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Der Israelit · 1938-02-24 · Heft 8 (24.2.1938) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 8 (24.2.1938)
Date
1938-02-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 8 Der Israelit 24. Februar, 1938 mondstag zu betrachten ist. Am Ausgang des 30., am Vorabend des 31., kündet das Feuerzeichen, daß der 30. bereits als Monatsbeginn erklärt worden ist, daß der vorhergehende Monat also nur 29 Tage gezählt hat. Ist die Mitteilung durch Feuerzeichen ausgeblieben, so kommt erst der folgende Tag als Monatsbeginn in Frage. Dies ist einmal der Fall gewesen, doch haben die Cuthaer auf ihren Bergen Feuerzeichen gegeben, um falsche Festsetzung vorzutäuschen. Eine andere Vereinbarung der Feuerzeichen ließ der Freitag Abend nicht ratsam erscheinen. Das Nachholen der Feuerzeichen nach naer Ausgang ist bei dieser Vereinbarung eindeutiger Beweis, Feuerzeichen im anderen Falle oder in beiden Fällen würden nach na«? Ausgang zu Zweifeln Anlaß geben, ob der verflossene Monat 29 oder 30 Tage gehabt hat. Nach der Täuschung durch die Cuthäer ist daher nur der umständliche und zeitraubende Weg der Mitteilung durch Sendboten übrig geblieben, die in den 6 Monaten, die in der 3. -«n des 1. pis genannt sind, ausgesandt worden sind.8) 'I niffn. Die Feuerzeichen sollen weithin leuchten, nwwn \>vc>vn vn nx-o „In welcher Weise haben sie die Feuerzeichen gegeben? n'an» ntc *?v nwojito jnran Man bringt lange Zedernstämme miyi ]»w "'S»! nnpi ]nws Rohre, ölhaltige Holzscheite und Flachswerg nn>r»a -piai umwickelt sie mit einer Schnur, ")nn PXiV n^r besteigt die Bergspitze," die weiterhin genannt wird; ' ivtn j)K jna rr>jm „entzündet an diesen das Feuer yinöi T>"»»1 nV»ai «■»aai, bewegt es hin und her, bewegt es aufwärts und abwärts nan m nsn smo bis man den Gefährten sieht nvn nnn pkvia p rim» «mw daß er ebenso tut auf dem Gipfel des zweiten Berges inn Pina p* wbvn und ebenso auf dem Gipfel des dritten Berges." Leicht und gut brennbare Stoffe dienen dem Feuer zur Nahrung. Senkrecht und wagrecht erfolgt die Schwenkung des Feuers, damit nicht der Irrtum möglich, ein Sternschuppe oder ein Komet sei gesehen worden. (Fortsetzung folgt.) Das Kleinkind in Talmud und Midrasch. Von L. Wiesner b~r in Wien. Beobachtung des Kindes. Die Alten beobachteten das kleine Kind in seinen verschiedenen Entwicklungsphasen und unterschieden in Ansehung gewisser Gebote, an die der Vater sein Kind frühzeitig gewöhnen soll, zwischen einem Kinde, iat6 ^nxn jtjp das noch der Mutter bedarf und T"ix H'nw \op einem Kinde, danicht mehr auf seine Mutter angewiesen ist. Ersteres ist ein Kind, welches beim Erwachen aus dem Schlafe wiederholt nach seiner Mutter ruft, bis sie erscheint.1) Ebenso unterschieden sie zwischen einem Kinde, welches zu sprechen anfängt n'wrn ^nnn, und einem solchen, das bereits sprechen kann iai^ »iv« Im Alter von zwei bis drei Jahren ist ein Kind dem Vater besonders lieb, weil es da zu sprechen anfängt und dem Vater zur Unterhaltung dient. Es heißt in diesem Alter wywvv *r>' (Jer. XXX, 19).-') Kann es schon sprechen, so hat die häusliche Unterweisung einzusetzen. Der Vater lehrt es den Satz apy* rbn? r,vna npn ui> ms mm (Deuter. XXXII, 4) und den ersten Satz von S>tnw »»»3) Ein anderes Gebet, welches man mit den kleinen Schulkindern morgens» und abends zu sprechen pflegte, war der Satz: „Hill uns, Ewiger, unser G'tt, und sammle uns aus den Völkern, daß wir preisen deinen heiligen Namen und uns rühmen deines Lobes" (Ps. 106, 47). Dieser Satz ist wiederholt (I. Chr. 16, 35). Dementsprechend sprechen auch wir den Satz zweimal täglich, morgens in dem Abschnitte und abends im Abschnitte 'n ira afrwfr .