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Der Israelit · 1938-03-03 · Heft 9 (3.3.1938) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 9 (3.3.1938)
Date
1938-03-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr, 9 Der. Israeli t 3. März 1938, Ueber der allgemeinen jüdischen Notlage in der Welt habe man, so beschwert sich der Artikelschreiber, die Brüder in Jemen so gut wie ganz vergessen. Schon früher war die Lage der Juden in Jemen kritisch genug. Nach dem Kriege kamen unter der Selbstherrschaft des Imam neue unerträgliche Leiden hinzu. Jeder Jude, Mann oder Frau, hat ein© Kopfsteuer zu zahlen. Es ist den Juden verboten, Reittiere zu benutzen (Autos und Eisenbahnen gibt es im Lande nicht). Die Auswanderung nach Erez Israel ist strengstens verboten. Jüdische Waisenkinder unter 13 Jahren, auch wenn sie nur vaterlos sind, werden in die Moscheen verbracht, wo sie zwangsweise zum Islam bekehrt werden. Juden pilgern zwanzig Tage lang durch die Wüste bis zu einem ausländischen Hafen, der die Möglichkeit einer Auswanderung nach Palästina bietet. Des öfteren werden aber solche Pilger von Räuberbanden aufgefangen, ausgeplündert, ermordet oder den Behörden ausgeliefert, da von den Behörden auf solchen Judenfang geradezu eine Prämie gesetzt ist. Mit dem Verbot der Ausübung der traditionellen jüdischen Berufe, wie der Silberschmiedekünst und Schneiderei, ist den Juden der Hauptnahrungszweig abgeschnitten. Die niedrigsten Straßenarbeiten bringen dort nicht einmal das karge Brot für den Tag ein. Aber kein Draht und kein Radio trägt den Notruf der jemenitischen Juden in die Welt hinaus, in die große Welt nicht und auch nicht in die jüdische Welt. Es muß dazu bemerkt werden, daß die Jemeniten, denen es gelungen ist, nach Palästina zu gelangen, sich dort als das beste, friedlichste und arbeitsamste Element auf allen Gebieten bewährt haben. Ihr Anteil an dem Erez Israel-Aufbau kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Seit 15 Jahren etwa gibt es in Palästina einen Verband jemenitisch er Juden, dem es mit Hilfe anderer Instanzen gelungen ist, in dieser Zeit über 10.000 Jemeniten nach Erez Israel zu überbringen und sie dort in den Arbeitsprozeß einzuordnen. Aber es liegt nicht in der Macht des Verbandes, noch mehr zur Rettung ihrer Brüder in der Heimat zu tun. Die jüdische Weif sollte diesen Notschrei, zu dessen Dolmetscher sich der Jemenitenverband in Erez Israel macht, nicht ungehört lassen. Der Sabbat in Tel Awiw, Wir geben diesen Artikel aus dem Tel Awiwer konservativen „Hazofeh", der uns einerseits den Tel Awiwer Sabbat in seiner ganzen Unzulänglichkeit zeigt, auf der anderen Seite die Stimmung des gesetzestreuen Kreises im Zionismus wi" derspiegelt, im WoHlaute wieder! Es ist sicher, daß das Sabbatstatut in Tel Awiw nichts mit unserem Sabbatgesetz gemein hat. Hat es doch eine Aasnähmeklausel, die den Cafes und Restaurationen erlaubt, in bestimmten Stunden des Sabbattages ihre Betriebe offenzuhalten. Indes gaben sich die Lokalinhaber auch damit nicht zufrieden, sie wollten auch in den anderen Stunden des Sabbat aul ihren Verdienst nicht verzichten. Gibt die Stadtverwaltung nach, so wäre dies ein Schlag ins Gesicht des gesamten Judentums, dessen Widerhall in dei ganzen Welt gehört werden würde. .Man kann sich leicht die Enttäuschung vorstellen, die eii*e Preisgabe des Sabbat aus Profitrücksichten in der ganzen jüdischen Well hervorrufen werde. In der Gola, wo die Juden unter einengenden Klammern aller Art leben, bringen sie die größten Opfer für den Sabbat verzichten auf den Verdienst von zwei Tagen m der Woche,, in Feiertagswochen sogar von mehreren Tagen, um das Sabbat genannte kostbare nationale Kleinod nicht zu veräußern. Und hier in unserem T/ande, in der ersten jüdischen Stadl, die ein Modell für den Judenstaat sein soll, sollte man sich dazu entschließen, das Sabbatgesetz zu ändern und einzuschränken, mit Rücksicht auf den .Sabbäterlos? Welche Wirkung müßte eine solche Konzession in den Ländern Europas ausüben, wodie Juden um die Freigabe einiger Sonntagsstunden für die Sabbathaltenden oder den Sabbaturlaub