Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1938)
- Date
- 1938-02-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2451012-2451020--83556-2541564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
i^wv^aTw^w^M^y*^^^ t** l 3^ ^V-* ' J Frankfurt a« M. 24. Februar 1938 23. Adar I 5698 Nummer 8 JÜDISCHER PASSAGIERHAFEN IN TEL AWIW. Jerusalem, 22. Febr. Obgleich noch für mehrere Wochen bis zur Vollendung der technischen Arrangements der Zugang zum Tel Awiwer Hafen verboten worden ist. findet . die Einweihungsfeierlichkeit dennoch am Mittwoch statt. Auf Ersuchen des High Commissiöners wird jedoch eine gewissermaßen symbolische Landung von 12 Passagieren :von dem Dampfer ,,'Har Zion", der zwischen Konstanza und Palästina verkehrt, stattfinden. Die „Har ^Zion" wird von Kapitän Hirschfeld kommandiert. Offiziere und Mannschaften sind zumeist Juden. Bei der Ankunft in Tel Awiw wird eine Begrüßungsfeier stattfinden. Die Stadt Tei Awiw wird den Tag als Festtag begehen und die Schulen sind geschlossen. Eine Delegation der Agudas Jisroel beim neuen High Commissioner. London, 18. Febr. Der neue Hochkommissar von Palästina, Sir Harold Mc. Michael, der nächste Woche die Ausreise nach Palästina antritt, empfing die Herren Jacob Rosenheim und H. A. Goodman, die ihm die guten Wünsche der „Agudas Jisroel" zur U ebernahm e seiner verantwortlichen Punktionen zum Ausdruck brachten. Der Wechsel im englischen Außenministerium. ' •. London, 23. Febr. .i Der Rücktritt des Außenministers Eden wird, wie versichert wird, auf die Palästinapoli-- iik der englischen Regierung keinen Einfluß ausüben. Der Kolonienminister Ormsby- Gore bleibt auf seinem Posten, so daß ein Kurswechsel bezüglich der gefaßten oder neu zu fassenden Palästinapläne nicht zu erwarten ist. Wenige Tage vor seinem Rücktritt! am Dienstag, erklärte Mr. Eden im Unterhause auf eine Anfrage des Abg. Davis, er sei in weitere Verbindungen mit den maßgebenden Stellen in Rumänien hinsichtlich der die Minoritäten, auch die Juden, betreffenden Fragen getreten. Aus - führliche Auskünfte konnte er im Augenblicke über diese Angelegenheit nicht geben! Die neue rumänische Verfassung. . Bukarest, 21. Febr. Der Entwurf der neuen rumänischen Verfassung, die am Donnerstag zur Volksabstimmung gestellt wird, bestimmt Gleichheit aller rumänischen Bürger vor dem Gesetze ohne Unterschied ihrer ethnischen Abstammung oder ihrer Religion. Der Geistlichkeit ohne Unterschied der Konfession ist es nicht gestattet, ihre geistliche Autorität in den Dienst politischer Propaganda zu stellen. Es wird absolute Gewissensfreiheit zugesichert. Der Staat garantiert allen Konfessionen gleiche Freiheit und Schutz ihrer Kultausübung, soweit diese nicht der öffentlichen Ordnung oder den guten Sitten widerspricht. Oeffentliche Aemter können nur von rumänischen Bürgern bekleidet werden. Die Fremden genießen in Rumänien den gesetzlichen Schutz betr. Person und Eigentum im Allgemeinen. Das Parlament wird auf korporativer Basis aufgebaut. Verordnung der österreichischen Regierung. Wien, 21. Febr. Die Regierung hat heute Abend eine Verordnung erlassen, durch die für die Dauer von vier Wochen alle öffentlichen Versammlungen und Umzüge verboten werden. Lediglich für die dem Kanzler von Schus.chnigg unterstehenden politischen Organisationen der Vaterländischen Front gilt das Verbot nicht. Eine typische Man soll private Entgleisungen nicht unnütz aufbauschen und in einer ernsten Zeit voll schwerer Problematik für die jüdische Gemeinschaft nicht aus jedem Unsinn in Druckerschwärze neue „Affären" machen. Die uns vorliegende Schrift von Schalom Ben Chorin*) stellt aber eine so typische Zeitverirrung dar, daß einige Bemerkungen an dieser Stelle durchaus gerechtfertigt erscheinen. Es ist doch geradezu unglaublich, was in einem bestimmten Kulturmilieu des neuen Palästina heute junge Menschen sich alles erlauben dürfen — auf Kosten der Tradition, auf Kosten des Volksempfindens, auf Kosjtfen der Thora. Ist denn unsere Bibel, übersetzt in hundert* tausend Sprachen und heiliggehalten von allen Nationen der Welt, ein „offener Garten", in den jeder einbrechen darf, um nach Herzenslust zarte Pflanzen zu zertreten und köstliche Früchte zu vernichten? In diesem Kreise glaubt man es. Hugo Bergmann, der erste Mann auf der Höhe des Skopus, der auch ,dieser Schrift ein empfehlendes Vorwort widmet, gibt seinen Segen dazu. Er sieht in der Veröffentlichung, von der er nur bedauert, daß sie nicht hebräisch geschrieben ist, ein „großes Verdienst um die jüdische Religiosität." Heiligenschändung im ..Kritik des Estherbuches", eine theologische Streitschrift von Schalom Ben Chorin. 1938 . Heatid" Salingre & Co , Jerusalem. Dienste der Religiosität!, das ist das Novum an dieser neuen Strömung. Die Assimilation, westlicher wie östlicher Prägung, kritisierte, „korrigierte", machte Abstriche, mit der zugegebenen .' Absicht, Religion zu mindern, den Heiligenschleier den letzten Dingen zu entreißen, die Modernen vollführen ihr Zerstörungswerk, um, wie Bergmann meint und Ben Chorin sieh von ihm einreden läßt, „der jüdischen Religiosität zu diene n." Ben Chorin hat sich durch ehrlich empfundene und gut gefeilte Verse in der jüdischen Welt als Dichter eingeführt. Die Intuition für biblische und historische Motive geht ihm völJ lig ab. Da hat schon der alte Grillparze r, der nichtjüdische Dichter, der so überaus liebevoll das Estherbuch dramatisiert hat, die Sache besser verstanden. Bei einem Funken von Geschichtskenntnis und Geschichtsempfindung hätte Ben Chorin den Makkabäerahn Mattat h i a s nicht gegen Mordechai ausspielen können. Mattathias feuert die auf eigenem Boden um ihre nationale Existenz verzweifelt ringenden Helden an. Mordechai dagegen fällt die Aufgabe zu, in der persischen Diaspora schwere Gefahren von seinen Brüdern abzuwenden. Wie sollte sich auch der Schutzjude des Galuth, der „Stadlan", der gleichen Methoden bedienen können, wie der Heldenvater von Modin? Ein Schüler, der in seinem Aufsatze diese beiden Männer und Zeitperiöden in eine Parallele