Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1938)
- Date
- 1938-03-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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^y^^^^ft^r^^^PIJ^^^1^^^^^. ^^?^m^^SE Seite 6..Nr. 11 Der I s r a» e I i t 8*7i' März 1038 man unter Tränen. Mit solchen. Petitionen, konnte man beweisen, daß die Juden selbst die Schließung der Synagogen gewünscht hätten. Darunter leiden am meisten die unzähligen älteren Juden, diö aus der .kleinem Provinz nach Kieyr. eingewandert sind und im Stadtteil Podol - ihren Wohnsitz genommen haben. . Wenn es früher hieß, bei solchen Maßnahmen werden Unterschiede zwischen den Konfessionen nicht gcftiachtj, so sei doch jetzt:..zu; konstatieren, daß die - 'rechtgläubige * russische Gemeinde 'sogar noch in diesem jüdischen Stadtteil einige Kirchen besitzt, die 2QÖ.00Q Juden hätten aber „kein Bedürfnis nach einem G tteshause" gezeigt. In Kiew gibt es zur Zeit keinen einzigen offiziellen Rabbiher Während man selbst im jüdischen, Teile der Stadt russischen; .Geistlichen auf Schritt , und Tritt begegnet. Alls Kuriosa muß noch berichtet werden, daß am letzten Sukkothf este Tausende Juden über einen einzigen Esrog den Segen sprachen. Es kamen wohl Dutzende Esrogim von Verwandten in Erez Israel an. Die findige Post konnte es abe£ so einrichten, daß die Adressaten die goldene* Frucht einen Tag nach Suk~ koth pünktlich zugestellt bekamen. Zufällig" brachte eine Touristin von Erez Israel ein Esrog mit, Luläw und Myrthen konnte man von vorigem Jahre her haben. Als dieses im Judenviertel bekannt wurde, belagerten an allen Tagen des Festes Hunderte das „gebenschte" Haus. Wie der Esrog nach den Feiertagen aussah, kann man sich wohl denken, aber wohl selten hat man Menschen gesehen, die mit solcher Freude ein G'ttesgebot erfüllten. Ein Drang und eine Sehnsucht nach Religion ist in Kiew, wie überall : in Rußland, in allen jüdischen Kreisen zu beobachten. Die meisten verzichten auf den Fleischgenuß, weil Koscherrindfleisch nicht zu haben .ist. Dagegen wird von der Macht das Geflügelschächten geduldet, sogar gefördert, weil Hühner- und Gänse federn einen ausgiebigen Exportartikel bilden. In . vielen Schächthäusern walten Schochtim zum Teile fromme, zuverlässige Männer, die volles Vertrauen genießen, ihres Amtes. Das Ge Hügel muß an Ort und Stelle gerupft werden und die Federn gehören dem Fiskus. Die .Glücklichen, die das Geld dafür aufbringen, können sich zu Sabbat und Feiertagen Geflügel leisten, es sind aber nur Wenige, die von diesem Rechte Ge brauch machen können. -Große. Seelenpein .wird, durch den Mangel an j ü d i sehen Kalendern verursacht. Viele wissen nicht, wann Sabbat und'Feiertag ist und keiner kann ohne weiteres die Jahrzeitstage für seine Eltern bestimmen,. Auf der Gasse, im Büro und in der Arbeitsstätte gilt die Fünftagewoche, auf die ein Ruhetag folgt, egal welcher WöcKental es sei. In den kleinen, im Versteck von .Hinterhöfen noch bestehenden Klatfsen und Lehrhäüsern sind aber immer noch Märf£ ner da, die entweder irgendwie in .den JBesi^r eines Luachi. gekommen sind öder das jüdische- Kalendarium treulich im Kopfe haben