jüdischer Beamten schwer ringen! Es ist bezeichnend, daß hinter den Restaurateuren und Cafehausbesitzern auch Männer aus der Histadruth stehen, die an sich kein Interesse an der Sache haben und sich nur im Prinzips denen anschließen, die gegen „Gewissönsawang" kämpfen. Sie behaupten, man könne den Restaurateuren solche finanziellen Opfer nicht zumuten, zur gleichen Zeit, da sie, die Hist&druthleute, für die „Awodah Iwrith" und die jüdische Produktion, die erheblich teurer ist, von jedem Juden finanzielle Opfer erheischen. Schon unter sozialen Gesichtspunkten hätten die Histadruthleute das Sabbatgesetz unterstützen müssen, das den Angestellten Ruhe und Ausspannung bietet und die Arbeitszeit, ganz nach dem Programm der Histadruth, vermindert. Oder sieht man in dem Offenhalten der öffentlichen Lokale am Sabbat eine so wichtige und unentbehrliche kulturelle oder gesellschaftliche Institution, die man nicht antasten dürfe? Man kennt das Niveau der Gespräche, die in den Lokalen geführt werden. Gar nicht zu reden von den Bars und Tanzvergnügungen, zu einer Zeit, da jüdisches Brat auch im Lande der Juden fließt. Also welches ideale Interesse hätten wir daran, den Sabbat dem öffentlichen Cafehausleben zu opfern? Ware der Sabbat nicht von G'tt gegeben und von der Tradition der Jahrtausende geheiligt, wäre er nur eine menschliche. Einrichtung späterer Zeit, diese Kreise Würden gewiß gegen ihn nicht Sturm laufen. So aber ist der Sabbat in ihren Augen eine „Reaktion", die zu bekämpfen für die Histadruth Ehrensache ist. ~ Der Vorsitzende des Waad Leumi, der offiziell an den Krönungsfeierlichkeiten in London teilgenommen hat, möge berichten, wie hoch und heilig im modernen, hochkulturellen England alte Traditionen gehalten werden und wie willig auch er selbst sich den „veralteten" Formalitäten gefügt hat. Es steht zu befürchten, daß eine Aenderung des Gesetzes zugunsten der Lokale nicht auf diese beschränkt bleiben wird. Die einmal geschlagene Bresche würde sich ausbreiten bis in die Reihen der Kaufleute, der Handwerker, der Pflanzer, der Industrie, so daß vom Sabbat in der jüdischen Stadt wenig übrig bliebe. Es ist doch wirklich schon so, daß gewisse Kategorien, die Regierungsbeamten und öffentlichen Arbeiter, sich gänzlich über den Sabbat hinwegsetzen. Als nach der Emanzipation in Europa viele glaubten, den Sabbat als Hindernis auf dem Wege ihrer wirtschaftlichen. Ausbreitung wegräumen zu müssen, gab es Gruppen von jüdischen „Fanatikern", die liebef äüf alle ihre Privilegien, auf alle Früchte der Emanzipation verzichteten, als nur ein Jota vom Sabbat preiszugeben. Diese blieben auch standhaft und hielten treu und fest zu Zion, als ihre aufgeklärten Brüder jedes Andenken an Zion aus ihren Gebetbüchern strichen. Es waren die „Reaktionäre", die „Finsterlinge". Jetzt, nach hundert Jahren, sieht man wie recht sie hatten. Dieses Häuflein der „Fanatiker" hat das jüdische Volk gerettet. Ohne diese wäre das Judentum in der Welt in der Flut der Assimilation untergegangen und es hätte auch kein jüdisches Palästina und keinen Aufbau gegeben. Wir erleben heute ähnliches. Leider fehlt es auch im Palaste des Königs, im heiligen Lande, nicht an Menschen, die bereit sind, alle jüdischen Heiligtümer um das Linsengericht eines Stundenverdienstes herzugeben. Die Zeit wird nicht ausbleiben, die zeigen wird, wohin diese Denkart führt. Wir aber, im Kreise der Gesetzestreuen, können nicht warten, bis der Tag der Ernüchterung kommt. Wir müssen heute schon in geeinter Front all jenen Zumutungen der Profitmacher ein energisches Nein entgegenrufen. Wir verkaufen unseren Sabbat und die jüdischen Heiligtümer für große Privilegien nicht, erst recht aber nicht: f^HM* > : Feuer und Licht am Sabbat. Von J9l Mannheimer in Dettelhaeh. In den ersten Worten der vorigen Sidra, die mit der heutigen ein Ganzes bildet, ist das Arfeeitsyerbot am Sabbat berührt und die Todesstrafe, welche auf die bewußte, absichtliche Uebertretung dieses Verbotes folgt Dem schließt sich der Satz an; '131 nyan. „Ihr sollt nicht Feuer anzünden in all euren Wohnungen am Sabbattage '. Daß eigens dieses Verbot