Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1938)
- Date
- 1938-03-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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^^^f^^^s^^^f^^^^^^^'^'-^^* 10. März 1938 -er 1 & r ä. e 1 i t Nr.. 10 Seite 5 KEREN HATORAH ist der Treuhänder des jüdischen Volkes für die Erhaltung seines nationalen Gutes vom Sinai. Helfet dem KEREN HÄTORÄH! KerenHatorah, Hamburg,HeinrichBarthstraße 2 ^Postscheckkontos Hamburg 24753 Lettland. Zür Lage der Juden in Lettland. 7-. Riga, 2. März! > Das: neue Gesetz, das der Regierung das Recht gibt, ini Staatsinteresse kommerzielle Unternehmungen gegen Entschädigung zu enteignen, bedeutet sowohl für die Juden als für die anderen nationalen Minderheiten im Lande eine schwere Gefahr. Ohne daß hier etwa ein offizieller Antisemitismus bestände und ohne daß nach dieser Richtung irgend eine Propaganda in der Presse nachzuweisen ist, geht doch die allgemeine Politik der Regierung darauf hinaus, die Juden sowie die Angehörigen der anderen Minderheiten aus dem Wirtschaftsleben zu eliminieren. Eine Anzahl jüdischer Textilfabrikanten sind bereits gezwungen worden, ihre Unternehmungen an den Staat zu verkaufen, ebenso Brauereien,' Gerbereien und Schokoladefabriken im Besitze von Juden. . Zur Handwerkerkorporation werden Juden nicht zugelassen und lediglich die Zugehörigkeit zur Korporation gewährt das Recht auf Lizenzen zur Eröffnung von Werkstätten. Das Ganze vollzieht sich vollkommen in der Stille, übt darum aber doch keine geringe schädigende Wirkung auf die ganze Wirtschaftslage der Juden aus. Das ist in um so höherem Grade der Fall, als die Geschäftsleute das aus dem Verkauf ihrer Betriebe erlöste Geld weder in anderen Unternehmungen, noch, in Grundbesitz anlegen können. Die jüdischen Kapitalisten müssen also ihren Besitz aufzehren, während die früheren jüdischen Angestellten, die bei der Uebernahme der Betriebe durch Letten ersetzt werden, arbeitslos werden, und der Wohltätigkeit anheim fallen. Die Zahl der Juden in Lettland beträgt 97 000 unter einer Gesamtbevölkerung von 2 Millionen Seelen. | Italien. Kongreß der jüdischen Gemeinden in Italien. Rom, 2. März. Das Ministerium des Innern hat die Abhaltung des Kongresses der jüdischen Gemeinden in Italien auf den 21, und 22, März in Rom genehmigt. Es nehmen daran Delegierte aller Gemeinden Italiens und der italienischen Kolonien teil, die je nach der Zahl der steuerzahlenden Mitglieder gewählt werden. England. Agudas Jisroel begrüßt Litauen. London, 4. März. •Die - A g u d a e x e kutive in London hat in einem Begrüßungsschreiben an den litauischen Gesandte n in London die Glückwünsche der Weltorthodoxie für die litauische Regierung aus Anlaß des Zwanzigjährigen Bestehens der litauischen" Unabhängigkeit zum Ausdruck gebracht. In der Glückwünschadresse kommen auch der Wunsch und die Hoffnung ,zum Ausdruck, daß die freundlichen Beziehungen der litauischen Regierung zu den litauischen Juden nach wie vor anhalten mögen. -;;r - }t': Rußland. Verhaftungen von Rabbinern in Rußland. L o n d o n, 3. März. ■ Hierher gelangten Nachrichten über weitere Verhaftungen von Rabbi nen in Rußland. U. a. würden in Haft genommen die Rabbiner von P oho st und Lukomlo. " Einer der verhafteten Rabbiner wurde für sieben "Jahre nach Sibirien verbannt, weil ihm nachgewiiesen wurde, daß er einmal in Krementschug Kinder im Talmud unterrichtet hatte. Wie berichtet wird, hat, ähnlich wie in London, auch die A g u da s Jisroel in Paris bei den zuständigen Stellen zugunsten der verhafteten Rabbinen in Rußland interveniert. (JPB.) Südafrika. Schalom Schwarzbard gestorben. Johannisburg, 3. März. Der bekannte russisch-jüdische Uhrmacher Schalom Schwarzbard, der 1926 den ukrainischen Pogromführer General Petljura in Paris erschoß, ist heute Früh hier plötzlich gestorben. Er war fünfzig Jahre alt. Schwarzbard wurde seinerzeit nach einer glänzenden Verteidigung durch Henri Torres von der Jury freigesprochen. Er konnte nachweisen, daß zwölf von seinen Verwandten in den Petljura - Pogromen getötet worden waren. Pessach