und hüv ten. Dorthin begibt man sich, um zu erfahren* wann wieder ein.Fest sei oder an welchem TagS ' - '■■ :x - -.Ii man-Jahrzeit zu halten1 habe?; - \ Man sieht, ini diesen kleinen; j£Jäüsgn, täjglicji: auffallend viele Lichter brennen. Sie stammen von vArbeite«!, denen nicht erlaubt wird, sofern ihr^\Jahrzeitstag^ auf einen Werktag fällig di& Arbeitsstätte zu verlassen. Das Licht soll Ersatz i,ür Kaäaisch seih..; :/';:;tu^ | f Die? '.jiddische ..Sprafift'^ CfePJuM 4engässe so gut wie gar nicht; mehp; . Die -KindeTj besuchen russische :bde'F ukrainische Schulen unet assimilieren^s:ich, in ^iflängelüiig. vön^dischelf Belehrung, sehr r^scH.'' Öie jünge Generatiofi liat sich in die /ittü^s^iie'-^hhzjMneingelehl; Und wäre restlos zufrieden,, würden"-sich nich| auch /in* dieser ^tmösphär^^starke; antjsemi-i: tische Strömungen bemerkbar machen. Die! Ukrainer aüs der Vorkriegszeit sind samt un| sonders judenfeindlich-, gestimmt, ...weil,sie^de.^ inneren Haß gegen die Sowjetmacht, ^nach dem Gesetze des „geringsten Widerstandes, am billigsten gegen (die Juden abladen können. ■ Zwischen Sowjetnjacht und ukrainischer Bevölkerung vegetiert eine' jüdische Zweihundertfausendgerheihde, hät Ahteil an der ^allgemeine^ Not und erlebt noch $azu ihre eigene jüdische Tragödie/ ■■ 'Und in M o s k a u und anderen Städten Sowjetrüßiänds; ist es nicht anders. -: -•: .. ■ '-:-ä: - ni >i Korrespondenzen. Deutsches Reich. „Fünf Jahre Hilfe und Aufbau". BLe. r 1 i n , 12. März. Der Vorsitzende der Agudas Jisroel Ortsgruppe Berlin, Herr Jacob Levy, schreibt: . „Wenn Dein Bruder in Not gerät, gewähre ihm Halt". (III. B. Mos., 25, 35) „Hilfe"! „Sorge für Leben und Existenz Deines Bruders neben Dir" (III.: B. Mos., 25, 36) „Aufbau"! Wem an der Verwirklichung dieser Thoraworte gelegen ist, wird dankbar sein den Männern und Frauen, die -in den vergangenen Jahren unter der Devise „Hilfe und Aufbau" Großes geleistet haben Er wird wünschen, daß sie angesichts ' der immer gewaltiger anwachsenden Aufgaben, in den kommen den Jahren das begonnene Werk festigen und auf bauen mögen — gemäß dem Worte der Thora! Aus der Sitzung der Repräsentanten- Versammlung. Berlin, 10, März Die Beratung der. Frage wegen Herbeiführung einer engeren Zusammenarbeit zwischen - Gemeindevorstand und Repräsentanten-Versammlung wird, nach dem vom Gemeindevorstand Direktor Stahl die Ein setzung eines aus neun Mitgliedern, bestehenden Aeltesten-Ausschusses vorgeschlagen hatt >auf- Antr» Marcus vertagt. > J v.;s. ) Die Versammlung beschließt, die Bildung, eines Wohlfahrt 'S- und J u g e n:d p f I . e g.e - Ausschusses, in beide Ausschüsse-jiwurd« ein Teil der Mitglieder bereits gewählt. . ■> i>.. Eine längere Erörterung entsteht beigem Antrage des Gemeindevorstandes, § 9 des G^meindestatuts dahin zu ändern, daß die Steuerpflicht9bis. zum letzten Tage desjenigen Monats dauere solL; in. welchem ein Gemeindemitglied verstirbt oder seinen Wohnsitz im. Gemeindebezirk aufgibt. Mijglied^r, die iheen Wohnsitz in das. Ausland verlegen^ blftiben bis zum Ablauf des Verwaltungsjahres und^. wennder-Wohnsitz im letzten Vierteljahre des Verjgaltungsjahres verlegt wird, bis