Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1938)
- Date
- 1938-03-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 10 D e r I s r a e Ii t 10. März 1938 •Jisroel. Mit besonderem Nachdruck unterstrich der Redner die auf Ansiedlung religiöser Gruppen gerichteten Aufgaben und die darauf resultierende Forderung, durch Anschluß an die Gemeinschaft der Gesetzestreuen diesen Kreis zu unterstützen. Das aus dem Arewus-Begriff fließende Solidaritätsgefühl gibt auch dem Einzelnen in den Landgemeinden die Gewißheit, daß der große Klall Jisroel ihn mitträgt. — Die in großer Anzahl erschienenen Gemeindemitglie der folgten den Ausführungen mit sichtlicher Anteil nähme. Lm. Wiesenfeld, 10. März. Zu einer schlichten, aber eindrucksvollen Feier versammelten sich am Sonntag, den 27, Februar, die Mitglieder der Kultusgemeinde Wiesenfeld anläßlich des 75jährigen Bestehens ihres G'tteshauses. Nach Beendigung des Minchah-Gebetes verlieh Herr Bezirksrabbiner Dr, H a n o v e r , Würzburg, der Bedeutung des Gedenktages in längeren Ausführungen Ausdruck. Ausgehend vom 84. Psalm, dessen tiefen Gehalt er den Zuhörern nahe zu bringen verstand, zeichnet« er die Aufgabe eines G'tteshauses als ein n^Bn-rra, ein Haus des Gebetes und der Läuterung, als ein umnn-r-va/ ein Haus der Belehrung und Ermahnung und als ein noaarrrraf Haus der Versammlung und Sammlung. Er schloß mit der Bitte um Hilfe des Allmächtigen für die Zukunft der Gemeinde. — Umrahmt war die Feier von erhebenden Gesängen des Lehrers Lewkowitz, Laudenbach, der den Gruß und Dank der Gemeinde an Rabb. Dr. Hanover aussprach und zu Opfermut und Zusammenhalt ermahnte. EREZ ISRAEL jüdischer In der Nacht zum roristen in Haifa einen Patrouille durchgeführt, ein Polizeikorporal, Arabischer Ueberiail in Haifa, — Ein Polizist verwundet. Haifa, 4. März. März haben arabische Ter- Ueberfall auf eine Polizei- Bei der Schießerei wurden arabischer und ein jüdischer Polizist schwer verwundet, außerdem noch zwei vorübergehende Araber. Zwischen Tulkerem und Nablus wurde eine Militärabteilung von arabischen Terroristen beschossen. Nach zweistündigem Kampf verschwanden die Terroristen, ohne daß man ihre Spur ausfindig machen konnte. - Im Schmittajahr. Haifa, 1, März Im Rahmen des hiesigen Waad schel Keren H a j i s c h u w ist ein Waad Haschmitta gegründet worden, der eine lebhafte Tätigkeit entwickelt. Vorbereitungen zum Thorafest. Tel Awiw, 1. März. Auf Initiative der Schüler von Lublin und anderer Lernvereine wurde auf einer Sitzung ein Programm für die am 28. Siwan in Lublin stattfindende große Thorafeier ausgearbeitet. An der Spitze der Aktion steht die Zentrale des C h i n u c h H a t o r a h. Der religiöse Teil des Jischuw sieht dem Thorafeste in Lublin mit großem freudigen Interesse entgegen. (JPB.). Glückwunsch an eine Misrachi-Siedlung. Jerusalem, 3. März^ v Der Generalinspektor der Polizei, Saunders, sandte der Misrachi-Siedlung „Tirath Zwi" telegraphische Glückwünsche zu ihrer tapferen Abwehr des arabischen Angriffs am letzten Dienstag. „Jeschiwa-Gründung in Jerusalem". Die Leitung der Choreb-Schule in Jerusalem ersucht uns, einen Irrtum aufzuklären, der durch einen Bericht von dritter Seite in Nr. 47 des „Israelit" (Jahrgang 1937) unter der Ueberschrift „Jeschiwa-Gründung in Jerusalem" entstanden ist, Es ist wohl zutreffend, daß eine Anzahl von Ellern derjenigen Schüler, die Ende 5697 die letzte Klasse der Choreb-Schule absolviert hatten, einen Fortbildungskurs gegründet haben. Ob auch in den kommenden Jahren