in Marienbad. In Marienbad steht in diesem Schaltjahre, da die Zeit schon weiter vorgerückt ist, am Pessach alles in voller Blüte. Wer das Haus David L e i t n e r (Hotel National) kennt, weiß, wie herrlich es sein muß, gerade das Fest der Befreiung in diesem gastlichen Heime, wo bei allem modernen Komfort und vortrefflicher Verpflegung sich auch lebhaftes religiöses Festleben in eigener Synagoge und Lehrstätte entwickelt, zu feiern. Gerade diese Tage der Rüstung, da auch die herrliche Natur zwischen den böhmischen Wäldern sich für ihre Aufgabe zu schmücken beginnt, bieten die beste Gelegenheit, eine Erholung für Körper und Seele zu erlangen. Man wende sich rechtzeitig an Hotel National, Besitzer David Leitner. Näheres Inserat. TfcHBPW' :> "•SjP^-* Megilas Esther. Von;-Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Wenn der Winter seinem Ende entgegengeht und sich jedes Menschenherz mit neuer Hoffnung erfüllt) dann erwacht in unserer - jüdischen Volksseele das Sehnen nach einem neuen* Völkerlenz in unserer Geschichte und wir feiern Purim, das Fest der Lose, als Verkünder der beseligenden und weihenden Gewißheit von G'ttes ewiger, immer wachen Liebe und Gnade. Diese Kunde vermittelt uns die Estherrolle, die Purimgeschichte, die in ihrem Ablaufe wie kaum sonst eine zweite Phase unserer wechselvollen ereignisreichen Vergangenheit das Walten der g'ttlichen Vorsehung verherrlicht und ganz- und; gar isttwio-is i^O'a Deutung unseres jüdischen Schicksals. Israels kleine Bibel ist das Estherbuch, in allem und jedem Weisung, was wir sollen und müssen, um als G'ttes Volk zu bestehen, und was wir können; wenn wir uns auf uns selbst besinnet-und unsere Aufgabe und Bestimmung uns wieder zu vollem Bewußtsein kommt. Ob .auch in der ganzen Erzählung nicht ein einziges Mal .' G'ttes heiliger Name vorkommt, so ist doch sein erhabener Wille wirksam am. Webstuhl der Geschehnisse in derErzählung und bedingt den Triumph des Sittengogetzes, und den Sieg der Wahrheit und der Menschlichkeit, und., wir erfahren es klar und deutlich: „Das Buch Esther, ist im heiligen Geiste geschrieben". Das macht uns erklärlich, daß gerade dieses Buch in der Form der heiligen Thorä mit all' ihren besonderen Vorschriften hergestellt sein muß und zur Verlesung kommt —, es. sind die erhabensten Gedanken und Wahrheiten, die es birgt, die wir am Purim vernehmen zu unserer Aufrichtung und Erhebung, aber auch zu unserer Läuterung und Selbstveredlung. Wir sprechen kein Hallel an unserm Feste. Mit jedem Kapitel mehr, das wir da lesen, steigert sich unser Dank und unser Jubel für unsere Erhaltung, und auch unser Wille zum. Judentum "und unsere Ueberzeugung von der Ewigkeit unserer Gemeinschaft, — Unendlich reich und wunderbar sinnig sind die Midraschim, die an die einzelnen Sätze der Erzählung anknüpfen. „Mehr als alle Mahnungen und Warnungen der Propheten und Weisen bewirkte die jetzt drohende Gefahr die rechte Umkehr und damit die Erlösung . . Für uns gilt es, unseren Vätern nachzustreben, e& zu wissen; Immer dann, wenn Israel in seiner Liebe zu G'tt und Judentum erschlafft und lässig wird in : der Erfüllung seiner Gebote und Wahrnehmung seiner jüdischen Belange, da beginnt man von neuem zu sagen und zu deuten: IHK" w Dieses Volk der Juden kennt keine Treue und keine Ideale. Wir haben somit selbst unser 'Schicksal verschuldet. Das Fest der Lose deutet unser jüdisches Los. Diese Erkenntnis muß uns aufgehen und uns auf den rechten Weg weisen, dann erfahren wir es, daß trotz allem G' t t sein Volk nicht verläßt wegen seines , großen Nanjjens. =: Vermischtes. Schulentlassung in der Adaß Jisroel. Berlin, 8. März. Am Sonntag, den 6. März, versammelte sich die Schulgemeinde der. Unterfichtsanstalten der Israelitischen Synagogengemeinde Adaß Jisroel Berlin im Kulturbundsaal zu einer eindrucksvollen E n tlassungsfeier der. diesjährigen Reifeprüflinge. Es galt, 18 jungen Menschen, welche nach angestrengter ..S.chularbeit das Reifezeugnis an. den anerkannten Oberschulen für Jungen und Mädchen der Adaß Jisröel-Gemeinde erlangt hatten, das Geleit auf den