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Der Israelit · 1938-02-24 · Heft 8 (24.2.1938) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 8 (24.2.1938)
Date
1938-02-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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brächte, käme beim. Examen nicht so gtfi we^; i wie Ben Chorin bei seinem. Rektor an der Jerusalemer Universität. Ben Chorin sind die talmudischen Quellen über das Purimgeschehen nicht zugänglich, er könnte sonst nicht (Seite 8) von einem .-.Traktat Moed" sprechen, den es natürlich nicht gibt, (in der „Ordnung" Moed gibt es einen Traktat f<M.egilla", in dem das Purimthema behandelt wird}. Andere talmudische Stellen zitiert er nach Rawicz und Anderen. Sogar D. Paulus Kassel, ein Renegat, wird, als Kronzeuge ge gegen die alte Esther-Urkunde, zu einem „rabbi nischen Exegeten" erhoben. Kennt er auch den Talmud nicht, so kennt er dafür die neueste Ausgabe der „Lutherischen Apokryphen" sowie viele liberale protestantische Theologen,; die er alle zu einer Einheitsfront gegen das Estherbuch sammelt. Aber auch talmudische Zitate, aus dritter und vierter Hand, weiß er als „Belege' anzufügen. Diese ganze Kritik ist von der Art, daß man sachlich gar nicht'darauf eingehen kann. Sie ge hört nach Inhalt und Form zu jener Kategorie der nTS> über die man nach alter Vorschrift im Sinne des pjjy bat mit einem Juden in eine Diskussion gar nicht eingehen darf. Eine Bemerkung scheint uns aber in diesem Zusammen hange nicht unwichtig. Ben Chorin beruft sich in seiner Schrift wiederholt auf Dr. Siegmund J a m p e 1 , von dem er sagt, er habe die Frage der Geschichtlichkeit des Esther-Buches (negativ) restlos gelöst. Selbstverständlich wird er auch Jampel nicht gerecht, aber wir dürfen daran erinnern, daß von orthodoxer Seite seiner zeit dem 1907 erschienenen Jampel'schen. Werke „Das Buch Esther" scharf entgegengetreten wurde, vielleicht etwas schärfer, als manchen in unseren eigenen Reihen angebracht schien und lieb war. Heute, nach 30 Jahren, zeigen sich indessen die späten Früchte jener Saat Jampel. dem die Quellen vielleicht eher zugänglich waren, behauptet in jenem Buche, gewisse Amoräer hätten der Esther-Rolle die Qualifikation zur Aufnahme in den Kanon abgesprochen. Den sicheren Beweis für diese ungeheuerliche Behauptungbleibt er uns schuldig, es wird auch übersehen, daß der Talmud an anderer Stelle dem Esther- Buche den Heiligencharakter 'ein er Thorarolle zuschreibt. Und heute, nach drei Jahrzehnten, kommt ein Nachbeter, der den Talmud nicht lesen kann, um mit Zuhilfenahme einer nichtjüdischen und unjüdischen Bibelkritik die Jampel'sche Theorie bis zu einer gröbj, liehen Herausforderung auszubauen! Heute zeigt es sich, wie berechtigt in der Sache jene in der Form vielleicht etwas weniger rücksichtsvolle Kritik war. Wie recht hat doch die Spruchweisheit der Mischna mit der Warnung: .-jjn QD'nnia Yimn D'oari'' mit Hinweis darauf, daß arin« D'-xan D'Ta^nn muni« Dem jungen Autor möchten wir aber raten, sich zunächst in die rabbinischen Quellenschrit-' ten einführen zu lassen und dann etwas mehr Geschichte zu lernen. Bei dem auch in dieser Schrift gezeigten Mut am unrechten Platze, trauen wir ihm auch den Mut zum Umlernen zu, zur Rücknahme dieser Entgleisung und] zur Umkehr zum geistigen Heimatböjden, den er, wie wir aus seinen lyrischen Schriften ersehen, stets mit der Seele gesucht hat. Zum gleichen Tliema schreibt uns Herr Oberrabbiner Dr. Jos. C a r 1 e b a c h : Dieses merkwürdige" Buch, eine s typische Zeitverirrung, beginnt mit den anmaßlichen Worten: „Ich schlage vor^ das Purimfest vom jüdischen Kalender' abzusetzen und das Buch Esther aus dem Kanon der Heiljgen Schriften auszuschließen." - Denn „Fest, und Buch . . . stellen eine Verherrlichung der i; Assimilation, des Muckertums, der hemmungslosen Erfolgsanbeterei dar",,. ,.Es ist nicht diktiert vom Geist der Heiligkeit, sondern es ist ' das hohe Lied der Opportunität". Der Charakter des Buches sei <„penetrant unethisch"! usw. Wir bemerken darauf: Der Prophet Jesajas hat den Begriff