Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1938)
- Date
- 1938-02-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 8 Seite 7 E R E Z ISRAEL Der Kampf gegen den Terror. -1 Jerusalem, 17. Febr. W^gen Eisenbahn-Sabotage wurden 170 Araber verhaftet. Die Polizei und das Militär machten fieberhafte Anstrengungen, um den Mördern des Schwadronleiters Alderson auf die Spur zu kommen. Im Dorfe Jjzim wurden zwei Häuser, zu denen die Polizeihunde hinführten; niedergerissen, während das Dörf umzingelt; mehrere Verhaftungen vorgenpmsien und 2700 Tiere aus dem Viehbestand dieses Dorfes , und dreier Nachbardörfer beschlagnahmt wurden. Jerusalem, 21. Febr. Der. Bandenführer Mahmud El Hussein ist kewte Morgen in Acre hingerichtet worden. Eine arabische Herausforderung. J e r u s a 1 e m , 17. Febr Der „Oberbefehlshaber" . der, arabischen Banden erläßt eine Proklamation, worin er die arabischen Polizisten auffordert, sich den .Banden anzuschließen! Die Bandenführung bietet den Beamten % L s t. m onatlich höheren L o h n an als die Regierungspolizei und den regulären Terroristen Lst. l.-rmehr als die ständige Polizei. Der Bandenchef erbietet sich auch, die arabischen Polizisten „mit modernen Waffen" auszustatten. Diejenigen, die nicht annehmen, werden mit dem Tode innerhalb 14 Tagen bedroht. Die Unverfrorenheit dieser Bekanntmachung fibersteigt alle bisherigen Erlebnisse. Selbstverständlich ist ihre Verbreitung im Lande selbst durch die Zensur verboten worden. Ein Kadosch wird zu Grabe getragen. Nicht leicht ist es, das soeben Erlebte niederzuschreiben.. Beklommen sitzt man in seinem Zimmer, die herrliche Wintersonne Erez Jisraels sendet ihre Strahlen durch das gfoße Fe»ste> in Unser Gemach, während man sich ■ bemüht, die frischen Eindrücke und Gefühle zu "Papier zu bringen, "die "'schwer'ätrf dem Herzeh lasten.-Hat man "erst" das Ge'schaüte «iiimal niedergeschriebeiv, sowirdder Druck, den man verspürt^ vielleicht etwä£ leichter empfunden werden. Genaü": sieben;'Tage'"bin ich erst im Lände, fünf Ta,ge davon, in «Jerusalem, und zweimal schon hatte ich die ^Gelegenheit",, ,die hebräischen Tageszeitungen mit-^dem üblicheiiyächwarzen Trauerrand vorzufinden. Ißer Jischü.w' fiiat sich daran „gewöhnt", und so mancl^ieinefxvuberbi^ die Presse nur npjcn^daraufjiinV.'''5b ein schwarzer Rand einen; Namen^u^gibt ^pUrnicht.-; / Geifern abend, ^m Mauzoe Schjibbat, fiel durch arabisch^/ Möräerhänd im r Sabhedria-Viertel/"einem Außenbezirk Jerusalems, der r?22jäh«ge ^Hilfspolizist Schaul Levi, ein jemenitischer Jude; Er ist nur einer; von vielen, die bei den nun scho'ri'bald zwei Jahre'' andauernden mehr öder minder heftigen Unruhen ihr" Leben ließen. Als Freiwilliger tat er in diesem Bezirk seinen Dienst, wie uns scheint« sogar ohne jegliche Bezahlung, nach schwerer Tagesarbeit, Ein blutgieriger Araber hat ihm aufgelauert und tötete das junge Leben hinterrücks. Der Mordbube entkam. Jeder Mord wird in Jeruscholajim durch Maueranschläge noch besonders bekanntgegeben, Die Klebekolonnen ziehen , von Haus zu Haus und von Straße zu Straße, die Trauernachricht ist bereits überall bekanntgeworden. Heute beklagt die jemenitische Gemeinde