der Kurs durchgeführt werden kann, ist jetzt noch nicht vorauszusehen. In diesem Kurse erhalten die Schüler eine Weiterausbildung in Limud Kodesch täglich ca. 3—4 Stunden, die von dem früheren Dozenten der Frankfurter Jeschiwa, Herrn Ch. Jakobowitz, erteilt werden. Im Profan-Unterricht, der ebenfalls in einem Rahmen dieses Kurses erteilt wird, werden die Schüler auf die Londoner Matrikulation vorbereitet. Der Kurs ist für zwei Jahre gedacht. Die Choreb-Schule ihrerseits stellt lediglich einen Raum zur Verfügung, während die Kosten des Kurses von den Eltern, zum Teil von . Freunden im Ausland getragen werden. Die Geschäfte werden durch ein von den Eltern gegründetes Komitee geführt. Selbstverständlich ist es auch der Wunsch der Choreb-Schulleitung, daß schulentlassene Jugend den Weg zur Jeschiwa finden soll und ihre Hoffnung ist es, daß sie ihn auch finden wird. Es ist außerdem auch noch an einen Aufbau und Ausbau der Choreb- Schule gedacht, der in den kommenden Jahren durch geführt werden soll, der aber mit dem ebenskiz2ier ten Kurse, der unabhängig von der Leitung der Cho reb-Schule ist, sich nicht deckt.. (Wir geben dieser Berichtigung gerne Raum und geben zugleich der Hoffnung Ausdruck, daß allmählich die materiellen und ideellen Voraussetzungen dafür geschaffen wer den, daß eine Volljeschiwa speziell für die aus West europa stammenden jungen Menschen in _ voller Selbständigkeit in Jerusalem gegründet werden kann Red' Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Koier-Neiescfc-Aktion der Palästina-Zentrale. Im Rahmen ihrer Adar-Aktion versendet die Palästina-Zentrale einen von ca. 60 Rabbinern in Deutsch land unterzeichneten Aufruf an die Mitglieder der jüdischen Gemeinden zu einer Kofer-Nefesch Aktion, durch welche jeder Jude und Jüdin auf gefordert wird, für seinen Haushalt zumindest einen Beitrag von RM. 0.50 für Arbeiter, Arbeiterinnen, Lehrer und sonstige Bedürftige im Heiligen Lande, mit spezieller Berücksichtigung der aus Deutschland Ausgewanderten, zu spenden. Der Sinn dieser Aktion ist, altjüdischer Tradition gemäß durch eine Sonderzsdoko uns des g'ttlichen Schutzes würdig zu er weisen. Die überaus zeitgemäße Anregung wird sicherlich in allen gutjüdischen Kreisen ein Echo finden. Aktivposten. Er sitzt am Rundfunk, der Jude — irgendwo. Jir hört die Schicksalsschläge, die sein Volk treffen. In manchen Ländern verzweifelt, in anderen weniger tragisch. Länder verschlossen, Raumlosigkeit. An die jüdische Jugend denkt er. Auf die Jugendbünde hat er Hoffnung gesetzt. Erschütternde Auskunft erhält er, vom Ende der Bünde, vom Versiegen der Dis-' kussionen, vom Hinschwinden letzter Ideale. Substanzminderung! Nach Palästina richtet sich sein Blick. Heimkehrende Touristen melden: „Vom Heiligen ist im heiligen Lande wenig zu verspüren". Erschreckende Bilanz. Da hört er von einem Aktivposten. Klein, aber lebenskräftig, Zukunftskeime. Keren Hajischuw, jüdisches Schulwerk, jüdische Arbeiterorganisation nimmt die aus dem jüdischen Schulwerk Entlassenen auf und erhält sie dem Judentum. Spaten und Thora, Graben und Lernen. Substanzvermehrung! Klare Forderung, fester Boden, sicherer Stützpunkt. Sühnegabe von jedem Hausha't. Spenden und werben, Adaraktion! Wer wollte nicht helfen! Dr. Michalski. Agudas Jisroel-Veranstalhmgen in London. Die Anwesenheit des Herrn Redakteur Schachn o w i t z aus Frankfurt a. M. in London ausnutzend, veranstaltete die Agudas Jisrael World Organisation am Samstag- und am Sonntagabend zwei Agudaversammlungen in London N und