von all den am Sabbat untersagten Verrichtungen herausgegriffen wird, ist auffallend und hat seit je zum Nachdenken angeregt. Schon im Talmud findet sich eine diesbezügliche Kontroverse. Wir wollen hier nicht näher darauf eingehen; denn auch der Laie dürfte sich sagen, daß hier eine Besonderheit vorliegt. Warum gerade das Feueranzünden als Verbot hervorgehoben wird? Vielleicht dürfte man an des Dichters Wort denken; denn was er bildet, was er schafft, das dankt er dieser Himmelskraft? — Doch einerlei, wie auch der grübelnde Verstand mit dieser Eigentümlichkeit fertig zu werden sucht, für den thoratreuen Juden genügt es, daß der Satz in unserer Thora steht und das Anzünden von Feuer mit einer Klarheit und Deutlichkeit verbietet, die nichts zu wünschen übrig läßt. Hier wird auch die von Unkenntnis und selbstberuhigender Leichtfertigkeit diktierte Redensart zu Schanden; ja, das haben die Rabbinen verboten, wie so vieles andere! Nein! Hier stehts deutlich in der Thora, 2. Buch Moses, Kap. 35, Vers 3! — Nichts zu ändern, nichts zu deuteln. Und trotzdem wird das klare Verbot leider so oft übertreten. Vor der schwerwiegenden Sünde sollte man schon vielleicht deshalb eher zurückschrecken, weil im Verse vorher die Todesstrafe auf Sabbatentweihung angekündigt ist. Was aber in der Gegenwart dem schrecklichen Mißbrauch Tür und Tor geöffnet hat, ist die allgemeine Verwendung des elektrischen Lichtes. Man hütet sich vielleicht, eine Kerze oder eine Petroleumlampe anzuzünden oder gar Ofen oder Herd zu schüren. Kann aber das Einschalten des elektrischen Stromes ein solch schweres Vergehen sein? Man knipst ja nur auf und schon ist das Licht da. Und ebenso rasch ist es aus, (Wie wir sofort bemerken möchten, die gleiche Awero wie das Anzünden!) Als ob es je auf die Schnelligkeit und Bequemlichkeit, mit der man eine Sünde begeht, angekommen wäre.' Wer durch eine Kugel einen Menschen niederstreckt, ist genau so ein Mörder, wie derjenige, der vielleicht das Messer oder die Axt verwendet. In neuerer Zeit kam zu allem noch das Radio. Zur Sünde fügte sich die Missetat, yws hs wen rpoia Es könnte etwa noch der Schatten einer Entschuldigung für denjenigen geltend gemacht werden, der sich ein Mahl kocht am Sabbat oder das kalte Zimmer heizt. Wie gesagt: ein Schatten. Man könnte das noch menschlich fassen und zu erklären suchen. Dagegen ist die Einstellung des Radio eine freventliche Sabbatentweihung, ein ^ftn in optima forma, der kaum zu überbieten ist, für den es nicht einmal den Schatten einer Entschuldigung gibt. Jeder, dessen Wort Anklang findet, säume nicht, hier aufklärend und mahnend die Stimme zu erheben, das Kind beim rechten Namen zu nennen. Aphorismen zur Sidra. „Und dies die' Zählungen des Mxschkan".' Zweimal kommt im ersten Satz der Sidra das Wort „Mischkan" vor, was nach den Erklärern ein Hinweis auf die zweimalige Verpfändung (pawn-rwo) unseres Heiligtums hindeutet. Wir haben die Pflicht, das heilige Pfand auszulösen. Warum dieser Hinweis im Zusammenhange mit: der Zählung und Bestandaufnahme? Es gibt Menschen, die Schmuckgegenstände aus Freude am Schmucke sich anschaffen. Sie pflegten diese Gegenstände an Frau und Kinder zu geben oder in den Silberkasten zu stellen, ohne ihren Preis zu notieren. Andere aber, die Schmuckgegenstände als Kapitalanlage kaufen, um sie in Notzeiten möglicherweise verpfänden oder veräußern zu können, pflegten schon genau Buch darüber zu führen, wie teuer sie beim Ankauf waren, damit keine Schädigung des Bestandes später eintritt. Gebietet G'tt in der Sidra, das Heiligtum und all seine Gegenstände genau nach Stück und Preis zu zählen, so ists bester Beweis dafür, daß das Heiligtum unser größtes Volkskapital ausmacht. Es ist bereits zum zweiten Male verpfändet, und wir haben die Pflicht, durch größten moralischen Einsatz das heilige Pfand wieder auszulösen. (Rabbi Jakob aus Dbuna.) Ein chassidisches Wort sagt: Heißt es. doch in der Thora, man dürfe dem Schuldner das Notwendigste nicht pfänden. Ist es ein Gewand der Nacht, so bringe man es ihm schon vor Abend zurück, ein

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