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Der Israelit · 1938-03-10 · Heft 10 (10.3.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 10 (10.3.1938)
Date
1938-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IrDer Israelit ms. —~——~——— i Frankturf a. -M. 10. März 1938 7. Adar II 5698 Nummer 10 Der Amtsantritt des neuen High Commissioners. Jerusalem, 3. März. Sir Herald Mc. Michael, der neue High Commissioner, und Lady Mc. Michael kamen heute Morgen auf dem Dampfer „Enterprise" in Haifa an. Ein herrlicher Regenbogen begrüßte sie über der Bucht von Acre. Im Haifaer Hafen waren neben dem Sekretär der Palästina-Regierung die höchsten Beamten •der Mandatarmacht zum Empfange versammelt. Im Momente, da der Kreuzer in den Hafen einfuhr, ertönten von der Höhe des Karmels 17 Salutschüsse. Die Macht hatte außerordentliche Schutzmaßregeln am Hafen und auf dem ganzen Wege zwischen Haifa und Jerusalem getroffen. Es wird behauptet, daß die Polizei auf die Spuren eines Attentatsplanes gekommen sei, den arabische Terroristen auf der Bahnstrecke zwischen Jerusalem und Haifa ausführen wollten. MacMichael begab sich mit Frau und Tochter im Auto zum Wartesaal und fuhr von da mit Extrazug nach Jerusalem. Ueber dem Zuge kreisten Flugzeuge. In Jerusalem. Um die Mittagszeit traf der High Commissioner bei strömendem kalten Regen in Jerusalem ein. Ein königlicher Salut kündigte seine Ankunft an. Nach einer Begrüßung durch die obersten Beamten, wobei es auffiel, daß sich MacMichael mit dem Gesandten Emir Abdullah s in arabischer Sprache unterhielt, begab sich der Hochkommissar zum Regierungshause, wo seine Vereidigung durch den Oberrichter T r u s t e d vorgenommen wurde. Diesem Akte wohnten viele Würdenträger und Vertreter der Konfessionen, u. i. Oberrabbiner Herzog, bei. In seiner dem Eide vorangehenden Ansprache bat der Oberrichter den High Commissioner, über alle Schwierigkeiten der Vergangenheit hinweg in die Zukunft zu schauen, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm gelingen werde, das Land zur neuen Blüte zu bringen. Der Hochkommissar antwortete mit einer kurzen Rede. Er wolle all seine Pflichten ehrlich erfüllen und sei dabei auf die Unterstützung aller Teile der Bevölkerung angewiesen. Eine Rundfunkrede. Die erste öffentliche Amtshandlung des neuen High Commissioners bestand in einer Rundfunkrede am Freitagabend. Es war ein dringender Appell an Juden und Araber, sich ihrer Pflichten Großbritannien gegenüber zu erinnern, das ihnen erst die Möglichkeit zur Entfaltung geboten habe. Was auch beide Völker an Hoffnungen an die Zukunft knüpfen sollten, ohne Hilfe Englands seien sie nicht zu erfüllen. Er wünscht, daß die palästinensische Bevölke rung auf beiden Seiten die Weissagung J esaias wahr mache,,indem sie die Schwerter zu Pflugeisen umschmiede. Die Rede wurde in ihrer kernigen Kürze von allen Teilen der Bevölkerung mit größtem Beifall aufgenommen. Echo in der Presse. Die hebräischen Zeitungen Palästinas bringen große Leitartikel zur Begrüßung des neuen Mannes, in denen sich Vertrauen und Hoffnung ausdrücken. Mit MacMichael, so hoffe man, werde ein neues Kapitel der Sicherheit, des Aufbaus und der Einwanderungsfreiheit in Palästina beginnen. Vor allem müsse eine Entspannung der wirtschaftlichen Lage und eine Milderung der Depression einsetzen. Etwas reservierter äußert sich die arabische Presse, sie spricht davon, daß „nun Gewalttaten gegenüber den Arabern" aufhören müssen. Die Mahnung „aus dem Schwerte eine Pflugschar zu machen", scheint auf dieser Seite noch nicht voll verstanden und beherzigt zu werden. Und