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Der Israelit · 1938-03-03 · Heft 9 (3.3.1938) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 9 (3.3.1938)
Date
1938-03-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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3, März 1938 Der I s r a e 1 i t Nr. 9 Seite 7 kann,?, f) Oeffnung Transjordaniens für die Juden, g) Konsequente Durchführung des Mandates, h) Bildung einer jüdischen Einheitsfront für Palästina durch Einbeziehung der „Neuen- Zionistischen Organisation" und der „Agudath Israel" in die Jewish Agency. Hilfswerk für Juden aus Polen. London, 27. Febr. 30 Delegierte aus allen Teilen des Landes nahmen heute an der hier stattgehabten Konferenz des Hilfswerks für die Juden in Polen und Osteuropa teil. Die Konferenz "appellierte an alle jüdischen Körperschaften, sich dem Hilfswerke anzuschließen und erklärte die Bildung eines einheitlichen, ausschließlich selber in Polen" und den östlich Ländern interessierten Hilfsorganisationen für notwendig. Anstelle des an dei* Teilnahme durch Unwohlsein verhinderten Chief-Rabbi Dr. Hertz präsidierte Dajan Feldmann. Sympathiekundgebungen wurden verlesen vom Erzbischof von Canterbury, Erzbischof von York, Viscount Cecil, Lord Rothschild und anderen. Eine längere Rede hielt das bekannte Parlamentsmitglied George Landsbury, der die Aufbringung einer Millionenanleihe zur" Hebung der Wirtschaftslage von Juden und Nichtjuden in den östlichen Notstandsgebieten anregte. Kinder und alte Leute vor Hunger und Entkräftung dahinsterben zu lassen, sei ein ebenso großes Verbrechen, wie das Bombardement offener Städte aus der Luft. Der Parlamentsabgeordnete Percy Harris sagte, daß etwa 75 Proz. der Juden in Polen arbeitslos oder so schwach beschäftigt seien, daß sie am Rande des Verhun£erns stehen. Frauen und Kinder in Polen glichen vielfach Skeletten, und all das spiele sich ab .in einer Welt des größten Reichtums und Ueberflusses. Es sprachen noch der Parlamentsabgeordnete Locker-Lampson, der das Palästinaproblem behandelte, sowie Dr. Singalowski vom Ort. Aus dem Unterhause. London, 23, Febr. Im Unterhaus erwiderte Ormsby-Gore auf eine Anfrage, daß während der vier Jahre 1934—1937 26 Juden deutscher Nationalität aus Palästina wegen Uebertretung der Einwanderungsbestimmungen deportiert wurden. Gegenwärtig seien 31 illegale Einwanderer in Palästina in Haft. Weitere Fragen und Antworten bezogen sich auf die Abgrenzung der Gebiete Jaffa und Tel Awlw. Amerika. J. D. G. und U. P. A. New York, 18. Febr. Das ,, J o i n t Distribution Committee" und der United Palestine Appeal haben ein Abkommen getroffen, dasj den Wohlfahrtsausschüssen der Gemeinden empfiehlt, 60 Proz. ihrer Zuwendungen im Jahre 1938 dem Joint, 40 Proz. dem Palästina-Fonds zu überweisen. -.