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Der Israelit · 1938-02-24 · Heft 8 (24.2.1938) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 8 (24.2.1938)
Date
1938-02-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IHIII— ^IH]Q= -H II Hilf— ■HHOIOIO» o—o »OIOIO | tmm -^-IlfMIIJ— -HIIHIII— HIH " _ Erziehung und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer judischer Lehrer Deutschlands IHIII- —HIHIII— ^][H]Q= -Hllojol o | o—o ||o| oloil 1— -HIIHIIh- -HIIHIIh- HIH Die Macht der Erziehung. Von S. R. Hirsch *>"Xt* Gesammelte Schriften I „Der Sabbat und die Erziehung", Unter allen Mächten, denen der Segen und der Fluch der Menschheit anvertraut ist,'ist keine stiller und zugleich offenbarer, keine zarter, und zugleich allmächtiger, keine edler und zugleich allgemein zugänglicher, als die Macht der Erziehung. Und wenn alle dämonischen Mächte sich vereinigten, das Menschengeschlecht zu verderben, aber di- Väter und Mütter des neugeborenen Geschlechtes gelobten sich, durch ihre Erziehung die Zukunft zu retten: die Zukunft wäre gerettet. Und wenn Himmel und Erde zusammen wirkten; endlich das Reich des Heiles und des Friedens, des Segens und der Freude auf Erden herbeizuführen, aber Väter und Mütter verschlössen das Werk der Erziehung diesem Heiles-Wirken: Himmel und Erde vermöchten nicht die Zukunft der Menschheit zu retten; die Menschheit wäre doch verloren. Stärker als die vereinte Macht 'aller irdischen Gewalten, mächtiger als die vereinte Kraft aller Berechnungen der Klugen ist der Zauber, den das Mutterauge über das Gemüt ihres Kindes übt, ist die Mächt des Vaterwoites, ist die Kraft der Elternlehre: des Elternbeispiels für die Gestaltung des kommenden~'Geschlechtes. Nicht in den Kabinetten der Fürsten, nicht aur der Wahlstatt der Schlachten, in den Kinderstuben, an den Kinderwiegen, auf den Mutterknieen wird das Geschick der Völker entschieden, "\ *j'yt VTO?i"mn« in'3 rno van n.< ms' ip& ]yaV w '»a Ich habe ihn erkannt, auf daß er seine Kinder und sein Haus nach ihm verpflichte, daß sie den We£ G'ttes bewahren.' sprach G'tt, und' vertraute der Macht der Erziehung, den Heileskeim des Abrahamglaubens inmitten des Widerspruches einer ganzen verirrten Welt im Schoß einer einzigen Familie siegreich zu retten. DT" Y~ikl '»rp 15 'S 51n Vierhundertjährige Fremdlingsschafi, Sklaverei und Peinigung verhängte G'tt ruhig über diese Familie und vertraute der Macht der Erziehung, daß sie so fest die glaubensväterliche Sitte wurzeln lassen werde, daß alle Schrecken der Tyrannei und der Entwürdigung sie nicht zu erschüttern vermöchten. Q-"»3 ns DrnNi „Unter die Völker streue ich euch hin", sprach wiederum G'tt, und vertraute der Macht der Erziehung, daß sie so stark die Bande der Lehnj und des Lebens zu weben vermögen werde, daß der Einfluß der verschiedensten Völker und Länder, der verschiedensten Sitten und Verhältnisse, der ver-. schiedensten Zeiten und Schicksale,' daß der Ar.- kampf der feindseligsten Bestrebungen, daß die Wucht der niederschlagendsten Bedrückungen, daß der Riß der zersplitterndsten Zerstreuung nicht nur Jahrzehnte, nicht nur Jahrhunderte, Jahrtausende herab die Bande nicht würden zerreißen können, die die Erziehung gewebt, den Keim nicht würden ertöten können, den die ■ Erziehung gepflanzt, Der Erziehung vertraute G'tt sein heiligstes Werk an, TM "»aa^ TaaV Oranna „du wirst deinen Kindern und Kindeskindern vererben, was du am Horeb gelernt", man omn wa nm'isi „und dies mein Bünd nis ist mit ihnen, sprach G'tt, der Geist, der auf dir ruhet und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt, sie werden nicht aus deinem Munde und deiner Kinder Munde und Kindes-Kinder Munde weichen, sprach G'tt, von jetzt an in alle Ewigkeit" — sprachs und nirgends hat die Erziehung herrlich sichtbarere Triumphe gefeiert, als in jüdischen Hütten, auf den Knieen jüdischer Väter, auf dem Schöße jüdischer Mütter. 