dennoch Zusammenstöße zwischen Arabern und Militär- - 46 Tote. lerusalem, 6. März. Während der neue High Commissioner im , Rundfunk an die Bevölkerung appellierte, „die Schwerter in Pflugscharen umzuschmieden", ging in der Gegend von Dschenin ein größeres Gefecht mit einer arabischen Bande von 250 bis 500 Mann vor sich, an dem außer britischem Militär auch Luftstreitkräfte teilnahmen. Wie verlautet, sind 45 Ära b e r getötet und 14 gefangen genommen worden. Die Bande wurde zersprengt. Auf Seiten der Truppen wurden ein Toter und drei Verwundete gezählt Einer der Gefangenen gestand ein, daß er an dem Morde des jüdischen Bürgermeisters Abrät ham Goldschlager mitwirkte. Wo beginnt das Wunder? In der Mischna, Traktat Megillah, wird die Frage aufgeworfen, wie weit wir von der Estherrolle verlesen müssen, um unsere Pflicht zu erfüllen. Die ganze Rolle habe man zu lesen, von Anfang bis zu Ende, sagt einer. Es genüge schon, sagt ein anderer, wenn man mit dem Satz beginnt, der vom „ersten Juden", von Mordechai, erzählt . . . Ein Dritter: Man beginne mit dem dritten Kapitel, in dem die Gefahr heraufzieht. — In der Gemara kommt noch .eine vierte Meinung hinzu, dahingehend, daß der Schwerpunkt der Geschichte in jenem Kapitei enthalten sei, in dem mit der schlaflosen Nacht des Königs die Wendung zum Guten sich ankündigt. Alle vier Ansichten, so wird uns im weiteren Verlauf der Abhandlung erklärt, stützen sich auf einen und denselben Vers in der Megillah, nämlich auf den, in dem es heißt: „Und es schrieben nieder Esther die Königin und Mordechai der Jude alles Wichtige f]pn ^3 DK-" Das Wesentliche und Wichtigste an dem Vorgang sieht eben jeder der Gelehrten auf seine Art in der von ihm hervorgehobenen Episode der Erzählung. Wir aber, so wird gleich in den Kommentaren festgestellt, haben uns an die erste Entscheidung zu halten und wollen beim Verlesen keinen Satz, kein Wort und kein Zeichen der Estherrolle missen. Liegt in diesem Meinungswechsel, wie in allem, was mit der Estherrolle zusammenhängt, etwas mehr als eine bloße formale halachische Streitfrage? Wir haben in den vier verschiedentlich betonten Stellen die vier Hauptakte des Estherbuches in dramatischem Aufstiege, die wir schlechthin nennen könnten: „Welt- und Völker-Geschichte", „Jüdischer Anteil am Weltgeschehen", „Die jüdische Situation und ihre Gefahren", „Wende und Ausgang". Es "kcinn in dem angeführten talmudischen Meinungsstreit möglicherweise darum gehen, wie weit wir zurückgreifen müßten bei der Wertung des Purimwunders, das wir seit Jahrtausenden beständig in unserer Geschichte erleben. Eine Episode der Weltgeschichte zur Zeit des Ueberganges der Weltherrschaft aus der Hand der Babylonier in die der Perser und Medier (siehe Komm. Malbim zum ersten Kap.) spielt, wie jedes Weltgeschehen, in die jüdische Geschichte hinüber. Der erste Jude, der legitime Repräsentant der jüdischen Gemeinschaft, die. ob sie will oder nicht, von den Umwälzungen der Geschichte erfaßt wird, tritt in Erscheinung.. Damit aber zeigen sich schon die ersten Gewitterwolken am jüdischen Firmamente, es entsteht etwas, was wir „die jüdische Situation" nennen. Die Nacht erreicht ihren Höhepunkt und es lichtet ein Tag heran. Und nun könnte man vielleicht im Zweifel sein, wie wir das ewige Wunder im jüdischen Volksdasein werten sollen: Losgelöst von allem, was der Rettung vorausgegangen ist; als goldene Frucht einer Tränensaat; im Zusammenhange mit der jüdischen Gesamtsituation; oder gar in den breiten Rahmen des Weltgeschehens gestellt? Darum geht auch

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