London NW, die beide gut besucht waren und in bester Stimmung verliefen. Am Samstagabend sprach Herr Schachnowitz in der vollbesetzten Avigdor-Schule in North-London. In einem geschichtswissenschaftlichen Referat führte er uns die Epochen nacheinander vorüber, in denen Schwärmer, ehrliche und unehrliche, sich von der Volkshoffnung in die Höhe tragen ließen und die Gläubigen zuweilen bis zur Raserei trieben und ins Unglück stürzten. Daß es unter den „Träumern" auch Realisten gab und solche, die mit nachtwandlerischer Sicherheit zu gewissen Erfolgen führten, dafür dienen dem Referenten als Beweise Josef, der Fürst von Naxos, dem im 16. Jahrhundert wirklich die Gründung eines kleinen Judenstaates in Tiberias für längere Zeit geglückt war und Manasse ben Israel, der hundert Jahre später, zwar seinen Erlösungstraum im Großen nicht verwirklicht sah, es aber fertig brachte, mit der Ansiedlung mehrerer jüdischer Familien die erste jüdische Niederlassung in England zu gründen. Von diesen Präzedenz- und Parallelfällen ging nun Redner auf den Judenstaatsplan von heute über, wobei sich ihm Gelegenheit bot, die Stellungnahme der Agudas Jisroel zu erläutern und einige Höhepunkte der jüngsten Kenessio Gedaulo in lebendigen Bildern dem gespannt lauschenden Publikum vorzuführen. Nachdem der starke Beifall sich gelegt hatte, ergriff der anwesende Präsident der Aguda-Weltorganisation, Jacob Rosenheim, das Wort, um mit einigen Hochgedanken über die tausendjährige messianische Hoffnung das Referat zu ergänzen. Der Präsident der englischen Aguda, Mr. H. A. Goodman, benutzte die Gelegenheit, um in seiner temperamentvollen und packenden Art für die Agudas Jisroel zu werben. Herr Rabbiner Schönfeld, der mit einer längeren Ansprache die Versammlung eingeleitet hatte, schloß sie mit Dankesworten an den Redner, die Agudaleitung und die Versammelten. Am Sonntagabend sprach Herr Schachnowitz in Golders Green, wiederum vor einem überaus großen Auditorium. In Bildern von packender Anschaulichkeit zeigte er, wie sich die ersten jüdischen Niederlassungen in Spanien, in Holland. in England (durch Manasse ben Israel) und in A m e r i k a gebildet haben, um dann auf das Problem der jüdischen, Wanderung von heute überzugehen: Reiches, statistisches Material diente zur Unterbauung der Schilderung, die im Nachweis der vitalen Notwendigkeit einer Gruppenwanderung, wie sie die Agudas Jisroel propagiert, gipfelte. Auch hier nahm der Vorsitzende der englischen Agudas Jisroel, Mr. Goodman, die Gelegenheit wahr, die Herzen und Gemüter für die Belange der Agudas Jisroel zu erwärmen. / Den Vorsitz in dieser Versammlung führte Herr Rabbiner Dr. Münk, der den Abend mit einer Ansprache eröffnete und auch schloß. E^ K. Ausspracheabend über „Aguda und Misrachi" in Paris. Die agudistische Ortsgruppe der Agudas Jisroel in Paris hat unter Leitung ihres Vorsitzenden, Maitre Mathieu Müller, wie dem Leserkreise des „Israelit" ja bekannt ist, durch eine wächsende . sorgfältige organisatorische und propagandistische Tätigkeit, allmählich Verständnis für ihre Anschauung und Bereitwilligkeit zur Mitarbeit in erhöhtem Maße in der französischen Hauptstadt gefunden. Wiederholte öffentliche Kundgebungen unter Teilnahme führender Persönlichkeiten der .Bewegung lenkt das Augenmerk vor allem der traditionellen Richtung unter der Pariser jüdischen Bevölkerung auf das Wollen und die bisherigen Leistungen in der agudisii« sehen Organisation. Auch der Misrachi hat in letzter Zeit eine verstärkte Aktivität entfaltet. Bei