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Der Israelit · 1938-02-24 · Heft 8 (24.2.1938) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 8 (24.2.1938)
Date
1938-02-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Von Tel Awiw nach Hebron und Beth Guwrin, (Fortsetzung.) Wir nehmen Abschied von Hebron und setzen die Fahrt nach dem 22 Kilometer entfernten, etwa 680 Meter tiefer gelegenen Beth Guwrin fort. Das ist heute ein kaum 2000 Einwohner zählendes arabisches Dorf. Doch es ist ein Ort von bewegter geschichtlicher Vergangenheit und bietet darum dem Besucher viel Sehenswertes. Seine Blüte erlebte Beth Guwrin zur Zeit der; römischen Herrschaft. Bekannt war auch der Ort durch seine Heilbäder. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten war Beth Guwrin eine blühende jüdische Gemeinde. Im Eingang eines «Ur Häuser war noch bis vor kurzem ein Säulenfragment mit aramäischer Inschrift eingemauert, wohl Bruchstück einer Synagoge aus dem dritten oder vierten Jahrhundert. Jetzt befindet sich diese Inschrift im Museum zu .Jerusalem. Im zwölften Jahrhundert traf hier der spanisch-jüdische Reisende Benjamin aus Tudela nur drei ansässige Juden. Eine besondere Sehenswürdigkeit von Beth Guwrin bilden heute die Ausgrabungen. Wir steigen einen schmalen Pfad zwischen niedrigen, quaderförmigen Lehmhütten hinan. Eine große Schar schmutziger arabischer Rangen, die wild durcheinanderschreien, gibt uns das Geleite. Wie wunderbar wirkt doch ein arabisches Dorf von der Ferne gesehen und wie entsets- :lich ist der Eindruck, den die Nähe vermittelt! 'Fenster sind hier ein kaum bekannter Luxus, die Oeffnung in der Hütte dient gleichzeitig als jjjfür und Lichtquelle. In den Hütten hausen, dicht beieinander, Menschen und Tiere, und der an dfeh offenen Feuerstellen verbrannte Kameldung verbreitet wenig wohlriechende Düfte. Für uns, di| wir zum ersten Male in einem arabischen D(|*fe weilenr ist alles neu und interessant. Auge, Oh? ünd\ nicht zuletzt die Nase kommen auf ihre Rechnung. ^.uf der Höhe des Hügels angelangt, stehen wir=vor einem Hause, das besonders in dieser Umgebung durch die vielen Fenster und durch das fßlechdäch auffällt. Dieses Gebäude birgt die Ergebnisse der Ausgrabungen. Ein Araber, _. _Seite 87 den eine Armbinde mit dreisprachiger Aufschrift als Wächter kenntlich macht, nimmt uns einige Geldstücke für die Besichtigung ab, hat aber alle erdenkliche Mühe, um die Zahl der eingenommenen Geldstücke mit der Kopfzahl der Besucher in Einklang zu bringen. Drei Mosaikfußböden aus verschiedenen Epochen wurden hier freigelegt. Der eine, unterste, ist der Ueberrest eines römischen Gehöftes aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Auf dem zweiten sind in bunten Mosaiken die vier Jahreszeiten in Gestalt von Frauen dargestellt, die Früchte tragen. Einige Bilder sind Darstellungen aus dem Leben der Hirten und Jäger. Hier ist ein junger Elefant, verstrickt im Dickicht -des- Waldes, dort flieht ein Hase vor dem Jäger, ein Wolf vor dem Reiter. Der dritte Fußboden entstammt einer Kirche aus dem fünften Jahrhundert. Eine weitere Sehenswürdigkeit Beth Guwrins sind die zahlreichen Höhlen in seiner Umgebung. Diese Höhlen sind ein Werk der Natur, ergänzt durch Menschenhand. Das fließende Wasser drang in den weichen Kreideboden, unterwusch, ihn und schuf riesige Hohlräume, die später von Menschen mit primitiven Werkzeugen zu Wohnstätten umgestaltet wurden. Man vermutet, daß in dieser Gegend die Choriter gewohnt haben und will ihren Namen von den Höhlen und Löchern, in denen sie hausten (Löcher hebr. Chorim) ableiten. Wir ^steigen den steilen Pfad zum Plateau eines alten Schüttkegels hinan. Es ist historischer Boden, auf dem wir nun stehen. Hier lag die biblische Stadt Marescha, die Rechabeam, der erste. König von Juda, befestigen ließ, ihr entstammte der Prophet Micha. Wir kommen zu einer uralten, interessanten Zisterne. Mit einem Licht versehen, kann man durch den engen Eingang kriechen und dann die spiralförmig nach unten führenden Stufen hinabschreiten. Unweit davon liegt eine andere merkwürdige Höhle Es Suk (der Markt) genannt. Man staunt über das gewaltige Ausmaß der Höhle und deren glattbehauene Wände, die noch" vielfach die Spuren der Werkzeuge tragen. An der Decke erblickt man primitive Darstellungen von Menschen und Tieren, nach Art von einfachen Kinderzeichnungen.

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