*) Großen Wert legte man darauf, daß die Kleinen im G'tteshause auf die Benediktionen des Vorbeters mit „Amen" einfallen, denn sie erwerben sich dadurch nach einer Deutung von Jes. XXVI, 2 die Anwartschaft auf das ewige Leben.5) Als ebenso wichtig wurde die Kenntnis der Benediktionen seitens der Kinder erachtet. Deshalb hat der Hausvater die Pflicht, jede Benediktion laut zu sprechen, damit dia Kleinen sie erlernen und sich gewöhnen, sie zu sprechen.6) R. Jona (4. Jahrh. Palästina) betete im G'tteshause leise; verrichtete er aber sein Gebet zu Hause, so sprach er dieses laut, damit seine Hausleute es hörten und erlernten. R. Mana berichtet, daß sein Vater laut betete und daß seine Hausleute auf diese Weise das Gebet von ihm erlernten.7) Begann auch der Schulunterricht im allgemeinen erst nach ..zurückgelegtem sechsten und bei schwächlichen Kindern, nach dem siebenten Lebensjahre (B. °) Der Schlußsatz D"j? pan-a "<r\W\ ist hypothetisch, vgl. rmbv rotöa. l) Erachin 2b, Sukka 28b, vgl. Erubin 82a. -) Lev. r. II, 3; Tanchuma (Wien) Tezaweh Anf. ■3) Sukka 42a, Tosefta Chagiga I, 2, Siffre Ekeb 46 vgl. Sanhedrin 64a oben. *) Schochar Tob zu Ps. 14, 6, vgl. Pesikta rabbati c. 41. 5) Sanhedrin 110b, Jer. SchebiitK IV 8. «) Sofrim 8, 4. - 7) Jer. Berachoth IV 1. bathra 21a), so finden wir indessen auch eine Art von Vorbereitungsschulen, die von 3—4jährigen Kindern besucht wurden.8) Hier würde den Kindern der kurze liturgische Satz: "piaan 'n ns iana „lobet den Ewigen, den Allgelobten", eingeprägt.9) Philo10) sagt: „Sie (die Juden) werden sozusagen von den Windeln an von ihren Eltern, Lehrern und Erziehern noch vor dem Unterrichte in den heiligen Gesetzen und vorgeschriebenen Sitten gelehrt, an G'tt, den einen Vater und Schöpfer der Welt zu glauben." Das lernende Kind ist ein Gegenstand besonderer Liebe G'ttes.11) Auch in der Familie erfreute sich das Schulkind besonderer zärtlicher Liebe und Aufmerksamkeit seitens seiner Eltern, die ihm keinen Wunsch, wenn er auch kindischer Laune entsprang, versagten. Zu Proverb. II, 6 wird folgendes Gleichnis erzählt. Ein reicher Mann hatte einen Sohn, der, als er einmal aus der Schule kam, vom Vater eine Gabe erhielt, aber den Wunsch aussprach, lieber von den .Pastillen zu bekommen, die der Vater im Munde hielt. Der zärtliche Vater gewährte ihm diese Bitte, weil er ihn ganz besonders liebte.13) Das Gehenlernen des Kinder.. Das Gehen lehrte die Mutter das Kind in der Weise, daß sie es rückwärts bei den Armen hielt und veraniaßte, den einen Fuß zu heben und den anderen niederzustellen, wobei sie das Kind nachvorne schob.13J Das Wort spv Feise (Gen. XXVI, 5) deutete R. Levi dahin, daß Abraham schon zu der'Zeit G*t.t erkannte, als er die Ferse von der Erde zu heben begann, d. h., als er die ersten Gehversuche machte.1*) Im weiteren Verlaufe stellte sich die Mutter einige Schritte vor das Kind, hielt ihm die ausgebreiteten Arme entgegen und rief, indem sie das noch zaghafte Kind an sich heranlockte, ihm ermunternd zu; „Komm mein Kind, komm", worauf sie es in ihren Armen auffing.15) Vom Gängeln der Kinder spricht schon die Bibel: „Und ich gängelte Ephraim, nahm sie bei den Armen" (Iiosea XI 3). Als Gehschule diente dem Kinde ein Wägelchen mit drei Rädern, worauf es sich stützte und das