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Der Israelit · 1938-03-03 · Heft 9 (3.3.1938) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 9 (3.3.1938)
Date
1938-03-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Der argentinische Delegierte Ruiz Guinazu brachte im Auftrage seiner Regierung zum Ausdruck, daß noch erhebliche Einwanderungsmöglichkeiten in seinem Lande beständen, daß es; aber,7 unmöglich '.sei, die Aufnahmefähigkeit Argentiniens in Ziffern auszudrücken. Unter jden,t gegenwärtigen Umständen könne Argentinien ntir^eine qualifizierte landwirtschaftliche Eihwäüdesuhg in Gestalt von ^leinen Landwirten und Kolonisten brauchen. Die Politik der argentinischen .Regierung sei darauf gerichtet, den Einwanderer ah die Scholle zu binden, indem sie ihm Land in der Nähender Zentren des sozialen Lebens überlasse. Der Vertreter B r a s i 1 i e n 1 beschränkte sich auf eine Behandlung der organisatorischen Fragen, ohne eine Erklärung über die künftige Einwanderungspolitik seiner Regierung abzugeben. Der Vertreter von Venezuela wandte sich; dagegen, daß die Einwanderung oft zur Einrichtung von geschlossenen Fremdenkolonien führe, die ihre eigene Sprache, ihre Schülen>; ihre nationalen Einrichtungen beibehielten. Es sei unerläßlich, daß gewisse Auswandererländer in dieser Hinsicht ihre Politik änderten. Der Delegierte von Ecuador kündigte einen Antrag au) Schaffung einer ständigen Internationalen Aus Wandererkommission an. Der Delegierte Boliviens gab1 ebenfalls eine Darstellung der in seinem Lande noch vorhandenen Möglichkeiten für die Ansiedlung von Kolonisten, Viel beachtet wurde die Erklärung des j a;p: a n i s^p h e n Delegierten, der darauf verzichtete, praktische Lösungsvorschläge für das Auswandererproblem zu geben. Aper;:so führte er aus, wenn ein Land, das zu seiner Erschließung das Bedürfnis nach Einwanderern habe, japanische Kolonisten wünschen und ihnen vernünftige Erleichterungen gewähre, werde die japanische Rgeierung ihm gern die notwendige Mnzähl von Menschen senden. Japan habe indes'nicht die"Absicht, für seine Staatsangehörigen die Zulassungsgenehmigung in denjenigen Lähdetn zu fordern, wo sie nicht willkommen seien. Wenn es Auswanderer ausschicke, so wähle es sie sorgfältig aus, insbesondere unter denjenigen, die sich endgültig niederzulassen und gute Bürger des neuen Landes zu werden wünschten. In dem Bericht, den das Arbeitsamt der Kon-, ferenz vorlegt, werden die Kolonien der JCA in Argentinien und in B r a s i 1 i e n als vorbildliche Kolonisationsversuche gerühmt. Die JCA existiere seit 1898 und .habe seitdem durchschnittlich 75 Familien von Kolonisten jährlich angesiedelt. Der Bericht weist auch darauf hin, daß die polnische Regierung größte« Wert darauf lege, die Auswanderung so zu organisieren, daß dadurch nicht das Gleichgewicht der Finanzwirtschaft gestört werde. Allein die jüdische Wanderung von Polen nach Palästina habe dem polnischen Staatsschatz einen. Verlust von 40—50 Millionen Zloty-gebracht. Vom Chaos der Siedlungspläne. Paris, 25. Febr. Der frühere Generalgouverneur von Madagaskar, Marcel O 1 i v i e r , veröffentlicht einen Artikel über die polnische; Madagaskar- Expedition, worin er die Siedlungspläne für phantastisch erklärt. Die französische Regierung sei aus Gründn der Menschlichkeit verpflichtet,- die Ausführung dieser Pläne zu verhindern. Die etwaigen Einwanderer täten sonst gut daran, gleich ihre Särge mitzubringen. (S. Artikel