricht. Andere,- im Le-

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