geprägt: „Trunken, aber/.nicht vom Weih". Es gibt in der Tat viele Trunkene in unserer Mitte, berauscht vom Gift des'Ressentiments fanatischer Geistesströmung, naiver Himmelsstürmerei. Solch ein Berauschter ist auch der Verfasser dieser Streitschrift, und er weiß nicht mehr zwischen Orur Homon und boruch Mordechai. Denn entscheidend für seinen Vorstoß ist ja nicht die Frage, wie er das Buch auffaßt, sondern wie die jüdische Gemeinschaft seit Jahrtausenden über das Buch und seine Helden dachte. Noch nie hat jemand in unserer Mitte aus dem Buch etwas von Verherrlichung der Assimilation, des Muckertums und der Erfolgsanbeterei herausgelesen, niemals wurden~ unethische Empfindungen bei unseren Gläubigen durch es erweckt. Sondern stets hatten alle, die es lasen, nur die Empfindung von der gnädigen Waltting der Vorsehung, die im bunten Spiel der geschichtlichen Verkettungen doch wachend und schützend das Volk Israel geleitet alle Wesen, selbst eineii Achaschwerosch ' und Haman, in ihren Dienst nimmt. Auch diese sind ein %ei\ von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.; ' Der Verfasser jedoch schieb! der Erzählung und ihren Gestalten' M^M^rüij^rl 'die.' noch iue von einem nüchternen J^uden empfündeh oder am Purim im Herzen gefühlt wurden. Selbstverständlich muß die gesamte sog. wissenschaftliche Garde Eideshelfer für '' seine Auffassung, sein; er betont, daß „das vorurteilslose Herangehen der liberalen protestantischen Theologie an die ethischen und religiösen Probleme des Estherbuches sich besonders schön . . . dokumentiere". Es wäre doch daher richtig,' daß der Verfasser seinen Vorschlag an die Herren Reuß, Erbt, G. Jahn, Siegfried! und Genossen unterbreite, mit denen et'sich in der Gesinnung eins weiß. Wir aber werden aus dem Buche nie etwas anderes-lernen, als was wir ewig .daraus ersehen haben, nämlich daß '^Y liavi rix nin 'Krl Und darüber wird sich die Lilie Jakobsi die „Schoschannat Jaakow", weiterfreüeh in alle Ewigkeit. Wochenrundschau. Wahlen in Jerusalem. — Zwei Denkmäler. — Hilfe für die Juden in Sowjetrußland nicht „erwünscht". — Man spricht wieder von den Falaschas. Die nach vielen Verschiebungen endlich am 7. Februar stattgefundenen Wahlen für die K e n esses I s r a e 1 - K e h i 11 a in Jerusalem, über deren Resultat wir bereits in der jüngsten Nummer berichteten, brachten zu den vielen Ueberraschungen während des Wahlkampfes noch neue hinzu. Von der angeblich so großen Zahl der Wahlberechtigten sind jim ganzen nur etwas über 9000 Wähler an die Urnej gegangen. Stimmt es, daß die Wahlbeteiligung 29. Proz. ausmachte, so ergibt sich daraus, daß die Zahl '.der Mitglieder nicht sehr groß und das Interesse innerhalb dieser Mitglieder für die Kehilla noch weniger groß ist.; (Dominierend bleibt, bei dieser Indolenz der Wähler, in der Kehillaverwaltung die Histadruth. die mit einigen ihr angehörenden kleineren Gruppen von den?31 Mandaten zehn inne hat. Da die restliche^ 21: Mandate sich auf widerstreitende Gruppen verteilen,, so' werden diese in keinem Falle dem Histadruthblock ein Gegengewicht zu bieten vermögen. Gegenüber, den Revisionisten mit j,hren sieben Mandaten stehen M i s r a c h i und Poel Hamisrachi mit sechs Mandaten. Wenig in Erscheinung werden die Allgemeinen Zionisten Gruppe A mit ihren zwei Mandaten treten, während der „Deutsche Block" und die' Sefardim mit je drei Mandaten, ebenso die Frauenorganisation mit zwei Sitzen über ihre speziellen Interessen hinaus, d. h. die wirtschaftlichen Interessen der Ole Germania bezw. der Sefardim und die der Frauen, in nationalpolitischer oder religiöser Beziehung auf kein Programm festgelegt sind und ihren Mitgliedern in solchen Dingen nach Anschauung und Einstellung, volle Beschlußfreiheit lasgen. Daß bei einer solchen Zersplitterung eine gedeihliche Arbeit herauskpnimen kann, ist nicht anzunehmen. Offensichtlich rächt sich hier ein von der Kenes,ses Israel beliebtes System, auf das wir oft genug. hingewiesen haben. .;, Wenn zwei das gleiche tun, so muß es auch in der äußeren Form nicht das gleiche sein. Jüdische Pioniere, Helden der Gegenwartsgeschichte, Märtyrer des Aufbaues, haben in Erez Israel ihr junges Leben im Dienste für1 die Heimat, für uns gelassen..) Was liegt näher, als daß' man ihnen eben, auf diesem heiligen Boden ehr -Denkmal errichtet? . Wie;macht man das aber? Darauf kommt es eben an. _ ob wir •Juden, die in Ausübung ihrer jüdischen Pflicht gefallen sind, als Juden ein Denkmal setzen oder ihr Andenken durch Verletzung eines Gebotes verunglimpfen.; . 