-Ct Personalien. Gleiwitz, 28. Febr? In Paul Cohn, der im 62. Lebensjahre in Berlin verschieden ist und heute in Gleiwitz zur Bestattung kam, hat nicht nur die Gleiwitzer Gemeinde einen ihrer Besten verloren, sondern auch weit über den Kreis seiner Heimatgemeinde hinaus wird die Kunde von seinem Heimgang Trauer auslösen. Als Sohn des noch heute, Jahrzehnte nach seinem Ableben, bei seinen früheren Gemeindemitgliedefn unvergessenen Kattowitzer Raws Dr. Jacob Cohn entstammte Paul Cohn einem der vornehmsten Rabbinerhäuser der vergangenen Generation, und er hat diese Herkunft in" seiner adligen äußeren Erscheinung sowie vor allem in seinem von bester jüdischer Tradition geprägten, durch und durch aristokratischen Wesen niemals verleugnet. Während ihn sein kaufmännischer Lebensweg auf die Höhen des Erfolges führte und ihn schon in verhältnismäßig jungen Jahren zu einem der geachtetsten Vertreter des oberschlesischen Kaufmannsstandes werden ließ, hat er im Familienkreise-zeitlebens mit den härtesten Schicksalsschlägen kämpfen und viele nahe Angehörige unter tragischen Umständen begraben müssen. Aber ungebrochen und von einem wahrhaft unbeugsamen G'ttvertrauen getragen, hat er sich immer wieder über alle Heimsuchungen erhoben und neben seiner Berufsarbeit alle Kräfte für die Verwirklichung seiner jüdischen Ziele eingesetzt, denen sein ganzes Herz gehörte. Schon vor Jahren gab er die Anregung zur Schaffung eines jüdischen Vereinshauses in Gleiwitz, das von ihm unter tatkräftiger Ueberwindung aller sich entgegenstellenden Hindernisse zu einer wahren Heimstätte für alle jüdischen Organisationen am Platze ausgebaut wurde und sieh gerade in heutiger Zeit zu einem unentbehrlichen Zentrum für das gesamte jüdisch-kulturelle Leben der Stadt entwickelt hat. Der Initiative von Paul Cohn verdankt auch der Ver- ' ein zur Förderung des Judentums seine Entstehung, der sich die Pflege aller thoratreuen Interessen der Gemeinde, insbesondere die Vertiefung jüdischen Wissengutes durch Einrichtung regelmäßiger Schiurim und Lehrkurse, zur Aufgabe setzt. In der Verwaltung der Gleiwitzer Gemeinde, im Hilfsyerein der Juden in Deutschland, in zahllosen charitativen und sozialen Organisationen, überall konnte man auf Paul Cohns gewissenhafte Mitarbeit zählen, überall ist er voll ehrlichster Ueberzeugung, von dem unvergänglichen Wert der Thoraideale zutiefst durchdrungen, als ein ganzer Charakter für die kompromißlose Durchführung des-jüdischen Gesetzes mit einer eisernen Prinzipientreue eingetreten, die selbst seinen Gegnern Achtung abnötigte. Nun hat ihn ein plötzlich zum Ausbruch gekommenes Leiden noch in der Vollkraft seines Schaffens gefällt, Und neben seinen Familienangehörigen trauert das Thorajudentum um einen seiner treuesten Söhne. n"32ttn Vermischtes. Frankfurt a. M., 16. Febr. Vom Reisebüro „Cunaro tWhite Star" wird uns geschrieben: In Southampton schiffte sich heute der lOO.OOOste Passagier der „Queen Mary" für die Ueberfahrt nach New York ein. Durch die bei der Fahrt von New York nach Southampton mitgereisten Fahrgäste war die Gesamtpassagierzahl, die das Riesenschiff seit seiner Indienststellung im Mai 1936 zwischen Europa und Amerika befördert hat, bereits auf 99.584 gestiegen. Die Fahrgäste, die sich heute in Southampton an Bord begeben, erhöhen die Gesamtzahl der beförderten Passagiere auf 100.434. Seit der ersten Fahrt der „Queen Mary" im Mai 1936 war das Schiff dauernd im Dienst, mit Ausnahme der für das UeberKolen und Nachprüfen erforderlichen Zeit. — Die heute angetretene Reise ist die 73. Atlantikfahrt in 18 Monaten mit insgesamt 219.000 zurückgelegten Seemeilen. Berlin, 1. März. Das Jüdische Lehrhaus Berlin beabsichtigt — bei genügender Beteiligung — ab 15. März 1938 einen Tageskurs zur Erlernung des Spanischen einzurichten. Ziel des Kurses ist, eine gefestigte Grundlage für eine Beherrschung des Spanischen und eine Einführung in die Kulturkunde Latein- : Amerikas — mit Ausnahme von Brasilien — zu geben. Der Kursus wird vier Monate dauern. Schulgeld monatlich RM. 30.