auf S. 5.) Der Hafen von Tel Awiw eingewfcititj Jerusalem, 23. Febr. Der Hafen von Tel Awiw wurde heute bei strömendem Regen vom High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, mit einem g o 1 d e - nen Schlüssel, der einer silbernen Büchse mit Mögen Dovid entnommen wurde, Le r - öffnet. Die Tore tragen die Inschrift: „ScKaar Zion". Ansprachen hielten außer dem High Gom-. missioner der Direktor der Anglo Pales<tine Bank, S. Haffkin, sowie der Bürgermeister von Tel Awiw, Israel RokeacE Die Zeitungen feiern das Ereignis in großen Artikeln und weisen darauf hin, daß mit der^Eröffnung des Hafens die Juden Palästinas sich von de.m '^Jp^chje J a ff ä s. b'e f r e i t hätten. ÄälÜHÄÜ >1 }5i; 3ä \ ■iL ' '-r Die ersten!'Passagiere landen in Tel Awiw Der neue High Commissioner für^Palästina. London, 3. März. Der neue High Commissioner, Sir Harold Mac Michael, hat London verlassen und wird heute, Donnerstag, in Haifa landen. Vor seiner Abreise fand zu< seinen Ehren in der Royal Society in London ein Frühstück statt, auf dem nach einer Ansprache Ormsby-Gores der neue Hochkommissar etwa folgendes ausführte: „Wenn ich versuchen soll, " meine Gefühle zu analysieren, so'möchte ich sagen,; daß zwei Faktoren vorherrschen: erstens meine Ungeduld, nach Palästina zu kommen; je schneller man an die Arbeit geht, um so besser. Zweitens habe ich ein Gefühl des Miß- . Behagens, das nur durch die Tatsache gemildert wird,. daß die Regierung genügend Vertrauen zu mir hat, um mir diesen Posten anzubieten', sowie durch die Tatsache, daß ich 28 Jahre meines Lebens im Dienst einer Verwaltung verbracht habe, der Mr. Ormsby'-Gore seine Anerkennung: gezollt h'a^ der ich mit ganzem Herzen zustimme. .. Ich bin erst drei Wbcnen in Enziane?'1 und ich glaube, ich habe mehr Ratschläge empfangen als die meisten Menschen in dem gleichen Zeitraum. Ich spreche nicht von den Instruktionen und Ratschlägen, die ich offiziell;'erhalten* habe, sondern von denen, die ibh. von ifrjderen,; Seiten aus allen;'erdenklichen Teilen des Erdballs bekommen habe. Ich habe auslührlich die entschieden pro-arabischen Ansichten angehört» Ich habe 'die Auffassungen, kennengelernt, die'ausgesprochen projüdisch sind, und ich habe sogar, darf ich sagen, Ansichten gehört, die entschieden probritisch sind. -Ich hatte den •-.Vorzug; persönlicher Fühlungnahme nrit Leuten, die Palästina- und Seine Probleme kennen, insbesondere mit zwei'Mitgliedern der Königlichen -Kommission, und' sie wareri höchst wertvoll für'-mich, indem5 sie mir eine Vorstellung« von der Größe des Problems gaben, das mich erwartet/ sowie Hinweise auf die Faktoren, die in Rechnung gezogen werden müssen. Ich: weiß, daß ich in Palästina wahrscheinlich mehr im. Rampenlicht als im Heiligenschein stehen werde. Dies;' ist unvermeidlich aus den Gründen, die schon Mr. Örmsby-Gore, hier auseinandergesetzt hat. Der historische Hintergrund allein würde schon dazu beitragen, vor allem aber die aktuelle beispiellose Bedeutung" des Problems. Ich könnte gern auf Rampenlicht wie auf Heiligenschein verzichten, aber ich sehe; daß es unentrinnbar ist. j. ■ ,. - "■<' Es ist zwecklos, wenn1 ich zu sagen' versuche, was ich. zu tun oder nicht zu tun^edenke. Ich würde nur! eine Dummheit begehen, wenn^icli dies täte, v*der ich' gerade erst an eine Sache nerangegangiBn bin, , mit* der ich zur .Zeit noch, nicht, aus .eigener" Berührung vertraut bin. Ich glaube aber getrost "sägen zu können,.. .daß , die erste und wesentlichste, Aufgabe, die zu'r,run isf"'die ' W i e**d e r h e"r's tel|wn;g v.o n G e s e U^t u iiiä OrdnunJ^ ist, V und;' .