Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1938)
- Date
- 1938-03-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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55SP?S?$!S8*S?5©8^^ ***|o«pr 1^.:^ t Der Israelit Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Y Frankfurt a. M. 3, März 1938 30. Adar I 5698 Nummer 9 Die neue Palästina-Kommission gebildet. Ausreise nach Palästina erst Mitte April. f London, 2. März. Die Namen von drei Mitgliedern der neuen T* a 1 ä s t i nak ommission, für welche die Anweisungen am 4. Januar in einem Weißbuch des Kolonialministeriums veröffentlicht wurden wurden Montag im Unterhause bekanntgegeben. Ein viertes Mitglied soll noch ernannt werden. Die drei' ernannten Kommissionsmitglie der sind: Sir John Woodhead, Sir Alison Russell und A. P. W a t e r f i e 1 d. Woodhead ist höherer Beamter des indischen Zivildienstes; im Jahre 1934 war er stellvertretender Gouverneur von Bengalen, Russell ist Beamter des kolonialen Dienstes; sein letzter Posten war der des Oberrichters von Tanganjika, Waterfield ist Beamter des britischen Schatzamtes. Die Kom mission wird die palästinensische Frage zunächst in London studieren und in Jerusalem voraussichtlich nach Beendigung der Ost erf e r i e n eintreffen. Ferner wird uns über die Zusammensetzung <ler Kommission aus London berichtet: Im Unterhaus gab Ormsby-Gore bekannt, daß die neue Palästina-Kommission aus vier1 Mitgliedern und einem Sekretär bestehen wird. Vorsitzender ist Sir John Woodhead, ein seit 34 Jahren im indischen Dienst tätiger hoher Beamter und Sachverständiger für Finanz- und wirtschaftliche Fragen; ferner gehört der Kommission an Sir Alison Russell, ein Jurist, früher Generalstaatsanwalt in Uganda und Richter in Cypern und Tanganjika. Das dritte Mitglied ist Mr. A. P. Waterfield, seit 1911 Beamter des englischen Finanzministeriums. Sekretär ist Mr. Luke vom Colonial Office. Die Kommission dürfte voraussichtlich ihre Arbeit in England Mitte März beginnen und etwa einen Monat später nach Palästina abreisen, um dort gleich nach dem Osterfeste mit ihren Untersuchungen einzusetzen. Noch am 24. Februar übte die „Times" in einem Leitartikel scharfe Kritik am Colonial Office wegen der unendlichen Verzögerung jedes Fortschrittes in der Entwicklung der Palästinafrage. Es gehe nicht an, daß auf diese Weise die Ungewißheit der Situation mit ihren ruinösen wirtschaftlichen und1 politischen Konsequenzen immer weiter verleugnet werde. Vielleicht dürfe man hoffen, daß durch die Ankunft des neuen High Commissioner, wenn ihr die Ernennung der Kommission recht bald folgt, eine Verbesserung der Lage eintrete. Die Regierung dürfe aber nicht länger den. Eindruck erwecken, als verharre sie in dauernder Unentsehlossenheit.! Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes. Genf, 28. Febr. Eine interessante. Konferenz, um einen Immigrations- und Siedlungsplan für die Länder des Lateinischen Amerika aufzustellen, trat heute in Genf zusammen, Sie ist vom Internationalen Arbeitsamt einberufen. Vertreten sind von den Ejnwanderungsländern: Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Ecuador, Uruguay und Venezuela. Die polnische Regierung ließ durch ihre Vertreter erklären, daß sie auf dieser Konferenz, die sich lediglich mit der Auswanderung von landwirtschaftlichen Arbeitern zu befassen •' SP ' habe, das Problem der jüdischen