Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1938)
- Date
- 1938-03-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
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Wenn jeder, der die Keren Hatorah-Z/ele begreift, in die K6f6n HotOfoh - SommölcloSÖ täglich wenige Pfennige legt, dann können wir allen unseren Aufgaben gerecht werden. Dosen anfordern bei: Keren Hatorah, Hqmburg 13, Heinrich Barthstraße 21 IttUKKOORAHt um den Pfennigverdienst im Offenaus, wo ein Müßiggängertum gezüchtet wird, das keinem Nutzen bringt. Wir wissen, alle werden sich zu uns schlagen, in deren Herzen noch ein Funken der jüdischen Heiligkeit glimmt. Der Sabbat hat allen Feinden von außen und von innen standgehalten. Er wird auch in Tel Awiw den Sieg davontragen. (Anmerkung der Redaktion: Es wäre aber u. E. ein zweifelhafter Sieg, wenn er sich nur auf die Einhaltung der bisherigen Bestimmung beschränken sollte. Auch mit der bisherigen Freigabe bestimmter Stunden am siebenten Tag ist die in die alte Sabbatburg geschlagene Bresche tief genug, um alle in dem Aufsatz geschilderten Gefahren nach sich zu ziehen.) Wie ist es mit und in Madagaskar? Nach Meldungen der polnischen Presse wird in G d i n g e n e r Schiffahrtskfeisen bereits der Plan der Gründung einer Schiffahrtslinie für den Passagier- und Frachtverkehr zwischen Gdingen und Madagaskar erwogen. Gleichzeitig plant man die Verlängerung der Gdingen-Palästina- Linie über Jaffa und Haifa zu den Häfen von Madagaskar. Einem bekannten Wirtschaftsblatt in Wien entnehmen wir über die Möglichkeiten und, Grenzen für eine Mässenansiedlung in Madagaskar folgendes; Man kann damit rechnen, daß in Kürze das Projekt „800.000 polnische und rumänische Juden nach Madagaskar" Gegenstand der Weltdiskussion sein wird. Kann aber Madagaskar Zuflucht großer Judenmassen werden? Bietet es klimatisch, wirtschaftlich, kulturell die Lebensmöglichkeiten für einen Judenstrom, der aus zivilisierten europäischen Ländern kommt, aus Ländern mit großer Industrie, aus Ländern, die Eisenbahnen, Flugzeugwesen, Hochschulen usw. hesitzen, und der in ein Land gehen soll, in dem man stellenweise noch ernsthaft an Zauberei glaubt? Es ist noch keine vier Jahre her, daß der Gouverneur Cayla auf Madagaskar im Süi den von Madagaskar, in der Gegend um Tanana, als „Zauberer" angesprochen wurde, weil — nach langer Dürre — einen Tag nach seinem Besuche die Regen begannen. Primitive Völker leben auf Madagaskar, sie sind der überwiegende Teil der Gesamtbevölkerung. Es ist kein Zulall, daß von den 3,7 Millionen Einwohnern nur etwa 23.000 Menschen Französen, die übrigen Eingeborene sind. Dabei handelt es sich um einen Raum von 627.325 qkm, um die viertgrößte Insel der Welt überhaupt. Freilich wäre nichts falscher, als sich diesen großen Gebietsblock als eine wirtschaftliche Einheit vorzustellen. Wir finden auf dem Lava-Hochland große Weideflächen; in den langgestreckten Tiefebenen, die das Lavahochland umsäumen, finden sich mitunter große Strecken mit tropischem Urwald und das ganze Gebiet, mit Ausnahme des Südens, gilt als feucht und ungesund. Speziell die Küstengebiete sind feucht, ungesund und — schmutzig, und gerade deshalb hat man sich daran gewöhnt, den nicht unbeträchtlichen Küstenhandel fast ausschließlich den Indern zu überlassen, die in ständig steigender Zahl einwandern. Heute gibt es ihrer 10:000 auf Madagaskar, in wenigen Jahren dürfte es eine weitaus größere Anzahl geben. Sie sind an ungesundes Klima und schwere Arbeit gewöhnt. Zu