weiteren Lebensweg zu geben. Der Rahmen der Feier war ihrem- Zwecke angepaßt; in feierlich-- religiöser Stimmung erklang, von dem Gesamt-Chor der Schule gefühlvoll vorgetragen, das Gabirol'sche ,,Schachar awakeschcha" in der lyrischen neuen Vertonung von Hugo A dl.er (Schirah Chadascha, Verlag: Kaufmann, Leipzig). Ernste Instrumentalsätze, von den Schülern des eigenen Schulorchesters straff gespielt, spannten Schüler und die gesamte Versammlung in den gehobenen Ernst der Abschiedsstunde hinein. In schönen Worten wiesen Herr Dr. Marcus Birnbaum vom Vorstand der Adaß Jisroel-Gemeinde sowie Herr Rabbiner Dr. Ed. Biberfeid, der Vorsitzende der Schulverwaltung, auf die Bedeutung der Schule hin und ermahnten zur Treue an die Schule, die Gemeinde und die von ihr vertretenen jüdischen Lehren. Nach den schön gesprochenen Worten „Hymnus an das Leben" (Lou Andreas-Salome) erläuterte der Schulleiter den Sinn der jüdischen Bildungsidee für die heutige Zeit und forderte die Abiturienten zum freien Kampf gegen die Assimilation und assimilationsähnliche Erscheinungen der Jetztzeit auf, um das von der Schule gelehrte Judentum im Leben zu bewahren und zu erweitern. Ueberleitend zu einer heiteren Note, wie sie jungen Menschen beim Eintritt in das selbständige Leben angepaßt ist, ertönten dann schöne hebräische Gesänge und Vorträge der Instrumentalgruppe, um schließlich in dem Segen für die scheidenden Schüler ,,ki malachaw" nach dem Hugo Adler'schen Satz auszuklingen. — Alle Anwesenden, Schüler, Eltern, Vertreter der Gemeinde-Institutionen, sowie der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und die Schar der Freunde des Schulwerks der Adaß Jisröel-Gemeinde, werden noch lange die eindrucksvolle Feier, für deren Gelingen besonders dem verdienten Musiklehrer der Anstalt, Herrn Freyhan, zu danken ist, im Gedächtnis bewahren und sich hoffentlich angeregt fühlen, das Schulwerk der Adaß Jisröel-Gemeinde in seiner schwierigen Lage geistig und materiell zu unterstützen. Berlin, 10. März. Die Reichsvertretung dert. Juden in Deutschland — Schulabteilung — teilt; smit: Es ist in Aussicht genommen, im Anschluß^ an das Orthopädisch-gymnastische Institut von .jFrau Alice Bloch, Stuttgart, einen von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und vom Oberrat}-der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs! Stuttgart«-:zu - veranstaltenden neuen einjährigen Lehrgang zur Aus b.i.1.4 u n g jüdischer Turn- und Sportlehrkrä'ffe in Stutigar^., ( stattfinden zu lassen. Beginn des Lehrgangs: 3. Mai 1938. — Meldungen sind in zweifacher Ausfertigung umgehend an die Schulabteilung der Reichsvertretung, Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 158, einzureichen. Berlin, 10. März. Man schreibt uns: Zahlreichen Wünschen entsprechend wird das Jüdische Erholungsheim Lehnitz in diesem Jahre in der Pessach-Woche geöffnet sein. Das Heim hat sich — trotz der damit verbundenen großen Arbeitsbelastung dazu entschlossen. Vielen Familien ist die Feier des Pessachfestes in der gewohnten und traditionell gebotenen Form in. der eigenen Häuslichkeit nicht mehr möglich, da die Hausfrau die Pessach- Vorbereitung und -Wirtschaft ohne Hilfskraft nicht durchführen kann. Nur diesen Gästen steht Lehnitz in der Pessachwoche offen, d. h. nicht Wochenendgästen, die nur die Feiertage in schöner Umgebung verbringen wollen. Anmeldungen werden nur für di£ ganze Pessachwoche entgegengenommen. — Anmeldungen an: Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes, Grunewald, Königsallee IIa, Dienstag 16—18 Uhr und Freitag 11—13 Uhr. Telefon: 97 37 46. Nördlingen, 8. März. Im Anschluß an den Nachmittagsg'ttesdienst fand hier vergangenen Sonntag in der Synagoge ein religiöser Vortrag statt, in dem Herr Isi Goldberg er aus Nürnberg über die Bedeutung der Agudas Jisroel sprach. Nach einem geschichtlichen Rückblick über die Entstehung der Organisation, die den Zusammenschluß des jüdischen Volkes auf der Grundlage der Thora erstrebt, entwarf der jugendliche Redner in fesselnder Darstellung ein Bild von den vielfältigen Leistungen der Agudas / i