der heiligen Stadt den Heimgang eines tapferen Sohnes, Auch der Waad Hakehilla gibt seinerseits noch in. besonderen Plakaten von dem Mord Kenntnis. Vom Hadassa-Spital aus findet die Beerdigung statt. Hier habe ich mich pünktlich um zehn Uhr vormittags eingefunden. Schon von weitem vernimmt man fremdartige Töne der Klage, und als ich vor dem Krankenhaus stehe, das schon viele Verwundete und Getötete bei sich beherbergt hat, ist der Höf bereits dicht gefüllt mit Menschen, worunter besonders Angehörige der jemenitischen Gemeinde auffallen. Die Frauen, mit ihrer dunklen Gesichtsfarbe, tragen weiße Tücher auf dem Kopf und schluchzen und klagen derart, daß es einem durch Mark und Bein geht. Ab und zu ertönt ein lautes Aufschreien, um dann wieder in die orientalischen Klagetöne hinüberzuwechseln. Wie Klageweiber aus alter Zeit mutet uns dieses Bild an. In den Hof des Spitals hineinzukommen, ist unmöglich, so dicht gedrängt steht man dort. Draußen auf der Straße stehen Hunderte von Menschen Spalier; und auch hier kann niemand die Tränen zurückhalten, ob Männer oder Frauen. Englische und jüdische Polizei versieht den Ordnungsdienst. Mit den Karabinern wird die Menge auf den ihr vorgeschriebenen Platz zurückgedrängt. Immer mehr Menschen strömen hinzu, Immer schauriger wirdr..die Stimmung. Man. sieht sich einander an, spricht, kein Wort. Irgendjemandhält im Hof des^Krahkenhaüses eine Totenrede. Dann, - spricht^iioch-. ._ein andergp. „Mordtaten aus dem " Hlnteriiait werden uns^ÄichX. zurückschrecken. L^ie^Stelle, wo du letz|j&-*ffacnt gefallen bist, wir^di^s? Nacht von einem anderen, be wacht wer" .._.'. Jetztrsetzt wieder das fürchterirche^ämmern und Schluchzj&n„ein . Die LejLcjbe wirch in^einem einfachen rSarg, überdeckt mit .dem Waü-weißen Tuch^n^jeinen Sonderauföb^-:geschafft.. Mehrere Begleiter, unter ihnen auch " ein Vertreter der Jemenitengemeinde, nehmengleichfalls ini "Wagen :Platz! Eiri Polizeiauto eröffnet;Uäd -beschließt den Trauerzug. Wieder einmal geht-;'.'e^s^ltbläus''''zuni:-_Har Hasetim, wo der Geheiligte seine letzte; Ruhestätte findet. Die Spannung der Menge hat sich etwas gelöst, alles zerstreut sich in "Richtung Jaffastraße, das Leben : geht' seinen normalen Gang weiter. Nür noch die Plakate zeugen -— äußerlich zumindest — von der furchtbaren Tat. — Im Herzen; jedes einzelnen aber, bleibtc'els^halten: Wiederum hat/e i n e r'für uns alle sein Leben geopfert bei der Verteidigung un-, seres geheiligten ■*Landes, für das Wohl vünd die .Zukunft des ^Volkes, Das junge Blut ''$0$ nicht nutzlös vergossen bleiben. Es ruft in die entlegensten Winkel der jüdischen Diaspora: Der Jischuw bleibt auf der Wacht — und ihr, Brüder der Gola,. helft ihm und gebt ihm den Mut und die Kraft dazu. 1 (Aus dem Berliner „Das Jüdische Volk".) Das jüdische Leben in Tel Awiw in Zahlen. Tel Awiw, 17. Febr. Nach einer Aufstellung des misrachistischen Tageblattes „Hazofeh" befinden sich in Tel Awiw 120 Synagogen und Bethäuser, in denen täglich gebetet wird, außer einer großen Reihe von gelegentlichen Minjonim. Genau die Hälfte der beständigen Synagogen und Bethäuser besitzen eigene Grundstücke und Gebäude, Insgesamt weisen diese