Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1938)
- Date
- 1938-03-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 10 Der Is r a e Iit 10. März; 1938 die Frage und der Streit in den Gelehrtenstuben zu Tiberias und Babylon. Mit jener Nacht, da den König der Schlal flieht, d. hM da sich zeigt, daß der König der Könige im Sinne des K^i QU' tib M3J1 über uns wacht, beginnt das Wunder, so meint der eine Lehrer. Begnügen wir uns mit dem Bewußtsein und der Erkenntnis, daß „Er hinter der Mauer steht, schaut durch die Fenster, späht durch die Ritzen". Wie und auf welchen Wegen Gefahren gebannt wurden, zu erforschen, ist nicht unsere Sache. Freuen wir uns der „aufblühenden Rose Jakobs" und sprechen wir nicht von den Dornen, die die Wunderblume erst zur Blüte trieben. Damit aber, meint der andere Lehrer, wäre der erzieherische Zweck des Wundergeschehens nicht erreicht. Greifen wir schon etwas weiter zurück, bis zu den Gefahren, die gewiß nicht über uns geschickt werden, daß wir sie vergessen. Gefahr und Rettung gehören zusammen, .bilden ein Ganzes. Wir beginnen das Dankgebet mit Q'OJn bs> denken aber zum Schlüsse auch an fllttR^ttfi Darum beginnen wir schon mit^TÄ n^xn anain -irw- Allein auch das genügt dem dritten Lehrer noch nicht. Zurückgehen sollen wir bis zum Auftreten des ersten Juden, bis zu dem Punkte, da der Jude ins Weltgeschehen hineingerissen wird. Die jüdische Gesamtsituation ist bei allem Gedenken, bei aller freudiger Wertung von partiellen Wundern zu berücksichtigen, und jeder Vorgang in der jüdischen Geschichte, ob lokal begrenzt oder weit ausholend, ist eine Mahnung, ein Fingerzeig für die große jüdische Gemeinschaft, der Jeden, auch den vollkommen Gerechten, auch den angeblich gänzlich Unbeteiligten, angeht. Einer ist für den Anderen verantwortlich. Als die Wendung und Rettung in Schuschan kam, hatte man gewiß auf das Kapitel zurückgegriffen, in dem der Jude seine Rolle beginnt. Es gab 'vielleicht nachträglich manches zu korrigieren, es galt gewiß auch Fehler zu erkennen, die jetzt, nach schwerer Prüfung, gutzumachen waren. Man beginne mit »YliT WK- Kommt aber der letzte — es ist der erste — Lehrer und sagt: Nein. Viel weiter zurück führt der jüdische Weg und das jüdische Wunder: bis zum Anfang, zur Wurzel in der Menschheitsgeschichte. Stellen wir Rettung und Gefahr als Folge der jüdischen . Situation in den großen Rahmen des W e 11 g e - schehens. Denn erst in ihrem Verhältnis zur Welt- und Völkergeschichte werden wir jüdische Schicksalswende verstehen. Unabdingbar steht die Megillah vor uns, nicht auf ein Wort und einen Buchstaben wollen wir verzichten. Auch, und erst recht das erste Kapitel, das uns einen Einblick in einen Königspalast, in dem sich Weltgeschichte vollzieht, bietet, gehört dazu. Unsere Geschichte ist nur Teilstück der Weltgeschichte, das jüdische Leid Bezirk des Weltschmerzes, jüdisches Geschick nur ein Stück der Weltgeschicke, die alle von einem Weltenmeister geleitet werden. Mit V7'1 beginne man die Megillah. Wir halten es, nach Entscheidung der Dezisoren, mit dieser ersten Meinung, In Gang und Entwicklung der jüdischen Geschicke erleben wir nicht nur große Weltgeschichte, sondern auch etwas vom Gesetze und Wunder des Kosmos. Der Psalm 22, der seinen Gesang mit dem Aufblick zum nn^n nV^K' dem Morgenstern, beginnt, ist nach altem Brauch unser Purimpsalm. Nach langer dunkler Nacht strahlt an einer Ecke des Horizontes der Morgenstern auf und kündet neuen, schönen, hellen Tag. Wir lesen die Megilla ganz. Wochenrundschau, Der Wechsel im Regierungsgebäude zu Jerusalem. — Die neue Kommission. — Der Tel Awiwer Oberrabbiner zum Tel Awiwer* Sabbat* Im Vordergrunde der Ereignisse der abgelaufenen Woche stand neben der Ernennung der neuen Palästina-Kommission der Wechsel im Regierungsgebäude zu Jerusalem. Beim Abschied