Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1938)
- Date
- 1938-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2451012-2451023--83603-2541614- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
{Fortsetzung von Seite 1.) da,ist, sich überflüssig zu machen. - Thörakeimtnis war bei uns nie Standessache. ,,Morascha kehillath Jaakob" und „Kether Thora mufkar lakkol" sind zwei urjüdische Prinzipien, die auch der Meister, ebenso, wie Hildesheimer, unveränr dertv übernommen hat, An einer Stelle, die jüdisches Gemeindelebn betrifft, zweifelt er den Wert aller lediglich auf Rabbinerbildung berechneten Gründungen selbst älterer Zeiten an (er wird italienische Institute im Sinne haben); an anderer Stelle lehnt er die Bezeichnung Theologie für die Thora ganz ab. Alles das geschieht in der richtigen Erkenntnis, daß Thora um ihrer selbst willen erforscht und als Lebensprinzip erlernt werden will und daß der, welcher sich dabei dann auszeichnet, sicher von selbst den Weg zur geistigen Führung im Gesetzesbefolgerkreise linden wird. Das Gleiche gilt im vollen Umfange vom Berliner Seminar, das sich seinen getreuesten Anhängerstamm in den Kreisen der sog. außerordentlichen Hörer schuf, d. i. im Kreise der Leute, die dort neben angestrengtem philologischem, juristischem, medizinischem usw. Studium sich gute Thorakenntnisse aneigneten. Rab- Jbiner Hirsch selber war nicht aus dem „Rabbinerstande" hervorgegangen; und wer heutige allseitig bewährte rabbinische Führer, persönlich kennt, weiß, wieviele auch von ihnen aus den genannten Berufen ihren Weg. zum Amte fanden Zeitgebunden mag man das frühere. Streben, ■des Berliner Seminares nach Ausbildung vieler Berufsrabbiner: insofern nennen, als im vorigen •Jahrhundert "infolge staatlicher und modischer Partikulansmen die Zahl der Rabbinate der kleinen Gemeinden zeitweilig viel größer war, als es ein gesunder Bedarf erfordert hätte; damals ließ sich Rabbiher Hirsch von einem ^hannoverschen Freund im Jeschurun melden,.iti Hannover •sei die Jüdisctkeit .noch nicht sO| weit zurück-: gegangen als in Bayern, weil Bayern 40, .Hannover aber nur . vier Rabbinate besitze. .Aber auch das dadurcK geförderte Streben nach einer Menge von Schülern ist ja im Sinne t des ,jHaamidu talmidim harbeh'' eine ewige Forderung. Zuviel gut und ehrlich gelernte Thora gibt . css; nicht. ' "; " "' ,;f: ' '"'" ••" Dennoch fügt sich eine auch nur vorwiegend, •dem Berufsrabbinertum gewidmete Anstalt^iicht in das geistige Gefüge gerade des Hirschischen Systems, das' sich durch diese Nuance ja. nur leschem schomajim vor dem des Seminares; dis-; tanziert, und auch die Jeschiba seines Nachfolgers hat eine solche berufliche Ausbildung in der Regel nicht angestrebt. Das versteht -derjenige' von selber, „der etwa aus früherer Anschauung oder gemeindegeschichtlicher Kenntnis noch das Milieu sich vorstellen kann, in weichem der Meister heranreifte. Hamburg hatte Klausen, aber nicht Jeschiboth. Und in den Klausen lebte und lernte das ganze jüdische Leben mit allenu seinen Nebenäußerungen, die wissenschaftlichen und humanitären nicht ausgenommen. Hier galt nur die Persönlichkeit, kein^Amt. - Viele „Klausner"i lebten hoch wie Rabbi Jochajian hassandlar!! von ihrer Hände Werk. Auch das rabbinische' Oberhaupt war damals ejn*.: ehrenamtlich tätiger Mann, i Menafchemp Mendel Frankfurter, des Meisters Ahn und Vorbild. Das versteht aber auch derjenige von selber, der in den tiefen Betrachtungen des Meisters über Lehre und Leben sich heimisch gemacht hat; "hier ist alles so aus-einem Gusse, daß auch Thoralehrer und Thorabefolger in Eins fallen und': alle; Schranken dieser Art sinnlos werden. Allein die ganze Rabbinerfrage hat hier nur untergeordnete! Bedeutung. Wir stehen vor