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Der Israelit · 1938-03-17 · Heft 11 (17.3.1938) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 11 (17.3.1938)
Date
1938-03-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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17.-März 193S De r Is r a e 1 i t Nr. 11 Seite 5 Die Thora uns und den kommenden Geschlechtern zu erhalten, ist die unabweisbare Pflicht eines jeden Juden! Kennst Du nicht selbst durch „Lernen und Lehren" diese Pflicht erfüllen, so verhelfe wenigstens anderen dazu. Stütze und fördere den KE REN H ATO RAH! ■ ■ ' Keren Hatorah, Hamburg, Heinrich Barthstraße 21,Postscheckkonto: Hamburg 24753 träger zu erachten, wenn es sich erweist, daß sie ihr nur Lippenwort ist, hinter dem kein Wille zur Tat steht, t Sie harren schon allzulange. Seit Jahr und Tag sehen sie die Schulen des Keren Hajischuw in Ermangelung regelmäßig fließender Einnahmequellen nur noch durch die schier unerschöpfliche Geduld der -Lehrer fortbestehen, sehen sie die Arbeits vermittler der Ortsgruppen völlig in Schulden versunken, sehen die Unmöglichkeit der Schaffung produktiver Genossenschaften," das Stocken des Aufbauwerks in Machane Israel, die Bedrängnis der Ribbuzim, und ziehen aus all dem den Schluß, daß die Führer der Aguda am Ende gar rifcht imstande sind, .den Weg zum Herzen der Weltorthodoxie zu finden, sie aufzurütteln, sie zu "warnen, solange es noch Zeit ist, ihr klar zu machen, wie groß der Einsatz ist, der im Heiligen Lande auf dem Spiele steht, welche unabsehbaren Folgen ein Versagen gerade dort nach sich ziehen muß, welch unabsehbare Stärkung, ein Erfolg gerade dort für die Gola bedeuten würde —: nicht die Weltorthodoxie, sondern die Aguda machen sie verantwortlich und gegen sie richtet sich ihre immer drängendere Frage: Wie lange noch? In schwerer Zeit zogen wir hinaus. Die ,,Prosperity" ist vorbei. An ihrer Stelle die wirtschaftliche und politische Krise, die einstweilige faktische Einschränkung der Alija, verbunden mit immer fortschreitendem Zwang jüdischer Massen, ihr Aufenthaltsland zu wechseln. Immer klarer stellte es sich heraus, daß uns das Heilige Land nicht als. müheloses Geschenk zufällt, -daß wir es vielmehr unter tausend Schmerzen und nervenzerrüttenden Wechselfällen uns erringen müssen. Den Blick unverrückbar aufs Heilige Land gerichtet, müssen wir auch noch auf weitere Zwischenstationen bedacht sein, die den Kreis der Zerstreuten erweitern. Schon einmal zogen wir auf Umwegen ins Heilige Land. — Wird die Gola den Sinn des Geschehens begreifen? Wird sie zeigen, daß das Heilige Land kein Asyl unter Asylen, sondern das von G'tt gesetzte Ziel der Galuth ist, zu dein hin alles sich entwickelt, was wir geschichtlich erleben und erleiden? Kleines Feuilleton. Kinder spielen biblische Geschichte. Ein vortreffliches Bilderbuch in bunten Farben «mpfieklt uns der Jüdische Frauenbundr'Es ist hergestellt von Edith Samuel und liebevoll vom Jüdischen Verlag Joseph Jastrow, Berlin W. 15, herausgegeben. Kinder von 5 bis 10 Jahren lernen aus dem Buche an anschaulichen Bildern, wie sie die Regenzeit im Hause verbringen, Langeweile und Unarten vertreiben und zugleich Anschauungsunterricht in Bibel sich selber geben, von der Arche Noahs "bis zum Auszug aus Aegypten. Die Bilder sind in ihrer Buntfarbigkeitsehr anschaulich und einprägsam. Wochenkalender. Vom 