Madagaskars Eigenart gehört das Vorhandensein starker Passatwinde, aber auch die warme Meeresströmung, die die Küsten bespült. In ihrem Gefolge finden sich all die Krankheiten, die dem tropischen Klima eigen sind: Malaria, Schwarzwasserfieber usw. So ist es kein Wunder, daß die Franzosen, die nach Madagaskar als Beamte oder so ähnlich verschlagen werden, ihren dortigen Aufenthalt beinahe als Straie empfinden und lebhaft danach trachten, baldmöglichst von der Insel wieder fortzukommen. Im übrigen sind die Nachrichten von dem gesundheitsschädlichen Klima der Insel durchaus nicht neuen Datums. Wir haben ähnliche Nachrichten schon aus der Zeit, als die Araber — als erste Entdecker Madagaskars die Insel „Mondinsel" tauften und, noch vor den Portugiesen, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts hinkamen, sich dort festgesetzt hatten. Nun, auch in Palästina hat es nicht wenige ungesunde Landstriche gegeben und gibt es noch heute. Man ist in bestimmtem Umfange von selten der jüdischen Einwanderer auch mit dieser Schwierigkeit in Palästina fertig geworden. Wenn es in dieser Beziehung auch-den Besiedlern Madagaskars erheblich schwerer gemacht werden dürfte — selbst die geringen, vor 20 Jahren in Palästina schon vorhandenen technischen Möglichkeiten fehlen —, so steht doch hinter einer eventuellen Einwanderung die französische Großmacht. Gewiß ist ihr politisches Interesse an der Insel wesentlich geringer als das briiwh© an den Mittelmeerhäfen Jaffa und Haifa, als das diplomatische Interesse an der Verwendung eines jüdischen Palästina im diplomatischen Spiel mit dem Arabertum und mit Mussolini. Aber man sollte doch auch das politische Interesse Frankreichs an der schnellen und erfolgreichen Exploitation des bedeutsamen Stutzpunkte^ Madagaskar im Stillen Ozean, unweit des Kaps der Guten Hoffnung, südlich von der international wichtigen Schiffahrtslinie Mittelmeer—Suezkanal —Indien eben so wenig unterschätzen wie die Tatsache, daß — mehr als die kaufmännisch eingestellten Engländer — die Franzosen als Schutzpatrone einer jüdischen Siedlung durch humanitäre und soziale Argumente wesentlich zu beeinflussen sind! — Mit andern Worten' muß bei der Besiedlung Madagaskars durch heimatlose Juden sein stellenweise entsetzliches Klima in Kauf genommen werden, so steht dem auf der andern Seite die Mentalität der Franzosen als Plus gegenüber, ferner aber auch der günstige Boden der Insel. Weizen gedeiht zwar dort überhaupt nicht. Aber Reis, Kaperbsen, Maniok und Mais gedeihen recht gut, der Bergbau macht in letzter Zeit immer stärkere Fortschritte und für die Kaffeekulturen bestehen die besten Aussichten. Die eingewanderten Europäer haben noch bessere Anbaumöglichkeiten entdeckt. Auf vorläufig nur 100.000 ha werden Vanille, Rohrzucker und Tabak angebaut. Schon jetzt werden ca. 80 Proz. des Weltbedarfs an Vanille von Madagaskar gedeckt. So scheint es, daß Einwanderer genug landwirtschaftliche Arbeitsmöglichkeiten finden werden. Dabei können sie noch immer die einzelnen, seit Jahrhunderten von den Ureinwohnern geübten Beschäftigungen diesen überlassen, die Züchtung der Seidenraupen der. Hovas, die in Stärke von mehr als 900.000 Men- Gegenstand für die Tagesarbeit, so bringe man ihm diesen vor Tag zurück. Wie sollte dann denn der Schöpfer, der Welt, gegen seine eigene Thora, uns das nehmen und pfänden, -was fürs Leben so wichtig ist, das Heiligtum in Zion? Antwort: Diese Pflicht des Gläubigers wird in der Schrift mit den Worten begründet: „Und es wird sein, wenn er (der Gepfändete) zu mir aufschreit, so erhöre ich seine Not." Schreien wir genug um das Pfand? Konzentrieren sich all unsere Gebete und Tränen auf das Galuth der Schechina? Täten wir das in der Weise, wie es von uns gefordert wird, wir hätten längst unser heiliges Pfand wieder. Bezalel, der Künstler von -G'ttes Gnaden, verstand, wie die Thora berichtet, nutfnn zwnb sich in die Gedanken zu vertiefen. Er kannte und wertete die Herzen, die zu der Gabe trieben und wußte danach abzustufen. Wahre Herzensgaben wurden für die heiligsten Teile des Heiligtums verwendet. Was weniger aus dem Herzen floß, blieb an der Peripherie des heiligen Raumes. * * * „Und es kamen die Männer (mit ihren Gaben) zu den Frauen" (Kap. .35, 22). Als die Männer hinkamen, fanden sie bereits die Frauen da, die sich beeilten und ihren Männern zuvorkamen, um ihren kostbarsten Schmuck für den Mischkan herzugeben. Bei der Sammlung für das g o 1 - dene Kalb blieben sie aber ganz daheim. Darin lag und liegt das Verdienst der jüdischen Frauen. (Malbim.) Kleines Feuilleton, Aus jüdischem Geiste. Zu den Jugendgeschichten des Wilnaer Gaon gehört folgende: Er spielte als Kind mit den Kindern auf dem Schulhofe. Als sie eine Schaukel zu bewegen begannen, lief der künftige Gaon unwillig nach Hause. „Warum spielst Du nicht weiter?", fragte die Mutter. „Ich mag es nicht leiden, daß ich oben hinauf komme und mein Freund nach unten prallt," lautete die Antwort. * * Einem reichen, vornehmen und gelehrten Kaufmann sagte man, es fehle ihm ein Schmuck, nämlich der Schmuck der Armut. Sagen doch die Weisei, die Zierde der Armut zieme Israel. „Ich bin zu bescheiden," antwortete der Hausherr, „um mein ganzes Vermögen für diesen einen Schmuck herzugeben." * * Als Rabbi C h a j i m O s e r , der führende Gaon unserer Zeit, der sich auch durch geistsprühenden Witz auszeichnet, eine Empfehlung in die Hand bekam, in der einem mittelmäßigen Rabbi der Gaontitel und außerdem drei und vier Zeilen Ehrenbezeichnungen gewidmet waren, sagte er kurz: „Eine Banknote aus Sowietrußland". „Wieso Banknote?" fragten die Leute. „Auf den sowjetrüssisenen Banknoten sind Millionenbeträge angegeben, und dabei sind sie fastvollkommen wertlo s." * * Bei Rabbi Meier Simcho klagt eine Frau ihren Mann an, er sei ein Trinker und sorge nicht für seine Familie. „Wo trinke ich?" polterte der Mann. „Ich trinke dann und wann, nicht mehr als alle Juden". „Daran liegt es," sagte der Rabbi, „Ihr solltet eben nicht wie alle Juden trinken, sondern wie nur ein Jude . . ." * * * Dem Lubliner Raw, Rabbi Schapiro ^"XT bot ein amerikanischer Jude eine größere Summe für die Jeschiwa an, unter der Bedingung, daß er, der Rabbi, ihm dafür seinen Anteil an „Olam habba" abtrete. „Gern," lachte Rabbi Schapiro, „mit Ausnahme eines kleinen Teiles." „Von welchem Teile? „Mit Ausnahme des Olam habba-Teiles, der mir dafür winkt, daß ich alles „Olam habba" für meine Jeschiwa hergegeben habe . . ." Ein jüdischer Lord von großen staatsmännischen Verdiensten in London hatte eine alte Mutter, die früher Fischhändlerin war und jetzt noch in einem kleinen Häuschen in Whitechapel wohnte. Allen Bitten des Sohnes, mit ihm in seine Villa zu ziehen, leistete sie beharrlich Widerstand. „Wenn ich mich hier auf der Straße zeige," sagte sie, „schauen mir die kleinen Leute respektvoll nach und sagen; „Die Mutter des Lord". Wohne ich aber bei dir, dann schauen die großen Leute dir nach und sagen: „Der Sohn der Fischhändlerin" ..." f