—. Der Kurs umfaßt 25 Wochenstunden, d. h. fünf Stunden täglich. Die Durchführung des Kursus erfolgt in Zusammenarbeit mit der Schulabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Anmeldungen an das Sekretariat des Jüdischen Lehrhauses e. V., Berlin W. 50, Marburgerstr. 5 (24 5587). Berlin, 28. Febr. Am 23. Februar fand vor den Lehrerkollegien der beiden anerkannten Oberschulen für Knaben und Mädchen der Israelitischen Synagogengemeinde Adaß J Jisroel, Berlin, die Reifeprüfung für 18 Primaner bezw. -innen statt. Den Vorsitz bei der Prüfung führte Herr Oberschulrat Kleine von der Abteilung für höheres Schulwesen der Reichshauptstadt Berlin, Sämtliche 18 Prüflinge erhielten , das Zeugnis der Reife. Bei vier Prüflingen wurde das Urteil „mit gut bestanden" ausgesprochen. Karlsruhe, 1. März. In den letzten Jahren hat die Israelitische" R e 1 i g i o n s g e s e 11 s c h a f t in Karlsruhe mit gutem Erfolg begonnen, für ihre Mitglieder Gemeindeabende zu veranstalten, die ■ sich dank der Bemühungen des stellvertretenden Vorsitzenden unserer'Gemeinde; Herrn Jacob E t tl i n g e r, stets wachsender Beliebtheit erfreuen, ein -Zeichen dafür, daß solche Abende den Gemeindemitgliedern ein" Bedürfnis geworden sind. So sind aus Elternabenden oder Schulfeierstunden zeitentsprechende Unterhaltungsabende für die Mitglieder der Gemeinde geworden. Am jüngsten Gemeindeabend, den Herr Dr. Willi Weil leitete, sprach Herr Rabbiner Dr, M i c h a 1 s k i über die „Geschichte der Juden in Karlsruhe", ein Thema, das großes Interesse fand, um. so mehr, weil bisher gerade dieses Gebiet etwas stiefmütterlich behandelt worden war. Es ist deshalb dem Referenten besonders zu danken, der kein geborener Karlsruher ist, daß er sich der Mühe unterzogen hat, das reichlich ' vorhandene Material zu sichten und das Wichtigste in einem Vortrag zusammenzufassen. Wenige Jahre nach Gründung der Stadt Karlsruhe waren Juden hierhergezogen, die ersten aus Durlach, Ettlingen und Pforzheim. So entwickelte sich schrittweise die ansehnliche Gemeinde. Im Jahre 1869 gab es dann die Trennung zwischen Gemeinde und der losgelösten Israelitischen Religionsgesellschaft, die dann nebeneinander seit balÄ sieben Jahrzehnten bestehen. Reicher Beifall dankte dem Vortragenden für seine interessanten Ausführungen und es wurde angeregt, auch einmal die Geschichte der Israelitischen Religionsgesellschaft in einem Vortrag zusammenzufassen, — Nach einer kurzen Pause, in der für die Winter- Nothilfe gesammelt wurde, brachte Herr Osias En - g e 1 m e i e r aus Frankfurt hebräische und jiddische Lieder zum Vortrag und erfreute mit seinem gutgeschulten und wohlklingenden Organ, insbesondere bei der Wiedergabe von religiösen Gesängen in der Tongabe Rosenblatts. — Für anfangs April steht uns zu unserer Freude wieder ein Vortrag von Herrn Red. Schachnowitz in Aussicht. S. H. Nitra, 1. März. Die Leitung der Rabbinatsschule in Nitra (CSR) lädt auf diesem Wege alle Talmidim von vn sip«i3 irnan irtn zu einer Versammlung am TOT 'D p"tt und am Sonntag in Nitra ein. Wer keine briefliche Einladung erhalten hat, möge sich als eingeladen fühlen, da viele Adressen der Leitung unbekannt blieben. Die Teilnehmer werden gebeten, -nach Möglichkeit früher anzukommen, um bei den ernsten Beratungen dabei zu sein. Sprechsaal. „Meines heiligen Namens wegen tue ich es!" Jecheskel 36 22! Die so frohen Lebensmut bekundende Zuschrift des Ben-Dawid in dem jüngsten Sprechsaal Ihrer Zeitung Nr. 7 vom 7. Februar hat mich aufrichtig erfreut, und wünsche ich von Herzen, daß diese g'ttvertrauende Gesinnung „sich immer mehre in Israel!" Ich gestatte mir nur deshalb auf diese so erfreuende Zuschrift nochmals zurückzukommen, um den so g'ttvertrauenden Einsender derselben auf einen Irrtum aufmerksam zu machen, den er leider mit so vielen Hunderten unserer Glaubensbrüder teilt — „als ob die heutige Zeit grade keinen Grund zum Jubeln gibt!" Ich bin grade der entgegengesetzten Ansicht. Nie in einem weit bereits m. G. H. über ein sieben Jahrzehnte langes mir beschiedenes Leben, habe ich eine solche „g'ttgesegnete" Zeit erlebt, als die letzten vier und fünf Jahre! Seit zwei Jahrtausenden ersehnten und erflehten sich alle unsere Väter und Ahnen, daß es ihnen nicht nur beschieden sein möge, einmal das Land unserer Väter selbst betreten zu dürfen, sondern auch „den Wiederaufbau der alten Heimat erleben zu können!" Was unseren Vätern und Großvätern nicht beschieden, uns, dem so einsichtsschwachen Epigonengeschlecht, weiß die g'ttliche Allgnade einer barmherzigen Vorsehung es zu bescheiden! Buchstäblich sehen wir die tausendjährige Verheißung des Propheten Jecheskel, Kap. 36, sich offensichtlich, vor unserer und der Welt Augen erfüllen! Häuser, Städte werden aufgebaut in dem Lande unserer Väter, Weinberge gepflanzt, Oliven gepreßt; und alle fünf Erdteile bewundern staunend dieses wunderbar gütige Eintreten des nie schlafenden Hüters Israels; — wie „der Stein, den die Bauleute Jahrtausende verwarfen, heute, in unserer Zeit, zum Eckstein geworden ist!" Nein, mein werter Ben-Dawid! Ist es auch uns noch nicht beschieden worden, selbst das Beispiel eines Königs Jehauscho« fot nachahmen zu können, und wie er angesichts der so großen Uebermacht der Feinde, mit Schofarton und Thoraumzug schon sang, da er erst in die Schlacht zog: „danket dem Ewigen, denn ewiglich währet seine Gnade". (Chronik. 2, 20, 21), froh und feierlich in unsern Synagogen, G'tt für den Tag zu danken, — die Zeit —, „die G'tt gemacht"; aber jeder g'ttesfürchtige Abrahamsenkel freut und jubelt jede Stunde in seinem Herzen, daß die g'ttliche Vaterliebe ihn diesen Tag, diese Zeit hat erleben lassend, da G'ttes Heiligkeit und Herrlichkeit sich allen seinen Geschöpfen offenbart. Danken und jubeln auch Sie, werter Herr Ben- Dawid, wie Ihre jugendlichen oder alternden Glaubensgenossen, daß Ihnen beschieden ist, „in dieser Zeit der Offenbarung der ewigen G'ttesallmacht und gerechter Barmherzigkeit" zu leben, und Sie dürfen sicher sein, daß auch Sie, wie unsere Väter einst gewürdigt werden, „Licht und Freude, Wonne und Herrlichkeit zu erleben." Samuel Münk.

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