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Der Israelit · 1938-03-10 · Heft 10 (10.3.1938) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 10 (10.3.1938)
Date
1938-03-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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10. Marz 1938 Der Israelit Nr. 10 Seite 3 DIE DISTANZ. Die Bibelsprache im Umgang und ihre Gefahren. Von Rabb. Dr. A. Posner in Jerusalem.*) Was die Ereignisse von außen angeht, leben wir in einer rasend vorwärtstreibenden Zeit, aber im Innern läßt sich der Dräng zur Arterhaltung, zum Konservativismus der menschlichen Seele und aller Lebensformen, nicht verleugnen. Daher muß man es restlos bewundern, wie das jüdische Volk aus eigenem Antriebe seine nationale Sprache, die Sprache seiner alten Heiligen Schrift und seiner reichen nationalen Literatur in immer weitere Kreise eindringen läßt, daß es ganze Schichten der Bevölkerung gibt, die hebräisch denken, sprechen und schreiben und hier ihre frühere Muttersprache hintanstellen. Wie das Leben von der neuen Sprache beherrscht wird, wie gerade das Bibelwort die Sprache durchdringt — trotzdem man dauernd und mit Vorliebe von Neuhebräisch spricht — das ist interessant zu beachten, das erfreut das Herz und hat sicher seine guten Folgen. Die Reklame im geschäftlichen Leben rühmt „Tozereth haarez" oder „Peroth haarez" mit den Worten der Schrift. Produkte des täglichen Lebens und die Hersteller oder Herstellungsfabriken tragen biblische Bezeichnungen, und man freut sich, biblische Worte, die dort einen höheren Ton anschlagen, in der einfachen Anwendung des alltäglichen Gebrauches anzutreffen. Und die Meisten wissen, daß „Tnuvah" und „Assis", „Schemen", „Meged", ,,Jizhar", als Reklamemarken angewendet, altes, heiliges Sprachgut sind. Die Inserate und Offerten, die Schutzmarken und Patente, die Lehrhäuser und gar viele Privatschulen wählen die Bezeichnungen aus dem ewigen Buche, das dem Am hassefer* die älteste Literatur und der Welt noch heute das Buch ist. Nicht allein Worte sind geläufig, sondern natürlich auch Sätze. Man wendet sie an wie Homers geflügelte Worte, Schillers Zitate. Jungen erklettern einen Baum, sitzen auf seinen wankenden Aesten und rufen lustig „Kenoa aze hajaar" (wie sich bewegen die Bäume des Waldes), sie wollen sich raufen und die Schwächeren finden einen Beschützer, der sich also hören läßt „Wejadcha al tihjeh bo" (lasse die Hand von ihm). Auch die, die seit Jahrzehnten die Schulbank nicht mehr drücken, wissen solche Sätze anzuwenden. Die Fahrgäste warten im Auto und wünschen Licht, sie rufen dem Führer zu „Hareschaim bachoschech jidämu" (Frevler müssen im Dunkel verstummen). Der Stiefelputzer an der Straße kann damit aufwarten, wie der Poel am Binjan, der Installateur, Ja, man kann sich eigentlich kein Gespräch, gewiß keinen Vortrag denken, bei dem nicht derartige Zitate vorkämen. So ist das Bibelwort in alle Volkskreise gedrungen, leider nicht so, daß die ganze Bibel so vorzüglich gekannt wird, sondern gerade dieses Alltägliche ist Gemeingut des Volkes geworden. Es ist dies wirklich nicht' verwunderlich. Alle Seiten des menschlichen Lebens finden irgendwie ihre Aeußerung in den biblischen Schriften. Dem Leben in seiner Vielgestaltigkeit trägt dieses Buch Rechnung. In ihm erfahren wir etwas von dem Leben und Denken unseres Volkes, und was nicht als Tatsächlichkeit dort ihren Niederschlag gefunden hat, wird in Theorie, in Belehrung und poetischer Darstellung zumindest dort_ widergespiegelt. *) Wiewohl wir uns mit dem hier behandelten Thema in Nr; 8 unseres Blattes bereits genügend befaßt haben, wollen _ wir auch einem Palästinenser, der die typische Zeitverirrung aus einer gewissen Geistessphäre im neuen Palästina heraus zu begreifen sucht, das Wort geben. Zur Adar - Aktion 5698. Mit besonderer Eindringlichkeit ergeht im Doppel-Adar dieses Jahres der Ruf an alle Freunde des heiligen Landes, ihre Verbundenheit mit der Heimstätte der Thora und des Volkes der Thora durch höchste Opferwilligkeit in einem Momente zu bewähren, in dem eine schwere wirtschaftliche und politische Krise selbst Fernstehende erkennen läßt, daß nur die Hilfe des Allmächtigen uns dem heiß ersehnten Ziele näher bringen kann. Unsere Schulen und unsere Arbeiter-Organisation