in London sind gute Worte gefallen. Sir Harold Mac- Michael hat keine großen Worte und keine weitgehenden Versprechungen gemacht. Er hat verschiedene Delegationen und Deputationen empfangen, u. a. auch eine solche der Agudas Jisroel-WeJtorganisation, und will jetzt im Lande selbst im Verkehr von Mann zu Mann und Mund zu Mund ein klares Bild über die Verhältnisse, die Psyche und die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erhalten suchen. Er möchte weder im Heiligenschein noch im Rampenlicht erscheinen, sondern arbeiten, wie er es in 28 Jahren seines Lebens anderweitig im Dienste der englischen Kolonialverwaltung getan hat. Er sieht seine erste und wesentliche Aufgabe darin, Gesetz und Ordnung wieder herzustellen. Das ist immerhin schon etwas. Hoffen wir nur, daß die noch schöneren Worte aus der Rede Ormsby-Gores den neuen Hochkommissar in sein Amt begleiten und bei all seinen Unternehmungen leiten. Wir meinen nämlich folgende Worter „Palästina ist einzig in seiner Art und „glücklicherweise" jedem anderen Lande der Welt unähnlich. Palästina hat eben mehr Geschichte erlebt als irgend ein Land auf der Welt und Palästina hat das herrlichste Kleinod det Welt geschenkt, nämlich die Bibel. Es ist eben das Heilige Land und nicht nur ein Land mit arabischer Mehrheit." Wir hätten den sehnlichen Wunsch, daß alle, nicht nur der neue Herr im Regierungspalast, diese Worte hören und beherzigen, nicht zuletzt auch die Führer des jüdischen Jischuw, selbst, * * Daß in die Regierungszeit MacMichaels die neue und, wie wir hoffen, "letzte Untersuchung der nun ernannten Kommission fällt, verleiht seiner Amtszeit ein besonderes Gewicht. Was wir uns von dieser Kommission, die Mitte April ihre Arbeit beginnt, versprechen, ist wenig und viel; wenig, weil diese Kommission den Charakter einer Technischen Kommission haben will und soll, und dennoch ungemein viel, ■— weil das Resultat dieser Arbeiten entscheidend für den Teilungs- und Judenstaatsplan, also für das Schicksal Israels und Erez Israels auf Jahrhunderte hinaus sein kann. So sei es am Platze, an die im Weißbuch vom 4. Januar festgelegten Grenzen und Kompetenzen dieser Untersuchungskommission noch einmal zu erinnern. Die Kommission hat Grenzen für die vorgeschlagenen arabischen und jüdischen Gebiete und die ständig oder zeitweilig unter britischem Mandat zurückzubehaltenden Enklaven zu empfehlen, die a} eine vernünftige Aussicht gewähren für die schließ« liehe .Errichtung selbständiger arabischer und jüdischer Staaten mit entsprechender Sicherheit; b) den Einschluß der geringstmöglichen Zahl von Arabern und arabischen Unternehmungen im jüdischen Gebiet und umgekehrt nötig machen; und c) S, M. Regierung instandsetzen, die Mandatspflichten zu erfüllen, deren Ausführung im Kommissionsbericht empfohlen wird, einschließlich der durch Artikel 28 des Mandates hinsichtlich der Heiligen Stätten auferlegten Verpflichtungen. Die wirtschaftlichen und finanziellen Fragen zu prüfen und darüber zu berichten, die mit der Teilung zusammenhängen und die Entscheidungen erfordern, einschließlich *a) der Aufteilung der öffentlichen Aktiva, der Staatsschuld Palästinas und anderer finanzieller Verpflichtungen, die nach Artikel 28 des Mandats „gesetzlich von der Verwaltung Palästinas während der Mandatsperiode eingegangen wurden", soweit als notwendig zwischen den verschiedenen Gebieten; b) Mittel zu sichern, daß die oben erwähnten finanziellen Verpflichtungen in Uebereinstimmung mit Artikel 28 des Mandats voll erfüllt werden; c) die Verwaltung der Eisenbahnen, Häfen, Post, Telegrafen- und Telefondienste; d) Währungsregelungen; e) Zollverwaltung und Tarife; f) Budgetaussichten der verschiedenen zu errichtenden Verwaltungen; g) Wahrung der Rechte der Beamten in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Artikels 28 des