--^ 2 ij?hil noch etw;as bereits zu einenp so frühen; Z^it^^x^i^hzuiügeri darf ich halte es wei||Br;;fi|r;< wicnjS&'.\daß• maii Kcfatakt'jmit den B'ewohnefen des' Laftdes gep . winnt. Jch ^meine .mcht unbedingt - und ausschließlich srdie Leute," die Führer Ider* Öffentlichen Meinung*sind;oder sich dafür halten. Ich denke an den einfachen Mann, der im Lande lebt. Mit Sicherheit kann'ich wenigstensi!sagen,*Rdaßich dorthin mit der vollen Absicht gehe, alles -—• .^soweit .meine Instruktionen es gestatten-^-,zu tunwwas dn meiner Macht liegt, um jene zwei Ziele zui:erreichen. Ich möchte' hinzufügen, daß itehj restlosvbe-; reit;bin, jede Verantwortung t; 2U -t üjbernehmenf', -die •man mir zu uberlassen rjchjig findet." ....« Sir Harold MacMichael ■ i* ,. Der Kolonienminister Orifls b y- Gor e -sagte in seiner Ansprache u. a., Palästina sei einzig in seiner Ar t und „glücklicherweise" jedem anderen Lande der Welt unähnlich. Die Andersartigkeit Palästinas ergebe sich aus zwei Gründen: P a 1 ä s t i n ah atebsn mehr Geschichte erlebt als irgend ein Land auf der Welt, und Palästina, hat das herrli c h sie Kleinod der W e lt geschenkt, n ä m I i c h die B i Be \. Es ist eben das Heilige Land und nicht nur, wie Politiker rein rechnerisch meinen, ,,ein Land mit arabischer Mehrheit''., England wisse die Aufgabe, die ihm von der Kulturwelt mit der Verantwortung für Palästina auferlegt werde, ,zu schätzen und werde sie mit Hilfe des neuen High Commissioner zu lösen suchen. Minjanlose Gemeinden. Berlin, 4. März. Der Preußi sc he L and esverband j ü d i s eher G e m e i n.d e n hat an die ihm angeschlossenen Gemeinden unter 50 Seelen, ein Rundschreiben gerichtet, in dem er darauf hinweist, daß in zahlreichen Gemeinden infolge der Wegzüge Schwierigkeiten in Bezug auf die Abhaltung der regelmäßigen Sabbatg'ttesdienste entstanden sind. Der Preußische Landesverband übermittelt" deshalb diesen Gemeinden eine G ' 11 e s dien st Ordnung für minjanlose Gemeinden, in der Vorschriften zusammengefaßt 1 sind, die in solchenFällen auf die Abhaltung eines G'ttesdienstes zu beachten sind, Diese G'ttesdienstordnung ist vor einiger Zeit von der F r e i'ejn V^e r e i n i g u n g, f ü r d i,e In t e r.e ss e n d e s, o rthod o x e n J,u d e n tu m .s ,; ,F r'a n k f u r t a. M, herausgegeben worden,; ... —-—- _ _ •< ■■•-■^ . -. i G^nenmi^un^spfHcht kultureller , Veranstaltungen* ^' <m ur ».»" jDie" zuständige Stelle im!;Rl4ichs:m'iriis(t^riuro für Volksaufklärung und Propaganda teilt unter dem Geschäftszeichen SJ 720/12. 2. 38/2 v. 16,: 2. 38 dem Reichsverba'nd der Jüdischen' 'Kültüt^' bünde mit; Im ,,Jüdischen Gemeindeblatt Mannheim vom 28. 1. 38 befindet sich 'eimBericKt über; einen ^im dortig«» Jüdischen t Lehrhaus st^ttge- . fundenen Vortrag über das;!Thema „Raiöer Mariar » Rilke und wir", übers den^eine Anmeldung hierr nicht vorgelegen^ häti Ich weise darauf " hin, daß derartige Veranstaltungen bezw,Vorträge rein kultureller . A?t?.in, jedem . Eall,^ also auch. wenn sie in jüdischen Lehrhäuser!Q?stäiitfandeh Q.der von; : solchen;' verähstältet werdeäy:thjer^meildepflichtjjg 'siiidl Döhi in Fr^gelk^^&elddeli'tjuä jStellenU jj '-i^t ||^^!'|u'nige^e,niä_^eh^^i^%9^4n.^'^..^ t;l '-' ' •::^;-*- V'h.l .In ■', '. Jti:>\■';-t».t'ui

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