es vor sich herschob.18) Das Sprechen des Kiades. Die» ersten Laute, welche - ein Kind ausstößt, gewöhnlich zur Bezeichnung von Vater und Mutter, sind das Zeichen dafür, daß es sich mit der Außenwelt in Verbindung zu setzen bestrebt ist. Es ist das Merkmal des Erwachens des Geistes. Der Talmud in seiner Bildersprache drückt dies mit folgenden Worten aus: „Das Kind kann erst dann Abba und Imma rufen, wenn es den Geschmack von Weizen gekostet hat".17) Im Sinne der Meinung eines Lehrers (Gen. r. XV, 7), deß der Baum der Erkenntnis n»in f9 von dem die ersten Menschen gegessen haben, ein Weizenbaum war, und im Sinne des darauf geprägten Sprichwortes, das von einem geistig beschränkten Menschen gebraucht wird, wonach ein solcher in seinem Leben noch kein Weizenbrot gegessen habe, sagt der Ausspruch, daß der Geist des Kindes erst mit dem Genüsse des Brotes erwacht 'j:n als Gattungsbegriff für jedes Brot aus Getreide, Raschi Sukka 42b). Das Tragen des Kindes. Das Kleinkind wurde entweder in der Wiege liegend oder auf den Armen getragen. Die Mütter des R. Josua (b. Chananja) pflegte ihren Sohn in seiner Wiege nach dem Lehrhause zu bringen, damit seine Ohren frühzeitig Laute der Lehre vernähmen.18) Auf dem Lande, wo die älteren Mädchen ihre kleinen Geschwister zu betreuen pflegten, trugen sie die kleinen Kinder gewöhnlich auf ihrer linken Seite; daher kam es, daß ihre linke Körperhälfte stärker ausgebildet war und die Pubertätszeichen auf dieser Seite früher hervortraten als auf der anderen, rechten Seite.19) Aeltere Kindelwurden auf den Schultern des Vaters sitzend gelragen. Schon nach dem "ersten Lebensjahr, also zur damaligen Zeit noch im Säuglingsalter, war ein Kin.d imstande, auf den Schultern sitzend, sich aufre ht zu halten.20) Es war dies, wie noch jetzt im Orient, die übliche Art des Tragens von Kindern, die sich schön aufrecht halten, aber noch nicht einen längeren Weg gehen können.-1-) Alte Män- 8) Agadath Bcreschith (Buber) Kap. 19, S. 39, Jalkut Tehillim zu Ps. 8, § 831.. ") Schir r. zu I 4, Tanchuma Wajigasch Anf-, Schochar Tob zu Ps. 8. Jalkut Jeremia § 247". 10) Gesandtschaft an Kaiser Caligula. -J1) Seder Elia rabbah (Friedmann) S. 13. "j Ex. r. 41, 3 Tanchuma (Buber) wn »s 10. 1S) Sabbath XVIII, 2. 14) Schir r. zu V, 16. 15) Midr. Lekach Tob (Buber) zu a»»v 10) Sabbath 66a,. siehe Tossafoth das. s. v. nVay und Bezah 23b Tossafoth das. 17) Berachoth 40a, Sanhedrin 70b. 18j Jer, Jebamoth I Ende. 18) Niddah 48b. 20) Chagiga 5a, s. Rasi. 21) Chagiga I 1, Niddah 52a, Jer. Jebamoth I I. ner erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit* häufig mit dem Beifügen: „Ich saß damals auf, den Schultern meines Vaters".22) Der bekannte Agudist Samuel b. Nachman erinnert sich mit allen Einzelheiten, als Kind auf den Schultern seines Großvaters sitzend, die Auslegung eines Verses' ini Namen des R. Meir gehört zu haben, welche ihm im Gedächtnis blieb.23) Ebenso eiinnert sich R. Jochanan, auf den Schultern seines Großvaters sitzend, den Vortrag des' berühmten R. Simon b, Eleazar angehört zu haben.24) In der Agada ist das auf den Schultern sitzende Kind eine oft wiederkehrende Figur.25) R. Eliezer b. Zadok (1. Jahrh.) berichtet über ein Erlebnis aus seiner Kindheit, als er auf den Schultern seines Vaters saß. welches seinerzeit^nicht geringes Aufsehen erregt_haben mochte. Es handelte sich um ein peinliches -Verfahren gegen eine Priesterstochter wegen Ehebruch auf Grund von Lev. XXI 9.28) Von dem frommen Kör nig