zum Ablauf . der( erstem Hälfte des folgenden Verwaltungsjahres beitragspflichtig. Durch diese Neuregelung . soll die Möglichkeit geschaffen werden, in .einem .gewissen Um|4ngeß die auswandernden Gemeindemitglieder für eine begrenzte Zeit zu den Lasten der -Gemeinde heranzuziehen. Nachdem mehrere Redner für die Annahme des Antrages gesprochen hatten, wird in der Abstimmung die Vorlage des Gemeindevorstandes einstimmig in der ersten und zweiten Lesung aufgenommen, Es wird weiter : eine aus der Mitte der Versammlung ergangene Anregung angekommen, in welcher -der Gemeindevqrstand^ gebeten wird, ein Regulativ für die Handhabung, der. durch die Statuten-Aenderuni* erforderlichen Maßnahmen^^ufzustellen. ' ,;Entsprechend einem j&trage.:„,wird^ 'beschlossenr der Gesellschaft „ORT" zwecks handwerkliche^ .Ausbildung von jungen, für die' Auswanderung bestimmten Leuten einen Betrag von RM. 10.000 zu bewilligen . v - .: : _ . . . . " Holland,!'; '.' Jüdische HÜlsarbeit in Amsterdam. S'1'"; i.-.. . .-i-nin;- ob .....\n£'\ \;.-.. .jf.r '...r-:-r. o-.i .A,mcs t e r d, a m,, 15,JM-ärz. •n:»Aus ..dem.-' letzten.sJ> a h,5«;s bejr^ch t^-des^A m.r. sterd a.m e r H i 1 ojnitee sy-geht, hervor^ daß die Zahl der . au.s..-JDeuts((hlän4- ^On^enen^J/udeil stetig'i.ansteigt. Diet(Zahl deqehige)^ dift. sich a$i da£ Komitee, um Unterstützung,., wandten,, betrug im0 Jahij?, 1935 nur--547, im Jahre 1^36. waren es 1110 und im Jahre 1937 stieg die:: Zahl;£uf 1395. Im Anfang./ des Jahres 1937: waren 654 Personen vöjlig vom Komitee" abhängig, d. h. dem Komitee lag^ die Sorge für Wph"; nung. Essen, Kleidung-und' Taschengeld ob. Am. EiiAe des Jahres 1937 beirug die ZähJ|,dieser Vollunter-, stützten 802, während außerdem 5229 .Perspneii? Ein-- zelunterstützungen erhielten. 26>; jünge' teute > würden auf Kosten , des Komitees im Wiexinger Meer und 15 in der „Deventer Vereeniging" i;ausgebildet;vr Außerordentliche Summen werden stetsv;<nioch für^die Auswanderung nach Uebersee ausgegebönj Im :Jahre; 1933 gingen 1064 Einwanderer aus uMpJläTid an :airüere europäische Länder (mit völligem ü -oder teilweisem Reisezuschuß), jim Jahre 1937 "waren^es; nur .nocbs öS, die in ränderen Teilen Europas eine Unterkünft'fanden. Dagegen stieg die-Zahl der nach Uebersee wandernden von 175 auf 332. im Berichtsjahre, wovon .88 nach Argentinien, 80 nach Nordamerilfa.^öljmach Palästina, 34 nach Australien und äe^ Rest rna"cl^, 14 anderert: Länderngingen. In diesen Fällen sorgt das Komitee meist nicht nur für Visa und Fahrgeld, in den meisten Fällen werden die Auswandernden auch noch vollkommen neu eingekleidet; _ Die Aufbringung der Mittel stößt natürlich v auf immer größerer Schwierigkeiten, und es .ist geradezu ein Wunder, daß -diese Beträge von dec verhältnismäßig kleinen Gruppe des holländischen Judentums immer noch aufgebracht-werden können; Im Augenblick arbeitet man sehr aktiv an Sammelaktionen außerhalb Amsterdams, um auch die jüdischen Gemeinden, in denen , keine Unterstützten leben, zur Hilfe heranzuziehen. "Im' Jahre 1937 sind in Holland rund 325 000 Gulden für das Komitee gegeben worden (1936 nur 285 000), wozu noch .150^00 Gülden vom