Synagogen und Bethäuser 36.000 Plätze auf. Diese Synagogen werden täglich von insgesamt ca. 7000 Menschen besucht. Die Sitzplätze in Synagogen weisen am Sabbat eine Frequenz bis zu 70 und 80 Proz. auf. An Festtagen, besonders an den hohen Feiertagen, sind sie alle überfüllt. Die meisten der Synagogen unterhalten Abendlernkurse, die von erwachsenen berufstätigen Menschen aufgesucht, werden. An zwei Plätzen werden Abendkurse auch für Schüler allgemeiner Schulen abgehalten, die in den Schulen keinen genügenden jüdischen Unterricht erhalten. Neue Abendkurse dieser Art sollen demnächst in sechs weiteren Synagogen eingeführt werden. Um diese Schülerkurse machen sich verdient Rabbi Großmann und Herr Lehrer Frankel. In der Synagoge „Schiwath Zion" unterrichtet Rabbiner Dr. Levi Kinder aus Familien, die aus Deutschland eingewandert sind. All diese Unterrichtsstunden werden unentgeltlich erteilt. An verschiedenen Plätzen wurden Jugend g?tftesdienste eingeführt, die selbstverständlich unverfälschte G'ttesdienste sind, nur, daß sie ausschließlich von Jugendlichen geleitet und besucht werden. Zwanzig Armen- und Leihkassen befinden sich in Tel Awiw im Anschluß an die verschiedenen Synagogen. Ueber das soziale Wirken dieser Kassen fehlen Rahlen, weil die Wohlfahrtsarbeit in Tel Awiw noch nicht ~£e1h$r$lisie/rjt ist. Daß viele Hunderte von Menschen diese Kassen^ im .Anspruch nehmen, ist - - — %-* ■ 'i^1— - — - bekannt. Es darf, noch erwähnt Wefelen, daß annähernd 250 Menschen als Funktionäre, im HauptTjefÜre^'-ifi 'den Synagogen und Bethäusern ihre,Existenz haben, Landungshafen in Tel Awiw. T e 1 Awiw, 17. Febr. An der Anlegestelle in Tel Awiw; ist man mit der Herrichtung der nötigen Bauten zur Landung von Passagieren soweit fertig, daß schon, in nächster Zeit der Hafen auch für die Landung ...von Passagieren freigegeben werden kann. Das Zollhaus wie die dazugehörigen anderen Baulichkeiten sind bereits fertig. Es wird bekanntgegeben,; daß Touristen schon zu Ende Februar, Einwanderer erst Mitte März in Tel Awiw werden landen können. Agudas Jisroel-Bewegung, .i'" n . '. •. '•:■■.];. ':. Gäste der A. J.-Frauengruppe Zürich.; Vor Kurzem hatte die hiesige Griippe,; das;Ver^ £nügen, zwei leitende Persönlichkeitende* „Novaj:' in ihrer .Glitte zu haben. Frau Hanria L'i e b e" r*ni:a n'n und Fräu^ Jenni Breuer hatten'■v-'Züri'6h alsihren Treffpunkt bestimmt, um ^den - -weiteren-; Organisator^-, sehen Ausbau der Frauenbewegung ' zu , besprechen. Zürich nützte die günstige Gelegenheit zur . Veranstaltung eines öffentlichen Vortragsabends. Die Grüße, die beide Damen aus allen Weltrichtungen überbrachten, stellten ein inniges Band zwischen den Anwesenden undallen Mitgliedern unserer Bewegung her"; So war die Atmosphäre geschaffen für die interessanten und" eindrucksvollen Aeußerungen von Frau Hanna Liebermann.Nach einigen Einleitungssätzen-erklärte die Referentin, wenn;wir die leden der ' verschiedenen-v-Organisationen .hören, an- •ehmend| daß sie aus" reinem -Herze.n j kommen, müssen wir sagen, daß alle der Wunsch beseelt; dem Judentum zu helfen, die* Gegenwart und Zukunft zu sichern. Aber, wir dürfen, nicht vergessen, wo für andere