19. —26. März 1938 ' Vom 16. — 23 AHar II 5698 1 - ■>»v> 1\1 n^'yn Samstag 19| 16 ü Sonntag 20 19 ■> Montag 21, 18 fc' 'Dienstag März 22 •*n« 19 a1 Mittwoch 23 20 'V Donnerstag 24 21;v Freitag 25 22 w Samstag 26 23 10 nposn w na» ms 's »ra» tav vtnn piaa Nach Litauen und Lettland, nach Ungarn und der Slovakei, aber auch nach den Ländern des Westens, nach der Schweiz, nach Belgien, Holland und England, wohl auch nach Frankreich sind wir unterwegs. Ueberall hin dringt der Ruf des Keren Hajischuw. Und überall, trotz der besonderen Lage, findet er wärmste Aufnahme. Immer klarer wird es uns: die Agudisten des Heiligen Landes haben Recht: nicht die Weltorthodoxie trägt die Schuld, wenn bis jetzt der Keren Hajischuw seinen Aufgaben nur im bescheidenen Ausmaße gerecht werden konnte. Wir brauchen Geld. Abel* nicht an Geldgebern fehlt es uns, sondern an Geldnehmern. Die Weltorthodoxie ist arm. Um so notwendiger bedarf sie der O rja nisation, die die kleinen Kräfte sammelt und aus ihrer Einheit die Leistung erstehen läßt. Jahre schwerster Versäumnis liegen hinter uns. Indes die Agudisten des Heiligen Landes warteten und harrten, verrichteten wir nur Gelegenheitsarbeit und waren kaum darauf bedacht, um das Heilige Land der Gegenwart und Zukunft in planmäßigem Fortschritt als Bau der Aguda zu errichten. Und dennoch ist die Sprache, die vom Heiligen Lande spricht, wohl die einzige Sprache, die von allen, sonst so vielgestaltigen, Ländern der Aguda einheitlich verstanden wird. In ihren politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen grundverschieden, in ihren Erziehungsidealen durchaus eigengeartet: hören sie die Kunde von den wundersamen Möglichkeiten, die gerade in unseren Tagen bestehen, im Heiligen Lande der Thora Lehre und Leben unterzuordnen und durch Lehre, Wirtschaft, Kultur der Thora vor den Augen der Völker den Namen G'ttes zu heiligen, läßt man sie den geschichtlichen Zusammenhang ahnen, in dem diese Möglichkeiten mit den wachsenden Gefahren der Gola stehen, zeigt man ihnen, daß nicht die Araberfrage, sondern die — Sabbatfrage die wahre Ursache aller Krisen des Nationalheimes und deshalb die Verantwortung all derer riesengroß ist, die den Sabbat kennen, und daher dem Sabbat Erziehung und Leben zu gewinnen und zu sichern hätten: im Osten wie im Westen darf diese Sprache gesprochen werden und überall ist sie imstande, die Herzen zu packen und ihnen den Entschluß zur Tat abzuringen. Wahrlich: weit mehr, als das thoratreue Erez Israel der Aguda bedarf die Aguda des thoratreuen Erez Jisroel. Hätten wir Zeit, so wären w^ir ohne Sorge. Aber das ist es eben; Wir ha'jen zu viel Zeit verloren, und wir haben darum keine Zeit mehr. Mehr noch, als Geld, brauchen wir geeignete Persönlichkeiten, die sich der Sache zur Verfügung stellen. Längst hätten sie aus der Bewegung selber hervorgehen müssen. Gelegenheitsarbeit erzieht keine Persönlichkeiten. Werden wir es packen? Werden die Agudisten des Landes ausharren können,'bis wir ihnen endlich gerecht zu werden vermögen? Bange Frage. Aufrüttelnde Frage. Füllet und leeret die Büchsen, gebet und holet die Spenden, daß wenn auf den Frühling im Heiligen Lande die Ernte folgt, der Sommer zu Ende geht, wir alle wissen: Wir sind gerettet! Die Lage der Juden in Sowjetrußland. Aus» Berichten, die uns über Riga, zugehen, ergibt sich über die derzeitige Lage der Juden in der