dier DAS LICHT DER EWIGKEIT von Rabb- DrtCUe Munk in Ansbach broschiert RM.i.4-00 Lwbd. RM. 5.00 Per 'I s r a e I i t sem viel tieferen Problem: Hat Hirsch die Th.ora durch die Brille seiner Zeit gesehen, die wir getrost ablegen dürften» oder hat er Dinge aus ihr gelesen, die für ewig ünd insbesondere für heüte gelten? Wer etwa vergleicht, wie; damals und wie heute in philosophischen und naturerforschenden Kreisen über Symbolik gedacht wurde, wer etwa die Philologie ,.der Jahrhundertwende mit der ganz auf Sprachvergleichungen, die nur im hebräisch redenden Volke leben, beruhenden Erklärühgsmethode Hirschs in Vergleich zieht, — der wird gestehen müssen: Der wissenschaftliche Stand Hirschs war nicht durch - die z. T. noch sehr abenteuerlich anfängerhafte damalige Forschung bestimmt und gehemmt, sondern seine Genialität, die auf gesundem Menschenverstände beruhte, wies •ihm Wege des Sprach- und Menschenverstehens, die heute in unseren Tagen e r s t erahnt werden. Doch auch das Wissenschaftliche ist bei einer historischen (im lebenvollen Sinne, des Wortes gesagt) Erscheinung wie Hirsch nicht das Entscheidende. Seine Gesetzespsychologie aiit ihrer Hauptthese; „Willensfreiheit gleich Reinheit" hat nicht Bibelstellen verstehen geholfen, sondern Menschen geschaffen, hat aus den ängstlichen Kindern des romantischen, unter Formalismus geistig erstickenden Zeitalters stolze und . zielbewußte Befolger der neu erklärten*, nein verkündeten Thoraworte entstehen lassen. So ist es gekommen, daß, er, wie vor-ihm Hunderte der Großen Israels und der Menschheit, nicht nur nicht ausschließlich für seine Zeit gelebt und gewirkt, sondern erst lange nach seinen Erdentagen in Manchem erst Verständnis gefunden hat und finden wird. Viel weniger als viele seiner Gegner fühlt ein so einheitlich organisierter Geist sich durch Zeitschlagwörter gebunden* Nur ein Beispiel: Ein gebildeter Zio nist unserer Tage fühlt sich noch heute durch die literarischen Kämpfe des vorigen Jahrhunderts verpflichtet, bei der Einwanderung ins Heilige Land; ajuf die Erlernung der dort stellenweise schw,er zu entbehrenden jiddischen Sprache, zu^verzichten; ist ein solcher Verzicht -m Wochenrundschau. Regenbogen und Maschinengewehre. — Es geht uns alle an. — Ein Programm oder nur Wortbekenntnis J —Auch nicht Abessinien. Der Regenbogen, der über der Bucht von Haifa den neuen High Commxssioner MacMichael bei der Landung in Palästina begrüßte, war leider kein ( Zeichen des Friedens. Just im Momente, als er am SÄbend nach seiner Ankunft in Jerusalem die pro;phetischen Worte vom Frieden der Erde und Wohlgefallen der Menschen in den Aether hinausrief, gab es in jener windigen Ecke'zwischen Tulkerem und Jenin ein „Salutschießen" blutigster Art. 45 Menschen ihrer Gruppe haben die arabischen Terroristen scheinbar gern geopfert, . um dem neuen . Herrn gleich zu Anfang ihre seelische Verfassung ■ und ikre unversöhnliche Stinmrung zur Kenntnis zu bringen. Auch die Engländer hatten dabei Opfer zu bringen. Das wird eine schwere Enttäuschung Kir MacMichael, gewesen sein. Das Echo, das von der Nablusgegend auf die Eriedensworte in Jerusalem ihm entgegenhallte., wird ihn darüber belehren, daß mit Worten allein, und wären sie noch so schön und ehrlich gemeint, der Hydra des arabischen Verbrechertums, der immer neue Köpfe aus Syrien, Hauranien und Transjordanien anwachsen, nicht bei- ______________ Nr. 11 Seite 3 etwa denkbar bei einem westlichen im Hirschischen Geiste erzogenen Juden? Ihn wird die Liebe zur heiligen Sprache wie überhaupt zu allem, was uns heilig ist, niemals dazu bringen, sich eine Kunst oder Wissenschaft entgehen zu lassen, durch die etwas Erlaubtes geleistet wer? den kann. Gleich den Chassidim sieht er den Sinn unseres