1 „ ' . . In Petach T ilf'w a1; haben die Pöale Agudas Jisroel mit1 dem Schreiben einer Thorarolle zum 'Andenken 'an die gefallenen Chawerim begonnen; undbei* der Eröffnungsfeier.' sprachen prominente undgelehrte Männer über den1 Zusammenhang von Thorä, Land und Israel. f Zur gleichen Zeit1 pflanzten in Kirj ath Anawim, dessen Boden das Blut von fünf jungen Märtyrern vor einigen Wochen aufgenommen hat Histadruthleute mit Hilfe des Nationalfönds einen Wald zu Ehren der Märtyrer — im sieben t eh Jahre, da nicht nur .Neupflanzung, sondern sogar die Bebauung des schon von früher her angepflanzten Bodens verboten ist. Glauben diese Kreise» das Schmittogesetz unter den heutigen Umständen nicht halten zu können, so mögen sie sich vielleicht dabei auf gewisse Notwendigkeiten berufen, wodurch aber der heilige Idealismus der Wenigen, die trotz allem und allem auch heute das Schmittogesetz streng halten, erst in das rechte, höhere Licht gerückt wird. Welche Lebensnotwendigkeit zwingt aber, mit Neupflanzungen in diesem Jahre die Gesetze und die Empfindungen aller, die zum Gesetze halten, so gröblich zu verletzen und nicht zuletzt das s Andenken derer, die man damit angeblich ehren will, zu schmähen? Auch in Kirjath Anawim wurden am 15. Schwat hochtrabende Reden gehalten über die Bedeutung dieses Datums für den Palästinaboden, Rabbinen und Schriftgelehrte waren nicht dabei. Aber prominente Rabbinen unterzeichnen hie und da Wahlaufrufe des Waad Leumi und Sammelappelle des Keren KajeL meth. Werden sie den Herren nicht gelegentlich aucheinmal sagen, wie sie . über diese Herausforderung denken? Aus New York wird uns unter dem 7. Februar berichtet: Der Vertreter des American Joint D i s £ribütion Committee in S o w j e t r u ß 1 a n .d , Dr. Josef Rosen, erklärt in einem im „New Yorker Tog" veröffentlichten Interview, daß der Joint beschlossen habe, seine Arbeit in Sowjetrußland' einzustellen. Die jüdischen Kolonien in Rußland erhielten sich selber, die jüdischen Fabriken und Werkstätten seien ein Bestandteil der allgemeinen-Volkswirtschaft, so daß kein Feld der Tätigkeit für den Joint mehr vorhanden sei. Was Biro- Bidschan betrifft, so wünsche die russische Regierung keinerlei j ü d i s c h e E i n w a n.d e r r u-n g von Lä n d ern,außerhalb Rußla n d.s'. Dr. Rosen sagte zum Schlüsse, daß er 'demnächst nach Madagaskar und N. e u - K a1 e d o'n i e n gehen werde,..um im. Auftrag deS Joint' dort' Möglichkeiten der* iiüdisfete'n:. Einwarideru^g-.;iuerforschen. Dieser Bericht gehört zu den' vielen .Mysterien, 'die aus und über S ö w j e t - R u ßTa n'd Zutuns gelangen. Daß dort eine H#fsarbeit des Joint nicht gewünscht wird, ist noch länge kein Beweis dafür, daß diese Arbeit in Sowjet-Rußland überflüssig wäre. Die Angabe, daß die jüdischen Fabriken und Werkstätten ein Bestandteil der allgemeinen Volkswirtschaftseien, bestätigt nur das Urteil eines Rußlandkenners, das in den Worten gipfelt: „Eine Judenfrage gibt es in Rußland nicht. Alle Bürger, auch die Juden, ha-, bei» dort das gleiche Recht, "zu v e r h u*n g e r li, wenn sie sich nicht mit den Schwielen an den Händen als ,(produktive Arbeiter',' ausweise^". Es.mutet, auch nicht mehr neu an, daß »eine Neueinwanderueg nach Biro.-Bi/Jsc.han njc.ht erwünscht i s t. Wie es aber sonst in, Biro-Bidschan aussieht,, weiß uns. Herr Dr. Rosen nicht zu berichten. Viel*5! leicht wäre,zur Zeit eine Studienreise dorthin :noch etwas wichtiger, als nach ' M a d a g a s k a r,:!oder Neukaledonien, WO, wie es den Ans ehern hat," nqch alle Voraussetzungen fjir ein neües Garathge-. biet fehlen. . .. . .).,. i

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