Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1938)
- Date
- 1938-03-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 9 Der Israelit 3, März 1938^ sehen im Innern und an der Ostseite der Insel leben, das Sammeln von Honig und der Raphia- Palme dem malaiischen Sakalawastamm, der im Westen haust, und die Züchtung der Zibetkatzen, deren Drüsensekret von der Parfümerieindustrie der Welt so begehrt wird, andern Eingeborenen. Angesehene Wirtschaftler sprechen Madagaskar so viel wirtschaftliche Möglichkeiten zu wie „Ceylon und Malakka zusammen". Existenzmöglichkeit in wirtschaftlicher Beziehung dürfte also für die Hunderttausende von Juden sein, die in nächster Zeit Polen und Rumänien verlassen müssen. Z*r jüdischen Auswanderung. B e r 1 i n , 1. März. Der Hilfsverein der Judenin Deutschland bringt in einem Aufrufe nochmals in Erinnerung, daß er von 1933 bis jetzt rund 25.000 unterstützte Auswanderer betreute.-, Darüber hinaus aber hat er den Unzähligen, die einer-, solchen Unterstützung nicht bedürfen, seinen Rat zuteil werden lassen. Er hat während des Jahres 1937 insgesamt in über 100.000 Fällen Auskunft erteilt, die Auswanderungswilligen beraten und ist ihnen in jeder Weise bei ihrem Auswanderungsvorhaben behilflich gewesen. Die Leistungen des Hilfsvereins, der heute die Auswandererzentrale für die gesamte jüdische Auswanderung — außerhalb Palästinas — ist, dürfen in der Wanderungsgeschichte der Juden ein besonderes Blatt beanspruchen. Viel ist geleistet worden, viel mehr und Schwereres bleibt noch zu tun. Der Hilfsverein ruft daher alle Mitglieder der Gemeinschalt auf: Helft uns bei der Durchführuiig unserer schweren Aufgabe mit eurem Denken und eurem Sinnen. Arbeitet mit an unserem Werke! Tretet ein in unsere Reihen und zeigt, indem Ihr unser Mitglied werdet, wie Ihr den Ruf der Zeit erkannt habt, damit der Hilfsverein, in dieser schweren Stunde jedem Juden in Deutschland Freund und Helfer sein kann! Berlin, 2. März. , Der Hilfsverein der Juden in Deutschland teilt mit, daß durch eine neue Verfügung der eeuadorianischen Regierung eine vorläufige Einwanderungssperre für alle Juden angeordnet ist. Es werden jedoch in Kürze neue Bestimmungen erwartet, so daß zu hoffen ist, daß die Einwanderung Von Landwirten und Handwerkern wieder möglich werden wird. Oesterreich. Zum Gemeindekonilikt in Baden. Wien, 25. Febr. Man schreibt uns aus Wien; r Das Vorgehen des Kultusvorstandes in Baden bei Wien gegen Oberrabbiner Dr. Carlebach hat in den weitesten Kreisen höchste Empörung ausgelöst.. Allgemein wird diese . Haltung aufs schärfste verurteilt. Oberrabbiner Dr. Carlebach erhält fortgesetzt Zuschriften aus Rabbinerkreisen, in denen diese gegen den Beschluß des Badener Vorstandes Protest einlegen. Es wird auch gefordert, daß der Rabbinerverband in Oesterreich energisch einschreite. Das Fremdengesetz in Oesterreich. Wien, 25, Febr. Die „Reichspost" bringt weitere Einzelheiten über das projektierte Fremdengesetz in Oesterreich. Darnach versteht der Entwurf unter „Ausländer" sowohl Angehörige fremder Staaten als auch Staatenlose. Es ist klar, daß Ausländer, die hier eine Beschäftigung suchen oder einem Erwerb nachgehen wollen (Arbeitnehmer), einer Aufenthaltsbewilligun» .bedürfen, die zu erteilen (aber gegebenenfalls auch zu entziehen und zu widerrufen) der Landeshauptmann — in Wien der Bürgermeister — zuständig sein wird. Darüber hinaus werden Ausländer, die länger als ein halbes Jahr im Lande bleiben wollen, um die Aufenthaltsbewilligung einkommen müssen; Aufenthalte auf Grund der Satzungen des Völkerrechtes, der Konkordatsbestimmungen und der Verkehrsinteressen werden von dieser Vorschrift selbstverständlich befreit sein. Daß eine Bewilligung nur erfolge« darf, wenn staatliche (Ruhe,1 Ordnung und Sicherheit), wirtschaftliche und sonstige öffentliche Interessen (Sanität, Sittlichkeit) nicht dagegen sprechen und nicht die Gefahr besteht, daß die ausländischen Bewerber etwa der öffentlichen Fürsorge (Anstalten, Spitälern) zur Last fallen, ist ebenso einleuchtend, wie daß abweisliche Bescheide nicht begründet zu