Erdendaseins darin, durch einen im G'ttesgebote geweihten Genuß dieser Erde und ihrer Güter alles Geschaffene gleichsam auf den Vatertisch G'ttes niederzulegen. Und daraus ergibt sich für ihn auch die Stellung zu unserem heutigen Schicksal: Dieses soll uns nicht zum Ueberdrusse an allem, was uns von außen kam, sondern zu strenger Sichtung alles Ballastes veranlassen, den unser Leben aus formfanatischer Zeit mitschleppt und ohne das unser Lebensschiff seinen Weg in die glücklichere Zukunft leicht findet. Aber vom Wesensinhalt dieser Gesittung Europas, deren Grundlagen wir in den uns heiligen Gedankenbereichen wiederzuerkennen beim Meister gelernt haben, brauchen und sollen wir nichts über Bord werfen. Unsere orthodoxen Chaluzim im Heiligen Lande sind ja keinem Enthusiasmus sozialen Abstiegs verfallen; sie sind ja auch -nicht tatenlos wehklagende Betraurer verlorener Daseinsfreuden geworden. Und wem verdanken sie dies, und wessen Gedanken sind in ihrem gesunden Gleichmaß des Lebens und Denkens verwirklicht? Mit allen diesen Worten soll eine persönliche Huldigung keineswegs dem Meister dargebracht werden. Im Gegenteil soll es ausgesprochen werden: Wenn etwas am Lebens- und Lehrsystem Hirschs menschlich unnollkommen ist, so ist es eben dieses Eine, dasseineyollkommene Verwirklichung erst h e ut e sich anbahnt und daß seine Ideen erst dann voll bewährt sind, wenn eine noch entlegenere Zukunft sich erfüllt' haben wird. Nur wer dem Schritte der Vorsehung v ■ - - . ' . zu lauschen wagt, hört selbst aus dem Geschehen einer Zeit wie der heutigen das Herannahen dieses Zeitenzieles, das durchaus nicht erst vom Maschiach herbeigezwungen werden muß. . An uns vielmehr ist es, diese Bewährung zu vollziehen. zukommen ist, und daß es dazu noch anderer Kampfmittel bedarf. Die aus gläubiger Menschlichkeit stammende unerschöpfliche Geduld seines Vorgängers kam dem Lande sehr teuer zu stehen. Der Friede, den MacMichael zu wahren gedenkt, ist schön, aber wenn der Nachbar nicht will? . . . So sehr man diese Nebengeräusche und Störungen der ersten Rundfunkrede des Hochkommissars bedauern muß, ist es doch vielleicht gut, daß er gleich beim ersten Schritt in das Land seiner Wirksamkeit von dieser Seite darüber belehrt wird, wie ernst und schwer die Aufgäbe ist, die zu lösen, er berufen ist. Möge ihm Erfolg beschieden sein. * * * Zu der Sabbatfrage in Tel Awiw, in der wir den Standpunkt vertreten, daß auch mit der Einhaltung der von der Irija bestimmten Feierstunden durch die Lokalbesitzer der Sabbat noch nicht gerettet sei, gehen uns aus dem Leserkreise Zuschriften zu, die darauf hinweisen, daß auch in Europa in jüdischen Restaurationen, selbst solchen, die unter strenger rabbinischer Aufsicht' stehen, der Sabbattisch für Jedermann gedeckt sei. Warum sollte es in der jüdischen Stadt anders sein? Diese Meinung beruht' auf einer irrtümlichen Auffassung der Angelegenheit. Das Sabbatstatut in Tel Awiw berührt nicht die beständigen Gäste der jüdischen Restaurationen, die, in Ermangelung eines, eigenen Haushaltes, selbstverständlich auch am Sabbat auf das Speiselokal angewiesen sind und ihre sabbatmäßig rituell hergestellte Mahlzeit einnehmen, ohne an diesem Tage zu. bezahlen. Das von der Tel. Awiwer Irija vorgesehene ,,Zwangssabbatruhe"-Gesetz verbietet zwar den jüdischen Restaurationen, am Sabbat ihre Lokale wie am Werktag für den freien Verkehr offenzuhalten, gestattet aber an gewissen Stunden des Tages, die Speisen herzustellen, zu verabreichen und Geld einzunehmen, macht, mit Frau F. MAIER WW. I .Fahrgasse 94 | 1 Minute von der Konstabier Wache g VtRLAGDES ISRAELIT UND HERMOH GMBH, Frankfurt a. M. i, Schützenstr. 12, Postsch. 19802 jj Kleidung für Auswanderer M a ß Konfektion VW 3 " Verarbeitung