einer Kundgebung, die vor kurzem in Anwesenheit von Rabbiner Gold stattfand, konnte auch ein reges Interesse, des jüdischen Publikums konstatiert werden. Dabei ist es für die Unerfaßtheit der großen über zweimal hunderttausend jüdische Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung in Paris charakteristisch, daß für den Erez Jisroel-Gedanken die breite Masse noch kaum gewonnen ist. (Zum letzten Zionistenkongreß haben kaum 1000 Schekelzahler gewählt.) Es war daher sehr zu begrüßen, daß vor einiger Zeit vom „Cercle d'etudes", einer neutralen Vereinigung zur Pflege der jüdisch-traditionellen Anschauung, ah die Leitung der agudistischen und misrachistischen Ortsgruppen eine Einladung zu einer kontradiktorischen Aussprache erging, bei der die Repräsentanten der beiden Richtungen Idee und Gestalt ihrer Organisationen darlegen sollten. Diese Veranstaltung fand am Montag, den 28. Februar, unter Leitung des Herrn Elie Levy statt. Eine ungewöhnlich große Zahl von Teilnehmern bewies das starke Interesse für das Thema. Das fast einstündige Einleitungsreferat hielt Herr Mathieu Müller, der in formvollendeetr und mustergültiger Weise Aufbau und Wesen der agudistischen Organisation, Erreichtes und Ansätze, Eigenart und Verbindendes, darstellte. Es war vor allem bemerkenswert, daß der Referent sich jeder persönlichen Stellungnahme zum Problem des Misrachi enthielt, sich vielmehr darauf beschränkte, die schonungslose Kritik und Bilanz wörtlich wiederzugeben, die vor einigen Monaten Herr Oberrabbiner Amiel, Tel Awiw, einer der Führer des palästinensischen Misrachi, aussprach und die durch den Misrachi in Tel Awiw zum Druck gebracht wurde. Dem Referat von Herrn Mathieu Müller folgte das Koreferat des Herrn Dr. Jakobsohn, Präsident des Pariser Misrachi. In kurzen, teilweise sehr temperamentvollen Worten schilderte der Referent die jahrzehntelangen Bemühungen des Misrachi um Hebung des religiösen Niveaus im heiligen Lande, die immer wieder erneuten Versuche, dem großen zionistischen Teilhaber Konzessionen abzuringen und dem Worte der Thora selbst Geltung bei denen zu verschaffen, die keinen allzugroßen Wert auf dergleichen Bemühungen legen. Im Anschluß an die beiden Referate erfolgte eine Diskussion, die zunächst von Gesinnungsfreunden des Misrachi bestritten wurde, die sich aber leider darauf beschränkte, der Aguda die üblichen Vorwürfe des Separatismus, der Tatlosigkeit und dergl. vorzuwerfen. Es traten auch Argumente zutage, die sich wohl schwer in die Reihen einer sachlichen Diskussion bringen ließen. Es war daher um so erfreulicher, daß die folgenden Diskussionsredner, darunter die Herren Samy Klein, Dr. Paul K u 1 p und Markus Breuer, durch die Art ihres Eintretens für den Agudagedanken wieder die Diskussion auf ein hohes Niveau brachten. Stärksten Eindruck hinterließ die Schlußrede von Herrn Rabb. Dr. E. Münk, der einen Appell an die gesetzestreuen Teile der Pariser Judenheit richtete, in Agudas Jisroel die Organisation der Thora, Werkzeug der eigentlichen jüdischen" Nation, das rechte Gewissen, den Garanten der Reinheit des jüdischen Gedankens und die unabhängige Verteidigerin unserer historischen Bestimmung zu erblicken. Die Veranstaltung hat fraglos in einem überraschend großen Ausmaß der Verbreitung und der Erkenntnis der Idee der Agudas Jisroel in Paris gedient, und die verantwortlichen Leiter der dortige" Agudas Jisroel-Gruppe haben an diesem Abend ein wesentliches dazu beigetragen, um günstige Voraussetzungen für die Weiterarbeit zu schaffen.