russisch-ukrainischen Großstadt Kiew folgendes Bild: Es wohnen zur Zeit ungefähr 200.000 Juden in Kiew. Eine eigentliche" Hungersnot wie in den Jahren 1931 und 1932 gibt es in der Ukraine nicht. Schwarzbrot ist in ausreichendem Maße und zu annehmbaren Preisen zu haben. Die Arbeiterlöhne reichen für das schwarze, trockene Brot auch aus. Auf Rosen gebettet ist der größte Teil deV Bevölkerung, und erst recht der jüdischen Bevölkerung, ganz gewiß nicht. Denn schließlich „lebt ja der Mensch nicht vom Brote allein". Dieses biblische Wort erfahren die kleinen Leute in seiner ganzen Tragik. Man muß auf Milch, auf Butter, auf Eier verzichten, von Fleisch gar nicht zu reden. Alle Lebensmittel« außer Brot, sind knapp und nur zu unerschwinglichen Preisen zu ^erhalten. Der Arbeiter bekommt acht- bis zehnmal so viel Lohn als vor dem Kriege, die Preise auf dem Lebensmittelmarkte betragen aber fünfündzwanzigmal so viel als früher. Die Kleiderpreise sind noch höher, so hält der Notstand bei trockenem Brot nach wie vor an. Mit Politik befassen sich die jüdischen Bürger nicht. Die Angst, in den Verdacht des „Trotzkismus" zu kommen, ist so groß, daß das Wort gar nicht genannt wird. Man verfolgt die Prozeßverhandlungen in Moskau, so weit die offiziellen Berichte sie melden, mit Interesse und hütet sich vor jedem Kommentar. Die einigen jüdischen Namen auf der Anklagebank gehören zu denen, die vor ihrem Sturze nur Schrecken in der jüdischen Gasse ausgelöst haben, da sie an der Religionsverfolgung der Jewsektia reichen Anteil hatten. Sie selber haben sich nie zu den Juden gezählt. Ein kleiner Schuhmacher aus Kiew, der sich eine Bemerkung über diese Dinge erlaubte, wurde angezeigt und nach Sibirien verbannt Seine Frau mußte mit ihren kleinen Kindern Kiew verlassen. Da die Frau vollkommen mittellos war, haben jüdische Nachbarn 50 Rubel für Sie zusammengebracht. Sofort setzte eine Untersuchung gegen die Spender ein, mit der Androhung der Arbeitsentlassung für jeden, der sich an dieser Sammlung beteiligt hatte. Man konnte die „Verbrecher" nicht feststellen, aber der Hausverwalter wurde seines Postens enthoben, weil er nicht genügend aufgepaßt hatte. Das religiöse Leben ist jetzt schwerer denn früher, obwohl nach der freien Konstitution jede Verfolgung aus religiösen Motiven verboten ist In P o d O 1, dem Hauptzentrum der Kiewer Juden, wo früher 41 Synagogen bestanden, hatte man, nachdem in der Innenstadt und den Vorstädten bereits fast alle Synagogen beschlagnahmt waren, bis zu den Wahlen noch die wenigen Synagogen unberührt gelassen. An den jüngsten hohen Feiertagen waren dort die Synagogenso überfüllt, daß man Parallelg'ttesdienste, sogar mit Chasan und Sängerchor, in den Höfen unter freiem Himmel abhalten mußte. Gleich nach den Wahlen hat man auch die letzten Synagogen in Podol beschlagnahmt und in Arbeiterklubs verwandelt. Um diese Maßnahme mit der Toleranzklausel in der Verfassung in Vereinbarung zu bringen, hat man ein probates Mittel. Man sammelte Unterschriften bei den jüdischen Arbeitern für eine Eingabe, in der die Synagogen als „überflüssig" dahingestellt werden. 6000 Unterschriften waren in wenigen Tagen aufgebracht, unter ihnen auch solche von ausgesprochen religiösen Menschen. Eine Verweigerung der Unterschrift hätte zur fristlosen Entlassung geführt, also unterschrieb

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