Mandats; h) Behandlung industrieller und anderer Konzessionen; i) Möglichkeiten des freiwilligen Austausches von Land und Bevölkerung und Aussichten, durch Landentwicklungsmaßnahmen Raum für weitere Siedlung zu schaffen, um den Bedürfnissen derjenigen zu entsprechen, die von einem Gebiet ins andere überzusiedeln wünschen; k) Schaffung wirksamer Sicherungen für die Rechte der religiösen oder völkischen Minderheiten in den Gebieten, die den Arabern bezw. den Juden zugesprochen werden, einschließlich des Schutzes der religiösen Rechte und Besitztümer, ' Man sieht, es wird den Herren an technischer Arbeit in Palästina nicht fehlen. * * In einer Massenprotestversammlung in Tel Awiw gegen die sabbatschändenden Lokalbesitzer sagte Oberrabbiner Amiel einiges, das auch in der Gola gehört zu werden verdient. „Eine Versammlung in der hundertprozentigen jüdischen Stadt zum Schutze des Sabbat wirkt schon an sich tief erschütternd. Wir erlebten in unserer langen Geschichte allerlei Attacken gegen den Sabbat. Die Völker kannten genau die Nervenzentren unseres Lebens und suchten das wichtigste von ihnen, den Sabbat, zu treffen. Daß wir aber auch in der jüdischen Stadt solchen Kampf zu führen haben werden, konnten wir uns wahrlich nicht träumen lassen. Wir zittern hier um den Sabbat noch mehr als in den Ländern der Diaspora — weil hier eine Sabbatentweihung eine Entweihung des göttlichen Namens ohnegleichen ist. In der Goia kann eine Sabbatentweihung zwar nicht' entschuldigt, aber mit Schwachheit, mit Mangel an Opferkraft erklärt werden. Hier liegt aber in jeder Sabbatentweihung bewußte Auflehnung. Der Sabbat verleiht uns eine eigene zweite Seele, die Sabbatentweiher bekunden aber durch ihr Verhalten, daß. es ihnen selbst an der einfachen Wochentagsseele fehlt. Sind . wir schon etwa der Schlemmerei so verfallen, daß. wir selbst an wenigen Stunden des Ruhetages nicht auf die Restaurationen verzichten können, daß wir unser hohes Sabbatvorrecht um das Linsengericht im Restaurant verkaufen? Es ist schlimm genug, daß man, wo ein ewiges Sinaigesetz noch in Kraft ist, neue städtische Gesetze schaffen muß, aber noch schlimmer, daß selbst diese Gesetze nicht eingehalten werden. Und man muß auch mit größter Entrüstung diejenigen zur Ordnung rufen, die anfänglich zur An* nähme des Sabbatstatutes mithalfen und nun selber die Hand zu seiner Abschaffung bieten. Das zeugt auch von einem erschreckendem moralischen Niedergang. Gegen einen sozialen Ruhetag in der Woche hätten diese Leute nicht gekämpft, ihr Kampf rieh" tet sich einzig und allein gegen den Sabbat (gemeint sind die Männer der Histadruth). Und wie wird die Gola darauf reagieren? Wird sie nicht von der jüdischen Stadt, die am Sabbat auf den Groschenverdienst nicht verzichten zu können glaub r, lernen, ganz den Sabbat aufzugeben und den Kampi . gegen die Assimilation einfach einzustellen? Dort hörte man immer, man könne nicht den Sabbat in der Fremde halten, man müsse warten, bis man im. eigenen Lande ist. Worauf wollen aber nun die Menschen im eigenen Lande warten? Wozu, so sollten sie sich doch fragen, sind sie eigentlich hergekommen?" Was wir in den an sich schönen Worten vermissen, ist der klare Hinweis darauf, daß mit der Einhaltung des Tel Awiw er Sabbatstatutes, das zu gewissen Stunden des siebenten Tages das Offenhalten der Lokale freigibt, der Sabbat des höheren Lichtes, der Sabbat der Thora immer noch nicht gerettet ist, . Wochenkalender. Vom 12. - 19. März 1938 ' Vom 9 — 19. Adar II 5698 '»!' *p mV1»»» Samstag 12 9 3 Sonntag 13 10 S Montag 14 11 T Dienstag Mä'z 15 1W 12 n Mittwoch 16 13 i Donnerstag 17 H T Freitag 18 ■ 15 n Samstag 19 16 0 tot '9 tnp»i mv "inos iviyn Ö»T^Ö D'niS JffUfr npoan ix nner ■Das Haus für Ihre nOS *W ICD -Waren DA VI D BAÜER'B Die noo-Pr eisli sf e isl erschienen._ Frankfurt am^m ain ~ B