1»x nsi t»3S m *,5:5' sprach darum G'tt: „Ehre deinen Vater und deine Mutter!" "un-n.' v-«i r« „M\itter und Vater ehrfürchte jeder!" und knüpfte damit innig 'wie das Band, das den Menschen mit G'tt verknüpft, das Band zwischen Kindern und Eltern im jüdischen Kreise, und nächst der Verehrung und Ehrfurcht vor G'tt stellte er die Ehrfurcht und Verehrung der Eltern. Ruhet ja auf der Reinheit und Heilighaltung dieses Bandes alle. Hoffnung Israels! Soll ja Erziehung das späteste Geschlecht mit den Ahnen verknüpfen, die zu Füßen des flammenden Horebs die G'ttesbegeisterung getrunken und den ewigen Bund des „Naaßeh Menischma", der Tat und des Gedankens geschworen. Soll ja Erziehung die Sprossen des jüdischen Geschlechtes in stetem Fortschritt zu jener Höhe geleiten, auf welcher dem Wunsche des größten Propheten Erfüllung winkt, „daß das ganze Volk Propheten würde und Allen G'tt Seinen Geist spendete!" Sind ja unsere Wiegen, unsere Kinderstuben, unsere Familienräume die heiligsten Stätten, in weichen a^pw o'?:iy 'aa, aus dem Munde der Kinder und Säuglinge G'tt die Burg seines Reiches auf Erden erbaut werden soll. Sind ja unsere Väter und Mütter zum heiligsten Priestertume berufen, in den reinen Herzeh und Seelen der Kleinen die heilige Flamme der G'tteserkenntnis, der G'ttesfurcht und Liebe und des G'ttvertrauens fürs Leben anzuzünden. Darum geiügig wie das Saatkorn in der Hand des Sämanns, oder mit dem Bilde des Sängers des jüdischen Haussegens: „wie der Pfeil in der Hand des Schützen" legte G'tt die Kindesseele in die Hand der Eltern und sprach zu den Eltern: hier habt ihr nvsn »v „mein edelstes Händewerk", erziehet es "ixsfln^ „zu meiner Verherrlichung", und sprach zum ivinde: •jok zun y>2X r.n ia. „Gehorche ehrerbietig deinem Vater und deiner Mutter" und Mira» ns i«T>n vas^ tor s?'8 noiPn Leben wie Vater und Mutter es wünschen, mit deinen Gedanken und Gefühlen, deinen Gesinnungen und Ansichten, deinem Reden und Tun, deinem Wirken und Genießen, mit deinem ganzen Leben und Streben Mutter und Vater Freude machen, das heißt Vater und Mutter ehren, und alle Liebkosungen, alle Ehrengeschenke, alle Gebärden und Formeln der Ehrerbietung sind Schaum und Traum, sobald du mit deiner Lebensweise Vater nud Mutter Kummer bereitest. In diesem Kummer sehen sie das Werk ihrer Erziehung vernichtet,, in diesem Kummer sehen sie den ewigen Vorwurf, an dir ihre heiliggroße Aufgabe nicht gelöst zu haben. „Erziehet diese Menschenseele zum wackeren Juden, zur wackeren Jüdin!" sprach G'tt, als er dich zuerst das freudentzückte Elternantlitz anlächeln ließ, und du bist nicht wacker, nicht Jude, nicht Jüdin worden, — was soll ihnen der Kranz, mit dem du ihre Geburtsfeier schmücktest, wenn dein Leben Kummerdornen ins Herz des Vaters und der Mutter drückt! Mitteilungen, die Pädagogische Beilage „Erziehung und Lehre" betreffend, sind an Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen, Kr. Offenbach, zu richten. Die Misch nah als Lehrstoff im Religionsunterricht. Von Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe. (Fortsetzung.) '« nawn Einwandfrei muß das Zeugenpaar sein, das den astronomischen Neumond beobachtet hat. Von der Zuverlässigkeit der Zeugen muß der oberste Gerichtshof überzeugt sein, in« cvsa ja « dk „Wenn man es, das Zeugenpaar, nicht kennt, i R o-n-w» vrsrnV sendet man ein anderes mit ihm, um es als zulässig zu bezeugen." Sinngemäß, so scheint es uns, nimmt diese n<r» auf die 6, des ersten p->-- Bezug und knüpft an diese an. Diese erwähnt das Erscheinen von mehr als 40 Paaren, deren zulässige Zusammensetzung die 7. und 8. n:wr. behandein. Das Zeugenpaar als Einheit, die beiden Teile des Paares, die es bilden, werden im Singular bezw. im Plural in der 9. n.J»a genannt, da die Bestimmung auch für den Enzeinen gilt, mit dem sich ein anderer, der anderwärts die Beobachtung gemacht hat, zum Paar ergänzen könnte. Daran schließt sich der Singular am Beginn unserer n:wn *) ' x) Vielleicht ist damit die Frage von -8» m*w in: a"3 n*"» zu