werden brauchen. Berufungen an den Bundeskanzler werden möglich sein. Natürlich wird die Einwohnermeldestelle der Wohngemeinde des Bewerbers von der Erteilung, Abweisung, Entziehung und dem Widerrufe der AufenthaltsbewilHgung zu verständigen sein. Scharfe Strafsanktionen werden die Respektierung der gesetzlichen Bestimmungen sichern müssen. Besonders unerwünschten Elementen gegenüber z. B. den Günstlingen gewisser internationaler Organisationen, Leuten, die ihren wahren Aufenthaltszweck verschleiern, Ausländern, die auf Kosten anderer in unserem Lande leben wollen, wird das Gesetz besondere Behutsamkeit an den Tag legen. Es ist an eine etappenweise Durhführung des Gesetzes gedacht. Zunächst werden, wie die „Reichspost" erfährt, nur jene Ausländer um die AufenthaltsbewilHgung einzukommen haben, deren Aufenthalt in Oesterreich nach dem L Jänner 1933 begonnen hat. Im Verordnungswege sollen dann die Gesuhesfristen für die Ausländer, die vor dem genannten Termin nach Oesterreich gekommen sind, fallweise bekanntgegeben werden. Der Aufwand für die ganze Prozedur wird von den Bewerbern zu tragen sein und gelegentlich der Bewilligungserteilung eingehoben werden: Aus diesen Informationen ist zu ersehen, daß sich die Bestimmungen des neuen Gesetzes auch auf jene Ausländer erstrecken sollen, die bereits seit längerer Zeit sich in Oesterreich ständig aufhalten. Selbstverständlich ist es nicht so gemeint, daß Menschen, die sich hier wirtschaftlich eingeordnet haben und sich nichts zuschulden kommen ließen, das Aufenthaltsrecht verweigert werden wird. Für alle diese Ausländer dürfte daher das Ansuchen um eine Aufenthaltsbewilligung mehr eine reine Formalität sein. U.ebertriebene Befürchtungen sind daher bis auf weiteres nicjtf^ angebracht. Die RundS^ansprache des Kanzlers von sfejiuschnigg. ^r . s\Wien, 24. Febr* ■•»»i In seiner heute Abend gehaltene« Rundfunkrede, die von großen Volksmengen auf den Straßen und auch im jüdischen Viertel eifrig angehört "wurde, betonte der Kanzler, daß Oesterreich an der Konstitution vom Mai 1934 festhalten und die Freiheit und Unabhängigkeit des österreichischen Vaterlandes unter allen Umständen aufrecht erhalten werde. Der Kanzler bekannte sich zur deutschen Mission Oesterreichs und zu der Aufgabe, das deutsche Volk dieses Landes zur Prosperität und zum Glücke zu führen; jedoch müßten die kleinen Minderheiten von anderen ethnischen Ursprung, die in Oesterreich leben, die gleichen Vorteile genießen, wie das Mehrheitsvo'lk. Keinerlei illegale Aktivität werde geduldet werden. Der Kanzler sagte zum Schluß; „Wir sind ein Christliches Land, ein deutsches Land, ein freies Land und jedermann in diesem Lande genießt gleiche Rechte. Das neue Fremdengesetz ist vom Staatsrate und auch vom ökonomischen Rate genehmigt worden. Aufenthaltsgenehmigungen bedürfen fortan alle Fremden, die seit dem 1. Januar 1933 nach Oesterreich gekommen sind. Man hält es für unwahrscheinlich, daß mehr als etwa 1000 Juden seit jener Zeit ins Land kamen. Eine Erklärung des österreichischen Kanzlers, Wien, 22. Febr. Der Kanzler Dr. von Schuschnigg empfing heute den Präsidenten der österreichisch-israelitischen Union. Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, und erklärte ihm in feierlicher Form, daß weder für jetzt noch für die Zukunft eine Aenderung der österr. Verfassung von Mai 1934, welche allen Bürgern jeglicher Konfession Gleichheit der Rechte garantiert, in Betracht kommen könne. Auch sei nicht die Rede von einer Revision der während des Krieges und nachher durchgeführten Naturalisationen. Rumänien. Die Lage in Rumänien. Das rumänische Plebiszit. — Die neue Verfassung. Bukarest, 24. Febr.- Die Juden Rumäniens nahmen heute mit größtem Enthusiasmus an dem Plebiszit der neuen Verfassung teil. Es herrschte überall vollkommene Freiheit der Wahl, was auf strengste Verordnung des Ministers des Innern zurückzuführen ist. Soweit bisher bekannt, haben nahezu 90 Proz. an der Abstimmung teilgenommen und 99,8 Proz. für die. Verfassung gestimmt. : Am Sonntag fand im königlichen Palast die feierliehe Zeremonie der Verkündung der neuen Verfassung statt. Nachdem , der Patriarch, Ministerpräsident Cristea, dem König über das Er- , - gebnis der Volksbefragung berichtet hatte, unterzeichnete König Carol das Dekret über die Inkraftsetzung der Verfassung. Danach legten die Mitglieder des Kabinetts den E i d auf die Verfassung ab.