Hiskia wird berichtet, daß er selbst seine Söhne auf seinen Schultern in die Schule getragen habe.27) Nachtrag. Das einjährige Kind ist das Symbol der Unschuld. In den Worten mv 'ja D'»aa (Num. XXVIII 3) erklärt die Schule Hillels das Wort D'paa allegorisch im Sinne von oaa . waschen, weil die Opfer Israel von den Sünden reinwaschen und es einem einjährigen Kinde gleichmachen.28) Kleine Kinder standen auch in belebten Straßen unter öffentlichem Schutz, weil man sie in Sicherheit brachte.28) Zu dem Psalmworte: „G'tt behütet die Einfältigen" (Ps. 126, 6) 'n o'N/is miv bemerkt der Midrasch: darunter sind die Kleinen gemeint, und erzählt darauf folgende Begebenheit, Eine Mutter stellte eine Schüssel mit einem Gericht vor ihr Kind hin und ließ es allein. Bei ihrer Rückkehr fand sie beim Kinde eine Schiauge, mit welcher es spielte. Die Mutter stieß einen entsetzlichen Schrei aus, worauf sich die Schlange in einen Winkel verkroch, ohne dem Kirfde zu schaden. Die Liebe zu den Kleinen hat eine höhere Weisheit in das Herz der Eltern gelegt. Daba jra Dbyn m oa (Kohel. III,. 11) liest der Midrasch: IM crtVijrnark oa^a die Liebe zu den Kleinen legte er in ihr Herz. Ein König hatte zwei. Söhne, einen größeren und einen kleineren. Der größere hielt sich nett und sauber, der kleinere aber unrein; dennoch liebte der König den letzteren mehr.30) Bücherbesprechungeii. Dan und Gad von W. Neier. II. Teil. Hebräisches Lese- und Lehrbuch für das zweite und dritte Schuljahr. Mit Bildern von Heinz Wallenberg. Verlag Siegfried Scheie m. Berlin- S c hö n e b e r g. 2.40 RM. Während der Stoff des ersten Teiles, der'Fibel, in eine Eingeschichte eingebaut ist, geht der Verfasser im zweiten Teil zum Lesebuch über, das Darstellungen aus der Welt der Jugendlichen und solche allgemeinjüdischen. Inhalts bietet. Das jüdische Jahr mit seinen Bräuchen und Festen wird weiterhin päkkend und fruchtbringend behandelt. Zuletzt folgen Texte aus dem 1, B. M., planvoll ausgewählt, z. T. gekürzt, aber uhverbogen, die einen beachtenswerten Uebergang zum Uebersetzungsunterricbte vermitteln. Das Lese- und Lehrbuch mit seinen reichen Auswertungsmöglichkeiten ist als eine praktische Handhabe zu empfehlen. Hebräische Schrifttafeln, Methode Kohn-Asulay, Preis der Wandkarte Mk. 3.—, der doppelten Handtafel 20 Pfg.: beziehbar durch den jüdischen Buchhandel. Es ist sehr zu begrüßen, daß eine einheitliche Schreibschrift angestrebt wird. - Die hier vorliegende Schrift „Methode Kohn-Asulay" zeichnet sinh durch klare Linienführung aus. Der methodische Aufbati der Schriftformen ist für die Erlernung und Einpra- <$ung von besonderer Bedeutung und Wichtigkeit. Deshalb trägt die Anordnung nach verwandten Formen wesentlich zur leichteren Auffassung bei- Es ist zu wünschen, daß diese- Schriftformeri von. weiten Kreisen angenommen werden, schon damit endlich einmal die Uneinheitlichkeit bezüglich der hebräischen Schreibschrift "ein Ende hat. 221 B. Kama 114b. - 2?) Gen. r. IX 5. 24) Jer. Maasroth I 2. " 25) Ex. r. XXVI 2, Echo r. zu II, 1,. Jalkut Echo § 1023, Jalkut Hosea § 528 Tanchuma (Buberj Jethro 16. ' a8V Jer. Sanhedrin VII 2, Tosefta Sanhedrin IX 11, Sanhedrin 52b. 27) Menorath Hammaor, Ausgabe Fürstenthal, , II Teil, S. 31 nach Berachoth 10. In unseren Talmlid- 'ausgaben fehlt diese Stelle. 281 Pesikta de Rab Kihana (Buber) S. 61. 9B) Tosefta Taharoth III 8. so) Kohel. r. zu III, 11 Midrasch Schochar Tob zu Ps. 91. "

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