beantworten, vgl, auch '••vbywz. St, Die Notwendigkeit der Beglaubigung der Zeugen setzt den Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Unbekannten voraus. Ein trauriger Grund ist die Veranlassung gewesen. dis ton annn nny \>bipn vn nanfr«-Q „Zuerst haben sie die Zeugenaussage des Neumond von jedem Menschen angenommen", man hat es nicht glauben mögen, daß ein Glaubensgenosse es über, das Herz bringt, durch falsche Aussage den Gerichtshof irre zu führen, daß er die Verantwortung für falsche Ansetzung der Festtage tragen könne, o-ovan ibripv „Als die Juden eigener Art, die eine Sekte bildeten, irre geführt haben", D'vann ja x-k p^apa irr k->b? wnn haben sie angeordnet, daß sie sie nur von Bekannten, die sie kennen, annehmen." Juden eigener Art, die Boethusäer, haben zur Zeit des zweiten Tempels nur die schriftliche Lehre anerkannt. Die mündliche Lehre haben sie abgelehnt. Sie haben erreichen wollen, daß die Omerschwingung und das nach 7 Wochen folgende Wochenfest, msiaw» nicht am Tage nach dem- Festtag, sondern am Tage nach dem na«? am Sonntag sei. Wenn am row am 30. Adar, von Zeugen der Mond gesehen wird, ist ihr Wunsch erfüllt. Einmal, als er nicht gesehen worden ist, haben sie für hohen Preis falsche Zeugen gedungen, die bezeugt haben, sie haben ihn gesehen.2) Die Glaubwürdigkeit unbekannter Zeugen ist erschüttert, wenngleich der einmal nur ausgeführte Anschlag mißlungen und nicht zur Ausführung gelangt ist, da der eine Zeuge sich nur dingen ließ, um durch rechtzeitiges Eingeständnis ihn zu vereiteln. Zu den ganz seltenen Ausnahmen hat dies gehört, fast schamvoll wird es in dieser ersten 3'- an den Schluß gesetzt.3) Anders ist die Satzstellung in der zweiten ^ivn nicht der Gerichtshof ist es, der durch falsche Aussage getäuscht wird, sondern Israel und insbesondere dem außerhalb Palästina im Exil wohnenden Israel wurde die richtig erfolgte Festsetzung vorenthalten und eine andere vorgetäuscht. Eine der Feindschaft entsprungene Täuschung um der Täuschung willen, die der Ehre Israels nicht so gar nahetritt, liegt zu Grunde, sie wird als Begründung der Anordnung vorangestellt. 'a na»»: nw»» ynvn v nawjnn „Zuerst haben sie Feuerzeichen gegeben", um die erfolgte Ansetzung des Monatsbeginns zu verkünden, doch aTiirn ibpVton, als die Cuthaer irregeführt haben, t'Hsi» fmbv w» irpfin haben sie angeordnet, daß Boten hinausgehen," um es zu melden. Nicht der Wunsch, Berechnungen eigener Art verwirklicht zu sehen, hat die Cuthaer geleitet, sondern die Absicht, die Juden zu ärgern und zu behindern. Von dem Eroberer des Landes, der den ersten Tempel zerstört hat, von Salmanassar von Cuiha nach Palästina versetzt, haben sie zuerst, z. T. aus Furcht vor Löwen, die sie überfallen haben, das Judentum angenommen, trotzdem aber auf dem Berge Gerisim ihren alten Götzendienst fortgesetzt und eine Taube angebetet. Als Götzendiener von den Juden durchschaut und erkannt, haben sie ihren Aerger in Religionsbehinderung ausgelassen. In Jerusalem wurde nach richtiger Festsetzung des Monatsbeginns die Omerschwingung ohnehin nicht am Sonntag vorgenommen,4) der Grund der Sektierer ist für sie nicht maßgebend gewesen nur Israel haben sie zu falscher Ansetzung und falscher Feier der Festtage verleiten wollen Die Weitergabe der Mitteilung der Feuerzeichen5) ist'rascher und einfacher" gewesen. Nur wenn der Monat 29 Tage hat, weil am 29. Tage der Mond durch Zeugen beobachtet wird, ist die Mitteilung erfolgt. Sie gibt zur Kenntnis, daß dann der folgende Tag nicht als Neu- 2) Nach rwan1) niipn rrhaben sie sich über ihre Täuschung mit dem Hinweis auf die in enthaltene Gültigkeit auch absichtlich falscher Festsetzung beruhigt. Es dürfte dies allerdings dann nicht eine Deutung der von ihnen nicht anerkannten mündlichen Lehre sein. 3) Im Gegensatz zur Lesart des täwv nrtv wito ~*y 4) -"»in '»-»nm rt^an 5) Zum Ausdruck vgl. auch Richter 26, 38, 40, Jer. 6, 1,

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