- König. Carol erklärte in einer Ansprache, die neue Verfassung sei die feste Grundlage für das bevorstehende Aufbauwerk. Mit Hilfe aller wahren Patrioten solle ein mächtiges und glückliches Rumänien geschaffen werden. Jugoslavien. Ueberfall auf eine Synagoge. Belgrad, 25. Febr. . Die sephardische Synagoge war Opfer eines Ueberfalles, bei dem einige Fenster zerschmettert und die Wände beschmiert wurden. Im Parlament, hat der Abg. Protic gegen diese Vorgänge protestiert. Italien. Die Gemeindewahlen in Italien. Rom, 14. Febr. - Die Wahlen für den Ausschuß des jüdischen Gemeindeverbandes in Italien, die am 8. März stattfinden sollten, sind auf unbestimmte Zeit aufgeschoben worden. In jüdischen Kreisen ist man der Meinung, daß die Regierung einen Spezialkommissar zur Verwaltung des Amtes einsetzen werde. Frankreich. Aus der Tätigkeit des Öse-Komitees. Paris, 21, Febr, Hier Jand ein Empfang zu Ehren von Prof. S c h o r r aus Warschau bei Baron Edmond von Rothschild statt. Prof. Schorr ist im Auftrage des Ose-Komiteesnach Frankreich gekommen, um dort Gelder zu Gunsten des Ose-Werkes für die Speisung und Versorgung jüdischer Kinder in Polen aufzubringen. Die Familie Rothschild zeichnete 1500 Pfund. Polen. Die Judenftage im Sejm. Warschau, 23. Febr. Bei der dritten Lesung des Budgets verlas Abgeordneter Sommerstein eine Erklärung namens der jüdischen Deputierten, wonach diese als Protest gegen die Haltung der Regierung gegenüber den Juden das Budget ablehnen. ' Während der Debatte schilderte der Abgeordnete Minzbergin einer eindrucksvollen Rede die wirtschaftliche Bedrängnis der Juden in den kleinen Städten und Städtchen Polen, Es sei geradezu ein Wunder, daß die Juden gegenüber allen Verfolgungen und Bedrückungen ihre wirtschaftliche Widerstandskraft noch nicht völlig eingebüßt hätten, sondern noch immer ein aktives produktives Element im Staate seien' und hohe Steuern entrichteten. *": England. Stimmen zur politischen Lage in Erez Israel. London, 15. Febr. Der ehemalige militärische Berater des Cojonial Office in Palästina-Fragen, Colone! Meinerzhagen, ergreift in der „Times", das Wort zur Palästina- Frage. Meinerzhagen erklärt, er habe 1919 verlangt, daß man den Arabern die Absicht, ein jüdisches Dominion aus Palästina zu machen, vollkommen klar machen solle( wie dies tatsächlich die Absicht Lloyd Georges und Balfours war. Stattdessen seien die Araber durch die antizionistischen Tendenzen der Londoner und Jerusalemer Verwaltung zur Opposition ermutigt worden untr die Folge sei der jetzige Terror. Meinerzhagen verwirft die Teilung mit aller Entschiedenheit und empfiehlt den Juden,' ein einheitliches Palästina diesseits und jenseits des Jordan zu fordern; die Geschichte beweise, daß ein entschlossenes Volk seine gerechten Forderungen schließlich durchsetze. Eine andere Aeußerung liegt .in Form einer kleinen Broschüre (Verlag M. L. Cailingold, London) aus der Feder des holländischen Zionisten M. van S o D vor. van Son zerpflückt den Teilungsplan restlos mit den bekannten wirtschaftlichen, politischen und militärischen Argumenten und stellt folgendes Programm aufa) Endgültige" Ausschaltung des Mufti,und Neuwahlen für den Moslemischen Obersten Rat. b) Eine Round-Table-Konferemz zwischen den jüdischen und neu bevollmächtigten arabischen Delegierten, c) Arabische Zustimmung, daß für eine bestimmte Periode die Grenzen Palästinas für die arabische Zuwanderung aus den Nachbarländern geschlossen bleiben, d) Einrichtung eines Gesetzgebenden Rates in Westpalästina auf fifty-fifty-Basis, unabhängig "von y der Stärke der arabischen und jüdischen Bevölkerung, ej Errichtung eines Schiedsgerichtshofes durch den Völkerbund zur Schlichtung aller Streitigkeiten',; über die sich der binationale Gesetzgebende Rat nicht einigen