Völker nationale - und soziale Ideale Endziel Sein können, haben wir Quelle. und Endziel in der Thora. Sj'e ist Plan und: Wegwfeiser des jüdischen Volkes. Vergleichen wir efte jüdische Geschichte, so Wen wir sie als E r f ü 11 e.n des Planes der Thora. Unser Weg: ist vorgezeichnet, aber .yin unserer Hand •liegt die^;-^ahl'-;ypn. Glück oder Mißgeschick. Sa können ilwir#;dutc|i' unsere-;-Taten formend und fördernd am Schjekskl unseres Volkes' wirken. \t-; Die Retere^ih. ^erständ|^es, das^VerantwortungsÄ> gefühl ihre^^ukörerinne.nzu^ wecketat und'zu stärkehV ''•sie pinzuziehen in den Kreis der bewußten Mitbildnerin Unseres" Volkes. Sicher, nur ungern betritt die: jüdis.che Frau die ArenaJ.der PolitiknündliOeffentlieh^: keit,' aber- =im Werdegang» unseres Volkes hat sie im-:- mer; den- Platz ausgefüllt, '■ den die Stunde ihr gebot/ Unsere Heldinnen waren Frauen und Mütter, die in gegebener Stunde ihren Pflichtkreis vergrößerten. Heute muß die Frau an der positiven Lösung der Gesamtheitsaufgabe in der Organisation Gleichgesinnter arbeiten. Hier findet sie Stütze zur sicheren Verwaltung'? des ihr anvertrauten; Pfandes; das jüdische Kind. '-. Die inniget überzeugende- Kraftder Worte von I. Frau Liebermann< ward unterstützt durch ihre Persönlichkeit, die dazu beitrug, die Frau von der geheimen Angst zu befreien, daß sie in der--Klallarbeit' etwas von ihrer ureigensten Frauenwürde einbüße.-. >.;• Mit bereitem Herzen hörten (die Anwesenden die Forderung der Stunde, die Frau B r e u-e r. überbrachte:- dem alleinstehenden;Mädchen, das nach langen schweren Kämpfen-; endlich Erez Jisroel erreicht, ein Heim vorzubereiten*: .das: durch Stellenvermittlung, - Kurse, Krankenversicherung Stütze .und durch verständnisvolles Milieu;;eiäv religiöses Heim in' der Fremde bietet. Alle Anwesenden verpflichteten sichi Beträge für diesen Zweck aufzubringen,:; Wiederauferstehung des „Darkenu". Die orthodox?: hebräische Zeitung „Darkenu", die in Warschau ihr' Erscheinen einstellen mußte, - soH, /wie |JPB; erfährt) dank der Zusammenarbeit von Advokat' Witt e-'ffb e r gv > mit anderen prominenten Märinerri' in Riga zu ,;neüem Leben gelangen. Wie. früher, soll auch1 jetzt die (Wochenschrift den Interessen;des religiösen Judentums dienen und eine Tribüne für die Pröpagienmjg der Agudas Jisroelgedan-; ken'seih.?:'_t -•'' Große Keren Hajischuw-Aktion in Polen. Auch das Direktorium des Keren Hajischuw in Polen hat, wie in anderen Ländern, eine große Adar -Aktion eingeleitet. Das Ziel der Aktion ist, neue 50.000 Mitglieder zu werben, die ihren jährlichen Beitrag für Keren Hajischuw entrichtet, Inj Zusammenhange mit dieser Aktion findet demnächst k eine große^E r e z Israel-Konferenz aller Keren HäjisCnuw-Gruppen in Polen statt, an der auch die Vertreter Erez Israels, Rabbi Mosche Blau und Dr. Isaac Breuer teilnehmen werden. Von der Agudas Jisroel in Amerika. Laut einem Schreiben von Rabb. S i 1 v e r an Rabbi Chaim Oser G r o d z e n«s k i seien in Amerika seit , der letzten Keriessio Gedaulo 200 Rabbirien in die' Agudas Jisroel eingetreten, und sie erklärten sich, , Jiereit, ,die Weltorganisation in Amerika nach Mög-' :y lichUeit zu stärken. , U