sind aufs Schwerste bedroht. Ohne sie sind auch unsere Kibbuzim nicht haltbar. Die Adar-Aktion soll das Büchsenwesen auf eine neue Basis stellen und soll dem Keren Hajischuw eine große Zahl neuer Mitglieder bringen. Es gilt dem Keren Hajischuw regelmäßige gesicherte Einnahmen zu verschaffen, ohne die eine geordnete Geschäftsführung nicht möglich ist. Von unserer Jugend erwarten wir, daß sie sich mit aller Hingabe in den Dienst der Sache stelle und der Adar-Aktion den besten Erfolg erkämpft. Es geht um Sein oder Nichtsein des agudistischen Werkes im Heiligen Lande. Bringe der Doppel-Adar dieses Jahres die Sühne alles von uns nur allzulange Versäumten. Gehen wir mit Taten dem Frühlingsmonat der Erlösung entgegen. Das Generaldirektorium des KEREN HAJISCHUW Dr. Isaac Breuer Jerusalem, im Adar 5698 Dieses Leben soll hier wieder beginnen, in aller seiner Vielseitigkeit, mit seiner Arbeit und seinen Pflichten, mit seiner Erholung und seinen Festen, mit Trauer und Schmerz, in Fröhlichkeit und Heiterkeit, in schweren und leichten Tagen, bei Jugend und Alter, bei Großeltern, Eltern und Enkeln. _ So lebensnahe, vielleicht zu lebensnahe, ist die Bibel. Das ist die Gefahr unserer Zeit. Wir empfinden dieses Buch zu sehr als das Buch unseres schlichten Lebens; wir finden unsere Ahnen hier dargestellt und glauben, Menschen von Fleisch und Blut vor uns zu haben, die erzählten, wie wir erzählen würden, Lehrsprüche prägten, wie wir Aphorismen schreiben, dichteten und sangen, wie unsere Dichter LieHer dichten und unsere Menschen sie singen. Die Heilige Schrift hat für uns ihren" Heüigkeitscharakter abgelegt. Wir benutzen sie in jeder Lebenslage, wir witzeln in ihr und sind geistreich mit ihr; wir reißen ihre Sätze auseinander und verwerten sie nach Belieben, wir rühmen uns ihrer Worte, denen keine Taten folgen. Wir haben die Distanz zu diesem heiligen Buche verloren. Es kommt uns profan vor, weil wir es. profanieren. Es gibt schon seit Jahrzehnten Forscher unter uns, die mit diesen Texten umgehen, wie mit einem Cicerotext. Sie verbessern die Worte, ändern die Zusammenstellung der Sätze, reden von Einschiebungen, von falscher Worttrennung, d, h. sie üben fachgemäße Textkritik, wie am Buche irgend eines Historikers, irgend eines Dichtersi irgendeines Rhetors, Mit wissenschaftlichen Mitteln der Kritik kann man diese Freiheiten bekämpfen und bekämpft sie dort auch, wobei man auch nicht leugnen kann und wird, daß die verlorene Distanz zu solchen Freiheiten führt und diese Profanierung der Heiligen Schrift verursacht hat. Aber immerhin, das bleibt in gewissen Kreisen, von denen man weiß, daß sie mit Absicht die „kritische Schule" verfolgen. Wenn aber der schlichte Leser, der diese Fachvorbildung nicht genossen hat, sich schon erlaubt, so profan ein Büchlein der Bibel zu zerpflücken, und dabei zu dem Resultat gelangt, das Buch aus dem Kanon der Heiligen Schrift zu streichen, ja wenn dieser Schreiber schon einige Jahre den Hauch des Heiligen Landes verspürt, in der Heiligsten Stadt seines Volkes lebt, in der Umgebung der größten und heiligsten Erinnerungen seiner Volksgeschichte sich befindet und die Bibel so liest, mit so profaner Gesinnung, dann haben wir wirklich ein treffendes Beispiel dafür, daß wir die Distanz zum heiligen Buch verloren haben, daß wir vergessen, daß es in heiligem Geiste geschrieben ist. daß über seinen Worten und seinem Inhalt ein Geist übermenschlichen Könnens und Schaffens schwebt, dem wir nicht mit nur menschlichen Methoden und Gefühlen nahen dürfen. Dieses ist das erste Empfinden, das m. E. Jeder haben muß, der das neueste Büchlein des nicht unbekannten Schalom Ben-Chorin „Kritik des Estherbuches, eine theologische Streitschrift" gelesen .hat. Diese Broschüre will wirklich nicht mehr und nicht weniger, als das Estherbuch abschaffen und das Purimfest untersagen. Und das deshalb, weil es dem jüdischen Empfinden nicht entspräche, daß die Hauptpersonen bis zum entscheidenden Augenblicke ihr Judentum geheim-, halten usw.; was nicht in einem angemesse- Kauft im STRUMPFHAUS METZGER ZEIL 87 auch Herrenwäsche, Trikotagen und. Badewäsche I Übergangs - Mäntel für Herren und Knaben LUDWIG Frankfurt a. M. Hindenburgplatz 12 am Hauptbahnhof.

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