Auswanderung aus Polen nicht aufrollen weede. rDie Auswanderung in Polen könne nur mit Hilfe der privaten Organisationen finanziert werden. Fortsetzung siehe Seite 2. j Aus dem Inhalt: Der Passagierhaien in Tel Awiw . . . Seite 2 Der neue Hochkommissar für Palästina tritt sein Amt an........Seite 2 Wochenrundschau ......... Der Sabbat in Tel Awiw..... . Seite 4 Wie ist es mit und in Madagaskar? . . Seite 5 Berichte aus Oesterreich...... . Seite 6 . Die Lage in Rumänien....... . Seite 6 Berichte aus England.....Seite 6 u. 7 , Seite 8 Aus der Agudas dlsroel-Bewegung . Seite 8 Der Jeschiwaschneider (Novelle) . Seite 9 Historische Notizen und Bücherbesprechungen Seite 10 Die fiiniklassige jii Von Dir. Dr. Elias in Frankfurt a. M. Der Weg der weltlichen jüdischen Schule ist der Weg des deutschen Judentums, Die Geschichte ihrer Entwicklung von den Tagen Mendelsons bis heute läßt unschwer die drei Etapr pen unserer Entwicklung in den letzten 150 Jahren erkennen. Anfangs ist sie ein willkommenes Mittel in den Händen der Assimilation zur Beschleunigung der Emanzipation. Bald wird sie aber von ihren eigenen Begründern als Hemmschuh empfunden und im Stich gelassen. Nur der Orthodoxie verdankt sie mit einer neuen innerjüdischen Zielsetzung ihre Erhaltung, die nur unter schweren Opfern und im Kampf gegen Verachtung und Verkennung ermöglicht wird. Erst die Gewalt' der umwälzenden Ereignisse von 1933 haben das Aschenbrödel zur Anerkennung gebracht. Sie kann wieder die Schule des Volkes werden. Um das zu werden, muß sie aber nicht nur aus den Kräften der Gemeinschaft, des Gefühls und der Geschichte, sondern auch aus den Quellenl des Geistes gespeist werden, die dem Judentum vor der Emanzipation so viel Widerstandskraft und Selbstbewußtsein gegeben hatten, Sie müssen wieder freigelegt und gepflegt werden, um die durch das Schicksal zusammengeführten Kinder unseres Volkes auch im Geiste zu einen und zu gemeinsamem Wullen und Wirken zusammen zu schmieden. Im Mittelpunkt der jüdischen Schule muß demnach das Judentum stehen. Alle erzieherische Oberschule. Arbeit muß von ihm seinen Antrieb erhalten. Das. gibt der jüdischen Schule ihr Rückgrat, ihren eigenen positiven Sinn und ihre nicht neue, aber zu neuer Aktualität gelangte Aufgabe.' der Abhängigkeit von außen eine um so stärkere Selbständigkeit im inneren Bezirk an die Seite zu setzen, im stolzen Bewußtsein des Aschrenu. das wir täglich singen, alle Enge und alles Leid 2ur Nebensächlichkeit herabsinken zu lassen. I. Eine solche innere Freiheit zur Entwicklung ihrer t eigenen Note im Rahmen der von dem - Staate aufgestellten allgemeinen Bedingungen ist für die Volksschule in den Richtlinien, die die Schulabteilung der Reichsvertretung der. deutschen Juden mit Genehmigung des Ministeriums vom 29. Okt. 1937 — E He Dr. 2107 M — herausgegeben hat, bis auf weiteres gewährleistet. Es wäre sehr erwünscht, wenn ähnliche Richtlinien auch der höheren jüdischen Schule eine gewisse Selbständigkeit in der inneren Arbeit und Zielsetzung erlaubten, wie sie bisher auf Grund lokaler Genehmigungen ohne weiteres zugestanden wurden. Die Frage nach der Notwendigkeit und dem Wert der höheren Schute ist für die deutschen Juden in der jüdischen Presse verschiedentlich erörtert und vielfach verneint worden. Demgegenüber habe ich hier des öfteren den Standpunkt vertreten, daß wohl Fortsetzung siehe Seite' 3.