Joint und 56 000 Gulden von der Hicem komirten.. Polen. Kundgebung Warschauer Studenten. Warschau, 10. März. Eine Kundgebung der Warschauer Studenten gegen den Kommunismus' baute sich unter der Hand zu einer Kundgebung gegen die Juden aus. Die Redner bezeichneten den Kommunismus als eine jüdische Angelegenheit. Dabei ist zu bemerken, daß der Moskauer Prozeß selbst die bündistischen Kreise gegen den Bolschewismus gestimmt hat. Für-die breiten Schichten der Warschauer und polnischen Juden sind Kommunismus und Bblschewismus Schreckensworte. " Die Schechita in Wärschau, _ . . . Warschau, 15. März. Die Beratung, des dem Sejm vorgelegten Antrages, der auf ein vollständiges Verbot der/Schechita ausgeht, .wurde auf. unbestimmte.. Zeit verschöben. ■' - ■ - - '' ■ . v; ,.u'- Die Pröpagähda iür den Sabbat in Polen. . , .... W i 1 ü 14. MärZ. .--;-Der .-Wilnae^ „S.chonjre Sch.abbat-Verein',' hat mit gr.ößem Schneid eine P r q p a g a n d.a w o 9 h e f ür den .Sabbat veranstaltet. Mit, Plakaten in den .Synagogen iiund im orthodoxen Organe,- „Das ..Wort'1 wurdenalle Herzen. fiir; .das.-heilige Kleinod des Sabbat aufgewühlt. Dutzende.-von ßriefen ergingen an Ka.ufl,e.ute ■ und,. Industrielle, mit Bitten, Warnungen und lilahnungen, die Sabbatarbeit einzustellen,' auch je^e jVjqranla^sung zu eir^er Sabbatschänd'un^ ,im Betriebe zu unterlassen. Rabbiner und Redner traten in Synagogen und Vortragssälen mit flammenden Rieden für raii Sabbat hervor, und" in einer Massenversammlurig1 würde" die große Menge zum Schütze des Sabbat ' Suigeriifen. Das /Erfreuliche an die'r Sache "ist, daß yfeie der Angerufenen sich von der 'öffentlichen MeinTihg und ihrem eigeiien Gewissen d'azu: bewegen lieBenj sich durch schriftliche Erklärungen zur: strengen Einhaltung der Sabbätheiligung zu verpflichten. In der ganzen Provinz ging eine ähnliche Aktion vor sich und brachte den gleichen Erfolg. In Wilna wurde "ein. >Kömitee* gegründet, das-osich f^aus allen. Synagogen und . Bethä.usern zusammensetzt, um für den Schutz ,des Sabbat tätig zu sein. , Auch in den!5p)iulen ,^ing; eine Bewegung für de'Ä Säbbat vor sich und führte.^ zur Gründung eines S6hülerlcöhfö°e'eä~:Fintel;- dem Nämetf'; „Moazäth rlanoar' lemaäm Häschäbbat." . ' ' J ' ' ."" '" ' v ' ' ' ' > ■ '•< ' ■< '■ '* ■ •' ■'■ ■ ' "> ' ■ -i : . . /! lish; \ä: f ,; . Litauen. Jüdische Kaufleute niachen der litauischen , Armee ein Geschenk.;r,^/!: -. . u : K o w n.01 ,s 10. M'äräj' Die- J.ü:.^:i s.:clh.e;nJrF,r o n,t k ä m-p f e> in Lit^ue.n rüsten siph -zu einem7grqßen, Feste-JV Im. kommeri<Ien Sommer, - werden: es fünf Jabie s^n, daß ,de,r ./.Ju^ dische Fr.ontkämpf'e]rbünd.v gegrsüdet/nwurde,,." und [dfß~ ser Anlaß..§ffll benutzt.,,w.erden, um.^.deif litauisc|ie'n OeffentiLciik.eit\ noch^eihm^l (den jüdischen Anteil an dem AufbavL v. der r hta^isch^n ".R^'ujjKk', wirksaÄ^:;I^! Erinnerung zu rufen. Es;werden auch Gaste';; äus ah; deren Ländern, auch aus England"; und Amerika,' |er-' wartet. Di.e; jüdischen Kaufleute ^h'abeh" aus 'ditesenir Anlaß »eine '\Sammelaktion,': eingeUft'ct und ' werden der litauischen Armee'ein Geschenk von lÖö;oöpJ"Iiit . , .Ii- : ■:- :,.!> uoerr eichen.